"Raus nach Indien"
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1936 Reimer Speck: Ausreise nach Indien - im Schleswig-Holsteinisches Sonntagsblatt :
Missionsdienst in der dritten Generation von Missionar Reimer Speck
Wenn jemand sich entschließt, Missionar zu werden, so bedeutet das gewöhnlich, dass er damit heraustritt aus der Tradition seiner Familie. Das ist mit mir nun gerade umgekehrt. Wenn ich jetzt hinausfahre, so setze ich nur die Tradition fort und trete ein Erbe an, das drei Generationen zurückreicht.
Es sind gewiß nur ganz wenige Leser des Missionsblattes, vielleicht nur Angehörige unsrer Familie, die noch etwas von meinem Großonkel, dem Missionar Siem Thiessen Speck, wissen. Bei ihm nahm unsre missionarische Tradition den Anfang. Er hatte ursprünglich nicht daran gedacht, Missionar zu werden, sich auch wohl nicht sonderlich viel Gedanken über seinen Glauben gemacht. Aber eines Tages als er mit seinen Kameraden fröhlich war, fiel ihm das Wort ein: „Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit.“ Das Wort muß nach den Berichten, die ich darüber erlangen konnte, mit einer plötzlichen starken Gewalt über ihn gekommen sein, denn mitten aus dem Fest ging er hinaus, sattelte sein Pferd und ritt nach Haus. Er meldete sich in Barmen für die Missionsschule und wurde dort ausgebildet. Kurz bevor er (1872) hinausgeschickt wurde, starb er an Typhus.
Als mein Vater geboren wurde, trug er an seinem Körper hellbraune Flecken. Großmutter (Christine Speck aus Sarzbüttel) fragte sich, ob das ein Zeichen Gottes sei, dass dieser ihr kleiner Junge das unbegonnene Werk seines Onkels bei den braunen Menschen fortführen solle, und gab ihm darum dessen Namen: Siem Thiessen Speck (im weiteren STS). Ich glaube nicht, dass Großmutter in den Flecken ein eindeutiges Zeichen sah für ihren Sohn, denn sie hat nach den Berichten ihn nie gedrängt, in eine Missionsschule einzutreten, ihm aber wohl den Weg dazu geebnet, indem sie ihn auf das Gymnasium in Meldorf schickte.
Schulmedaille für "fleisssige Schüler" der Meldorfer "Gelehrtenschule". (e.a.)
Während Vater als Obersekundaner auf Ferien zu Hause war, entschloß er sich, nach Breklum zu gehen aufs Missionsseminar. Dieser Schritt wurde wohl dadurch angeregt, dass Onkel Hinrich, Vaters Bruder, sich als Soldat von Berlin aus in Breklum meldete für die Ausbildung als Missionar. Von da an mag die Mission auch Vater viel beschäftigt haben. Solche Gedanken haben dann wohl den Traum ausgelöst, auf Grund dessen er sich entschloß, Missionar zu werden. Gleich am Morgen nach dem Traum erzählte er Großmutter davon, denn er meinte, er solle diesen Entschluß nicht erst verheimlichen, sonst würde er langsam wieder verblassen vor den vielen Gedanken. Zwei Tage darauf hat er sich in Breklum gemeldet.
1903 wurde er (STS) dann als zweiundzwanzigjähriger Mann hinaus gesandt und hat (in Nowrangapur) gearbeitet bis kurz vor dem Krieg. Sein Tod 1921 hat ihn die Arbeit nicht wieder aufnehmen lassen. Sie kommt jetzt gewissermaßen als ein verwaistes Familienerbe auf mich.
Mein Ziel war von der Oberprima her das Pfarramt hier in der Heimat. Nur im Hintergrund stand der Gedanke an die Mission. Aber nach den ersten Semestern bewegte mich der Missionsgedanke sehr stark. Ohne mir ganz klar zu sein über meinen Weg, ging ich zu Direktor Piening und sagte ihm, wenn er und der Vorstand mich einmal haben wollten als Missionar, so sei ich bereit, später nach vollendetem Studium hinauszugehen. Im übrigen wollte ich warten, ob man mich rufen würde, denn nach lutherischer Lehre ist ja der zum Amt berufen, den man, die Gemeinde oder in ihrem Namen der Vorstand ruft. Bis dahin wollte ich mich für das Amt in der Heimat rüsten.
Ich habe auch schlecht und recht mein Studium zu Ende geführt, hatte freilich dabei immer eine Neigung für die Universitäten, die möglichst weit weg lagen, aber dennoch einen guten Namen hatten, wie Zürich und Königsberg. Aber auch das gute Erlangen habe ich nicht verschmäht, wie es sich für jeden schleswig-holsteinischen Lutheraner ziemt. Das entscheidende ist aber doch für mich das Studium und Leben in Bethel gewesen. Da wurde die Grundrichtung gelegt, die sich dann später immer mehr ausprägte. Die beiden letzten Semester in Kiel waren ausgesprochene Examenssemester. Man gehörte schon zu den Alten, die Universität verlor an Bedeutung, dafür brannte die Schriebtischlampe länger, man sah immer ein wenig blasser und magerer aus als die Jungen.
Nach dem letzten Semester kurz vor dem Examen rief mich dann die Mission zum Dienst in Indien. Ich folge diesem Ruf im Glauben, dass Gott diesen Weg rechtfertigen wird auch mit allen Fehlentscheidungen um Jesu Christi Willen. Meine beiden Examen habe ich ordnungsgemäß erledigt und bin am 26. Oktober ordiniert worden. Der 29. Dezember war der Tag der Abordnung, und am 3.1.1936 fuhr ich von Bremen ab mit der „Gneisenau“, die ihre Jungfernfahrt macht. Meine Braut, Eliene Tonnesen aus Altona, will im Herbst 1936 nachkommen. Wir beginnen draußen unsre Arbeit in Kot(a)pad bei Missionar Gloyer und Meyer und wollen unsre Kraft einsetzen im Dienste des Herrn, dem die Völker untertan sind, dass Er sie befreie aus Sünde und Unglauben und selig mache. (e.s.)
(Abschrift, Hervorhebungen, Einfügungen E. Speck Jan. 2011)
(e.s.)
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