Aus Briefen An M.L.A 1939-1947

Russland, 1943.  (Seite 2) Jetzt scheint es bei uns wohl endgültig Winter werden zu wollen. Wir haben Schnee und Frost, der jetzt schon 2 Tage anhält. Bald ist der Sumpf soweit zugefroren, dass er passierbar wird. Ein Gutes hat der Frost: er nimmt uns unsere Sorgen mit dem Wasser. Vor einigen Abenden drohte mein Bunker wegzuschwimmen bei Tauwetter und zudem fing er noch an zu brennen. Doch es klappte. Kalt ist es natürlich nachts etwas, wenn das Wasser unten steigt. Doch dann wachte ich nachts immer auf, um die Posten zu kontrollieren. Nachher .... ich erstmal anständig, bevor ich mich wieder aufs Ohr lege. Das Schlafen geschieht hier ja immer ratenweise. Immer kommt etwas dazwischen, so dass man an leichten Schlaf gewöhnt wird. Doch noch können wir ganz ruhig sein, haben ja ein Dach über dem Kopf und einen warmen Bunker. Ein nettes Erlebnis hat unsere Kompanie diese Tage: Eine Katze schleicht seit etwa einer Woche durch die Stellungen, besucht alle Bunker und Postenstände. Jede Nacht sucht sie sich einen andren Bunker zum Schlafen aus, kratzt an der Tür und miaut, bis sie eingelassen wird. Natürlich wird sie dann gefüttert und dann ärgern wir sie, bis alles Schlafen geht und die Katze sich zu einem hinlegt. Bei mir hat sie schon 2 Nächte zugebracht, ist aber nirgends zu halten. Ein Posten sagte mir, eines Nachts sei sie aus dem Niemandsland herübergekommen, wahrscheinlich vom Russen. So ist das Tier im ganzen Abschnitt bekannt bei Freund und Feind und ist überall ein gern gesehener Gast. So, nun will ich schliessen. Lass Dich herzlichst grüssen von Deinem (KWS). Die Päckchenmarke wird sicher zu spät kommen, doch ist es dann ja gleich.


(e.a.)


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