Tagebuch von Luise Speck. Jeypore, Indien, 1913-1914.
("Baustelle" ! Noch sehr viel mehr Material zu "übersetzen". Bitten um Hilfe.)
(In Jeypore auf der Missionsstation)
5. September 1913 (Jeypore)
"Baby schlimme Augen seit etwa 8 Tagen ......... seit 14 Tagen Husten u. .......... Fängt an, ein wenig weiter zu krabbeln. Im Juli reichlich 14 Tage Malaria. In Koraput 2 Zähnchen bekommen, Anfang August. Fing dann auch an im Bade auf ihren Füsschen stehen zu wollen und zu marschieren. Nach 3 Wochen folgte Baby, wenn der Papa ein Taschentuch hin und her hält. Mit 5 Wochen fing sie an zu laufen, wenn man mit ihr spielte. Nach 10 -11 Wochen merkte sie, dass sie 2 Händchen hatte und ......... sie ....... Spielte dann bald mit einem Handtuch und .......... Klöterbüchse. Nach 3½ Monat zog sie sich mit Vorliebe die Decke über den Kopf. Wenn sie auf dem Arm lag, versucht sie den Kopf aufzurichten, ebenso wenn sie auf der Matte lag. In Koraput Ende Juli zog sie sich an einer Uhrkette ganz in sitzende Stellung. Sass von der Zeit an auch auf dem Arm. Seitdem sie die kranken Augen hat, liegt sie zum Schlafen immer auf dem Gesicht. Nach dem 8. Monat hatte sie 6 Zähne und richtete sich selbst im Bett auf. Seit 10 Monaten spielte sie "Backe, backe, Kuchen" und zeigte: "Wie gross bist Du". Mit 1 Jahr bekam sie weiter 6 Zähne und fing, als sie 1 Jahr und 1 Woche alt war, an selbstständig zu gehen. Machte dann, als der erste Schritt gewagt war, schnelle Fortschritte." (e.a.)
9. Juli 1914 (Jeypore)
"Marie Liesel zeigt grosse Freude und Interesse an allen aufkommenden Pflanzen. Einen nach den anderen holt sie heran, bis sie alle mit ihr niederhocken und sich mit ihr freuen, indem sie über alle Pflanzen hinzeigt, bald hier bald da. Heute versuchte sie das Klöppeln und auch Nadeln einstecken nachzumachen. An einem Rosenstrauch stand sie gestern in grosser Überlegung. Als sie dann von keiner Seite an die Rosen herankonnte, nahm sie die Blumen, die sie vorher Schwester Hermine anvertraut, ihrer Mama und Schwester Herm mit, ihr zu helfen, die Rosen zu bekommen. Sie fängt mehr an zu sprechen: Polao, polao, polaila (pollaila heisst auf Oriya "weggegangen"), Baby, sind Wörter, die sie in den letzten Tagen hinzugelernt hat. Auf Tante Herminens Medizinschrank sitzen und Pillen auszugeben, ist eine grosse Freude. Auch Bilder sehen liebt sie sehr." (e.a.)
Siehe auch: Auszüge von Briefen unserer Mutter an Vater im engl. Kriegsgefangenenlager Ahmednagar (Dez.1914 bis 1916)
"Als Kriegsgefangene kamen wir am 5. Dezember hier an, nachdem wir am 1. XII. von
Jeypore abgefahren waren. Am Samstag 13. XII. kamen die letzten
Geschwister aus Kotapad und Nowrangapur. Montag 14.12. mussten die
ersten Herren fort und Freitag 12.12. auch unser Vater mit 7 anderen. Ob nach
Ahmednagar ? Nur unsere 4 Seniormissionare: Timmcke,
Gloyer,
Schulze, Leuckfeld sind mit uns Frauen und Kindern hiergeblieben.
Was wird die Zukunft nun weiter bringen? Gestern 11.12. kam wieder ein Brief von
Herrn Pastor Bracker. Viel Verlangen nach Gottes Wort im lieben deutschen
Vaterlande. Könnte man diese Zeit dort miterleben.
Marie Liesel fühlt sich recht wohl. Sie wiegt 23½ englische Pfund und
spricht gern alles nach. "Vater (papa) Bandy polaila" weinte sie als der Vater
fort war. Was das bedeutet, dass der Vater in Kriegsgefangenenschaft ist, sie
weiss es noch nicht, und wohl der unbewussten, glücklichen Jugend. 24 Kinder sind
im ganzen hier von der Mission." (e.a.)
3. Januar 1915 (Waltair) "Weihnachten und Neujahr liegen hinter uns. Am 27.12. kam der erste Brief von Hinrich, geschrieben am 27. nachdem sie tags vorher in Ahmednagar angekommen waren. Einmal wöchentlich dürfen die Kriegsgefangenen einen englischen Brief schreiben und wie es heisst, einmal im Monat einen deutschen. Marie Liesel hat es gelernt, dass Vater in Ahmednagar ist, aber nicht immer ist sie damit einverstanden. Mitunter fragt sie: "Ahmednagar nein, Hause gangen!" Sie will jetzt gern das Lied: "Ihr Kinderlein kommet" singen. Aber weiter als: "Kinderlein, ihr Kinderlein, alle Kinder kommt", kommt sie noch nicht. Ein grosser Spass war es ihr, in den weihnachtstagen mit den anderen Kindern zu gehen, die mit Lampions umhergingen und sangen: "Laterne, Laterne, Sonne Mond und Strene. Brenne auf mein Licht, brenne auf mein Licht, aber meine Laterne nicht. Meine Laterne ist so schön, ich kann damit spazieren gehn, in den grünen Wald, wo das Echo schallt und die Büchse knallt." Davon sang Marie Liesel nur "Laterne, Laterne, Laterne." Am Heiligen Abend hatten wir eine gemeinsame Feier im grossen Zimmer im grossen Haus mit nachfolgender Geschenkverteilung für die Kinder von Missionar D. Prazer und Miss. Blackedear durch Herrn und Frau Timmcke, da die englischen Damen keine Erlaubnis bekamen zum Kommen. Nachdem unsere kleine Hausfeier beendet war, bei der Marie Liesel immer kräftig mitsang, lief sie immer wieder um unseren Baum, erst musste die Mutter verschiedentlich mit, der sie alle ein ........ Sachen zeigte und dann Tante Hewig Sibbers. Wieviel schöner wäre alles gewesen, wenn der Vater mit uns hätte feiern können. Am 1. Feiertag veranstalteten Fräulein (Anna) Asmussen, Ilse von Wedel eine gemeinsame Feier im "Fisch"-Bungalow zu der Miss. D. Prazer, Mr. und Mrs. Lazarus und Miss Sandford gekommen waren. Frl. (Anna) Asmussen, als Engel verkleidet, deklamierte ein Gedicht und teilte dann an Gross und Klein Geschenke mit passenden Versen aus. Zwischendurch sangen alle Weihnachtslieder und nachher machte Ilse von Wedel mit den Kindern Kreissspiele. Sylvester Abend wollten wir unsern Baum noch mal anzünden, aber während Marianne Weber damit beschäftigt war, fingen die Nadeln des Besuarinenbaumes Feuer und schnell stand ein Teil des trockenen Baumes in Flammen. Sogar die Reepers des Daches hatten schon Feuer gefangen und musste das mit einem nassen Lappen am langen Stock vom Koch wieder gelöscht werden. Der Baum wurde schnell herausgeschafft und sind sogar die meisten Weihnachtssachen verschont geblieben. Uns war es eine Ermahnung vom Herrn: "In wieviel Not hat nicht der gnädige Gott über uns Flügel gebreitet. In Deinem Schutze durften wir das Jahr beschliessen und das neue anfangen." Am Neujahrsmorgen feierten wir gemeinsam das Heilige Abendmahl. Am 3.1. wurde ein kleiner Rössing geboren: Victor." (e.a.)
Fisch-Bungalow: "alle lebten dort vorübergehend in Art Sammellager Waltair in englischen freiwerdenden Offiziers-Bungalows; so: das „Fisch“. (e.s.)
Luises Tagebuch wurde weitergeführt bis 1. März 1916, Waltair und Kodaikanal. Reinschrift in Arbeit. Wer hilft mit ?!
Weiter: Auszüge von Briefen unserer Mutter an Vater im engl. Kriegsgefangenenlager Ahmednagar
1. WK. H.S. in Ahmednagar; L.S. und deren Kinder M.L.S. und R.S. in Waltair in Gefangenschaft. "1914 wurden alle deutschen Missionare mit ihren Frauen und Kindern aus dem Jeypurgebiet im Dezember 1914 nach Waltair an die Küste hinuntergebracht. Dort sind sie sortiert worden, so dass bald die Männer außer den erwähnten nach Ahmednagar Lager kamen und die Frauen und wenige Männer nach Kodaikanal."
Es geht weiter in "Auszüge von Briefen unserer Mutter an Vater im engl. Kriegsgefangenenlager Ahmednagar in Indien (Bez. Madras) aus den Jahren 1914-1916 (von Vater in Ahmednagar aufgeschieben)." (M.L.Arlt) Anm.: Ahmednagar liegt bei Bombay/Mumbai an der Westküste Indiens. Allerdings kam der erste Brief Hinrichs nach der Trennung von Fort St. George in Madras (Ostküste).
(e.a.)