Als der Beat nach Steinburg kam

Geschichte und Geschichten von Edgar Meier

Am Anfang waren ein paar Pilzköpfe ..

Der 17. August 1960 ist ein Tag, der in die Musikgeschichte eingegangen ist. An diesem Tag trat im Hamburger „Indra Club“ eine Band auf, die fast ein Jahrzehnt lang zur schöpferischsten Kraft auf dem Sektor der populären Musik wurde. Ihr Name: The Beatles. Zum Liverpooler Ensemble gehörten damals John Lennon (Gesang/Gitarre), Paul McCartney (Gesang/Bassgitarre), George Harrison (Gitarre/Gesang), Stuart Sutcliffe (Gitarre) und Pete Best (Schlagzeug)1. Bis zum 16. Oktober 1960 spielten sie dort jeden Tag bis zu acht Stunden lang. Danach siedelten sie musikalisch gesehen in den „Kaiserkeller2 um, der wie der „Indra Club“ Bruno Koschmieder gehörte. Im Dezember des gleichen Jahres wechselten die Beatles in den größten Hamburger Club, in das „Top Ten3 auf der Hamburger Reeperbahn. Doch dieses Gastspiel war nur von kurzer Dauer, denn George Harrison, der keine Arbeitsgenehmigung hatte, musste Hamburg verlassen4.

Zunächst spielten The Beatles in England weiter, kehrten aber im April 1961 nach Hamburg zurück und wurden bis Juni 1961 für das „Top Ten“ verpflichtet5. Im Juni 1961 verließ Stuart Sutcliffe die Beatles6. Vom 13. April 1962 bis zum 3. Juni 1962 traten The Beatles allabendlich im Hamburger „Star-Club“ auf7. Am 17. August 19628 gab Pete Best sein letztes Konzert mit den Beatles und schied aus der Formation aus. Best wurde durch Ringo Starr (Schlagzeug/Gesang) ersetzt (18.8.1962)9, der bis dahin für Rory Storm & The Hurricanes 10 trommelte. In der neuen Besetzung Lennon, McCartney, Harrison und Starr wurden The Beatles wiederum für den „Star-Club“ verpflichtet. Diesmal für die Zeit vom 1. bis 14. November 1962 (während des Engagements traten sie dort jeden Abend auf) und vom 18. bis 31. Dezember 196211.

Insbesondere The Beatles waren es, die den Musikgeschmack der Jugendlichen mit Beginn der 1960er Jahre bestimmten12. In England, Deutschland oder Dänemark schossen in ihrem Gefolge Beat-Gruppen aus dem Boden. Nur wenige, wie zum Beispiel The Rolling Stones, The Who oder The Kinks, waren ähnlich erfolgreich wie sie. Der Begeisterung um die neue populäre Musik tat das aber keinen Abbruch. Die Jugend traf sich, ganz zum Leidwesen der damaligen Elterngeneration, in den Beatschuppen oder in den Beatkellern und hörte sich an, was zwischen Liverpool, London, Hamburg oder Kopenhagen produziert wurde. Kaum eine Party, kaum ein Plattensammlung in den Jugendzimmern, verzichtete auf die Musik der Beatles.

Da die Beatles ihre Heimatstadt Liverpool in den Augen der Jugend zur Hauptstadt des Beat gemacht hatten, hatten es die Gruppen aus dieser Stadt leichter als andere, sich bei den Fans durchzusetzen. Darunter litten insbesondere Gruppen mit deutscher Besetzung, von denen The Rattles (Hamburg), The Lords (Berlin) und The German Bonds (Hamburg) noch am erfolgreichsten waren.

Das Markenzeichen der Beatles waren neben ihrer Musik ihre Frisuren. Anfänglich noch mit gescheiteltem Haarschnitt auftretend, kam zwischen April und Juni 1961 die Wende, wurde eine Haarmode kreiert, die von großen Teilen der damaligen Generation kopiert wurde: der Pilzkopf. Diese Frisur hat zweifelsohne die Haarmode einer ganzen Generation bestimmt und ein Selbstwertgefühl geschaffen, das sich erheblich von dem der Elterngeneration unterschieden hat.13. Viele Eltern erkannten ihre Kinder plötzlich nicht mehr, wollten es nicht wahrhaben, dass sich ihr Nachwuchs in eine Richtung veränderte, mit der sie selbst nichts zu tun haben wollte. Der Spruch von der rebellischen Jugend machte mehr und mehr die Runde.

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Wie überall, so ging auch am Kreis Steinburg die Ära des Beat14 nicht spurlos vorbei. Das heißt, auch hier gab es Musiker, Tanzbegeisterte oder ganz einfach Menschen, die sich für diese Art von Musik begeistern konnten, die von den Beatles, Tony Sheridan, Lee Curtis oder Garry & The Pacemakers intoniert wurde. Wie an anderen Orten, so bedienten sich auch die Steinburger Gruppen der Titel, die von ihren Vorbildern bereits zu Hits gemacht worden sind.   --  Der nachfolgende Bericht soll die Zeit festhalten, als der Beat nach Steinburg kam und die hier ansässige Jugend in seinen Bann zog, das Freizeitverhalten mitbestimmte.

Der Verfasser hat mit Zeitzeugen gesprochen, hat Presseartikel aus der damaligen Zeit gesichtet, hat Teile der einschlägigen Literatur herangezogen, um ein möglichst authentisches Bild aus dieser Zeit zu zeichnen.

Eine lückenlose Chronologie der Ereignisse um die Beratmusik in Steinburg wiederzugeben, vermag der Autor nicht. Dazu ist die Thematik zu umfangreich und lässt sich aufgrund fehlender Zeitzeugen auch nicht bis in alle Details rekonstruieren. Bei den Beschreibungen der Situationen und Stationen hat der Verfasser aber auf Quellen zurückgreifen können, die aus erster Hand sind. Daher ist er allen Zeitzeugen dankbar, die sich mit ihm in Gespräche begeben haben, damit ihr Wissen publiziert und dadurch auch für andere nicht verloren geht.

Der Dank des Verfassers gilt insbesondere Michael Wittmaack, Peter Wischmann, Frank Passauer, Wolfram Miszuweit und Reinhardt Schade, die ihm Einblicke in die hohe Zeit des Beat in unserem Kreis gegeben haben.

John Ritchie & His Quartermasters

Wer sich mit der Zeit der Beatmusik im Kreis Steinburg beschäftigt, wird an einem Mann nicht vorübergehen können, nämlich an Michael Wittmaack15. Michael Wittmack spielte von Juli 1964 bis September 1968 zusammen mit Manfred Kliefoth (Bass), Günther Rehan (Gesang/Rhythmusgitarre), Wolfram Miszuweit (Leadgitarre) und John Ritchie (Gesang/bis Ostern 1966) Schlagzeug innerhalb der Formation „John Ritchie & His Quartermasters“. Neben anderen, die die Beatmusik damals pflegten, gehört Michael Wittmaack zu denen, die auch heute noch aktiv auf der Bühne stehen, weil sie Spaß an den alten eingängigen Titeln aus den 1960er Jahren haben und die Musik ihrer Zeit einem immer noch breiten Publikum vorstellen wollen. Für die Oldie-Band Sugar & Spice wirbelt Michael Wittmaack auch heute noch die Sticks und bearbeitet Trommeln, Pauke und Becken wie weiland im Itzehoer „Startanzkasino“ in der Mühlenstraße oder im Hamburger „Star-Club“ auf der Großen Freiheit. Wenn Musiker wie er auf die Bühne gehen, dann geben sie ihrer aktuellen Band etwas von dem mit, was nicht konstruiert werden kann, trotz aller technischer Perfektion und künstlerischer Finesse, die die heutigen Oldie-Gruppen umgibt, trotz der Fähigkeit, die alten Songs genau zu kopieren: der Stallgeruch vergangener Tage. Wer damals im „Star-Club“ gespielt hat, war einer, galt etwas in den Augen der Mitschüler, der Lehrlingskollegen oder im sonstigen Freundes- und Bekanntenkreis. Platten mit dem „Star-Club“-Label gingen über den Ladentisch wie warme Semmel. „Star-Club“-Platten, egal ob Single oder Langspielplatte, wurden mit Stolz zur nächsten Party geschleppt um dort im wahrsten Sinne des Wortes abgedudelt zu werden. Rauf und runter gehört wurden die Songs von The Liverbirds, The Rivets, Ian & The Zodiacs, Lee Curtis & The Allstars oder The Searchers, um nur einige von denen zu nennen, die damals Hörgenuss für Junge Leute verbreiteten und gleichzeitig über die Jugendzeitschrift „Bravo“ zusätzlichen Bekanntheitsgrad erreichten.

Was für Hamburg damals der „Star-Club“ war, so berichtet Michael Wittmaack, war für Itzehoe das „Startanzcasino“ in der unteren Mühlernstraße. Hier spielten „John Ritchie & The Quartermasters“ unzählige Male. Aber nicht nur sie, auch The Rattles, The Lords, Lee Curtis & The Allstars, Jonny & The Hurricans und andere Gruppen aus England oder Italien gaben sich dort ein Stelldichein. Für Michael Wittmaack, der 1964 17 Jahre alt war, hatte die Häufigkeit der Engagements einen Vorteil: Wittmaack: „Wir waren schon bald eine super eingespielte Band, die täglich auftrat und oft fünf bis sechs Stunden hintereinander wegspielten. Die Konzerte fingen um 20 Uhr an und dauerten bis ein oder zwei Uhr nachts.“

Schon bald folgten Auftritte außerhalb der Steinburger Kreisstadt. Gastspiele wurden vereinbart für Kassel, Bielefeld oder Kiel. Sogar in der Schweiz wollte man die Itzehoer hören. An einen Auftritt erinnert sich der Drummer besonders gern zurück. „1967 standen wir in Fallingbostel zusammen mit der Gruppe The Smoke auf der Bühne, deren größter Hit „My Friend Jack“ war und mit dem sie in der NDR-Hitparade hoch platziert waren. Das war damals ein richtiger Ohrwurm“, erzählt Michael Wittmaack.

Dass am 15. September 1968 das Ende für die „Quartermasters“ kommen sollte, war Michael Wittmaack zunächst gar nicht klar. Er erzählt: „Als die Staaten des Warschauer Pakts im August 1968 den ‚Prager Frühling’ zerschlugen, war ich zusammen mit unserem neuen Bassisten, Dirk Nerger, in Neumünster bei der Bundeswehr. Wir leisteten dort unsere Wehrpflicht ab und mussten in der Zeit danach jeden Abend bereits um 22 Uhr in der Kaserne sein. Die politische Lage war damals so, dass sich die Bundeswehr in einer vorübergehenden Alarmbereitschaft befand. Dieser Situation waren auch Dirk und ich unterworfen. Und so kam es dann, dass die „Quartermasters“ ohne es überhaupt zu wissen ihren letzten Auftritt am 15. September in der ‚Zentrale Averlak’ hatte. In dem Tanzlokal spielten wir von 16 bis 22 Uhr.“

Den eingangs erwähnte John Ritchie lernte die Itzehoer Gruppe anlässlich seiner Konzerte mit der Glasgower Gruppe Crew Cats kennen. „John ging damals nicht mit den Crew Cats nach Schottland zurück. Private Gründe hielten ihn in Itzehoe fest. Nachdem er sich Ostern 1966 von uns getrennt hatte, mussten wir den Ausfall unseres guten Sängers irgendwie kompensieren. Wir legten uns helle Showanzüge zu, die wir in Hamburg anfertigen ließen“, schmunzelt Wittmaack über die optisch ansprechende Idee. Natürlich waren die „Quartermasters“ nicht so naiv anzunehmen, dass optische Finessen einen Ausgleich für optimale Bühnenpräsenz darstellen könnten. Ein guter Sänger, das wussten auch die „Quartermasters“ war für eine Spitzenband unerlässlich. Wittmaack: „Nachdem John uns verlassen hatte, übernahm unser Rhythmusgitarrist, Günther Rehan, den Part des Sängers. Günter konnte die Beatles sehr gut imitieren. Er hatte sozusagen eine richtige John-Lennon-Stimme. „Eight Days A Week“, „I Shaw Her Standing There“, „Love me Do” oder „Twist And Shout” waren Stücke, die Günther sehr gut herüberbringen konnte. Doch dann produzierten die Beatles mit „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band” 1967 eine reine Studioaufnahme. Diese Musik konnten wir mit unseren Mitteln nicht mehr herüber bringen. Der letzte von uns einstudierte Beatles-Song war „Magical Mystery Tour“ aus dem gleichen Jahr. Weil die Beatle-Songs ein Schwerpunkt unseres Repertoires waren, kamen wir in der Gegend gut an. Mit John und Peter hatten wir ausdrucksstarke Sänger, und auch instrumental gesehen waren wir gut. Deshalb spielten wir auch gern die Stücke der Shadows. In Wolfram Miszuweit hatten wir einen Lead-Gitarristen, der Hank Marvin exzellent kopieren konnte.“

Für Michael Wittmaack waren die „Quartermasters“ aber nicht der Beginn seiner musikalischen Karriere. In den Jahren von 1963 bis 1964 war er bei den „Beatniks“ aktiv und bei den Old Fellows, einer Schulband der damaligen Realschule 1 in der Gorch-Fock-Straße (heute: Wolfgang Borchert Realschule), die bei Schul- und Klassenfesten auftrat. Bei den „Old Fellows“ traf Michael Wittmaack auf einen Musiker, mit denen er in späteren Jahren noch intensiv zusammenarbeiten sollte: Peter Wischmann, mit dem er von 1969 bis 1975 in der Gruppe United zusammenarbeitete, spielte bei den „Alten Freunden“ Banjo. Seine weiteren Mitstreiter waren innerhalb der Schulband Conny Schwarz (Banjo), Armin Salzwedel (Trompete), ein Klarinettist namens Biel und ein Posaunist.

  Während die Schulband in den Klassenräumen probte, übten die „Beatniks“ in der Mühle Rusch am Itzehoer Stadthafen. „Eines unserer Mitglieder hatte gute Verbindungen zu dem Mühlenbetrieb. Deshalb hatten wir auch keine Schwierigkeit, einen geeigneten Übungsraum zu finden“, bemerkt der Musiker, der mit dieser Band unter anderem einen Auftritt in Hammershoj/DK hatte.

Das Interesse für das Trommeln entwickelte sich bei Michael Wittmaack bereits im Jahre 1960. „Ich war Mitglied im Spielmannszug der Mittelschule. Dieser Spielmannszug war das Steckenpferd unseres Rektors, Anton Behrend. Als Mitglied dieses Musikzuges habe ich angefangen, trommeln zu lernen. Die Ferien nutzten wir, um noch intensiver als sonst zu üben. Um die Nachbarn nicht zu nerven, trommelte ich auf alten Autoreifen“, berichtet er.

Seine ersten Schlagzeugteile hatte sich Michael Wittmaack 1962 gekauft. Wittmaack: „Von meinem Konfirmationsgeld kaufte ich mit einen Bass-Drum und einen Snare-Drum. In den Schulferien habe ich mir dann das Geld verdient, um mir ein Tom-Tom zu kaufen. So verbissen war man damals, um an die Instrumente zu gelangen. Weihnachten 1965 kaufte ich mir dann ein Ludwig-Schlagzeug. Das spielte auch Ringo Starr. Finanziert hatte ich das Gerät von meiner Gage. Das Fell des von mir zuvor benutzten Sona-Schlagzeuges ist übrigens von dem bekannten Itzehoer Kunstmaler Otto Warnke beschriftet worden. Das war im Jahre 1964.“

Mit den „Quartermasters“ gelangte Michael Wittmaack dann in das Mekka der Beatmusik, in den „Starclub“ in Hamburg, Große Freiheit 39, wo er und seine übrigen Kollegen vor rund 1000 Fans auftraten. Gespielt hat er darüber hinaus auch im „Top Ten“ auf der Reeperbahn und im „Grünspan“, dem „Hit-Club“ auf der Großen Freiheit 58-60.

Der Drummer betont: „Im ‚Star-Club’ zu spielen, war eine besondere Auszeichnung. Wenn man da nicht gut war, wurde man vom Publikum nicht angenommen, denn das Publikum war verwöhnt von den großen Bands. Schade, dass der ‚Star-Club’ abgerissen wurde16. Dort, in dem Club von Manfred Weissleder, hat alles gespielt, was Rang und Namen hatte. Nur Elvis und die ‚Rolling Stones’ nicht.“

Nun darf man sich nicht vorstellen, dass der „Star-Club“ damals ein Ort gewesen ist, der die ungeteilte Freude aller gefunden hat. Der Hausfotograf im „Star-Club“, Günter Zint, äußert sich darüber, in welchem Ansehen das Haus bei den Hamburger Behörden gestanden hat. Letzlich „starb“ es an einem veränderten Musikinteresse des Publikums. Er schreibt17: „Ein Jugendlokal auf der ‚sündigsten Meile der Welt’ – das war den Ordnungsbehörden ein Dorn im Auge und sie machten Weissleder alle erdenklichen Schwierigkeiten. Heute brüstet sich die Hansestadt gerne damit, daß sie das Sprungbrett der Beatles war. Dabei vergessen sie aber die Bretter zu erwähnen, die einige Beamte vor dem Kopf getragen haben, als sie dem ‚Star-Club’ eine sechsstellige Summe für Vergnügungssteuer nachbelasteten. Die Begründung war: ‚Die Musikdarbietungen (Twist & Beat) des Clubs entsprechen nicht im geringsten den Anforderungen kultureller Darbietungen. Die Musik ist eher geeignet, die Knochen und Ohren der jungen Menschen zu schädigen.’ (...). Weissleder hat dieser jahrelange Krieg zermürbt, und er gab den ‚Star-Club’ im Herbst 1967 in andere Hände. Verschiedene Pächter versuchten, das Niveau des ‚Star-Clubs’ zu halten. Zuletzt waren es drei Musiker, die der ‚Star-Club’ groß gemacht hatte: Achim Reichel, Frank Dostal und Kuno Dreysse. Doch die große Zeit der Live-Musik war vorbei, und das Publikum wurde weniger. Schummrige Discotheken und düstere Drogen-Schuppen waren der neue Trend für die Jugend.“

1975 hängte Michael Wittmaack dann das Schlagzeug an den Nagel. Doch nicht für immer. Er erinnert sich: „1990 traten die ‚Quartermasters’ in ihrer alten Besetzung wieder bei den ‚Oldie-Nights’ im Colosseum in Wilster auf. Anfang 1995 fragte dann Hartmut Kulling bei mir an, ob ich mir vorstellen könnte, Mitglied bei Sugar & Spice zu werden. Ich willigte ein und bin seitdem Trommler bei dieser Oldie-Band. Um das Instrument zu beherrschen, übe ich jeden Tag mindestens eine halbe bis eine Stunde lang. An sechs Tagen mache ich Lufttraining, einmal pro Woche sitze ich am Instrument.“

Musikalische Vorbilder sind für Michael Wittmack Joe Morello vom Dave Brubeck-Quartett und Simon Phillip von der Rockgruppe Toto.

Morello hat er 1967/1968 live in der Musikhalle in Hamburg erlebt. Wittmaack: „Sein Schlagzeugspiel habe ich an dem Konzertabend für mich mit einem Kassettengerät aufgenommen. Nur gut, dass die Technik funktionierte, ich hätte mich sonst bestimmt geärgert.“ Und Simon Phillip? Den lernte der ex-„Quartermaster“ über die dreiteilige Fernsehserie „Super Drumming“ kennen. „Ein guter Trommler“, stellt Michael Wittmaack fest.

Geblieben ist in seinen Erinnerungen eine Besonderheit, die er mit Jugendlichen aus Liverpool teilt. In Ermangelung geeigneten Notenmaterials stellten sie sich damals vor die Musikbox und hörten sich die Platten solange an, bis sie die Stücke nachspielen konnten. Wittmaack: „‚Needles & Pins’ von den Searchers habe ich über die Musikbox aufgeübt, ebenso ‚The Last Time’ von den Rolling Stones. Dieses Stück habe ich dann noch am gleichen Abend in der Gaststätte ‚Zur Linde’ im Wellenkamp gespielt.“

Damals beschäftigte sich auch die Presse mit den „Quatermasters“. Die „Wilstersche Zeitung“ schreibt18 unter der Überschrift:

Die „Quartermasters“ machen Karriere

„ Ihre erste Schallplatte werden die ‚Quartermasters’ vermutlich im Spätherbst bespielen. Die ‚Quartermasters’ sind eine beliebte Twistkapelle, die aus fünf jungen Leuten aus Itzehoe und Wilster besteht. Star der Kapelle ist der 24 Jahre alte Sänger John Ritschie aus Glasgow, der jetzt in Itzehoe lebt. Durch einen Manager wurde die Schallplattenfirma ‚Philips’ auf die ‚Quartermasters’ aufmerksam. Die Langspielplatte soll nicht im Studio, sondern ‚life’ aufgenommen werden. Der Termin steht jedoch nicht endgültig fest. Er wird jedoch vermutlich im Spätherbst liegen. (...). Ihre ersten Anfänge nahm die Twistkapelle vor einigen Jahren, als sie im Dithmarscher Hof (Jan Pauls) an einigen Nachmittagen mit der seinerzeit pupuilären Skiffle-Musik zum Tanz aufspielten. Danach schalteten sie bald auf Twist um. Im Haus der Jugend in Itzehoe wurde um die Jahreswende 1961/62 schließlich die Besetzung der Kapelle gebildet, wie sie heute noch besteht.19 Dazu gehören der kaufmännische Lehrling Wolfram Miszuweit (19 Jahre alt) aus Wilster (Sologitarre), der Dreher Günter Rehan (20) aus Itzehoe (Rhythmusgitarre, der kaufmännische Lehrling Manfred Kliefoth (18) aus Itzehoe – früher Wilster – (Baß) und der Verwaltungslehrling Michael Wittmaack (18) aus Itzehoe (Schlagzeug). Ihr erstes öffentliches Auftreten erlebten die ‚Quartermasters’ am 30. Juni 1962 im ‚Landhaus’ in Hohenlockstedt. Nach dem ersten Stück, das die jungen Leute perfekt spielen konnten – es war ‚Quatermasters Store’ von den Shadows – nannten sich die jungen Amateurmusiker schließlich ‚Quartermasters’. Nach dem Hohenlockstedter Gastspiel erfuhren die ‚Quartermasters’ einen steilen Aufstieg. Bisher spielten sie in Lüneburg und Kiel im bekannten ‚Star-Palast’ sowie im Kieler ‚Star-Casino’, in Geesthacht, in Brunsbüttelkoog, Barmstedt, Alveslohe sowie in mehreren Lokalen in Hamburg, darunter im ‚Miosga’, in der ‚Honolulu-Bar’ und was besonders bemerkenswert ist – im weit über die Grenzen Hamburgs und Schleswig-Holsteins hinaus bekannten ‚Top-Ten’. Jetzt haben die jungen Musiker sogar ein ansehnliches Angebot aus Aarau in der Schweiz bekommen, wo sie an einem Freitag, Sonnabend und Sonntag spielen sollen. Daß die ‚Quartermasters’ auch etwas leisten, beweisen die guten Ergebnisse bei Amateurwettbewerben. Im vergangenen Jahr gewannen sie einen schleswig-holsteinischen Landeswettbewerb in Itzehoe, an dem auch einige Hamburger Kapellen teilnahmen, mit Zweidrittel-Mehrheit. Ebenso schnitten sie auch in diesem Jahr bei dem Landeswettbewerb in Schleswig ab. Bei allen diesen Gastspielen werden die ‚Quartermasters’ von einer Gruppe jugendlicher Anhänger begeleitet. Es ist daher geplant, auch einen ‚Quatermaster-Fan-Club’ einzurichten. Er soll in etwa drei bis vier Wochen im ehemaligen Jazzkeller im ‚Hammonia’ in Itzehoe gegründet werden. Neben ihrer Musikleidenschaft gehen die jungen Leute alle einem Beruf nach. Nur John Ritchie, der junge Schotte, ist ganz und gar bei der ‚Singerei’. Er kam im Januar mit der englischen Kapelle ‚Crew Cats’ nach Itzehoe, die drei Monate im Star-Tanzcasino gastierte. Wie er erklärte, gefiel es ihm so gut in Itzehoe, daß er sich den ‚Quartermasters’ anschloß, die im Juli jeden Abend in diesem Tanzclub spielten. Nun werden die ‚Quartermasters’ auch endlich nach Wilster kommen. Wenn auch noch viele Wilsteraner ein Vorurteil gegen diese jungen Leute haben und aufgrund ihres Auftretens im ‚Dithmarscher Hof’ in den Anfängen der Kapelle, wo sie die Musik noch nicht so sehr beherrschte, an dem Können der ‚Qatermasters’ zweifeln, so sollten sie sich am Sonntagnachmittag gern eines anderen belehren lassen. Eines jedenfalls spricht für das Können der ‚Quartermasters’. In den kurzen Jahren ihres Bestehens haben sie es verstanden, eine elektrische Anlage im Werte von etwa 15000 bis 16000 Mark zusammenzuspielen.“

Über das Ergebnis des Auftritts in Wilster schreibt die Presse unter der Überschrift20:

Auch in Wilster ein großer Erfolg

„Daß sich eine gute Band auch in Wilster beliebt machen kann, haben am Sonntag die ‚Quartermasters’ bewiesen. Schon am späten Nachmittag war der Saal im Holsteinischen Haus mit zahlreichen Jugendlichen angefüllt, die begeistert von dem Können der Kapelle waren. Nach der Abendbrotpause von 19 bis 19.30 Uhr fanden sich dann auch einige ältere Paare ein, die wohl von der schallenden Musik angelockt worden waren. Der Höhepunkt des Abends wurde durch ein sieben Minuten langes Solo des Schlagzeugers erzielt, wobei die Anwesenden das Tanzen vergaßen und dem Schlagzeuger mit starkem Beifall sein Können lohnten. Fast in Ekstase gerieten die Fans bei dem eine halbe Stunde lang andauernden Tanz Skinny Minny. Hier von John Ritchie gesungen klang das Lied fast original, und die begeisterten Teenager bestürmten den Sänger and his ‚Quartermasters’ auf der Bühne. Nach alledem und vielen anderen Schlagern, unter anderem auch Twisten-Show, kann man wohl sagen: Das war für Wilster die ‚show 64’.“

Ein weiterer Presseartikel liegt über die Teilnahme der „Quartermasters“ am Kapellenwettstreit 1965 im Hamburger „Star-Club“ vor21. Die Zeitung titelte:

„Quartermasters“ dringen zur Spitze

„Den ‚Quartermasters’, vier aus Itzehoe und Wilster stammenden jungen Amateurmusikern, die schon mehrmals im ‚Holsteinischen Haus’ (Hanne Holm) zum Tanz für die Jugend aufgespielt haben, ist in Hamburg ein erstaunlicher Erfolg gelungen. Bei einem Musikwettstreit im Hamburger ‚Star-Club’ gelang es ihnen. Von 40 Twistkapellen22 aus dem gesamten Bundesgebiet unter die ersten fünf zu kommen. Buchstäblich in letzter Minute hatten die ‚Quaretermasters’ von dem Musikwettstreit erfahren. Nur mit Mühe wurden sie noch aufgenommen. Und was dann geschah, damit hatten selbst die ‚Quartermasters nicht gerechnet. Angeführt von dem 24 Jahre alten John Ritchie aus Glasgow (Schottland) gelang den vier Musikanten Günter Rehan, Michael Wittmaaack, Wolfram Miszuweit und Manfred Kliefoth der Sprung zu Spitze unter den berühmten deutschen Twistkapellen. Sämtliche Stücke, die von den fünf besten Kapellen gespielt wurden, (wurden) von der Philips-Schallplatten-Gesellschaft mitgeschnitten und zur späteren Verwertung sichergestellt. Drei Tage dauerte der Musikerwettstreit in dem weltbekannten Hamburger ‚Star-Club’, der mit berühmten Namen wie Ray Charles und Fats Domino aufwarten kann. Und in diesen drei ‚tollen Tagen der heißen Musik’ gaben die Kapellen ihr Bestes. Und das, was die ‚Quartermasters’ erreicht haben, kam selbst für diese Jungs aus unserer Gegend einer kleinen Sensation gleich. Zu betonen wäre noch, daß die ‚Quartermasters’ alle noch in ihrer Berufsausbildung stehen und ihre Musik, mit der sie zuletzt auch im Ausland einen beachtlichen Erfolg hatten, einzig und allein als Hobby betreiben. Was daraus einmal werden kann, soll die Zeit entscheiden. Auf jeden Fall wird John Ritchie, der jetzt fest in Itzehoe ansässig ist, bei der Band bleiben. Ab Februar geben die ‚Quartermasters’ jeden Donnerstag um 20 Uhr ein Gastspiel im Itzehoer Klub ‚Hammonia’ am Holzkamp. In Wilster werden sie morgen um 17 Uhr wieder bei Hanne Holm zu hören sein.“

The Darting-Flame“

Auch an Glückstadt ist die Epoche der Beatmusik nicht spurlos vorbeigezogen. Dort existierte von 1968 bis 1969 die Gruppe „The Darting Flame“, über die Reinhard Schade23 Auskunft gibt.

„The Darting Flame“, so berichtet er, wurden am Ostersonnabend 1968 in der Reichenberger Straße gegründet und spielten in folgender Zusammensetzung: Hartmut Schade (klassische Rhythmus-Gitarre/Gesang/später Orgel), Gerhard „Felix“ Dunzlaff (Schlagzeug), Gerhard Golonska (Bass/Gesang) und Reinhardt Schade (Lead-Gitarre/Posaune/Gesang). Gekannt haben sie sich aus ihrer Schulzeit, aus einer Pfadfindergruppe, waren Nachbarn und miteinander befreundet. Nach der Gründung gesellte sich dann noch Hagen Scheffler zu der Gruppe. Er verließ die Band aber noch vor ihrer „Weserbergland-Tournee“ 1969.

Über die Motivation zur Gründung der Beatband sagt Reinhardt Schade: „Animiert worden sind wir durch die Beatles und ihre Musik. Hinzu kam, dass wir damals ein Lebensgefühl hatten, das sich von dem weiter Gesellschaftskreise unterschied Das, was uns vorgelebt wurde, wollten wir nicht mehr und gingen deshalb gegen gesellschaftliche Verkrustungen an. Unser Eltern ließen uns damals den Freiraum, der es uns ermöglichte, die Band zu gründen und die Musik zu spielen, die wir wollten. Sie unterstützten uns dabei, standen unserer Sache nicht ablehnend gegenüber.“

Ihre Musik spielte „Darting-Flame“ in Glückstadt, Elmshorn, Neuendorf, Itzehoe, Wischhafen, Brunsbüttel (Hotel zur Post), Lägerdorf, Westerbüttel, Averlak oder im Weserbergland, um nur einige Stationen ihres Auftretens zu nennen.

In Glückstadt trat die Gruppe entweder im „Tivoli“ auf, wo der Stadtjugendring Glückstadt den sogenannten „Tanz der Jugend“ veranstaltete, oder im „UdL“. Der Beatschuppen, in dem auch die Lords, die Scarletts (mit Peter Wischmann) oder Peace of Mine, eine englische Band, die dort regelmäßig auftrat, spielten, brannte Ende der 1970er Jahre ab.

Ihren ersten Auftritt hatten „The Darting Flame“ beim Vogelschießen 1968. Hartmut Schade: „Es war eine Einlage bei einer Veranstaltung mit Peter & The Tonics. Wir standen auf der Bühne des ‚UdL’ und spielten ausschließlich eigene Stücke.“

Noch im Sommer des gleichen Jahres machte sich die Band auf, um die Nordseeinsel Sylt zu erobern. Doch bereits in Husum war es an der Zeit, die Reisekasse aufzubessern. „Deshalb machten wir dort Straßenmusik. Das gefiel aber offensichtlich einem Polizisten nicht. Der war absolut krass zu uns und fragte: ‚Sprecht ihr deutsch?’ Dass sich solche menschlichen Ausfälle aber doch noch steigern lassen, diese Erfahrung musste die Gruppe 1969 in Hamburg auf der Reeperbahn machen. Mit Blick auf die Haarpracht der Bandmitglieder meinte ein Gaststättenwirt: „Watussi-Neger lassen wir hier nicht rein.“

Noch gut in Erinnerung ist bei Hartmut Schade aber der Pfingstsonntag 1969 geblieben: „Wir traten mit unserer Band in Westerbüttel auf. Die Veranstaltung dauerte von sechs Uhr morgens bis zwei Uhr des darauffolgenden Tages. Wir spielten drei Sets, jedes Set hatte eine Dauer von vier bis fünf Stunden. Die Stücke, die wir spielten, waren von den Beatles, den Kinks, den Rolling Stones, den Small Faces. Hinzu kamen Eigenproduktionen, etwa 20 bis 25 Stücke hatten wir komponiert. Unter anderem ‚Engine Steamer’. Mit dem Song begannen wir den ersten Set.

Absoluter Höhepunkt war für uns aber die Tournee durch das Weserbergland vom 26. Juli bis 3. August 1969. Unter anderem traten wir in Springe, Karlshafen, Lauenförde und Barntrup auf. Wir waren gut eine Woche unterwegs und hatten jeden Abend einen Auftritt. Neben uns Musikern waren auch zwei Helfer mit dabei, Rüdiger Specht und Lutz. Von Lutz weiß ich aber den Nachnamen nicht mehr. Die Helfer haben in den Veranstaltungsorten Plakate geklebt und haben beim Bühnenaufbau mitgeholfen. Übernachtet haben wir während der Tournee nicht in Hotels, sondern in einem Ford Transit FK 1000. Die Zuschauerzahlen waren von Ort zu Ort unterschiedlich. Die Jugendlichen kamen aber vorwiegend deshalb zu uns, weil damals auf den Dörfern nicht sehr viel los war. Uns hat die Tournee sehr viel Spaß gemacht. Wir kamen uns vor, wie die Profis. Sogar der Soundcheck fehlte nicht.“

Geprobt hat die Band fast täglich. Reinhardt Schade, der in der Glückstädter Dethlefsenschule im Bläserchor die Posaune blies und an der Musikhochschule Hamburg Posaune und Klavier studiert hat, erinnert sich: „Jede freie Minute wurde genutzt, um das Repertoire einzustudieren. Geprobt haben wir in einem ehemaligen Hühnerstall auf dem Grundstück meiner Eltern. Unseren Probenraum nannten wir ‚Scavangerclub’. Ich erinnere mich auch noch gut an die Ausrüstung, Vorhanden waren ein E-Gitarre, 2 Wandergitarren, eine Trommel und ein Verstärker mit einer Box. Dieser Verstärker musste mit einem Ventilator, der Gilbmaschine gekühlt werden, sonst übersteuerte er sehr schnell. Das erste Schlagzeug war so groß, dass es mit bloßem Auge gut zu erkennen war. Der erste Bass sah aus wie selbstgebaut und hatte beim Kauf keine Saiten. Mit Krediten von den Familien wurde dann nach und nach die Ausrüstung ergänzt, aber der Fahrradanhänger blieb lange das Transportmittel. Das änderte sich im Januar 1969: Ein gebrauchter Ford-Transit FK 1000 wurde angeschafft Um leichter an Auftritte zu kommen, haben wir darauf geachtet, von unserem Musikangebot möglichst breit zu sein. Wir spielten den klassischen Beat, Dixi-Musik, setzten die Posaune ein. Wir hatten einen guten dreistimmigen Gesang und waren insgesamt eine kompakte Einheit. Besonders gut habe ich Felix in Erinnerung. Als Schlagzeuger war er ein Naturtalent. Er hatte das richtige Gefühl für den Schlag.“

Ein Blick in das Pressearchiv von Reinhardt Schade zeigt, dass „The Darting Flame“ zu den etablierten Beatbands im Kreisgebiet gehörte. Hier Auszüge aus den zahlreichen Artikeln:

Beatband begeisterte im Fürsorgeheim  24

„Daß Beat die Jugend immer noch begeistern kann, bewies der Auftritt der Glückstädter Beatband „The Darting Flame“. Die Vier-Mann-Gruppe spielte am Freitag im ‚Theater am Jungfernstieg’ vor den männlichen Insassen des Landesfürsorgeheims. Die zweistündige Show war abwechslungsreich und gut arrangiert; wahre Begeisterungsstürme lösten die ‚schnellen Sachen’ aus, und der Beifall hätte bei einem Auftritt der ‚Rolling Stones’ – deren Interpretationscharakter die Darting Flame besitzt – nicht größer sein können. Immerhin spielte zum erstenmal eine Beat-Band vor den Heiminsassen. Wie Rüdiger Specht (Manager der ‚Darting Flame’) erklärte, habe die Band selbst die Initiative zum Auftritt im Landesfürsorgeheim ergriffen. Sie spielte entgeltlos. Der Zweck ihres Auftritts lag nur darin, den Jugendlichen des Landesfürsorgeheimes einmal etwas zu bieten, was ihnen vordem nicht geboten wurde. Der Beifall war für die ‚Darting Flame’ der beste Lohn. Trotz guter Interpretation der einzelnen Vorträge war die Band mehr oder weniger den ‚schlechten Launen’ ihrer Geräte ausgesetzt. Ofmals hoffnungslos übersteuerte Verstärker und defekte Gesangboxen ließen die Stimmen nur undeutlich hörbar werden. Aber das lag daran, daß die Gesangsanlage im Eigenbau hergestellt worden war und lange Zeit der ehemaligen Glückstädter Gruppe ‚The Spyders’ diente. Auch die Echolot-Baßanlage von den ‚Spyders’ ist übernommen worden. Neue Gesangsverstärker und –boxen braucht die ‚Darting Flame’ unbedingt, denn im Sommer geht es auf Tour durch die Bundesrepublik. Hätte die Beatband-Ära eine Zukunft, könnte man dem Schlagzeuger Gerhard Dunslaff (18) eine große Karriere voraussagen. Das, was Ringo Starr als Schlagzeuger in den Anfangsjahren der ‚Beatles nicht perfekt konnte, beherrscht Gerhard seit Bestehen der ‚Darting Flame’ vom Mai 1968: einen Wirbel zu schlagen. Überzeugend ist auch Bassgitarrist Gerd Galonska (18). Schwierig ist es für einen Sänger, im Zusammmenklang mit der Band die Stimme zu halten. Bei Hartmut Schade (18), auch Rhythmusgitarrist, stimmte alles. Bandleader und Sologitarrist Reinhard Schade (21) will seine Band so lange wie möglich zusammenhalten. ‚Die bevorstehende Tour muß für uns ein Erfolg werden’, sagt er. Nicht nur in Glückstadt, Wischhafen hat die Band gespielt, auch Husum, Stade, Bremen und Osnabrück sind bereits ‚angesteuert’ worden. In allen Orten fand die ‚Darting Flame’ Anerkennung und Zuspruch des jungen Publikums.“

Bereits vier Tage zuvor ging die „Norddeutsche Rundschau“ auf das Konzert ein. Sie titelte:

Glückstädter Beat-Band gibt ein Beispiel  25

„(...)‚The Darting Flame’ (…) beabsichtigt (...) einen Beatabend für die Heiminsassen zu geben. Eine gute Sache meinen wir. So hat die Heimleitung dieses Angebot dann auch dankbar angenommen. Es wird nicht jeden Tag gemacht. Die Heiminsassen freuen sich auf diesen Abend, zeigt er ihnen doch, daß sie, die im Rahmen der öffentlichen Erziehungshilfe untergebracht sind, nicht vergessen werden. Durch derartige Gesten gewinnen sie das Gefühl, nicht außerhalb der Gesellschaft zu stehen, nicht nur geduldet zu sein. ‚Es kann nicht genug anerkannt werden, daß junge Menschen ‚draußen’ echte Bereitschaft für Hilfsbedürftige zeigen’, sagt Erziehungsleiter Malwitz. Wir glauben, daß er recht hat. Sollten sich nicht noch andere Gruppen finden, die diesem Beispiel der Glückstädter Beat-Band folgen?“

Mit Beat und Jazz in den Karneval  26

„Daß Karneval auch bei Glückstadts Jugendlichen eine Woge der Heiterkeit auslöst, wurde am Sonnabend bewiesen. ‚Tanz in den Karneval’ hieß das Motto der Jugendtanzveranstaltung vom Stadtjugendring. Und als die Mitglieder der Glückstädter Beat-Band ‚The Darting Flame’ um 17 Uhr an dem Abend zum erstenmal in die Saiten griffen, da hieß es: ‚Ring frei zur ersten Runde’ und die Tanzfläche war in wenigen Augenblicken voll besetzt von einem bunten Knäuel karnevalistischer Minderjähriger. (...). Die ‚Darting Flame’ heizte mit ihren Rhythmen ein, was ihr Repertoire nur hervorzugeben vermochte. Selbst ‚olle Kamellen’ wie ‚Jack the Ripper’ von Casey Jones & The Governors lebten wieder auf und erblühten für nur wenige Minuten in einem beifallsstürmischen Comeback. Selbstverständlich, auch neue Hits wurden von der ‚Darting Flame’ serviert, aber den Höhepunkt des karnevalistischen Frohsinns erreichte Reinhardt Schade (Bandleader), als er zur Posaune griff und guten alten Dixiland-Jazz zum besten gab. (...). Weiter ging’s mit der ‚Darting Flame’, die nun zu bereits fortgeschrittener Stunde auf Stimmungsmusik schaltete.“

Tanzabend mit Go-Go-Girls  27

“Zu einem ‚Tanzabend für die Jugend’ hatte der Stadtjugendring Glückstadt am Wochenende in das Club- und Ballhaus Tivoli eingeladen. (...). Die musikalische Ausgestaltung der Veranstaltung hatte die Glückstädter Band ‚The Darting Flame’ übernommen. In bewährter Weise wurde das umfangreiche Repertoire der Kapelle zu Gehör gebracht. Mit der Band traten auch die beiden GoGo-Girls Bärbel und Birgit auf. Bis 22 Uhr tanzten die Teens und Twens zu den Rhythmen der Glückstädter Kapelle. (...). Es wäre gewiß im Interesse vieler Jugendlicher, wenn sich der Stadtjugendring endlich einmal dazu durchringen würde, die Tanzabende einmal monatlich, mit Ausnahme der Sommermonate, durchzuführen. An der nötigen Initiative dürfte es wohl kaum mangeln.“

Der Leser hat das Wort  28

„Sehr geehrte Herrn! In Ihrer Ausgabe vom 3. Mai las ich einen ‚Kritik’-Artikel, geschrieben von Herrn J. Wende, den ich besonders interessant fand. Es heißt darin: ‚Die harte Beat-Ära sei passé, trotzdem spiele die Glückstädter Beatband ‚The Darting Flame’ noch mit ‚eins klopp drei’-Tönen. Meiner Meinung nach entscheidet das Publikum selbst über jegliche Kritik. Als ‚The Darting Flame’ am 26.4. in Tivoli zum Jugendtanz aufspielte, war die Tanzfläche überfüllt – man tanzte und klatschte begeistert; ‚The Darting Flame’ konnten sich also vom derzeitigen Tag einer guten Kritik rühmen. Es ist schwierig im richtigen Augenblick den richtigen ‚Sound’ zu bringen. Mancher möchte mit seinem Mädchen nach melancholischen Klängen tanzen, der andere aber nach neueren – harten Soul oder anderen Beatklängen. An der gleichbleibend besetzten Tanzfläche im Tivoli konnte man feststellen, daß es `The Darting Flame’ hervorragend verstand, den Wünschen der Jugend-Tanzteefreunden zu entsprechen. Man sollte dieser noch recht jungen Gruppe an dieser Stelle ein Lob aussprechen. (...).“

Im August 1969 löste sich „The Darting Flame“ auf. Gerd Galonska und Gerhard Dunzlaff spielten in einer anderen Glückstädter Rockband weiter. Hartmut und Reinhardt Schade waren Mitbegründer der Glückstädter Tanzband Lost Virginity. Mitte der 1970er Jahre fanden Gerd Galonska sowie Hartmut und Reinhardt Schade wieder zusammen: Bis in die 1980er Jahre hinein spielten sie in der Folkloregruppe Butendiek.

Und dann war da noch der 19. Mai 2001. An diesem Tag trafen sich „The Darting Flame“ in Raumanns Festhalle in Glückstadt, um dort eine Show zu geben. Bis auf Gerhard Dunzlaff, der von Dennis Randt (spielte bei den Hamburger Bands The Dreamcatchers und Freitag) ersetzt wurde, war die Originalbesetzung vertreten. Ihr Repertoire an diesem Abend: Eine Mischung eigener Stücke und bekannter Songs, die damals, also vor über 30 Jahren, von der Band „The Darting Flame“ gespielt wurden.

Insgesamt gesehen hat Reinhardt Schade, ausgebildeter Groß- und Außenhandelskaufmann, der als Selbständiger seit 1984 in Horst ökologische Baustoffe verkauft, gute Erinnerungen an die Aufbruchszeit in den 1960er Jahren. „Ich möchte die Zeit nicht missen, sie ist Teil meiner Jugend.“

Und dennoch, es war nicht alles eitel Sonnenschein, was die Protagonisten der Beatmusik damals umgab. Da gab es nörgelnde Polizisten oder unfreundliche Gastwirte und die Glückstädter Stadtverwaltung, die auf den Plan gerufen wurde, als sich eine Mitbürgerin über die „Kapellenmusik“ der Band „The Darting Flame“ beschwert hatte. Bürgermeister Dr. Bruhn schrieb an Reinhardt Schade29:

„Sehr geehrter Herr Schade! Wie Ihnen bekannt ist, hat sich Ihre Nachbarin, Frau (...) in Glückstadt, Reichenberger Straße (...), darüber beschwert, daß Sie zusammen mit weiteren 4 Personen mehrmals wöchentlich im Hause Glückstadt, Reichberger Straße 31, Kapellenmusik über eine Verstärkeranlage machen. Durch diesen übermäßigen Lärm, der bei geschlossenen Türen und Fenstern im Nachbarhaus zu hören ist, fühlt sich die Familie (...) stark belästigt. - Wie Sie in Ihrer Vernehmung am 25.4.1969 aussagen, haben Sie den für das Musizieren benutzten Raum bereits mit schalldämmenden Mitteln abgedichtet. Eine weitere vollständige Schallabdichtung soll in allernächster Zeit folgen. Sie bemühen sich mithin offenbar, durch geeignete Maßnahmen die Ursachen der berechtigten Beschwerden zu beheben. Für dieses Mal wird deshalb das gegen Sie eingeleitete Bußgeldverfahren eingestellt. - Ich darf Sie aber darauf aufmerksam machen, daß nach der Verordnung (Polizeiverordnung) zur Bekämpfung des Lärms (Lärmverordnung) vom 16.12.66 vermeidbarer Lärm verboten ist. Wenn weiterhin musiziert werden soll, haben Sie alle möglichen und zumutbaren Vorkehrungen zu treffen, damit eine Lärmbelästigung auf Nachbargrundstücken unterbleibt. - Falls in Zukunft gleich oder ähnlich Beschwerden auftreten, wird es sich aber nicht vermeiden lassen, daß eine Geldbuße gegen Sie festgesetzt wird.  -  Ich hoffe auf Ihre Einsicht.  -  Hochachtungsvoll (Unterschrift) Dr. Bruhn“.

Peter Wischmann – Peter Stern – Roy O.

Wer über Beatmusik im Steinburger Raum spricht, wird an dem Namen Peter Wischmann30 nicht vorbeikommen. Nicht nur in den 1960er Jahren, auch heute noch lebt und arbeitet der Vollblutmusiker für die Kunst und Unterhaltung: als Sänger und Bandleader, als Veranstalter groß aufgezogener Shows und Inhaber der Firma „Globus Musik“ in Itzehoe.

Das musikalische Leben von Peter Wischmann, der sich mit Künstlernamen zwischenzeitlich auch Peter Stern nannte, ist so facettenreich, dass es nicht als exemplarisch für Jugendliche der Beatgeneration gelten kann, die tagsüber gearbeitet haben oder zur Schule gegangen sind und sich die Abende und Nächte auf den Brettern die Zeit vertrieben haben, die für sie damals die Welt bedeuteten. Viele von ihnen haben ihre musikalischen Ambitionen begraben, als die Discowelle mit Beginn der 1970er Jahre über das Land schwappte. Peter Wischmann ist dabeigeblieben, und wer die Begeisterung spürt, die aus den Worten dieses Mannes sprüht, wenn er über „seine“ Zeit auf den Showbühnen spricht, der bekommt als geneigter Zuhörer einen Eindruck von dem, was einen jungen Menschen damals eingenommen hat, für etwas, was von vielen Erwachsenen als Subkultur abgetan worden ist: „Tam-Tam-Musiker“, „langhaarige Gammler“, „Taugenichtse, die nicht wissen wohin mit ihrer Zeit“, waren einige der Bezeichnungen, die die Beatgeneration verächtlich machen sollte. Und die so sprachen, hatten knapp 20 Jahre zuvor als Helfer eines unsäglichen Regimes mit dazu beigetragen, im Namen des Nationalsozialismus Europa in Schutt und Asche zu legen.

Wie gesagt, Peter Wischmanns Leben ist nicht exemplarisch, und das macht es so interessant.

Peter Wischmann wurde 1947 in Hochdonn geboren und zog 1950 mit seinen Eltern nach Itzehoe. Er besuchte die Volksschule in Sude, wechselte dann auf die Realschule „R 1“ in Itzehoe, die er 1963 mit der Mittleren Reife abschloss. Dreieinhalb Jahre lang lernte er den Beruf des Werkzeugmachers bei der Firma Nier in Hohenlockstedt. „Doch danach habe ich festgestellt, dass das nicht mein Leben ist“, sagt er. Also machte er seinen Führerschein, ging nach Bielefeld und flog nach einem halben Jahr durch die praktische Prüfung. Das Geld für die Schule hatte er sich durch Musikmachen verdient. Ein sofortiges Wiederholen des Lehrganges war nicht möglich. Die schulischen Regularien sahen eine Übergangsfrist von mindestens einem halben Jahr vor. Diese Zeit wollte Peter Wischmann mit Arbeiten in Itzehoe überbrücken. Einen Job fand er bei der Norddeutschen Rundschau, wurde Kurierfahrer. Dann, nach einer Woche, stellte ihn die Rundschau als Betriebsinspektor an. Für die nächsten zwei Jahre kontrollierte er das Austrägerwesen im Betrieb und organisierte Veranstaltungen für die Norddeutsche Rundschau. Unter seiner Regie fand das „Erste Norddeutsche Rundschau Beatfestival“ im Colosseum in Wilster statt, 1969 holte der die Beatband Ian & The Zodiacs nach Hohenlockstedt, die als waschechte Liverpooler damals zu den populärsten Bands in Deutschland gehörten.

Doch das war nicht der Anfang. Peter Wischmann erzählt: „Mein Interesse für die Musik wuchs durch zweierlei: Durch die Gründung des schuleigenen Spielmannszuges im Jahre 1959 und durch die Gründung des Posaunenchors an der Itzehoer St. Ansgar-Kirche im gleichen Jahr. Bei beiden wurde ich aktiv. Im Spielmannszug spielte ich Querflöte. Mit dabei waren auch Michael Wittmaack und Conny Schwarz, der mir später das Banjospielen beibrachte. Der Posaunenchor stand unter der Leitung des Organisten Ralf Lamaack, mit dem mein Bruder Reimer, Armin Salzwedel, Rudolf Zimmermann, Hans-Werner Kühl und ich sehr oft in der Kirche während des Gottesdienstes gespielt haben. In diesem Chor spielte ich die B-Trompete. Noch gut erinnere ich mich daran, wie wir am Heiligen Abend bei klirrender Kälte Weihnachtsmusik vom Turm der St. Laurentii Kirche gespielt haben. Anschließend spielten wir dann im Itzehoer Gefängnis und im Altenheim. Höhepunkt mit der Gruppe war aber unsere Teilnahme 1961 und 1962 am Landesposaunenfest in der Kieler Ostseehalle“.

Die Realschule 1 sollte musikalisch gesehen einen weiteren Nutzen haben. Anfang 1960 gründeten sich an dieser Schule die Old Fellows, deren Mitglied Peter Wischmann ebenfalls wurde. In den Schulräumen wurde fleißig geprobt. Und der Höhepunkt für diese Band war die musikalische Gestaltung einer Schulabschlussfeier in der Gaststätte Lübscher Brunnen.

1963 traten bei Peter Wischmann Veränderungen im Musikgeschmack ein. Wischmann: „Nachdem ein Jahr zuvor der ‚Star-Club’ in Hamburg aus der Taufe gehoben war und die Beatles die Bühnen erobert und die Hitparaden gestürmt hatten, hatte auch mich und andere diese musikalische Revolution erfasst. Ich nahm Abschied vom Posaunenchor, vom Spielmannszug und den Old Fellows und wandte mich mit anderen der Beatmusik zu. Anfang der 1960er Jahre war in Holstein auch die Zeit der Sängerwettstreite mit Bands wie Paul A. Grimmke, den Blauen Jungs oder die River Boys. Jeder, der wollte, konnte sich zu ihnen auf die Bühne stellen und singen. Ich nahm mehrmals teil und lag meistens auf den vorderen Plätzen. Ich sang deutsche Titel, ‚Bravo Bambina’ von Rex Gildo oder ‚Moonlight’ von Ted Herold. Natürlich gehörte etwas Glück dazu, um zu gewinnen. Doch dieses Glück hatte ich auch. Die Erfolge31 haben mich dann motiviert, eine Band auf die Beine zu stellen. Zusammen mit Holger Pink (Rhythmusgitarre/Gesang), meinem Bruder Reimer (Schlagzeug), Geert (Rhythmusgitarre/Gesang) und Frank Passauer (Sologitarre) gründete ich 1964 die Gruppe The Scarlets, die bis 1969 aktiv war. Ich war Sänger und Bassgitarrist. Geprobt haben wir abwechselnd im Haus der Jugend 110 im Juliengardeweg und in der alten Kantine der Holzhandlung Biel in der Helenenstraße. Die technische Ausstattung, die wir besaßen, war höchst einfach. Als Verstärker unserer Instrumente benutzten wir zum Beispiel alte Röhrenradios. Unseren ersten Auftritt hatten wir 1965 im Dorfkrug in Drage. Dort verdienten wir unser erstes Geld als Musiker: 20 Mark pro Person. Weitere Auftritte folgten im Suder Hof in der Brückenstraße, dem späteren Cheyenne-Club, im Haus der Jugend, wo wir zum Sonntagstanztee aufspielten, in der Gaststätte Zur Linde im Wellenkamp oder in der Zentrale Averlak. Auch außerhalb des Kreises Steinburg hatten wir Engagements.1966 wurden wir Hausband im Glückstädter ‚UdL’ und im Holsteinischen Haus bei Hanne Holm in Wilster. In Glückstadt wurde dann unter der Leitung von Gabi Müller der erste Scarlet-Fan-Club gegründet. Das war 1967. Für uns war es selbstverständlich, die Titel zu spielen, die damals auch aktuell waren, und die von den Großen der Beatmusik kamen. Dazu gehörten Titel wie ‚Land Of 1000 Dances’ von den Walker Brothers, Monday Monday’ von den Mamas & Papas, ‚Wild Thing’ von den Troggs, ‚Love minus Ciro’ von Bob Dylan oder ‚Extacy’ von Lee Curtis. ‚Extacy’ war übrigens der Titel, den damals jede Band spielte, so populär war das Stück.“

Aus einem Zeitungsartikel32 geht hervor, dass die Scarlets während ihres Bestehens auf eine Veranstaltung zugunsten der „Aktion Sorgenkind“ gespielt haben. In dem Text heißt es unter anderem: „(...) Morgen abend ist es soweit! Im Lokal ‚Unter den Linden’ werden sie (Anmerkung: The Scarlets) zugunsten der Sorgenkinder aufspielen. Mit ihnen ‚The modern Swing group’, eine Glückstädter Jazzkapelle, die sich in ihrer Heimatstadt schon seit langem einen Namen gemacht hat. Dazu gesellt sich der Itzehoer Amateur-Magier Helmut Keine, so dass es eine runde Sache zu werden verspricht. ‚Jede kleine Spende hilft mit, die sozialen Probleme nach und nach zu lösen’, sagt Bandleader Peter Wischmann der Rundschau. ‚Darum habe ich mich gefragt, warum sollten wir, die ‚Scarlets’, nicht einmal auf unsere Gage verzichten und den Erlös der ‚Aktion Sorgenkind’ zukommen lassen.’ In den anderen Mitwirkenden und vor allem im Wirt des ‚UdL’, Hans Schmidt, fanden sie Gleichgesinnte und so kann nun morgen diese Veranstaltung über die Bühne gehen. (...). Wir wünschen den ‚Scarlets’ und allen anderen Mitwirkenden, daß sie morgen ein volles Haus im Glückstädter ‚UdL’ haben, zugunsten derer, die nicht singen und tanzen können und die unsere Hilfe dringend bedürfen, die ‚Sorgenkinder’.“

Das „UdL“ in Glückstadt war für Peter Wischmann aber nicht nur der Ort, an dem er Musik machte. Dort machte er auch erstmals Bekanntschaft mit dem Metier, das ihn bis heute nicht losgelassen hat. Er wurde Veranstaltungsorganisator. Wischmann: „Ich holte Bands aus dem ‚Star-Club’ nach Glückstadt, die dann zusammen mit den Scarlets gespielt haben: Lee Curtis & The All Stars, The Lords, The Wags und The Baumann-Brothers. Ab 1967 gab es im ‚UdL’ eine Neuerung, die sich im größeren Stile aber erst drei Jahre später so richtig durchsetzte: Michael ‚Mike’ Jahnke war der erste DiscJockey, nach dessen Platten getanzt wurde. Mit ihm zusammen haben die Scarlets dann einige Veranstaltungen durchgeführt.“

1968 wurde zu einem großen Jahr für die Scarlets. In den Teldec-Studios in Hamburg nahmen sie ihre erste und einzig EP33 auf . Enthalten sind auf der Scheibe, von der 300 Stück gepresst worden sind, vier Covervisionen von „It’s All Right“ (Walker Brothers), „Unchained Melody“ (Righteous Brothers), „Saturday’s Child“ (Walker Brothers) und „You Can’t Home Again“ (P.J. Proby). Die Produktionskosten betrugen 1200 Mark. Im gleichen Jahr traten die Scarlets dann auch im Hamburger „Star-Club“ im Rahmen eines Bandwettbewerbes auf, zu dem sie sich beworben hatten.

Für Peter Wischmann war der 1968er Auftritt im „Mekka des Beat“ nicht erstmalig. Bereits 1967 stand er dort als Solist auf der Bühne. Zu den Klängen der Rivets (mit Henner Hoyer) sang er den Roy Orbison Hit „Pretty Woman“. Dies brachte ihm Platz drei in dem Sängerwettstreit und eine Urkunde ein, die von Tony Sheridan34 unterzeichnet war.

Über seine Auftritte im „Star-Club“ sagt Peter Wischmann: „Der ‚Star-Club’ war das absolute Mekka der Beatszene. Er war der Treffpunkt der Weltstars, und wir hatten den Zugang dazu. Die Musik, die dort gespielt wurde, war im allgemeinen sehr gut. Das gilt in erster Linie natürlich für die Großen des Geschäfts, die sehr professionell arbeiteten. An sie war sehr schwer heranzukommen, weil sie sich gegenüber anderen doch sehr abschotteten. Die Konkurrenz war eben sehr groß, und jeder wollte möglichst schnell mit einem neuen Hit auf den Markt kommen, wollte erfolgreicher als andere sein. Einige bildeten sich auf ihren derzeitigen Status als Beatmusiker etwas ein. Von der Sache her aber war es etwas sehr Schönes mitzuerleben, wie eine Weltband nach der anderen auftrat, dass sie sich gegenseitig anspornten und kreativ waren.“

1968 hat für Peter Wischmann aber auch noch in einer weiteren Hinsicht einen großen Stellenwert. Peter Wischmann: „Die Scarlets wurden vom NDR in die Filmstudios nach Hamburg-Wandsbek eingeladen, um dort gemeinsam mit Professor Heinz Haber in der Fernsehsendung ‚Mathematik und Musik’ mitzuwirken. Professor Haber35 gab Erklärungen darüber ab, inwieweit diese beiden Dinge in Verbindung stehen. Das war übrigens eine der ersten Fernsehsendungen, die in Deutschland in Farbe36 ausgestrahlt worden ist. Im Sommer trafen wir dann mit Rainer Boldt aus Hohenlockstedt zusammen. Boldt war Regiseur und Produzent des Films ‚Nachtrag zu einer unwahrscheinlichen Gaby’. Auf einer Wiese bei Hohenlockstedt bauten wir unsere Instrumente unter einer Eiche auf und spielten „Sounds Of Silence“ von Simon & Garfunkel. Das wurde dann gefilmt. Boldt lebt heute auf Fuerteventura.

Wie andere Bands aus der Region traten auch die Scarlets im Itzehoer Startanzcasino in der Mühlenstraße auf, dass vor seinem Umbau zum Beatschuppen ein Kino, das UT, gewesen ist. Wischmann: „Hier traten wir auch unter der Bezeichnung P.J. & The Scarlets auf. Dies rührte daher, weil wir sehr viele Titel von P.J. Proby in unseren Repertoire hatten. Gespielt haben dort auch die Rattles, Wonderland, Casy Jones & The Governors oder die Quartermasters. Wenn die mit John Ritchie auftraten, gab es immer viel Gejohle und Geschrei unter den Fans. John war ein richtiger Liebling der Massen.“

Trotz großer Erfolge: 1969 lösten sich die Scarlets auf und es formierte sich eine neue Band, in der Peter Wischmann mitwirkte: Die Gruppe United, die sich in wechselnden Besetzungen, unter anderem mit Frank Passauer und Achim Harbeck, bis 1973 hielt. Gegenüber den 1960er Jahren hatte sich zwischenzeitlich der Musikstil geändert. In jener Zeit präsentierten die Gruppen vorwiegend Beat. Doch die Zeit blieb nicht stehen. Auch hiesige Gruppen, wie die Scarlets, bauten wie selbstverständlich Disco-Elemente37 in ihre Stücke mit ein. Auch sie gingen mit der Zeit, passten sich den veränderten Wünschen der Fans an.

Über diesen Teil seiner Biographie erzählt Peter Wischmann: „Unseren ersten Auftritt mit United hatte ich 1969 beim Beatfestival der Norddeutschen Rundschau. Wir belegten den ersten Platz und gewannen damit eine Schallplattenaufnahme. Aufgenommen wurde von uns eine Single38 mit den Titeln ‚Mission Bell’ und ‚Tossing And Turning’.“

Auf der Plattenhülle ist folgendes vermerkt: „Sieger im großen Beat-Festival der Westküste“ – „Im Mai 1969 verpflichtete der Norddeutsche Rundfunk ‚the united’, durch die guten Leistungen im Beat-Festival aufmerksam gemacht, mit 7 Stücken im Rahmen der Sendung ‚Schulfunk mit Gästen’39.“

Über die Präsentation ihrer Schallplatte schreibt die Norddeutsche Rundschau40:

Uniteds und Schallplatte

„Also, bei dem Wetter wäre ich ja auch lieber baden als beaten gegangen. Und sa war es für mich jedenfalls durchaus verständlich, daß zu Beginn der Veranstaltung das Colosseum sich in seiner ganzen Größe präsentierte, man konnte fast alle Stühle sehen, da sie leer waren. Später sollte sich das aber entscheidend ändern. Denn so um sieben war der Saal voll, leere Stühle konnte man zwar immer noch sehen, das lag aber daran, daß jetzt fleißig getanzt wurde, koste es Schweiß, was es wolle. Es war ja auch nicht irgendeine Beat-Veranstaltung, die wir da vom Stapel lassen die niedrige Stirn hatten, sondern es war sozusagen eine Welturaufführung in würdigem Rahmen. Zum ersten Mall stellten sich die Rundschau-Beat-Festival-Sieger mit ihrer ersten Schallplatte der Öffentichkeit (...). Na und das war schon ein großer Augenblick, besonders für die Band. Wie sagte doch Herr Nörenberg als Vertreter des Verlages so schön: ‚Ziel war es, junge Talente zu fördern.’ Und das haben wir ja denn wohl gemacht. (...). Ja, und dann kam der große Augenblick. Nach drei Stunden des Wartens, natürlich angenehm verkürzt41, wurde die Schallplatte feierlich überreicht, so mit Reden und Blumen, wie es sich für solch einen Moment gebührt.Zum ersten Mal konnte das Publikum hören, was im Studio entstanden war. Auf dem Plattenteller lagen die Uniteds, das heißt natürlich, nur ihre Platte, aber man sagt das ja so. Ich persönlich meine, daß sie gut ist. Mir gefällt sie jedenfalls. Und daß das nicht nur mir so geht, beweist ja auch, daß bei der Veranstaltung schon so etliche verkauft werden konnten. (...).“

Und der Erfolg hielt an. Es folgten Auftritte in ganz Norddeutschland, in Holland und sogar auf der Fähre „Prinz Hamlet“. Auf der Trabrennbahn Hamburg-Bahrenfleth hatten United einen Termin mit Abi Ofarim und Freddy Quinn.

Über das Konzert auf der Trabrennbahn berichtete damals die Norddeutsche Rundschau42. Sie titelte:

Beim großen Trab in Bahrenfeld: Freddy, Dorthe, Abi und The United

„Das war sie, die Show der Giganten, der Stars von heute und morgen (...). Zu dem Rendezvous der Künstler, Film- und Theaterregisseure, Politiker und Sänger hatte eine Hamburger Tageszeitung43 eingeladen, die anlässlich ihres 20-jährigen Bestehens einige Größen des Showbusiness auf der Trabrennbahn ‚unter Dach und Fach’ brachte. Im Prominentenzelt (...) fanden sich Dorte, deutscher Schlager-Erfolgsstar aus dänischen gefilden; Abi Ofarim, weltberühmter Folklorestar (...); Deutschlands populärster Volkssänger, der mit beliebten Seemannsweisen und anderen Songs seit Jahren die Herzen von jung un alt schmelzen lässt: Freddy. Alle drei ließen diesmal sehr wenig von sich hören, für die hauptmusikalische Untermalung sorgte die mittlerweile in Hamburg Rang und Namen besitzende Beatband ‚The United’ aus Itzehoe, die das gesamte Publikum aus einer Konzertmuschel heraus mit von einer Hamburger Zeitung al ‚typisch amerikanischen Beat-Stil’ zitierte Musik unterhielt. Zwei Einlagen gab Liberias Pop-Soul-Beatband Nr. 1, ‚The Soulful Dynamics’ (...). Gleichsam mit dem Interesse der zahlreichen Zuschauer an den Pferdegespannen war das an die junge Band ‚The United’, die es verstand, ihr Publikum, das sich in Massen um die Konzertmuschel scharte, vorzüglich mit schnellen und langsam, gut aufeinander abgestimmten Songs zu unterhalten. ‚Mission Bell’, ‚Tossing and Turning’ (A- und B-Seite der ersten Single der ‚United’) sprachen die Gäste ebenso gut an wie die verschiedenen anderen Interpretationen. ‚Wenn die Boys weitermachen, können sie’s weit bringen’, verriet Freddy und setzte fort: ‚Sie haben das ‚Zeug’ für’s internationale Show-Geschäft!’ Er wünschte den fünf weiterhin viel Erfolg und ‚... toi, toi, toi!’“

Zwischen 1970 und 1973 folgten Musikveranstaltungen die United mit Peter Maffay, The Sweet (u.a. „Ballroom Blitz“), Billy Mo, den Jacob Sisters und den Fortunes aus England (u.a. Here It Comes Again).

Peter Wichmann zum Konzert mit Peter Maffay 1972 in Vlagdvedde/Holland : „Peter Maffay war damals schon ein großer Star, der unter anderem in Süd-Afrika, Deutschland und Holland eine große Fangemeinde hatte. Auf das Konzert mit ihm in Holland hatten wir uns musikalisch sehr gut vorbereitet. Nachmittags war Probe. Maffay war richtig beeindruckt davon, das United seine Stücke so gut begleiten konnte. Als er dann abends die Bühne betrat, brannte die Hütte. Die Fans waren schier aus dem Häuschen. Das weiß ich wie heute. Es waren ungefähr 1500 Zuhören im Saal. United spielte die ersten drei Stücke ohne ihn. Nachdem er die Bühne betreten hatte, lieh er sich die Gitarre von Holger Pink aus, und zusammen sangen wir ‚Land Of 1000 Dances’. Nachdem Maffay eine Serie mit uns gespielt hatte, stieg er aus und United bestritten das Programm allein weiter. Für den Termin mit ihn hatten wir vorher sechsmal geprobt, pro Übungsabend drei Stunden. Erleichtert hat uns, dass wir sowieso Maffay-Titel im Programm hatten.“

Nachdem sich United 1973 aufgelöst hatte sang Peter Wischmann kurzfristig für die Gruppen United Family44 und Tornados. Bei den Tornados war er der Nachfolger des Sängers Hans Hartz („Die weißen Tauben sind müde“).

Parallel zu seinem Engagement mit der Gruppe United schuf sich Peter Wischmann mit dem Projekt Peter Stern ein weiteres künstlerisches Standbein. Hierüber erzählt der Musiker: „Der Musikverleger Rolf Baierle, ROBA-Musik, verhalf mir zu eigenen Veranstaltungsterminen in Hannover, im Kursaal von Bad Salzuflen, in Bad Oeynhausen, bei Pressebällen, in Holland . ‚Geboren’ wurde die Idee, auch als Solist mit dem Namen Peter Stern aufzutreten, 1972 Vlagdvedde in Holland. Entdeckt hat mich hierfür der Manager des Sängers Randolph Rose, der in Deutschland mit ‚Silvermoon Baby’ einen Riesenhit landete. Mit Randolph Rose stand ich dann auch zusammen in Vlagdvedde auf der Bühne. Von Randolphs Manager wurde ich an das Produzententeam Manfred Oberdörffer/Hans-Georg Moslener vermittelt. Oberdörffer war übrigens Sänger der Band Tony Tornado & The Tonics und hatte als Tony Erfolg mit dem Lied ‚Mädchen mit roten Haaren’.“

Das Produzententeam Öberdörffer/Moslener verschaffte Peter „Stern“ Wischmann einen Schallplattenvertrag bei der Hamburger Metronom. Verleger war Rolf Baierle. Die erste Schallplatte, die der Itzehoer unter der Bezeichnung Peter Stern aufnahm hieß „Das weiße Haus von San Michele“.

Mit diesem Erfolg in der Tasche war Peter Stern dann zu Gast in vielen Radiostationen Deutschlands und Hollands, spielte eine weitere Single ein: „Sommer, Sonne“ und „Hey du, Hallo“ lauteten die Titel..

In guter Erinnerung sind ihm insbesondere zwei Termine geblieben, die er damals als Peter Stern bestritt. „1973 überreichte ich beim Presseball in Bad Oeynhausen im Rahmen einer PR-Aktion an Landwirtschaftsminister Josef Ertl eine meiner Schallplatten. 1974 tourte ich zwei Wochen lang mit eine Show durch Kurhallen an Nord- und Ostsee. Mit dabei waren auch Tony, Peter Petrel, Ray Miller, die Gruppe Windows, Edina Pop, Marboo, Nero Brandenburg, ein DiscJockey vom RIAS-Berlin, und Big Secret von den Les Humphries. Organisiert wurde die Bädertour von den Gebrüdern Tiedemann aus Lunden, später Heide, jetzt Hamburg.

1975 gelangte Peter Wischmann dann auf Vermittlung der Metronom in die Gruppe Wir, mit der er reine Studioarbeit verrichtete und die Songs „Bunt sind die Blumen“ und „Mit Jesus“ einspielte. Mit zum Wir-Team gehörten unter anderem auch Tony Sheridan und Drafi Deutscher.

Von Metronom wechselte Peter Wischmann noch 1975 nach München zu Ralph Siegel und damit zur Plattenfirma Jupiter-Records. Produzent war dort Robert Puschmann, der zusammen mit Barta Ilic den Schlager „Michaela“ herausgebracht hatte. Für Peter Wischmann schrieb Poschmann das Stück „Ich hab die Liebe gefunden“. Dieses Stück stellte der Itzehoer in verschiedenen Fernsehsendungen vor. Er sang in der Aktuellen Schaubunde, bei der Münchner Abendschau und bei der Berliner Umschau. Insgesamt verkaufte sich die Single 20000 mal. Interessant ist an diesem Stück, dass es als deutsche Version auch Tony Christie vorgestellt worden ist, der das Lied für sich in englischer Sprache produzierten. Unter dem Titel „A Man Will Cry For His Woman“ kam es dann auf den Markt. Eigentlich hätten der Australier und Peter Wischmann daraufhin gemeinsam in Hamburg auf der Bühne stehen sollen. Doch der Termin kam wegen einer Erkrankung Christies nicht zustande.

Zustande gekommen ist aber Peter Wischmanns Beteiligung an der deutschen Ausscheidung zum Grand Prix de Eurovision im Jahre 1975.

Peter Wischmann erinnert sich: „Robert Puschmann bekam von der CBS-Plattenfirma in Frankfurt den Auftrag, für die deutsche Grand Prix-Vorentscheidung eine sechsköpfige Band zusammenzustellen. In diese Gruppe wurde ich mit eingebaut. Sie nannte sich Meetin` Point, und wir sangen das Stück „Es ist ein Mensch“. Mit diesem Beitrag zu der Veranstaltung, die bundesweit live im Ersten Deutschen Fernsehen ausgestrahlt wurde, landeten wir unter zwölf Teilnehmern auf Platz drei, direkt hinter den Les Humphries Singers. Für mich war das als Sänger der größte Erfolg in meine Musikerkarriere.“

Dass sich dieser Erfolg nicht wiederholen würde lag daran, dass Peter Wischmann bald darauf eine Familie gründete und nicht mehr die Zeit aufbringen konnte, um sich seiner Arbeit als Sänger so zu widmen, wie es im Showgeschäft erforderlich, will man denn erfolgreich sein. Aufgegeben hat Peter Wischmann seine Liebe zur Musik aber nicht. Heute ist er mit seiner Oldie-Band Face To Face wieder unterwegs, hatte zehn Jahre lang hat er das Projekt Roy Orbison Revival Band betrieben.

Über dieses Engagement schrieb die Zeitung45:

In Steinburg gegründet:
Roy Orbison Revival Band

Roy Orbison starb1988. Rund 500 Titel hinterließ die amerikanische Rock-Legende. Zwei Jahre nach seinem Tod gründete der Itzehoer Sänger Peter Wischmann, der den US-Star noch live erlebt hatte, die „Roy Orbison Revival Band“. Die achtköpfige Gruppe – außer Keyboarder Heinz Rapior alles nebenberufliche Musiker – hat sich weit über die Grenzen des Kreises Steinburg einen Namen gemacht.

“Als ich ins Studio ging, um ‚Born to Run’ aufzunehmen, wollte ich einen Text machen, der wie von Bob Dylan war. Klingen sollte das Ganze wie Phil Spector. Aber vor allem wollte ich singen wie Roy Orbison“. Dies sagte kein Geringerer, als der amerikanische Rockstar Bruce Springsteen über den Mann mit der Operettenstimme, der mit „Pretty Woman“ oder „Only The Lonely“ Welterfolge feierte. Und der „King of Rock`n`Roll“, Elvis Presley, formulierte seinen Respekt vor Roy Orbison so: „Ganz einfach: Der beste Sänger der Welt“.

Doch den „besten Sänger der Welt“ gibt es nicht mehr. Roy Kelton Orbison, der während seiner Karriere mehr als 500 Titel herausgebracht hatte, starb am 6. Dezember 1988 im Alter von 52 Jahren in Hendersonville/Tennessee an einer Herzattacke. Doch seine Musik lebt weiter: auf LPs und CDs sowie Filmbändern, die bei unzähligen Konzerten mitgeschnitten worden waren. Und durch die „Roy Orbison Revival Band“, die der Itzehoer Verlagskaufmann Peter Wischmann vor elf Jahren gründete und die seitdem bei vielen Oldie Nights in Norddeutschland zu einer bestimmenden Größe der Musik geworden ist, die vor rund 40 Jahren die Charts beherrschte.

Angefangen hatte es mit „Roy O.“, wie die Band auch genannt wird, 1981 in Berlin. Damals erlebte Peter Wischmann Roy Orbison live in der Berliner Deutschlandhalle. Seit dem ging ihm die Musik des Amerikaners nicht mehr aus dem Sinn.

„Zu Lebzeiten von Roy Orbison hätte ich nicht gewagt, eine Revival Band unter seinem Namen zu gründen und ihn zu kopieren. Doch nach seinem Tod entstand für mich eine neue Situation. Ich empfand, dass diese Musik einfach weiterleben musste. Orbison sang die Titel mit viel Herz und Seele. Diese Musik will ich mit „Roy O.“ am Leben erhalten“, sagt Peter Wischmann. Wischmann war 1975 mit der Gruppe „Meetin` Point“ dritter der deutschen Grand Prix-Ausscheidung („Es ist ein Mensch“) und ist Gründungsmitglied des Steinburger Oldie-Clubs (1990).

Neben Peter Wischmann bildeten 1990 Hans-Jörg Reimer, Volker Brüchmann, Frank Passauer, Hans Kohrs, Wolfram Miszuweit, Melanie Stahlkopf und Monika Schreier die Revival Band.. Zwischenzeitlich haben einige der Protagonisten von „Roy O.“ gewechselt. Melanie Stahlkopf zum Beispiel hat es zum Musical („Only You“ mit Ex-Rattle Henner Hoier) gezogen, und Monika Schreier ist auf eigenem Tonträger zu hören.

Heute besteht die Gruppe neben Wischmann (Vocal) und Brüchmann (Gitarre/Vocal) aus Jürgen Frese (Gitarre/Vocal), Heinz Rapior (Keyboard/Vocal), Peter Lappann (Drums), Uwe (Bass/Vocal) und Maren Lellek (Vocal) sowie Lorraine Bölinger (Vocal).

Die Konzerte der „Roy Orbison Revival Band“ finden in Anlehnung an die Formation statt, wie sie Roy Orbison am 30. September 1987 in Los Angeles während der „Black And White Night“ (mit Jackson Browne, T-Bone Burnett, Elvis Costello, K.D. Lang, Bonnie Raitt, Steven Soles, J.D. Souther, Bruce Springsteen, Tom Waits und Jennifer Warnes) präsentierte. Auch bei „Roy O.“ bilden zwei weibliche Stimmen den Backgroundgesang, die Instrumente sind den männlichen Bandmitgliedern vorbehalten. Einzige Ausnahme: Peter Wischmann spielt nicht selbst Gitarre. Mit weicher Stimme schafft er eine Atmosphäre, die den Zuhörer in ihren Bann zieht und Zeit zum Träumen lässt. Die Bühnenshow der Revivel Band ist genauso zurückhaltend, wie die ihrer Vorbilder. Kein extrovertiertes Gehabe lenkt von der Musik ab. Wie der Frontmann sind auch die übrigen Bandmitglieder dunkel gekleidet. Roy Orbisons Markenzeichen, eine dunkle Sonnenbrille, wird auch von Wischmann während der Konzerte getragen.

Diese brauchen nach Jahren der Zusammenarbeit nicht mehr besonders vorbereitet zu werden. „Wir kommen als Gruppe zweimal im Jahr zum Üben zusammen, denn das Programm steht ja im Wesentlichen fest. Eventuell werden wir den einen oder anderen Orbison-Titel neu mit in unser Repertoire aufnehmen. Ich denke da an „Ride Away“, „Wild Hearts Run Out Of Time“ oder „Down The Line“ Daran müssten wir dann sicherlich feilen. Ansonsten trifft sich die Band ausschließlich bei den Konzerten“, erklärt Peter Wischmann.

Die Bandmitglieder stammen aus ganz Schleswig-Holstein und haben zum Teil auch noch Arrangements in anderen Musikgruppen oder verstärkten in der Vergangenheit andere Kapellen. Wolfram Miszuweit zum Beispiel war Mitglied der Itzehoer „Quartermasters“, einer Beat-Band während der „Swinging Sixtees“, und kann wie Peter Wischmann auf Engagements im legendären Hamburger „Star Club“ zurückblicken. Volker Brüchmann ist Mitbegründer der Formation „Top Union“, und Peter Lappan spielte bei „Hollywood“. Maren und Uwe Lellek sind in einer Hamburger Tanzkapelle aktiv. Einziger Berufsmusiker bei „Roy O.“ ist Heinz Rapior.

Eigentlich war das Projekt „Roy Orbison Revival Band“ zeitlich begrenzt. Doch davon kann jetzt keine Rede mehr sein. „Wir hatten uns im Gründungsjahr vorgenommen, zehn Jahre zusammen zu arbeiten. Somit hätte das Aus für die Revival Band nach unserem jüngsten Auftritt in Neumünster Ende 2000 kommen müssen. Doch weil niemand aus der Gruppe das Projekt in Frage stellte, führen wir es zunächst einmal fort“, sagt Peter Wischmann über die Zukunft der Band, mit der er auf der CD „Steinburger Oldie-Nights, Live 1“ mit „Indian Summer“ und „I Drove All Night“ zu hören ist. Darüber hinaus erklingt die Kapelle auf der Promotion-CD „The Roy Orbison Revival Band live“ unter anderem mit „Crying“, „Uptown“ und „California Blue“.

Viele Oldie-Fans werden sich über diese Nachricht freuen, sind doch weitere Auftritte von „Roy O.“ damit in Aussicht gestellt. Und wer die Gruppe vor knapp zwei Monaten während der „Oldie Night“ von Neumünster vor gut 1000 Gästen live auf der Bühne erlebt hat, kann sich kaum vorstellen, dass sie aufhört zu existieren. Sie wirkt einfach zu frisch, braucht qualitative Vergleiche mit anderen Oldie-Bands nicht zu scheuen und ist mit einer Spielfreude ausgestattet, die das Feeling längst vergangener Beat-Zeiten unverbraucht auf das Publikum überträgt.

Roy Orbison ist als Interpret einzigartig gewesen und als Künstler seines Genres sicherlich unverwechselbar. In „Roy O.” haben sich jedoch Musiker gefunden, die seine Songs vor der Vergänglichkeit bewahren. Möge der „Roy Orbison Revival Band“ mit ihrer Reverenz an eine Pop-Kultur, deren eingängige Melodien immer noch einen großen Freundeskreis haben, ein langes Leben beschert sein.

Richard Karthe

Abschließen sollen den Beitrag um Peter Wischmann zwei Begebenheiten:

1963 wirkte er in einer Statistenrolle in dem Spielfilm Polizeirevier Davidswache des Regisseurs Jürgen Roland mit, der auch für die Stahlnetz-Produktionen des Ersten Deutschen Fernsehens verantwortlich war. Peter Wischmann stand zufällig in Hamburg auf der Straße und trug eine sogenannte Beatle-Jacke. Die war so auffällig, das er für eine kleine Rolle ausgewählt wurde und in dem Streifen mit Hannelore Schroth, Wolfgang Kieling und Günter Ungeheuer zu sehen ist.

1975 wanderte die Single „Ich hab die Liebe gefunden“ auf dem Sunset Boulevard in Los Angeles in seinem Beisein in eine Musikbox der Musikkneipe Filthy McNasty. „Und 1978, ich war wieder in Los Angeles“, so Peter Wischmann, „steckte sie immer noch drin.“

Wolfram Miszuweit

„Der ‚Star-Club’-Vertrag konnte von uns nicht unterzeichnet werden, weil die Gruppenmitglieder ihre Lehre nicht aufgeben wollten“, sagt Wolfram Miszuweit46, ehemaliges Mitglied der Gruppe The Quartermasters. Ausgestellt war der Vertrag auf den 14. Dezember 1964 und hätte auf der einen Seite Unterschrieben worden sein sollen von Manfred Weissleder für die Edition Montana – Star-Club Records, Hans R. Beierlein, München, Nussbaumstrasse 16, und auf der anderen Seite von Wolfram Miszuweit, Michael Wittmaack, Manfred Kliefoth, Günther Rehan und John Ritchie als Mitglieder der Kapelle The Quartermasters. Im Nachhinein bedauert Wolfram Miszuweit, der damals Kapellenleiter gewesen war, die Entscheidung der Gruppe nicht, den Vertrag nicht zu unterzeichnen. Miszuweit: „Nur wenige haben es tatsächlich geschafft, groß herauszukommen. Die Rattles gehörten dazu. Viele andere wurden verheizt. Die Zukunft wäre trotz Plattenvertrag ungewiss gewesen. Wir hatten ja keine finanzielle Absicherung, denn die Gagen waren nicht so hoch.“

Wenn der Vertrag47 zustande gekommen wäre, hätte er zunächst für die Zeit vom 1. Januar 1965 bis zum 31. Dezember 1965 gegolten. Montana hätte ihn vor Vertragsende durch schriftliche Erklärung zweimal um ein Jahr verlängern können.

Gegenstand des Vertrages sollte das Recht sein, Schallplattenaufnahmen mit Darbietungen der Quartermasters auszuwerten. Zu diesem Zweck hätte sich die Gruppe dann verpflichtet, während der Vertragsdauer Titel zur Herstellung von Schallplattenaufnahmen vorzutragen.

Gleichfalls hätten die Quartermasters „unbeschränkt sämtliche Urheber- und sonstigen Rechte an jedem Vortrag für Schallplattenaufnahmen“ auf die Montana übertragen. In die übertragenen Rechte wären „eingeschlossen das Recht der öffentlichen Aufführung sowie der Verwertung im Hörrundfunk, Fernsehen und Tonfilm“ und „ferner das Recht, die Schallaufnahmen zu vervielfältigen, und zwar in jeder heute und zukünftig technischen Art (einschließlich Synchronisation).“ Als Entgelt für die Übertragung ihrer Rechte an die Montana hätten die Quartermasters als einmalige Vergütung erhalten: „DM keine. Mit dieser Zahlung sind alle Ansprüche abgegolten“, heißt es dazu im Paragraphen 5a, der die Zahlung der Pauschal-Vergütung geregelt hätte. Für jeden Tonträger der Quartermasters, der verkauft worden wäre, hätte die Band erhalten: „Bei Lieferung in die Bundesrepublik Deutschland und nach West-Berlin 5 % des Grossistenpreises des Tonträgers. Als Grossistenpreis gilt die Hälfte des Netto-Detailverkaufspreises“ – „bei Lieferung aus der Bundesrepublik bzw. West-Berlin ins Ausland und bei Lieferung ab ausländischer Fertigungsstätte 3 % des Netto-Detailverkaufspreises des Tonträgers im Herstellungsgebiet“ – „bei Lieferung von Tonträgern, die vom Hersteller in eine billigere Serie als die Normalpreisserie eingereiht werden, die Hälfte der (vorgenannten) vereinbarten Prozentsätze“ – „bei direkter oder indirekter Lieferung von Tonträgern durch Montana an Mitglieder von Schallplattenclubs 1 % von Montanas Netto-Erlös“ – „bei direkter oder indirekter Lieferung von Tonträgern durch einen ausländischen Hersteller an Mitglieder von Schallplattenclubs 1 % des Netto-Mietgliedspreises.“ Die Festsetzung des Netto-Detailverkaufspreises hätte übrigens im Ermessen von Montana beziehungsweise dem ausländischen Hersteller gelegen. Wie man an diesen Zahlen und Vertragspassagen erkennen kann, hätten die Quatermasters nicht mit einem hohen Gewinn für ihre Arbeit rechnen können. Insofern ist es nur erklärlich, wenn Wolfram Miszuweit von einer geringen finanziellen Absicherung spricht, die die Bandmitglieder mit Abschluss des Vertrages eingegangen wären. Zumal die Umsatzbeteiligung der Gruppe erst dann zugestanden hätte, „wenn die Kosten für musikalische Begleitung (instrumental und vokal), Dirigent, Arrangement und Notenkopierarbeiten abgedeckt sind“.

Eingeräumt hätte Montana den Quartermasters, dass „in jedem Vertragsjahr mindestens 2 Titel mit Darbietungen“ der Gruppe als Schallplatte aufgenommen werden. Die aufzunehmenden Titel hätten in beiderseitigem Einvernehmen ausgewählt werden sollen. Wäre keine Einigung erzielt worden, hätte die Montana die Auswahl getroffen. Ort und Zeit der Aufnahme wäre von Montana bestimmt worden. Montana hätte „die Schallaufnahmen abzunehmen (gehabt), das heißt zu entscheiden, ob sie zur Entwicklung geeignet und verkaufsfähig sind“. Der Vertrag , so er dann zustände gekommen wäre, wäre erloschen, „wenn nicht bis zum 30. Juni 1965 mindestens 2 Titel der Band veröffentlicht worden“ wären.

Wäre der Vertrag zustande gekommen, hätten sich die Quartermasters auch im Zusammenhang mit öffentlichen Auftritten Regeln unterwerfen müssen: Alle Tourneen, Film- und Fernsehverpflichtungen hätten nur im Einverständnis mit Montana abgeschlossen werden dürfen. Gegen Erstattung der Reise- und Tagesspesen hätte die Band bei Werbeveranstaltungen mitwirken müssen, die Montana zum Zwecke der Absatzförderung durchgeführt hätte.

Wolfram Miszuweit ist 1944 geboren, machte auf der Handelsschule in Itzehoe seinen Realschulabschluss und lernte bei der Firma Ford Bandholz in Itzehoe bis 1965 den Beruf des Groß- und Außenhandelskaufmanns. Dort blieb er bis 1977, um anschließend bei Firma Boschdienst Greve in Itzehoe im kaufmännischen Bereich weiterzuarbeiten.

„Ab 1988“, so erzählt Wolfram Miszuweit, „betätigte ich mich freiberuflich als Musiker. Mit der Gruppe Saitensprung trat ich bei Hochzeiten, Vereinsfesten und Feiern aller Art auf. Meine damalige Musikerkarriere bei den Quatermasters, in der Gruppe United und bei den All Stars, ein Quintett, das sich zwischen 1973 und 1977 aus fünf Musikern zusammensetzte, die aus ganz Schleswig-Holstein kamen und sich nach 1977 International Showband nannte, war letztlich ausschlaggebend dafür, dass ich mein Hobby zum Beruf gemacht haben.

Seine freie Musikertätigkeit erstreckt sich aber nicht nur auf die Darbietung der Musik. In seinem Hause hat er sich ein voll funktionsfähiges Homerecording mit amtlicher Technik eingebaut. Das heißt, interessierte Künstler, die ihre eigenen Songtexte aufnehmen lassen wollen, können das in seinem Studio verwirklichen. „Die komplette Musikproduktion bis hin zur fertigen CD kann in meinem Studio durchgeführt werden.“

Darüber hinaus benötigt der Musiker des Homerecording dazu, um seine eigenen musikalischen Ideen zu verwirklichen, für die normalerweise ein ganzes Orchester oder eine komplette Band benötigt wird. „Die Beherrschung der Technik habe ich mir selbst beigebracht. Ich bin ein Autodidakt, und habe mir die Worte ‚learning by doing’ zueigen gemacht“, bekundet Wolfram Miszuweit. Die „Grundsteinlegung“ für die technische Einrichtung erfolgte 1990. „Ab da habe ich das Studio nach und nach ausgebaut“, sagt er.

In seinem Musikarchiv, das ebenfalls in dem Studio untergebracht ist, lagern 40 bis 50000 Titel. „Von den 30er Jahren bis heute verfüge ich über alles, was irgendwie einmal populär gewesen ist. Ob Jazz, Rock, Pop, Jazz, Skiffel: Bei mir sind alle Richtungen gelagert. Damit kann ich eine ganze Discoshow bestreiten“, betont Miszuweit. Er verfügt sogar über seltene Aufnahmen, solche, die bei „Star-Club“-Konzerten 1962 mitgeschnitten worden sind.

1962 ist ihm sehr gut in Erinnerung geblieben. Miszuweit: „Damals habe ich die Beatles zweimal miterlebt, zu einer Zeit, als die Liverpooler in weiten Kreisen noch völlig unbekannt waren.“

Auf die Frage, warum es die Beatles im Gegensatz zu anderen Gruppen geschafft haben, so populär zu werden, sagt Wolfram Miszuweit: „Die Beatles verkörperten unseren Lebensstil. Geholfen hat ihnen dabei ihr Aussehen mit den Pilzköpfe und den speziellen Anzüge. Ausschlaggebend für den Erfolg war aber ihr Gesangsstil mit dem gut gesetzten mehrstimmigen Gesang wie bei ‚Love Me Do’ oder ‚Please Please Me’.“

Weiter Steinburger Beat-Bands, die im „Star-Club“ spielten

Neben den bereits erwähnten Kapellen, gab es weitere Gruppen in Steinburg, die ihre Freizeit damit verbrachten, ihr Hobby auf der Bühne zu pflegen und für das Publikum zu spielen. Die Informationen erhielt der Verfasser von dem Kellinghusener Frank Passauer48:

The Easy-Beats

Die Band wurde 1962 in Kellinghusen unter dem Namen Heartbreakers gegründet. Erste Gruppenmitglieder waren Dirk Nerger, Holger „Charly“ Gripp, Hans-Peter „Hanne“ Martens und Wolfgang „Happy“ Körtling. Körtling ersetzte den ursprünglichen Sologitarristen, der viele Stücke der Shadows beherrscht hatte. Ansonsten bevorzugte dieser Gitarrist aber eine Musikrichtung, die den anderen Bandmitgliedern nicht sonderlich zusagte. So war es dann ein Glücksfall für sie, dass Körtling zur Gruppe stieß. Vor Gründung der Heartbreakers, sie legten sich erst im Laufe der Zeit den Namen „Easy-Beats49 zu, produzierten die Gruppenmitglieder Skiffle-Musik mit Banjo, Gitarren, Waschbrett und selbstgebautem Teebaß.

Ihr Übungsdomizile hatten die „Easy-Beats“ im Frühstücksraum der Ziegelei in Kellinghusen beziehungsweise in der Nergerschen Fabrik in Wittenbergen. Stücke der Shadows, der Hollies, der Swinging Blue-Jeans und der Dave Clark Five gehörten zum Repertoire der Band, die ihre Instrumente und Verstärker mit Jobarbeiten und mit Krediten von Verwandten finanziert hatten.

Der erste Auftritt der Band erfolgter bei „Bobby“ in Burg/Dithmarschen am Nord-Ostsee-Kanal. Weitere Auftritte folgten: Kellinghusen, Itzehoe (Suder Hof), Marne, Meldorf und wiederum Burg folgten.

1964 stieß dann ein „echter Kölsche Jung“ zur Band, der in Kellinghusen seinen Wehrdienst ableistete: Volker „Phil“ Schönohl. Der Kölner brachte Songs von den Everly Brothers, den Walker Brothers und P.J. Proby mit in das Repertoire ein. Die Songs der Beatles hatten es ihm aber wohl nicht so sehr angetan, jedenfalls ließ er die Band dann lieber ohne sich spielen. Mit „Phil“ wurden die „Easy-Beats“ zu Reisenden in Sachen Musik. Der Bandbus transportierte Mitglieder und Anlage nach Dänemark50, Flensburg51, Mölln, Hamburg-Lurup52, Elmshorn53 und Köln. Dass das Budget bei den Protagonisten in jenen Tagen insgesamt knapp gewesen sein muss, wird daran deutlich, dass sie in Köln auf der Bühne zwischen ihren Instrumenten in nicht im Hotel geschlafen haben. Für manchen unbescholtenen Gutbürger damals sicherlich ein Indiz dafür, dass nun Typen unterwegs waren, denen nicht über den Weg zu trauen ist54. Es folgte Weihnachten 1964 ein mehrtägiges Engagement im Flensburger55 „Star-Club“ mit den Classics. Am liebsten spielten die „Easy-Beats“ aber in Burg auf Fehmarn, weil dort „das Publikum und die Einnahmen großartig waren“. Am 1. Januar 1965 nahm die Gruppe an einem Bandwettbewerb im Hamburger „Star-Club“ teil. Teilnehmer waren gleichfalls die Quartermasters und die Vanguards aus Itzehoe56. Nachdem für Hans-Peter Martens die Entscheidung anstand: Abitur oder Musik und er sich für das Abitur entschied, wurde Arick Staltmann als Nachfolger aufgebaut. Doch lange konnte sich die Band danach nicht mehr halten. Sie zerfiel 1965. Wolfgang Körtling und Dirk Nerger spielten danach in anderen Gruppen weiter.

Zum Erfolg der „Easy-Beats“ beigetragen haben auch deren Roadies: Christel Panje, Ede Pop und Reiner „Reini“ Häntzschel. Häntzschel übernahm ab und zu auch das Schlagzeugspiel, wenn Holger Gripp selbst verhindert war.

The Vanguards  57

Der guten Laune eines Klassenlehrer ihrer Schule war es zu verdanken, dass sich „The Vanguards“ bildeten. Der hatte nämlich, ohne zu wissen, was auf die Klassengemeinschaft zukommen würde, großmütig zugestimmt, als angefragt wurde, ob denn auch Musikinstrumente auf Klassenreise in den Harz mitgenommen werden dürfen. Nach dem Okay des Lehrers geschah folgendes. Peter Löschke erinnert sich: „Heino Holst und Hans-Jürgen „Klingel“ Klinkforth packten ihre E-Gitarren und einen kleinen Verstärker ein, und Wolfgang Kunze brachte es fertig, einige Teile seines Schlagzeuges in den Bus zu schmuggeln. So gab es dann an einigen Abenden in der ‚Hummel-Mars-Hütte’ im stillen Harz laute Musik von englischen Bands mit komischen Namen, die dem Lehrer gar nicht gefiel. Aber es machte den anderen Zuhöreren und den Musikern sehr viel Spaß.“

Nicht lange danach gründeten Holst, Klinkforth und Kunze eine Band. Da aber jede ordentliche Beatband damals aus vier Mitgliedern bestand58, musste ein weiterer Mitspieler gesucht werden. „Doch es gab kein langes Suchen: Werner Anders wurde überredet mitzumachen. Singen und schnacken konnte er schon, Bassspielen lernte er schnell“, erzählt Peter Löschke.

Zuerst wurde im Haus der Jugend geprobt. Die Öffentlichkeit lauschte interessiert den Klängen der vier Itzehoer Schüler. Doch Kunst benötigt Ruhe, uns so wichen „The Vanguards“ aus in einen Raum der ehemaligen Firma Benneke. Die ersten Auftritte fanden im Itzehoer Haus der Jugend statt. Von dem verdienten Geld (15 Mark für alle, später 30 Mark) wurde der erste große Verstärker abgezahlt. Es folgten weitere Auftritte, zum Beispiel beim Jugendtanztee, schließlich war die Musik nicht nur Hobby. Geld mussten „The Vanguards“ verdienen, um die Anlage zu verbessern oder einen VW-Bus zu kaufen.

Im Sommer 1964 kniete sich dann Peter Löschke mächtig rein und löste den ausscheidenden „Klingel“ ab. Es folgten Auftritte in Itzehoe: Suder Hof, Lübscher Brunnen, Zur Linde, bei Baumann und im Startanzcasino. Dann erweiterte sich das Auftrittsgebiet. Oldendorf, Wilster, Kellinghusen. Es ging zusehends bergauf mit der Band, die ebenfalls einen Abstecher nach Nordburg in Dänemark unternahm.

Neben der Tournee nach Dänemark war ein weiteres Highlight ihre Teilnahme an dem Bandwettbewerb im Hamburger „Star-Club“ 196559, an dem sich auch die Quartermasters und die Easy-Beats beteiligten.

Doch auch für die Vanguards“, sagt Peter Löschke, „kam einmal das Ende. Der Musikgeschmack hatte sich geändert. Discos machten sich breit, und darüber hinaus ließ der Ruf der Bundeswehr und die Berufsausbildung die ‚Vangurads’ verschiedene Wege gehen.“

Große Beat-Festivals

1969 fanden mehrere Beat-Festivals in Steinburg und Dithmarschen statt. Über ihre Veranstaltung am Sonntag, dem 23. Februar, im Glückstädter Tivoli brachte die Norddeutsche Rundschau eine Sonderausgabe heraus. Ganzseitig berichtete sie zuvor über das Rundschau-Beat-Festival im „Lübschen Brunnen“ in einer Nachlese60:

So etwas hat es auch lange nicht mehr an der Stör gegeben. Da wackelte die Wand. Da bangte der Wirt um sein Inventar. Wo gibt’s auch sonst für Beat-Bands innerhalb von drei Stunden in einem fast Nonstop-Programm zu hören, zu sehen und zu ‚betanzen’? Und zur Erholung und zum Verpusten dann zwischen durch immer eine Modenschau des Hauses Karstadt mit schicken Modellen zu günstigen Preisen. Und was waren das für Bands! Durchweg ‚gutes Material’ und keine ‚Feld-, Wald und Wiesenkapelle’ dazwischen. Heiße Rhythmen regierten. Da hatte es die Jury gar nicht so leicht, ein Urteil zu fällen. Aber, hugh, um 20.30 Uhr und 21 Sekunden hatte sie dann gesprochen. Grundlegend lässt sich erst mal eins sagen: Erfahrung, Routine und Praxis setzten sich durch. Die ‚United’ wurde erste, um es noch mal zu erwähnen: Peter Wischmann (Gesang) Henning Jensen (Orgel), Michael Wittmaack (Schlagzeug), Dirk Nerger (Baßgitarre) Und Woilfram Miszuweit (Sologitarre) sind durchweg alte Beater. Die ‚United’ ist eine ‚Vereinigung’ aus den ‚Scarlets’ und den ‚Quartermasters’, die schon lange, lange in Itzehoe und Umgebeung bekannt ist. Und sie bewies auch als ‚United’: sie war die größte. Besonders auffällig war bei ihr das Schlagzeug. Michael Wittmaack bestach durch durch seine exakte Beherrschung der Stiks, besonders verdeutlicht bei seinem – zwar etwas zu langem – Solo. Gut eingependelt war auch das Zusammenspiel. Hie passte alles. Kein Instrument war zu laut, keins zu leise. Das war um so erstaunlicher, als diese Band erst 14 Tage zusammenspielt und am Sonntag ihr erster öffentlicher Auftritt war. Kurz hinter ihnen wurden die ‚Rebbels’61 placiert. Auch sie spielten ausgezeichnet und rissen das Publikum mit. Ausgesprochen hart spielte ‚Our new formation’. Hier waren einige Mängel am Zusammenspiel zu bemerken. Die Gesangsstimme stand zu sehr im Vordergrund und war zu wenig variabel. Aber auch diese Band spielt erst 14 Tage zusammen, und auch für sie war es erst der erste Auftritt. Noch ein bißchen Übung, und dann wird es sicher völlig klappen. Ein hoffnungsvoller Anfang ist getan. Auch die beiden weiteren, die ‚Spyders’ und ‚The Darting Flame’ fielen nicht weit ab hinter den ersten drei.“

Moderatoren der Veranstaltung waren Petra Leistner und Hartmut Goetze. Die Norddeutsche Rundschau62 schrieb damals über die beiden Hamburger: „Beat-Fachleute (...) und darum absolut objektiv. Sie wussten den richtigen Ton zu finden und das Publikum bei Laune zu halten.“

Nachdem die zweite Runde des Rundschau-Beat-Festivals in Glückstadt durchgeführt worden war, fand die dritte Vorentscheidung in Hohenlockstedt statt. Auch hierüber berichtete die Zeitung ganzseitig auf einer mit vielen Bildern versehenen Extraseite63, die direkt für die Jugend konzipiert64:

„(...) Junge, Junge, war das ein Gewühle! Eigentlich hätte der Casino-Saal Gummiwände gebraucht, die sich der Masse der Fans angepasst hätten. So trat ein jeder auf dem großen und sämtlicher anderer Zehen des anderen herum. Und die Stimmung erst mal. Darüber kann mann gar nicht sprechen, solche Superlative in Worte zu fassen, fällt selbst mir schwer. So etwas hat es in der Geschichte des Beats bisher kaum gegeben. Es waren auch alles durchaus gute Bands am Start (...). Erste wurden ‚The Spezial Five’, Platz zwei ergatterte sich ‚The Electric Five’, der dritte Platz wurde gleich zweimal vergeben an ‚The Paper Sun’ und an ‚The Liquid Sound’, an fünfter Stelle kommen dann ‚The Sharming Boys’ us Hamburg. Schon allein daran sieht man, wie schwer es sich die Jury gemacht hat. Sie vergab zweimal den dritten Platz. (...) Es wird noch eine weitere Vorentscheidung geben, und zwar am 23. März in Schenefeld. Da können dann noch mal alle Dritten aus allen Vorentscheidungen um die Wurst – bzw. um die Teilnahme in der Endrunde – kämpfen. Selbst Frau Holle ist durch den Beat-Lärm über Hohenlockstedt noch mal aus dem Schlaf geweckt worden und hat schnell ihre Kissen ausgeschüttelt, bevor sie sich wieder zur Ruhe begab.“

Ein weiterer ganzseitiger Beitrag der Norddeutschen Rundschau65 („Die dritte Seite“)greift nochmals die Hohenlockstedter Vorentscheidung auf:

„So, da bin ich wieder. Heute soll ich Euch also einiges über die Entscheidung der Jury erzählen. Warum sie so entschieden hat, warum nicht anders. Also leicht hatte sie es bestimmt nicht. Ein so gutes Niveau hatten wir bisher noch bei keiner unserer Veranstaltungen. Da war aber auch keine Band dabei, die weit von den anderen abfiel. Fangen wir also ganz hinten an. Auf den fünften Platz kam ja bekanntlich ‚The Sharming Boys’ aus Hamburg. Nun ja, was soll ich zu denen sagen? Sie waren erst mal bestimmt nicht schlecht, wenn auch das Instrumentalstück etwas verunglückte. In ihrem Sound und in der Auswahl der Stücke fielen sie natürlich etwas aus dem Rahmen einer Beatveranstaltung. Doch daß sie für großartige Stimmung sorgten, sollten wir ihnen jedenfalls danken. Mit dem dritten und vierten Platz tat sich die Jury sehr schwer. Doch die unabhängig voneinander gegebenen Punkte entschieden, es gibt nur zwei Dritte und keinen Vierten: ‚The Paper Sun’ und ‚The Liquid Sound’. Auch zwischen Ersten und Zweiten war fast Punktgleichheit. Besonders auffallend bei den Sieger, ‚The Spezial Five’, war die vierstimmige Singstimme, etwas, was man bei Beatbands nur sehr selten antrifft. Die ersten beiden einer jeden Vorentscheidung kommen ja bekanntlich in die Endrunde. Aber auch die Dritten bekommen noch eine Chance. (...). Die große Endveranstaltung wird dann am 13. April in Wilster sein.“

Die Endveranstaltung in Wilster hatte dann folgendes Ergebnis: 1. The United, 2. The Special Five, 3. The Electic Five, 4. The Rebbels, 5. The Paper Sun, 6. The Second Happening (Buxtehude), 7. The Music Cotrast. Insgesamt beteiligten sich Anfang 1969 zwölf Bands an der Veranstaltungsreihe.

Der Chronist der Norddeutschen Rundschau berichtete damals unter anderem66:

„Das Beat-Festival war ein Wettbewerb. Und wenn man ein Festival mitmacht, muß man auch verlieren können. Schließlich kann ja auch nur einer gewinnen. Also, was da nach der Siegerehrung gekommen ist, fand ich einfach beschämend. Sicherlich hat jeder seine eigene, individuelle Meinung, und das ist auch gut so. Und auch in der Jury waren durchaus nicht alle einer Meinung. Aber muß man den gleich, wenn einem was nicht passt, mit Flaschen werfen? Ich meine, das ist wirklich nicht die feine englische Art. Und darum möchte ich meinen unmaßgeblichen Zeigefinger drohend erheben und mit bitterbösem Gesichtaausdruck sagen: ‚Gehet in Euch und bessert Euch!’ Ich hoffe, das hat genützt. Und damit des Unerfreulichen genug. Ich fand die Veranstaltung ganz prima. Obwohl ich aus Berlin komme, muß ich sagen, daß ich so etwas nicht gerade oft erlebt habe. Sieben Bands an einem Abend sozusagen im Nonstop-Programm sind ja auch schon was. Na, und 800 Leute in einem Saal, die nicht gerade bereit sind, Trübsal zu blasen, sind nicht minder etwas. Da wackelte die Wand, da blieb kein Auge trocken. Da brauchte auch kein Addi Münster67 ‚Stimmung’ zu sagen, die war einfach da.“

Die beiden Siegerbandes, The United und The Special Five, erhielten neben Sachpreisen je einen Schallplattenvertrag. Sachpreise vergaben die Firmen Karstadt (Einkaufsgutscheine), die Rundschau (Transistorgeräte, Partylampe), Brauerei Hintz (ein Faß Gerstenkaltschale) und Musik Hofer (Gutschein). The United erhielten als Siegerband den Rundschaupokal

Beat-Festival in Dithmarschen

Die Norddeutsche Rundschau berichtet über verschiedene Beatveranstaltungen in Dithmarschen, die ebenfalls 1969 durchgeführt worden sind. Aus den vorliegenden Berichten lässt sich entnehmen, dass die Begeisterung in der Szene auf der anderen Kanalseite genauso gut war, wie auf Steinburger Gebiet.

Über die Vorentscheidung in Brunsbüttelkoog schreibt die Zeitung68:

„(...) Am Start waren leider nur zwei Bands (die anderen haben uns sitzen gelassen). Und das waren: Die Donkees und die Surrenders. Die letzteren machten im Wettbewerb den Anfang, nachdem die United zu Beginn den Saal eingeheizt hatten. Übrigens: Die Schallplatte, die die United aufgenommen haben, ist jetzt fertig gepresst. Am 8. Juni (1969) wird sie in Wilster von ihnen persönlich vorgestellt. (...). Also, nach den United kamen die Surrenders an die Reihe. Sie brachten eine perfekte Bühnenshow auf die selbe, meinen die einen. Die anderen – und zu denen gehöre ich auch – meinen, daß das wohl nicht so ganz in einen Wettbewerb gehört, bei dem es nur auf die Musik ankommt. Denn was hat man schon von Blödeleien auf der Bühne, die noch so gekonnt sein können, wenn man eine Schallplatte machen will, da zählt nämlich nur die Musik. Damit genug der Kritik für heute. In der Pause zwischen den beiden Kontrahenten gab es einen besonderen Leckerbissen. Soul, dargeboten von ‚Mamas’ Hairspray Soul Formation’. Also ehrlich: ich fand das sehr gut. Note eins, würde ich sagen. Ja und dann ging es mit den Donkees weiter. Und die hatten etwas Pech. Mit einem Handicap sind sie in den Wettbewerb gegangen: Ihr Baßgitarrist und Sänger war ausgefallen. Mit einem neuen Mann gingen sie trotzdem ins Rennen und das Glück schien ihnen hold. Sie holten sich zwar knapp, aber immerhin den ersten Platz. Beide Bands werden wir in Meldorf in der Erheiterung bei der Endveranstaltung wieder sehen. Die nächste Runde startet in Hademarschen. (...).“

An dem Finale in Meldorf nahmen mit Peter and the Tonics und The Darting Flame auch zwei Steinburger Bands teil. Die Rundschau schrieb über das Finale69.

„Bereits um 16.30 Uhr war die große Dithmarschenhalle zur Hälfte besetzt. Gegen 18 Uhr gab es keine Sitzplätze mehr. Trauben von Jugendlichen standen am Eingabg und natürlich an der Bar. Die Meldorfer Nachrichten in Verbindung mit der Rundschau hatten zum großen Beatfestival geladen, und mehr als 700 Jugendliche hatten sich auf den Weg gemacht, um die Endausscheidung zwischen den vier platzierten Kapellen mitzuerleben. Vorab: Conferencier Lemke, der mit kleiner Verspätung die Begrüßung vornahm, erntete sogleich Applaus. In launigen Worten führte er durch das fünfstündige Programm. Neben den jeweils zwanzigminütigen Darbietungen der um den Schallplattenvertrag singenden und spielenden Bands standen mehrere Einlagen des Steinburger Festival-Siegers ‚The United’ sowie eine Modenschau des Textilhauses Niebuhr in Verbindung mit einer Sonnenbrillen- und Uhrenschau des Juweliergeschäftes Postel im Mittelpunkt der Veranstaltung.   ---   Man soll jedoch mit dem wichtigsten nicht allzu lange zurückhalten. Nach einer erregten debatte der Jury kam es zu folgender Wertung. Mit nur einem Punkt Vorsprung ging die G.I.N Soundshow aus Hamburg vor Peter an the Tonics aus Glückstadt durchs Ziel. Der eine Punkt braucht nicht zu schmerzen, denn beide bekommen einen Vertrag der Schallplattenfirma RiWo aus Hamburg. Dem Besucher bot sich in der Dithmarschenhallre ein farbenprächtiges Bild. Mehr oder weniger ausgefallene Kleider bei den Damen, gelbe, rote, blaue Farbtupfer auf der Tanzfläche, heißer Beat, ein Schlagzeuger in Extase, der um der bewegungsfreiheit willen seine spärlich behaarte Brust dem Publikum pur anbot. Es ging rund, und die Gäste, die aus ganz Dithmarschen angereist waren, störte es auch nicht, daß für einige Tische die Decken und Aschbecher nicht ausgereicht hatten. Die Bilanz: Ein Publikum, das eifrig tanzte und durch seinen Applaus bewies, daß es mit der Entscheidung der Jury zufrieden war. Ein Dank an Dr. Rogge als Leiter der Jury, an Conferencier Lemke, der mit netten Anekdoten die kleinen Pausen bestens zu überbrücken wusste, ein dank den Mitgliedern der Jury und nicht zuletzt den Bands, die aus Ehrgeiz Weg und Kosten auf sich genommen hatten, um sich durch ihre Darbietungen unter Umständen eine Schallplatte zu ersingen. (...). Im übrigen sei noch erwähnt, daß Juwelierhaus-Inhaber Postel dem Preis der Rundschau noch einen hinzufügte.“

Der Wettbewerb schloss mit folgender Platzierung ab: 1. G.I.N. Soundshow (Hamburg) mit 25 Punkten; 2. Peter and the Tonics (Glückstadt) mit 24 Punkten, 3. The Darting Flame (Glückstadt) 13 Punkte, 4. The Surrounders (Hamburg) 8 Punkte.

Lee Curtis

Zu den meistgefeierten Stars im Hamburger „Star-Club” gehörte ein Sänger, der damals auch in Itzehoe aufgetreten ist: Lee Curtis. Nach über 30jähriger Abwesenheit kehrte der Sänger 2002 nach Steinburg zurück und gab in Itzehoe ein bejubeltes Gastspiel mit dem „Neuen Theater Hamburg“ im theater itzehoe. Vor der Aufführung des Musicals „Jailhouse“ führte der Verfasser ein Gespräch70 mit ihm und veröffentlichte seine Informationen in der Norddeutschen Rundschau. Deutlich wurde in dem Gespräch, dass das Musikerleben für Lee Curtis zu „Star-Club“-Zeiten zwei Seiten hatte: Da war für die Fans der Ruhm, der Lee Curtis umwehte, weil er allabendlich auf der Bühne stand, Platten veröffentlichte, von Ort zu Ort tingelte, um in den Musiksälen der Republik oder im „Cavern-Club“71 vor kreischenden Fans aufzutreten. Da ist aber auch seine Erkenntnis, es trotz charismatischer Stimme letztlich nicht geschafft zu haben, mit einem ganz großen Hit ganz nach oben zu kommen. Letztlich stand Lee Curtis trotz hohen Einsatzes mit leeren Händen da. „Du musstest Glück haben und zum richtigen Zeitpunkt an der richtigen Stelle sein. So wie Ringo Starr, als er Pete Best ablöste. Ringo war nicht besser ale Pete, und bis heute fragen wir uns in Liverpool, was wirklich hinter diesem Wechsel steckte. Ich glaube aber, dass Brian Epstein die Fäden hinter den Kulissen mitgezogen hat, dass der Wechsel nicht allein die Idee von John, Paul und George war“, sagte Lee Curtis während des Gespräches72.

Vor dem Auftritt von Lee Curtis im theater itzehoe titelte die Zeitung73:

Lee Curtis kommt mit dem Musical „Jailhouse“ nach Itzehoe / Er war in den 60ern einer der großen der Beat-Szene

Rock, Beat, Musical: Die Leute sind begeistert

Ein „alter Bekannter“ tritt am 9. Februar im theater itzehoe in einer Musical-Hauptrolle auf: Lee Curtis. Als Rock-Star hatte er in der Störstadt ein Gastspiel mit „Lee Curtis & The All Stars“ gegeben.

Er war der Schwarm vieler junger Mädchen im Hamburger Starclub und hält dort einen nie mehr zu brechenden Rekord. Mit über 7000 Auftritten zwischen 1963 und 1969 ist Lee Curtis der Künstler, der im Mecca der deutschen Beatmusik am häufigsten gastierte. Außerdem bestritt er zusammen mit seiner Band, „The All Stars“, unzählige Konzerte in Deutschland, in der Schweiz, in Holland und in England, war Gast in Uschi Nerkes „Beat-Club“. Auch Itzehoe hat den Star schon einmal erlebt. 1966 gaben Lee Curtis & The All Stars zusammen mit John Ritchie & his Quartermasters aus Itzehoe ein Gastspiel in der Gaststätte „Zur Linde“ in Wellenkamp. Jetzt kommt der Liverpooler im Rahmen einer Deutschlandtournee wieder in die Störstadt zurück. Am Sonnabend, 9. Februar, tritt er mit dem Neuen Theater Hamburg in dem Rock`n`Roll – Musical „Jailhause“ um 19.30 Uhr im theater itzehoe auf.

Lee Curtis, 1939 in Liverpool als Peter Flannery geboren, hatte schon in mehreren Berufen gearbeitet, bevor er Sänger wurde. Nach der Schule ging er zur See. Zwei Jahre später wurde er Kaufmann, dann Busschaffner.

1958 begann seine Fulltime-Karriere als Sänger. Die Band „The Detours“ hatte Lee Curtis zufällig in einem Club kennen lernte. Im Gespräch mit der Rundschau erzählt er von diesen Anfängen „Die Gäste hatten in ‚Albert`s Dunlop-Club’ die Möglichkeit, auf die Bühne zu kommen und mit der Haus-Band zu singen. Ich hatte schon immer gern gesungen, und nach ein paar Bier stellte ich mich auf die Bühne und sang Rock `n` Roll. Es war fantastisch. Das Publikum forderte Zugaben. Nach meinem Auftritt wurde ich dann von „The Detours“, die ebenfalls Gäste in dem Club waren und gerade keinen Sänger hatten, engagiert.“ Seinen damaligen Künstlernamen Peter Keen änderte er 1962 nach Bildung der „All Stars“ in Lee Curtis. Zu der Band gehörte zeitweilig auch Pete Best, der ehemalige Drummer der Beatles.

Seinen ersten Auftritt im Hamburger Star-Club auf der Großen Freiheit hatten Lee Curtis und seine Begleitband am 8. März 1963. „Wir spielten damals an sechs bis sieben Tagen pro Woche, mehrmals am Abend und bis in die späte Nacht. Das waren sehr harte Zeiten für uns. Die Mikrophone und Boxen noch nicht so gut wie heute. Und wer eine weiche Stimme hatte, bekam danach eine harte oder hatte gar keine Stimme mehr“, erinnert sich Lee Curtis an die Zeit, als die Beatkapellen wie Pilze aus dem Boden schossen und einen Welthit nach dem anderen produzierten.

Lee Curtis hat damals zwei Langspielplatten und vier Singles veröffentlicht und den Titel „Konzerto to Hair“ selbst geschrieben. Viele Titel mit ihm sind darüber hinaus auf Samplern veröffentlicht worden, auch nach seiner Star-Club-Zeit und ohne, dass er dafür am Umsatz beteiligt worden wäre. Zwar hat er sich darum bemüht, zusammen mit seinem Rhythmus-Gitarristen, Tony Waddington, eigene Stücke zu verfassen, doch dies scheiterte aus Gründen, die Lee Curtis noch heute suspekt sind. „Toni war sehr musikalisch, meinte aber, dass es nicht so leicht sei, einen Hit zu schreiben. Später schrieb er dann Hits für ‚The Rubettes’. Das war für mich schon sehr merkwürdig.“

Ende der 60er Jahre kam das vorläufige Aus für seine Musiker-Karriere. Lee Curtis war nach einem Konzert in Nordheim auf der Rückfahrt nach Hamburg in einen Autounfall verwickelt. Er wurde im Gesicht schwer verletzt. Die Behandlungskosten für den Krankenhausaufenthalt und für die Operation konnte er nur mit Mühe aufbringen. „Ich hatte keine Versicherung und musste das Krankenhaus auf eigenes Risiko verlassen. Wegen meiner Verletzungen konnte ich auch nicht mehr auftreten. Ich nahm Jobs als Disc-Jockey an, verbrauchte meine Ersparnisse und musste sogar meine Gesangsanlage verkaufen“, blickt Lee Curtis auf die schwere Zeit zurück.

Fast gleichzeitig kam für Star-Club-Manager Manfred Weissleder, der auch Lee Curtis betreute („Er war wie ein Vater für mich“), das Ende einer Ära: Der Star-Club gab am 31. Dezember 1969 sein letztes Konzert. Lee Curtis kehrte Rock und Beat den Rücken und ging nach England zurück In einem Kasino verdiente er sein Geld als Croupier. Doch 1985 holte ihn die Musik wieder ein. Zusammen mit Freunden gründete er in Liverpool die Band „Farrens Flamingos“ und startete Benefizkonzerte für kranke Kinder. Am 12. Oktober 1986 trafen sich 1000 Fans zur „Bye bye Star-Club-Fete“ und Lee Curtis rockte wie in alten Zeiten. Das überdimensionale Transparent, das die Fassade des Star-Club in dieser nacht schmückte, nahm Curtis als letzte Gage mit.

In Hamburg hat Lee Curtis in den letzten Jahren auch wieder Station gemacht. So trat er 1998 bei einer großen Beat-Club-Show und zwei Jahre später als Stargast in dem Musical „Let’s Twist“ auf. Erst kürzlich konnte man ihn hören in der „Winter Rock Night“ im Delfi-Theater. Obwohl Lee Curtis kein ausgebildeter Schauspieler ist, wurde ihm dennoch die Hauptrolle in „Jailhouse“ angeboten. Dies hat sicherlich auch mit seinem Engagement bei dem Musical „Let’s Twist“ zu tun und mit seiner immer noch fantastischen Stimme. „Erst hatte ich Bedenken wegen der deutschen Sprache, doch jetzt geht es immer besser. Die Leute in unseren Vorstellungen sind begeistert“, sagt er und: „Ich freue, mich schon auf die Show im theater itzehoe“.

Lee Curtis hat in den sechziger Jahren zu den ganz großen Sängern der Beatszene gehört neben Weltstars wie den Beatles, Jimi Hendrix, Gene Vincent oder Chuck Berry. Auch im Alter von 62 Jahren gibt er auf der Bühne noch alles, genauso wie damals, als er sich in dem „besten Lokal weltweit, das ich kenne“, dem Hamburger Star-Club, für seine Fans bis zur Erschöpfung verausgabte.

Die meiste Zeit des Jahres geht der Rock-Star einem ganz anderen beruf nach. Lee Curtis leitet in der Nähe von Bristol ein Hotel.

Der Steinburger Oldie-Club

Die 60er Jahre liegen weit zurück. Musikalisch gesehen hat sich seit dem sehr viel verändert. Die Technik ist vollkommener und leistungsfähiger geworden. Vieles von dem, was heute die Charts rauf und runter klettert, wirkt denn noch fade. Kaum ein Titel wird zum Gassenhauer. Vieles hört sich gleich an. Gruppen sind gekommen und gegangen.

Von den alten Bands sind nur noch wenige aktiv. Das Alter fordert eben seinen Preis. Bei großen Oldie-Shows treten ab und zu noch einige der Kapellen auf, die vor rund 40 Jahren die Fans angezogen haben. Nach Bad Segeberg oder nach Hamburg zieht es Zehntausende, wenn die Searchers, Dave Dee & Co., die Tremeloes oder die Rubbets in Aktion treten. Von den ganz großen Bands sind eigentlich nur noch die Rolling Stones übermäßig gut im Geschäft. Von den Beatles leben nur noch Paul McCartney und Ringo Star. Hin und wieder geben sie Konzerte in Deutschland, erfreuen ihr Publikum, Junge wie Alte. Dies als pure Nostalgie abzutun oder als eine Masche, mit der die Protagonisten des Beat horrende Gewinne machen, wäre falsch. Sicherlich, Oldie-Partys haben ihren Preis, doch alles soll finanziert sein. Der heutige Konzertbesucher ist anspruchsvoll. Alles muss perfekt sein, sonst setzt Unzufriedenheit ein, und der Zuschauer bleibt beim nächsten Mal fern. Die Kunst ist es, bei zivilen Eintrittspreisen ein Programm zusammenzustellen, dass alle begeistert und den Ruf nach Wiederholung laut werden lässt. Dass dies möglich ist, zeigen Beispiele auch aus dem Kreise Steinburg in der jüngsten Vergangenheit. Nicht erst seit der Oldie-Party im Itzehoer Stadion anlässlich der Itzehoer Woche 2003, unter anderem mit Middle Of The Road, Harop und Baccara, ist bekannt, dass die einstigen Show-Größen immer noch Teil eines unterhaltsamen Programms sein können. Auch der Steinburger Oldie-Club, der seit dem 17./18. Februar 1990 „Steinburger Oldie-Nächte“ im Colosseum von Wilster veranstaltet hat durch sein Engagement mit dazu beigetragen, dass die alten Titel nicht in Vergessenheit geraten können. Alljährlich wiederholt sich diese Veranstaltung mit wechselnden Gruppen zweimal. Amateurbands geben sich dort ein Stelldichein, zeigen, dass sie Stimme und Instrumente so beherrschen, dass die Idee, die Steinburger Musikszene zu bereichern und Songs wie „Needles & Pins“, „Walk In The Room“, „Silence Is Golden“ oder „Yesterday“ am Leben zu erhalten, keine Eintagsfliege geblieben ist. Veranstaltungen im immer wieder mit wieder bis zu 700 Zuschauern gefüllten Colosseum zeigen, dass die „Steinburger Oldie-Nächte“ eine beliebte und aus dem Veranstaltungskalender nicht mehr wegzudenkende Veranstaltung sind. Und das ist gut so, denn die Beat ist Teil einer Musik, die wie Jazz, Folk, Pop oder Klassik ihren Platz in der Kulturgeschichte hat.

Die Geschichte des „Steinburger Oldie-Clubs“ beginnt bereits vor seiner Gründung im Jahre 1990. Schon 1984, als die Searchers im Colosseum spielten, tauchte bei einigen Steinburgern um Peter Wischmann die Frage nach der Präsentation von 60er-Jahre-Bands aus der Region im Colosseum auf. Noch im gleichen Jahr feierten die Blue Birds74 ihren 20. Gründungstag im La Mancha von Münsterdorf im „Krug zum grünen Kranz“. Ein Jahre später organisierte Werner Mayer an gleicher Stelle das 25-jährige Jubiläum der Kriddband/Travellers, und 1986 fand unter der Regie von Kurt Brandt das Silberjubiläum des „Krug zum grünen Kranz“ als Tanzlokal statt. Mit dem 25-jährigen Jubiläum der Blue Birds schloss der Veranstaltungsreigen derjenigen, die sich angestoßen fühlten, der Beatmusik des Kreises Steinburg einen formalen Rahmen zu geben. Folge war, dass Werner Mayer am 9. September 1989 Interessierte nach Lägerdorf ins Deutsche Haus einlud, um dort die Weichen zu stellen, auf denen ein zukünftige Steinburger Oldie-Club fahren sollte.

In diesem Zusammenhang berichtet Frank Passauer75, dass folgende Musiker anwesend waren, die in von Anfang der 60er bis Anfang der 70er Jahre in Steinburger Musikgruppen gespielt hatten: Werner „Gockel“ Anders (Vanguards), Heino Holst (Vanguards), Wolfgang Kunze (Vanguards/Travellers), Achim Harbeck (Rebbels), Volker Wormst (Blue-Stars), Frank Passauer (Scarlets/Travellers), Peter Löschke (Blue Birds), Werner Meyer (Travellers), Peter Wischmann (Scarlets/United).

Nach dieser Zusammenkunft organisierten Werner Mayer, Peter Wischmann und Michael Mehrens die oben erwähnte Oldie-Nacht im Colosseum mit folgenden Bands: Blue Birds, New Carlets, Brothers & Friends, German Bonds/Bonds 81, Scarlets, Vanguards, Quatermasters.

Über das Konzert liegt folgender Pressetext76 vor. Er titelt:

Genug Pfeffer im Hintern

„‚Ich bin noch nicht so trocken und habe genug Pfeffer im Hintern’ sagt Zappo Lüngen, Bassist der Gruppe ‚Bonds 81’, nach seinem Auftritt bei der Riesen-Oldie-Fete im Wilsteraner Colosseum am Wochenende. Seiner Meinung nach ist Rock ‚n’ Roll eine Lebenseinstellung, und die ist ihm, dem 44jährigen noch nicht abhanden gekommen. Ein Blicjk in die Hitparaden zeigt: Oldies und deren Sänger aus den 60ern und 70ern sind wieder gefragt. Ein Trend, der, so Musikveranstalter Peter Wischmann, an der Wilstermarsch vorbeizugehen scheint. ‚Es gibt keine Veranstaltung, wo diese Altersgruppe (gemeint sind die Vierzigjährigen) sich wohlfühlt.’ Deshalb hat sich Peter Wischmann entschlossen, an einem Wochenende noch einmal die alten Bands und Combos zu einer Oldie-Fete zusammenzutrommeln. Das Konzept ist aufgegangen. Hinter der Bühne wird gefachsimpelt. Für einen alten gebrauchten Baß, so erzählt man, muß heute mehr bezahlt werden als für einen neuen. ‚Hast Du noch so ein tolles altes Teil?’ Auch wer sich nicht kennt, hinter der Bühne sind alle per ‚Du’ – die Musik verbindet. Mit einem Mal ein etwas panischer Ruf: ‚Chris, der Gitarrist hat kein Kabel!’ Dreißig Jahre Rockgeschichte, aber die Probleme mit den Kabeln sind immer noch dieselben. ‚Entweder sind sie kaputt oder vertüdelt’, bestätigt Maren Lelleck, Sängerin bei den ‚New Scarlets’. Die ‚New Scarlets’ sind eine junge Gruppe, die einzelnen Mitglieder haben sich erst im vergangenen Jahr tz einer Band zusammengefunden. Gemeinsam spielen sie jetzt die Hits, zu denen schon ihre Eltern getanzt haben. ‚Bonds 81’ ist eine Profiband. ‚Im Enddefekt ist es immer Rock ‚n’ Roll geblieben’, sinniert Zappo, auch wenn man sich im Laufe der Jahre immer etwas den gerade vorherrschenden Silrichtungen anpassen mußte. Damals im Hamburger Star-Club zwischen den beatles oder den Rattles spielten auch die Bonds. ‚Die Musik heute kommt nicht mehr aus dem Bauch’, erzählt Zappo. ‚Damals hieß das Negermusik. Heute sitzen in den Behörden bei der Stadt die Leute meiner Generation, und die vertreten aber immer noch die alte Linie. Subkultut heißt das heute’, sagt Zappo Lügen enttäuscht. Derweil steigt die Stimmung im Saal immer weiter an. Gerade haben die ‚Vanguards’ ihren Auftritt beendet. 1964 haben sie als Schülerband angefangen, als sie dann zur Bundswehr mußten, ging die Band auseinander. Danach war die Discoszene in vollem Zuge – Livebands hatten balkd keine Chance mehr. ‚25 Jahre sind inzwischen vergangen, was habt ihr denn in der zwischenzeit gemacht?’ ‚Kinder’, kommt die Antwort wie aus der Pistole geschossen. ‚Mein Sohn macht jetzt auch Musik’ erzählt einer der Musuker. ‚Heavy Metal: Er ist Sänger in einer Hardrock-Band.’ ‚Jaja’, erinnert sich ein anderer; ‚so habe ich auch einmal angefangen.’ Damals in Hamburg, so erzählt der Schlagzeuger, habe er sich seine ‚Schießbude’ noch für eine Flasche Whisky zusammenleihen müssen. Die Mitglieder der Schülerband von einst stehen heute im Berufsleben, haben einen respektablen Beruf ergriffen: drei wurden Lehrer, einer wurde kaufmännischer Angestellter. Nun spielen sie wieder die Titel von den Rolling Stones, Chuck Berry oder Eddi Cochran, als wäre die Zeit stehen geblieben. Und auch die Fans sind wieder alle dabei. Begeistert johlen die Bachfische von damals wenn ‚Hansi Engelbert’, das Showtalent von ‚Brothers & Friends’, sich das Hemd vom Leibe reißt.“

Ein weiterer Artikel77 beschäftig sich mit dem Auftritt der Quartermasters. Die Zeitung titelte:

„Quartermasters“ wieder auf der Bühne – Oldie-Gruppe begeisterte

„Die ‚Quartermasters’ live in Wilster – dabei handelte es sich nicht um eine Plakataufschrift der 60er Jahre. (...). Wer kennt sie nicht aus vergangenen Zeiten, als bei Johnny Rösler in Averlak noch Beat-Musik pur geboten wurde. Damals spielten sie nach erfolgreicher Tournee durch die Schweiz erstmals wieder mit Sänger John O. Ritchie in Röslers Gasthof auf (später in ‚Zentrale’ umbenannt). Jetzt standen sie erneut im Rampenlicht – die Magier des Beatzeitalters. Auf der Bühne in Wilster standen Manfred Kliefoth (Bass-Gitarre), Günter Rehan (Rhythmus-Gitarre), Michael Wittmaack (Schlagzeug) und Wolfram Miszuweit (Lead-Gitarre). Von ihrem Können haben die Vier nichts eingebüßt. Für jede größere Oldie-Veranstaltung sind sie eine musikalische Bereicherung, insbesondere für RSH-Oldie-Nächte. Davon konnten sich auch die vielen Gäste im ‚Colo’ überzeugen. Als ‚Quartermasters’ stellt man sich natürlich musikalisch vor. So folgte als Intro der Instrumentaltitel ‚Quatermasters’s Stores’ von den Shadows, der damals der Namensgebung diente. Mit ‚Apache’ wurde ein weiterer Show-Titel – hier besonders zeigten die Routiniers, daß sie ihr Handwerkzeug nach wie vor beherrschen. Allen voran Wolfram Misuweit, der schon in den 60er Jahren zur Referenzklasse der Leadgitarristen gehörte. Spielfreude ist den Gesichtern der Musiker abzulesen, ihre Musik wird eben noch mit der Hand gemacht. Die Vier wollen ganz bewußt nicht im Schatten neuzeitlicher Musikmaschinen stehen. (...).“

Über die danach folgende Gründung des „Steinburger Oldie-Clubs“ berichtet die Zeitung78 unter der Schlagzeile:

Die „Oldies“ aus Wilster – „Die 60er haben uns geprägt“

„‚Die sechziger Jahre haben uns geprägt, in dieser Zeit wurde Musikgeschichte geschrieben’, sagte Peter Wischmann gegenüber unserer Zeitung. Für ihn und Werner Mayer stand schon Anfang dieses Jahres fest: Wir wollen die Musiker und die Fans dieser zeit wieder zusammenführen. Im Februar setzten sie mit einem Oldie Wochenende im ‚Colosseum’ in Wilster diese Idee in die Tat um. Der große Erfolg an diesen zwei Tagen gab den beiden Musikern der Gruppen Scarlets und Blue Birds recht. Nicht nur bei den Musikern, auch bei den Gästen, gab es so manches: ‚Hallo, toll dich nach so langer Zeit mal wiederzusehen.’ Nur eins bedauerten die Musiker an diesen beiden Tagen, kaum sahen sie sich nach zwanzig Jahren wieder, blieb doch kaum Zeit für einen Gedankenaustausch. Peter Wischmann, früher bekannt als Peter Stern, und Werner Mayer ergriffen die Initiative und entwarfen den Gedanken, einen Oldie-Club zu gründen. Zum einen für die Musiker, zum anderen für die Fans. Vor einigen Wochen sprachen sie andere aktive Musiker an und diskutierten die Gründung des Steinburger Oldie-Clubs. Für einen minimalen Beitrag im Jahr sollen den Mitgliedern in Form einer Zeitung Informationen über die damalige Musikszene gegeben werden. Eventuell soll eine Tauschbörse entstehen und vergünstigte Eintritte auf Veranstaltungen gewährt (...) oder eine Sondertour nach Liverpool organisiert werden. Diese Ideen wurden so begeistert von den Musikern angenommen, dass an diesem Abend einer Gründung des Klubs nichts mehr im Wege stand. Aufgrund seines Engagements wählten sie Werner Mayer zum ersten Vorsitzenden, zweiter wurde Wolfram Miszuweit (Quartermasters). Ebenfalls von den Quartermasters wurde Michael Wittmaack als Kassenwart und Günter Rehan als Beisitzer gewählt. Franz Jürgensen als Schriftwart hat seinen Posten der Leidenschaft zur Oldie-Musik zu verdanken. Er besitzt außerdem eine umfangreiche Sammlung von Oldies, Zeitschriften und eine Videosammlung mit Oldie-Gruppen (...). Weiter sind gewählt worden: Peter Wischmann als Pressewart und Frank Passauer (Scarlets) als Beisitzer (...).“

Schon bald löste Frank Passauer Werner Mayer als Vorsitzender ab und behielt diese Funktion bis 2002. Über den Wechsel sagte Frank Passauer79: „Mit Peter Wischmann und Werner Mayer sind im Steinburger Oldie-Club zwei alte engagierte Musiker aufeinandergetroffen, die das selbe Ziel im Kopf haben: die Musik der Steinburger Szene aus den 60er- und 70er Jahren wiederzubeleben. Aufgrund ihrer sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten waren Konflikte vorprogrammiert. Werner schmiss hin. Daraufhin entschloss ich mich, die gezwungenermaßen entstandene Lücke zu füllen und den Vorsitz zu übernehmen.“

Unter der Leitung von Frank Passauer fanden 21 Oldie-Nights in Wilster statt, in denen er über 40 Bands präsentierte. Eine der herausragendsten Veranstaltungen war die mit der Liverpooler Band Ian & The Zodiacs im November 200080. Nach dem Konzert stand unter anderem in der Zeitung81:

14 Stunden Musikgenuss vom Feinsten im Wilsteraner Colosseum
Oldie-Nights voller Highligths

14 Stunden Oldie-Musik: Das bot der Steinburger Oldie-Club anlässlich seines zehnjährigen Bestehens am vergangenen Wochenende im Wilsteraner Colosseum. Die Bands – allen voran „Ian & The Zodiacs“ – boten Musikgenuss vom feinsten, begeisterten das Publikum.

Mitte der 60er Jahre verzückten sie mit ihrer Beatmusik das Publikum im Hamburger Starclub. Heute sind sie nach einer langen Pause zu ihren musikalischen Wurzeln zurückgekehrt und sind agil wie eh und je: die Männer um Ian Edwards, die Band „Ian & The Zodiacs“.

Zum zehnjährigen Bestehen des Steinburger Oldi-Clubs hatte dieser die legendären Liverpooler in das Colosseum verpflichtet. Ergänzt wurden die Protagonisten des Mersey-Beat an zwei aufeinanderfolgenden Tagen von den Oldi-Bands „Sugar & Spice“, „Get Back“, „The Royal Alligator`s Band“ und „Foxie „B“.

Dass „Ian & The Zodiacs“ 35 Jahre nach ihrer erfolgreichsten Zeit wieder auf der Bühne stehen, ist eher einem traurigen Anlass zuzuordnen. Als nämlich Colin Manley von den „Swinging Blue Jeans“ (Hippy Hippy Shake) vor gut einem Jahr zu Grabe getragen wurde, trafen sich bei der Beerdigung auch Ian Edwards (Lead Vocals/RhythmGuitar), Malcolm Little (Lead Guitar), Les Maguire (Keyboard/Vocals), Colin Fabb (Bass Guitar/Vocals) und Carl Hardin (Drums). Sie alle hatten in den zurückliegenden Jahren in anderen Bands gespielt, Les Maguire zum Beispiel für „Gerry & The Pacemakers“ (You`ll Never Walk Alone). Erinnerungen an die alten Zeiten kamen auf, und Ian Edwards hatte bald wieder eine Band zusammengestellt. Sozusagen „The New Zodiacs“

Wie früher, gehört auch heute die eher melodiöse Musik zum Repertoire der Engländer. Dampframmenmusik war nie ihre Sache, und auch die Bühnen-Show ist die alte geblieben. Kein exzentrisches Gehabe einzelner Personen steht im Vordergrund. Gute Musik braucht eben keine übertriebene menschliche Expressivität. Sie lässt Gesang, Gitarren, Bass, Schlagzeug oder Keyboard im Vordergrund stehen.

In Wilster spielte das Quintett viele der Stücke, die damals wie heute nichts von ihrer Popularität eingebüßt haben und die bei Oldies wie Youngsters gleichermaßen beliebt sind: „Ride Your Pony“, „Take A Message To Martha“, „It Never Rains In California“, „The In Crowd“, „Don`t Let The Sun Catch You Crying”, „Lucille”, „Be-Bop-A-Lula”, „Three Steps To Heaven”, „Blueberry Hill” oder „Needles & Pins” – alles Songs, die während der Beat-Ära und auch noch danach die Charts bereicherten.

Bei soviel musikalischer Klasse hatten es die anderen Bands natürlich schwer, doch das fachkundige Publikum respektierte auch ihre Leistungen, und die Forderung nach Zugaben zeigt, dass ihr Sound angekommen ist. (...).

© Edgar Meier  (eddybird@gmx.de)


1 Moers/Neumann/Rombeck: Die Beatles, Ausgabe 1988, S. 285/285

2Siehe Moers/Neumann/Rombeck: Die Beatles, Ausgabe 1988, S. 19: „Der „Kaiserkeller“ galt in jenen Tagen als Treffpunkt der Hamburger Rocker. Aber vor allem durch die Mund-zu-Mund-Propaganda des jungen Fotografen und Grafikers Klaus Voormann (Anmerkung des Verf.: später Mitglied der Gruppe „Manfred Mann“, und dessen Freundin Astrid Kirchherr, die sich beide mittlerweile mit den Beatles angefreundet hatten, fühlten sich auch mehr und mehr Studenten von dem Lokal und der Musik, die dort gemacht wurde, angezogen. Hier zeigte sich wohl zum ersten Mal die Fähigkeit der Beatles, durch ihre Musik auch ein sozial breitgefächertes Publikum anzusprechen und zu begeistern.“

3 Moers/Neumann/Rombeck: Die Beatles, Ausgabe 1988, S. 19/285.

4 Moers/Neumann/Rombeck: Die Beatles, Ausgabe 1988, S. 19.

5 Moers/Neumann/Rombeck: Die Beatles, Ausgabe 1988, S. 285.

6 Moers/Neumann/Rombeck: Die Beatles, Ausgabe 1988, S. 285.

7 Moers/Neumann/Rombeck: Die Beatles, Ausgabe 1988, S. 289.

8 Moers/Neumann/Rombeck: Die Beatles, Ausgabe 1988, S. 291.

9 Moers/Neumann/Romberck: Die Beatles, Ausgabe 1988, S. 31.

10 Graves/Schmidt-Joos: Das neue Rocklexikon, 1990, S. 72.

11 Moers/Neumann/Rombeck: Die Beatles, Ausgabe 1988, S. 294/296.

12 Graves/Schmidt-Joos: Das neue Rocklexikon, 1990, S.73: „Am 4. Oktober 1962 erschien die erste Beatles-Single auf Parlophone, die Eigenkomposition „Love Me Do“, die auf Platz 17 der englischen Hitparde kam. Bereits die drei Monate später veröffentlichte zweite Single „Please Please Me“ schaffte auf Anhieb die Top-Position. Die ebenfalls 1963 veröffentlichten Titel „From Me To You“, „She Loves You“ und „I Want To Hold Your Hand“ erreichten ähnlich schnell die Spitze. Das letzte Stück brachten den Beatles den Durchbruch in den USA und der übrigen Welt und leitete die ‚Beatlesmanie’ ein, dir fortan für Schlagzeilen, Superlative und Umsatzrekorde sorgte. Als die Beatles im Februar 1964 zum erstenmal im amerikanischen Fernsehen auftraten, schalteten 72 Prozent aller Gerätebesitzer ihretwegen auf den Kanal der ‚Ed Sulivan Show. Bis zum Juli jenes Jahres besetzten die Liverpooler ohne Unterbrechung die Top-Plätze der US-Hitlisten. 60 prozent aller 1964 in den Vereinigten Staaten verkauften Singles waren Beatles-Produktionern, die mit durchschnittlich 2,5 Millionen Stück pro Monat umgeschlagen wurden. Allein die Gewinne aus dem Verkauf ihres ersten Film-Soundtrack-Albums „A Hard Day’s Night“ (1964) deckten die Herstellungskosten des Streifens, bevor überhaupt eine Kinokarte verkauft war. Bis 1973 wurden 90 Millionen LP’s und 125 Millionen Singles mit der Musik der Pilzköpfe abgesetzt. Der Erfolg der Beatles regte diverse Industriezweige an: Die Plattenfirmen verzeichneten erhebliche Profitsteigerungen durch die Propagierung des ‚Mersey-Sounds’; der Verkauf von Gitarren und Verstärkeranlagen vervielfachte sich; das Diskothekengewerbe erlebte einen Boom; zahlreiche Modetrends weckten bei kaufkräftigen Teenagern erfolgreich Bedürfnisse.“

13 Moers/Neumann/Rombeck: Die Beatles, Ausgabe 1988, S. 20/21: „Während dieser Zeit soll Astrid Kirchherr zunächst bei Stuart Sutcliffe eine neue Frisur kreiert haben. Später kämmten sich auch John Lennon, George Harrison, Paul McCartney und Pete Best die Haare nach vorne – aus welchem Grund auch immer. Es gibt auch eine andere Erklärung für das Zustandekommen der Beatle-Frisur, die nicht ganz unplausibel klingt. Die Beatles – damals für jeden Klamauk zu haben – kämmten sich einen rechten Scheitel als Parodie auf Hitler. Da diese ungewohnte Frisur jedoch nicht hielt, fielen die Haare nach vorne, was Astrid Kirchherr dann letztlich auf die Idee brachte, die recht langen Haare abzuschneiden und sie nach vorne zu kämmen.“

14 Halbscheffel u. Kneif, Sachlexikon Rockmusik, 1992, S. 45/46: „Als Beat wird die britische Rockmusik von etwa 1962 bis Ende der sechziger Jahre bezeichnet. Beat in diesem Sinne ist ein Begriff, der eine Epoche der britischen Rockgeschichte angibt, jedoch keine besonderen Stilmerkmale beinhaltet, die sich von anderen Merkmalen der Rockmusik grundsätzlich unterscheiden lassen können. Die Behauptung, daß die US-amerikanische Plattenindustrie um 1970 eine ‚Umbenennungskampagne’ durchgeführt und den ursprünglich europäischen Beat in Rock umgetauft habe, entbehrt der Beweise. Richtig ist vielmehr, daß die ursprünglich aus den USA importierte Musik um 1960-1962 selbst in Liverpool zunächst Rock genannt wurde. Die Bezeichnung Beat geht auf die von Bill Harry in Liverpool gegründete Zeitung ‚Mersey Beat’ zurück, die nicht nur der lokalen Gruppe The Mercey Beats (später The Merseys) den Namen gab, sondern den Ausdruck Beat auch sonst zu verbreiten half. Nicht zuletzt unter dem Einfluß der Beatles wurde die Bezeichnung Beat auch in London (man sprach dort bis dahin von Rhythm and Blues) und auf dem europäischen Kontinent heimisch.“

15 Das Gespräch zwischen Michael Wittmaack (Jahrgang 1947) und dem Verfasser fand am 3.12.2010 in Itzehoe, Bäckerei und Café Starckjohann, am Berliner Platz statt.

16 Der „Star-Club“ existierte vom 13.4.1962 bis zum 31.12.1969. Das Eröffnungskonzert gaben die Beatles, Tex Roberg, Roy Young, The Graduales und The Bachelors. Als letzte Band standen dort Hardin & York (Eddie Hardin und Pete York, auch bekannt als Mitglieder der „Spencer Davis Group“) auf der Bühne. Am 12.10.1986 wurde das „Star-Club“-Gebäude abgerissen. An jenem Tag versammelten sich dort rund 1000 „Star-Club“-Anhänger zur „Bye bye ‚Star-Club’-Fete“, und Lee Curtis rockte noch einmal wie in alten Zeiten. Heute erinnert nur ein Gedenkstein an „The most famous Beat-Club in the world“. Quelle: Günter Zint: Star-Club, portrait of music, 1998, S. 6/80.

17 Günter Zint: Star-Club, portrait of music, 1998, S. 9.

18 Wilstersche Zeitung (js), 28.8.1964.

19 Diese Angabe ist nicht korrekt. Michael Wittmaack stieß erst im Juli 1964 zur Gruppe. Dies belegt auch ein Presseartikel der Norddeutschen Rundschau der über einen Twist-Kapellenwettstreit vom 31.8.1963 berichtet. In ihm wird als Schlagzeuger der „Quartermasters“ Klaus Rutkowski genannt. Hartmut Velmede schreibt unter der Überschrift „Itzehoer Band wurde Sieger“: ve. Über 600 begeisterte Twistanhänger trafen sich am Wochenende zum großen Twist-Kapellenwettstreit. Fast sechs Stunden lang tanzten die Jugendlichen nach den Klängen der fünf am Wettbewerb beteiligten Kapellen. Die Tanzfläche des Suder Hofes war immer brechend voll, und viele Paare fanden nur noch mit Mühe ein Plätzchen, um zu twisten. Das Itzehoer Studio 63, geleitet von Uwe Brüning, lud zu dieser Veranstaltung ein. Es war für Schleswig-Holstein das erste Twist Kapellenturnier. Außer den beiden Itzehoer Kapellen, ‚The Quartermasters’ und ‚The Beatniks’, kämpften noch die Hamburger Kapelle ‚Big Goff on the Tiger’ und die beiden Bands aus Hohenwestedt ‚The Revells’ und die ‚Flamingos’ um den Silberpokal und die Urkunden. Eine besondere Attraktion des Abends waren die ‚Ladycrackers’, die durch Funk und fernsehen bekannte Deutsche Damen-Skiffelgroup. Sie trug ebenfalls zum Gelingen des Abends bei. Eine unabhängige Jury wertete die einzelnen Kapellen. Jede Band durfte 30 Minuten lang alle register ihres Könnens ziehen. Dann hatten die Schiedsrichter das Wort. Kurz nach elf war es dann soweit. Der Sieger hieß: ‚The Quartermasters’ aus Itzehoe. Der Beifall des Publikums zeigte, daß alle mit dieser Entscheidung einverstanden waren. Am Schlagzeug dieser Band stand Klaus Rutkowski, am Baß Manfred Kliefoth, an der Gitarre Wolfram Miszuweit und für den Gesang sorgte Günter Rehan. Den zweiten Platz belegte die Hamburger Kapelle ‚Big Goff on the Tiger’, den dritten Platz die zweite Itzehoer Band ‚The Beatniks’. Auf den vierten Platz kamen die „Föamingos’ aus Hohenwestedt und auf den fünften Rang die ‚Revels’. Lang anhaltender Beifall des Publikums dankte nach der Siegerehrung allen Beteiligten. Die drei Sieger spielten abwechseln fast ohne Pause noch bis in den frühen Sonntagmorgen. Einen älteren Herrn, der ebenfalls zum Twistturnier in den Suder Hof gekommen war, fragte unser Mitarbeiter, was er vom Twist hält. Hier seine Antwort: ‚Für mich ist der Twist kein Tanz, für mich ist er lediglich eine gymnastische Übung, aber ich twiste gern zu Hause und auch hier mit meiner Tochter’.“

20 Wilstersche Zeitung, 1.9.1964.

21 Wilstersche Zeitung, 23.1.1965.

22 Die Bildzeitung vom 31.12.1964 veröffentlicht eine Anzeige des „Star-Club“: „(...) Wir möchten Ihnen nicht nur einen guten Start ins neue Jahr wünschen, sondern Ihnen einen solchen bereiten mit der Durchführung des ‚jährlich nur einmal veranstalteten Star-Club Kapellenwettbewerbs 1965’. Dieser unterscheidet sich von allen anderen einschlägigen Veranstaltungen anderer Unternehmen dadurch, daß er ausschließlich der Auswahl ausbaufähiger Bands sowie deren anschließender Betreuung dient. Alle bisher erfolgreichen deutschen Bands sind aus unseren früheren Wettbewerben hervorgegangen. Insbesondere die einzigen Bands, die bisher in England gastieren und Anerkennung finden konnten, nämlich die Rattles, German Bonds, Four Randers und Phantom Brothers. In diesem Jahr nehmen die führenden Hamburger Bands sowie eine größere Auswahl von Kapellen teil, die jeweils in ihren Heimatstädten als Spitzenreiter gelten. Es wirken mit: Freitag, 1.1.: The Beatstrings, Travemünde; The Blackbirds, Hamburg; The Black Devils, Braunschweig; The Black Stones, Hamburg; The Blizzards, Lübeck; The Braces, Hamburg; Les Clochards, Hannover; The Coasters, Lübeck, The Devils, Quickborn; The Easy Beats, Kellinghusen; The Exciters, Hamburg; The Giants, Hamburg; The Hootas, Bergedorf; The Lafayettas, Hamburg; The Memphis Four, Travemünde; The Minstrels, Stade; The Mysteries, Hamburg; The Rags, Stade. Sonnabend, 2.1.: Dietmar and the Beatboys, Berlin; The Dynamites, Stuttgart; The Jaguars, Reinfeld; The New Beatniks, Lübeck; The Original Shouts, Lübeck; The Quartermasters, Itzehoe; The Rascals, Hamburg; The Revellers, Hamburg; The Shouts, Hamburg; The Stomps, Walsrode; The Tappers, Mölln; The Timids, Hamburg; The Tornado Five, Heide; The Vampirs, Hamburg; The Vanguards, Itzehoe, The Wild Cats, Goslar; The Young Fellows, Hamburg. Sonntag, den 3.1. findet dann die Endausscheidung statt, an der nur die sechs Siegerbands beider Vortage teilnehmen. Einlaß an allen drei Tagen 13 Uhr, Beginn 14 Uhr. Star-Club – Oft kopiert – doch nie erreicht.“ Im Zusammenhang mit diesem Wettbewerb liegt eine nicht datierte Zeitungsmeldung vor (möglicherweise der „Bild Zeitung“). Hierin heißt es unter der Überschrift „‚Die schwarzen Teufel’ schossen den Vogel ab – 37 Twistkapellen wetteiferten in Hamburgs Star-Club. Nach einem heißen Marathonringen stand es endlich in der Nacht fest: die beste von 37 Twistbands aus Norddeutschland, Berlin und Stuttgart ist die Kapelle mit dem finsteren Namen ‚The black Devils’ (die schwarzen Teufel) aus Braunschweig. Drei Tage lang vibrierte Hamburgs ‚Star-Club’ auf der Großen Freiheit im Beat der Amateure. Wie auch in den Vorjahren, erhielt der Sieger einen Vertrag mit dem bekannten ‚Twistschuppen’, der erheblich mit zu der steilen Karriere der Beatles beitrug. Die Sieger der vorangegangenen Ausscheidungen, die ‚Rattles’ vor zwei Jahren, die ‚German Bonds’ und die ‚Phantom Brothers’ im vorigen Jahr, haben ihre Chance genutzt und sind inzwischen ins Profilager übergewechselt. Kein Wunder, daß die 37 Bands der jetzigen Ausscheidung ihr bestes gaben, um den begehrten Vertrag zu bekommen. Zweite wurden diesmal die ‚Giants’ aus Hamburg und Dritte die ‚Tappers’ aus Mölln.“

Darüber hinaus beteiligten sich die “Quartermasters” am „Großer Bandwettstreit 1964” im „hit-club“, Hamburg, Große Freiheit 58-60 (16.-18.12.1964). In der „Bild Zeitung“ vom 11.12.1964 wurden mitwirkende Kapellen genannt: The Quartermasters mit John Ritchie, The Men of Mysteri, The Black Stones, The Cavernbeats,, The Blackbirds, The Scraemers, The Rockbeats, The Hot Clarks, The Sergeants, The Skyriders, The Cascades, The Shotguns, The Yankees, The Slyboots, The Vengers, The Dismays, The Outlaws, The Classics, The Casuals, The Tramps, The Strings, The sharks, The shouts.

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24 Glückstädter Fortuna (jw), 13.1.1969, 1. Lokalseite.

25 Norddeutsche Rundschau (Ts), 9.1.1969.

26 Glückstädter Fortuna (jw), 10.2.1969, 1. Lokalseite.

27 Norddeutsche Rundschau (es), 17.3.1969

28 Glückstädter Fortuna, 12.5.1969, S. 7, Leserbrief von Heinz-Peter Hildebrand, Hamburg 1, Ballindamm 13.

29 Die Verfügung der Stadt Glückstadt – Der Bürgermeister als Ordnungsbehörde – Aktenzeichen 121/8 – Betreff: Verursachung von Lärm durch Musizieren über eine Verstärkeranlage im Hause Glückstadt, Reichenberger Straße 31 – datiert vom 8.5.1969.

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31 Auch zu Zeiten der Scarlets nahm Peter Wischmann an Sängerwettstreiten teil. Die Norddeutsche Rundschau (hm)schreibt am 1.3.1966: „Kellinghusen. Das war die erste Runde im großen beat- und Folklore-Sängerwettstreit. Die Sieger: Peter Wischmann und Achim Hartkopf. Sie haben damit Aussichten auf den Rundschau-Pokal. Allerdings müssen sie sich auf der Endausscheidung mit vier anderen Konkurrenten messen. Wer dann phon- und stimmstärker ist, wird sich zeigen. Viele hatten sich an diesem Abend im ‚Cafe Mohr’ eingefunden, die meisten aus Neugierde, andere, um mit ihrer abgegebenen Stimme die gesangfreudigen Freunde zu unterstützen, die sich ohne Scheu vor das Mikrophon stellten. Wer mitmachen wollte, mußte sich bis um halb Zehn an der Kasse melden. Vier Jungen und ein Mädchen waren mutig genug dazu. Der erste Sänger war Achim Hartkopf aus Kellinghusen. Er verzichtete auf die Begleitung der ‚Quartermasters’ und sang sein ‚Yesterday’ zu eigener Gitarrenmusik. Etwas gehemmt allerdings, aber was er bot, konnte sich hören lassen, darum auch der wohlverdiente zweite Platz. Mit ‚The House of the rising sun’ war Peter Höft aus Itzehoe zu hören. Er kam nach der Zensur auf den dritten Platz. Scheinbar ohne Lampenfieber, mit einer sehr guten Stimme und der ‚Unchained melody’ errang Peter Wischmann den ersten Platz. Die beiden, die nach ihm auf die Bühne mußten, hatten es gegen ihren Vorgänger schwer. Die meisten hatten sich nach dem Vortrag von Peter Wischmann schon entschieden. Das zeigten auch die 121Stimmen, die er bekam. Achim Hartkopf folgt ihm nämlich erst mit 88 Stimmen. Gisela Krebs, Itzehoe (The house of the rising sun) war einfach zu leise und kam nicht durch, während Cord Böttger aus Bad Bramstedt (It’s all over now) anscheinend nicht genug freunde mitgebracht hatte. Er wurde letzter. Die nächste Station im ‚Kampf um den Rundschaupokal’ ist die Gaststätte ‚Zur Linde’ in Itzehoe-Wellenkamp. Am 12. März können hier sich Gesangfreudige Bewerber melden. Auch die Wilsteraner Jugend hat Gelegenheit, gegen Peter Wischmann und Joachim Hartkopf anzutreten. Am 13. März kommen ‚John Ritchie and his Quartermasters’ ins ‚Holsteinische Haus’, um die Sängerinnen und Sänger zu unterstützen. Die Beiden Ersten dieser Veranstaltungen treffen sich dann am 1. April wieder im ‚Cafe Mohr’ in Kellinghusen. Die großartige Beatband ‚The Quartermasters’ aus Itzehoe hatten den unumstrittenen Anteil am Erfolg dieses Abends. Zu ihrem Spiel zu singen, dürfte gar nicht so schwer sein.“

32 Norddeutsche Rundschau (Ts/ein Veröffentlichungsdatum ist nicht vermerkt). Der Text befindet sich im Archiv des Verfassers.

33Halbscheffel u. Kneif: Sachlexikon Rockmusik, 1992, S. 125: EP (Extended Player) ist eine 17-cm-Schallplatte, die trotz der Formatgleichheit mit einer Single deshalb keine Single ist, weil mindestens auf der einen Seite zwei oder mehr Nummern enthalten sind. Die Drehgeschwindigkeit beträgt ebenfalls 45 U/min, seit etwa 1970 gibt es allerdings auch Eps mit 33 1/3 U/min.

34Graves u. Schmidt-Joos, Das neue Rocklexikon, 1990, S. 719: „T. S. wurde unter dem Namen Anthony Esmond Sheridan McGinnity am 21. Mai 1940 im englischen Norwich geboren, war in der Frühphase eine der einflussreichsten Persönlichkeiten der Beatmusik. Nachdem er 1959 die Norwich Art School verlassen hatte, vollzog sich in seinen Londoner Coffehause-Bands ein Teil des Umbruchs vom Skiffle zum Blues und Rock ‚n’ Roll. Er begleitete Conway Twitty, Gene Vincent und Eddie Cochran auf deren England-Tourneen, durfte in sieben Folgen der Jack Good-Fernsehshow ‚Oh Boy’ als erster Rockmusiker mit einer Elektrogitarre (...) auftreten, hatte mit ‚Skinny Minny’ einen Hit und machte vor allem dadurch Pop-Geschichte, daß er zu einer Polydor-Plattenproduktion in Haamburg 1961 zum erstenmal eine Nachwuchs-Band aus Liverpool als Backup-Gruppe ins Studio holte: The Beatles. Bis 1967 lebte S. vorwiegend in Hamburg und spielte Rock-Tanzmusik auf dem europäischen Kontinent.“

35 rororo-Taschenbuch Nr. 6609/10, 1968: „Heinz Haber, 15.3.1913, Mannheim, promovierte 1939 in Berlin als Physiker und habilitierte 1944 in Astronomie. Im Luftfahrtmedizinischen Forschungsinstitut der amerikanischen Luftwaffe begründete er zusammen mit Professor Strughold 1948 die Weltraummedizin. 1950 wurde er als Professor für Astrophysik an die Air University berufen zwei Jahre später an die Universität von Kalifornien in Los Angeles. Seit 1955 produzierte er vor allem wissenschaftliche Fernsehsendungen. Er ist Herausgeber der Zeitschrift ‚Bild der Wissenschaft’. Er veröffentlichte rund 35 wissenschaftliche Arbeiten über Spektroskopie, Optik, physiologische Optik und Weltraummedizin, schrieb unter anderem die Bücher ‚Menschen, Raketen und Planeten’, ‚Lebendiges Weltall’, ‚Der Stoff der Schöpfung’, ‚Unser Freund das Atom’ und schuf unter anderem Filme wie ‚Der Mensch im Weltall’, ‚Das magische Land der Mathematik’. Seit 1959 produzierte er über 60 wissenschaftliche Fernsehsendungen. Preise: Thomas Alva Edison-Preis, New York, für das beste wissenschaftliche Jugendbuch in den USA (Stars, Men and Atoms); Adolf Grimme-Preis in Bronze 1964 (für ‚Der Laser’); ‚Die Goldene Kamera 1966’ (für die Fernsehserie ‚Unser blauer Planet’).“

H ist 1990 in Hamburg gestorben.

36 In der Bundesrepublik seit 1967 eingeführt.

37 Halbscheffel u. Kneif, Sachlexicon Rockmusik, 1992, S. 109: „Disco wurde kurz und bündig nach ihrem Nutzort die Dancefloor Music der siebziger Jahre genannt. Es handelt sich hierbei um eine funktionale Musik, die kaum dem kontemplativen Zuhören, sondern dem Tanzen dient. Sie betont daher die rhythmische Komponente in Baßgitarre und Drums. (...). Kennzeichen dieser Musik sind neben der alles dominierenden Bass-Drum (...) Streicher, Funk-Bassriffs und der Gesang von Frauen.“

Disco entstand in seiner Vollendung Mitte der 1970er Jahre und war hauptsächlich eine Musik der Schallplatte, weniger der Konzertsäle.

38 Halbscheffel u. Kneif, Sachlexikon Rockmusik, 1992, S. 355: S. ist die auch im Deutschen eingebürgerte Bezeichnung für das kleinste Format unter den handelsüblichen Schallplatten (...). Sie ist in der Regel auf einer Umdrehungszahl von 45 U/min eingestellt bei einem Durchmesser von 17 cm und heißt im Hinblick auf das Maß auch 17-cm-Platte. In der Regel bedarf die Single zum Abspielen auf dem Plattenteller eines einsetzbaren Mittelsterns oder eines sonstigen Zentrierstückes. Die Stellung der Single in der Rockmusik wechselt über die Jahrzehnte. Aufgrund ihres geringen Preises war sie auch und besonders für Jugendliche attraktiv; erst durch das Interesse der Jugendlichen und deren Kaufkraft konnte Rockmusik in den fünfziger und sechziger Jahre Bedeutung erlangen. Langspielplatten waren dann auch häufig lediglich die Zusammenstellung von Stücken, die vorher schon auf Singles erschienen waren. Noch die ersten LPs der Beatles beispielsweise entstanden auf diese Weise. Die Verkaufszahl von Singles war ein Gradmesser der Popularität eines Musikers, unterschwellig sogar ein Maßstab für künstlerischen Wert. (...).“

39 Die öffentliche Veranstaltung „Schulfunk mit Gästen“ wurde am 31.5.1969, 17.05 h – 18.30 h, vom NDR-Schulfunk, 1. Programm, aus dem „Nordmark-Landestheater Schleswig“ übertragen. Die viermännige Beatband „The United“ tat innerhalb der Veranstaltung siebenmal auf und spielte u.a. folgende Stücke: „Dimples“, „Nirvan“, „Summertime“, „Big Men“ und „Schwarze Augen“. Die Proben zu dieser Sendung fanden statt am 6. Mai (20-22 h) und am 13. Mai 1969 (10-13). Die Aufzeichnung der Sendung erfolgte ebenfalls ab 13. Mai 1969 von 16-18 h. Als Honorar erhielt die Gruppe 600 Mark. Vertrag und Sendemanuskript befinden sich im Archiv von Bandmitglied Wolfram Miszuweit, Itzehoe.

40 Norddeutsche Rundschau (hf), 10.6.1969

41 Mit von der Partie in Wilster waren ebenfalls die Gruppen „Mamma’s Hairspray-Blues-Formation“ und „Donkees“, die zusammen mit The United zum Tanz aufspielten.

42 Norddeutsche Rundschau, 9.9.1969, Text: Joachim Wende..

43 Hamburger Morgenpost. Unter dem Titel „Prominente traben für die Morgenpost“, erfolgte am Freitag, 5. September 1969, eine Ankündigung auf die Veranstaltung. U.a. schrieb die Hamburgrer Morgenpost damals: „Für den musikalischen Teil des großen Renntages der Hamburger Morgenpost sorgt die afrikanische Weltkasseband ‚The Soulfull Dynamics’, assistiert wird sich von der jungen Beatband ‚Peter and the United’.“

44 Die Band gründete sich zuvor unter dem Namen Rockin’ Family.

45 Norddeutsche Rundschau, 8.1.2001, S. 7.

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47 Der Vetragsentwurf befindet sich im Archiv von Wolfram Miszuweit.

48 Das Gespräch mit Frank Passauer wurde am 18.3.2002 in Kellinghusen geführt. P. war von ? bis 2002 Vorsitzender des Steinburger Oldie-Clubs.

49 Die Kellinghusener Easy-Beats hatten sich diesen Namen bereits vor Erscheinen der australischen Band The Easybeats (Friday On Me Mind) zugelegt.

50 In Dänemark erfolgten an zwei Tagen fünf Auftritte in verschiedenen Städten.

51 Gespielt wurde im „Jugendheim Exe“.

52 Die Easy-Beats standen mit den Rivets auf der Bühne.

53 Die Easy-Beats waren Vorgruppe der Rattles.

54 Die Beatmusik hat einige Jahre gebraucht, um von der breiten Masse anerkannt zu werden. Besonders den konservativen Gesellschaftskreisen war diese „Subkultur“ suspekt. Viele Eltern untersagten ihren Kindern diese Musik zu hören beziehungsweise sich mit Beatmusikern einzulassen. In seinem Buch „Roll Over Beethoven“, 1996, S. 109, schreibt Rüdiger Bloemke über das Konzert der Beatles 1965 in der Hamburger Ernst-Merk-Halle „(...) die Beatles hatten den Ton getroffen, der nicht nur bei ‚verzückten Teenagern’ sondern auch in den Bürgerhäusern jenseits der Großen Freiheit ankam. ‚Man muß es klar sagen’, schreibt das ‚Abendblatt’ anerkennend, ‚das, was die Beatles und ihre Mitstreiter da fabrizieren, ist tatsächlich Musik. Eine neue Musik, die sich mit hergebrachten Maßstäben nicht einordnen lässt, die ihre eigenen Maßstäbe und Gesetze entwickelt hat und die in den Beatles ihre Personifizierung fand.’“

55 Manfred Weissleder vergab Lizenzen zur Führung des Namens „Star-Club“ auch in andere Städte der Bundesrepublik. Der „Flensburger Star-Club“ war am Holm untergebracht. „Star-Club“-Veranstaltungen fanden aber auch im „Deutschen Haus“ statt. Mit der Geschäftsidee der Lizenzvergabe muliplizierte Weissleder den Ruf des Hamburger Stammhauses.

56 Siehe Fußnote Ziffer 22.

57 Der Text berücksichtigt eine Niederschrift von Peter Löschke, Itzehoe.

58 Die klassische Besetzung einer Beatband erfolgte nach dem Vorbild der Beatles: lead guitar (George Harrison), rhythm guitar (John Lennon), bass guitar (Paul McCartney), drums (Ringo Star).

59 Siehe Fußnote Ziffer 22.

60 Norddeutsche Rundschau (hf), 4.2.1969.

61 Die Rebbels aus Itzehoe haben (u.a.) in folgender Formationen gespielt: Peter Gilk (Orgel), Reimer Wischmann (Schlagzeug), Peter und Werner Kuhn, Jürgen Krumlinde.

62 Norddeutsche Rundschau, 3.2.1969.

63 Norddeutsche Rundschau (hf), 10.3.1969.

64 Gemeint ist „Die dritte Seite“.

65 Norddeutsche Rundschau (hf), 11.3.1969.

66 Norddeutsche Rundschau (hf), 15.4.1969.

67 A.M: Deutscher Sänger (sogenannte „Stimmungskanone“), damals aus Funk und Fernsehen (z.B. „Haifisch Bar“) bekannt.

68 Norddeutsche Rundschau (hf), 20.5.1969.

69 Norddeutsche Rundschau (jk), 24.6.1969.

70 Das Gespräch mit Lee Curtis führte der Verfasser am 22.1.2002 im „Neuen Theater Hamburg.

71 Der Cavern-Club ist der berühmteste Beatclub in Liverpool. Hier traten die Beatles insgesamt 294 mal auf: Erster Auftritt am 21.3.1961 mit den Bluegenes (später: Swinging Blue Jeans), letzter Auftritt am 3.8.1963 mit The Escorts, The Merseybeats, The Roadrunners, Johnny Ringo & The Colts, The Sapphires.

72 Dieser Teil des Gespräches am 22.1.2002 fand während einer Autofahrt vom „Neuen Theater Hamburg“ zum Flughafen Fuhlsbüttel statt.

73 Norddeutsche Rundschau (sch), 30.1.2002.

74 Die Blue Birds spielten in der Besetzung Werner Anders, Heino Holst, Klaus Rennack, Willi Hastigsputh, Werner Mayer, Manfred Schulz.

75 Siehe Fußnote 48.

76 Der Text stammt von Andreas Olbertz. Erscheinungsdatum und Zeitungsnahme sind nicht benannt. Der Text befindet sich im Archiv von Frank Passauer.

77 Der Text ist nicht gekennzeichnet, das Erscheinungsdatum nicht benannt, der Zeitungsname nicht genannt. Der Text befindet sich im Archiv von Frank Passauer.

78 Hallo Steinburg, Nr. 28 v. 11.7.1990.

79 Siehe Fußnote 48.

80 Ian & The Zodiacs spielten am 10. und 11. November 2000 in Wilster in folgender Besetzung: Ian Edwards (Originalmitglied: Gesang/Rhythmusgitarre), Les Maguire (Gerry & The Pacemakers: Keyboard), Mal Little (Blind Date: Lead-Gitarre), Colin Fabb (Connoisseurs: Bass), Colin Hardin (Copycats: Schlagzeug).

81 Norddeutsche Rundschau (Richard Karthe), 13.11.2000, S. 16.

© Edgar Meier  (eddybird@gmx.de) (e.m.)

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100 Beat brothers = Beatles (e.a.)

110 "Haus Göteborg"; vom Hausfrauenverein dort bezahlt um der deutschen Jugend nach Kriegsende zu helfen. (e.a.)



The T-Birds - Rockn Roll, Beat und Rock der 60-70iger Jahre   (e.m.)


(e.m.)