Briefe von und an Johann Hinrich Speck (*1877) "vor 100 Jahren".

(Unten einige von bisher "übersetzten" Briefen - es werden noch mehr auftauchen im ungeordneten Kartons. Um Mithilfe beim "Reinschreiben" wird gebeten. [Ûbersetzer-/Verfasser-Kürzel]

(ausserdem: ein Brief von Siem *1881 und Marie Speck *1883)

(vor 1897)  1898  1899  1900  1901  1902  1903  1904  1905  1906  1907  1908  1909  1910  1911  1912  1913  1914  1915  1916

vor 1897

  Spätestens 1889. Brief an Christine Speck in Sarzbüttel zur Erkrankung ihres Mannes Reimer Jakob SPECK  (* 26.Juli 1844  † 1889). "Onkel M.(atthias?) Schütt Burg " als Notiz v. H.S. Hand, und "Meine Grossmutter Speck" unter "Christine" v. M.L.A. Hand.

Meine liebe Christine!  -  Auf die von Dir durch Tante Klaire (?) mir ge...... Nachricht von der Erkrankung Deines lieben Mannes nimm auch von mir und meinen Kindern die Bekundung unserer herzlichsten Theilnahme entgegen welche Du selber auch dem lieben Kranken übermitteln wollest. Wenn der Arzt wie Du schreibst die Krankheit für noch  nicht gefährlich erklärt, so geben auch wir ja uns gerne der Hoffnung auf eine baldige Genesung hin. Wie ............  sagt auch in wessen Hand wir stehen und nur derselben wir getragt auch die uns früher schei.......   Tage u. Stunden entgegen -(S.2)- in der Gewissheit, dass der treue Herr wenn er uns auch in die  Leidensschule nimmt, uns nur Seiner besonderen Gnade offenbaren will und Er uns ganz zu seinem Eigenthum haben will; dass Er das an uns allen nur möge erreichen ! Ihm ... nun in Allem Ehre und Danck. Wir werden wie Du schreibst dann ja bald von Dir über das Befinden Deines lieben Mannes wieder Nachricht haben. Gott befohlen! Grüss auch an Deine lieben Kinder.  -  Dein M. Schütt.  (e.a.)

1898

  Berlin den 30. 10. 1898  Liebe Mutter und Geschwister!

Gestern habe ich den Reisekoffer abgeschickt, welcher so lange auf Kammer gewesen ist. Es geht uns hier ganz gut. Bei unserer Kompanie sind noch 3 Dithmarscher mehr. Meierist Groth aus Blenn (Rehm ?), Schneider Grundes (?) aus Schlichting (Dithmarschen) und ein Schneider aus Dahlen (?). Ferner liegt hier noch einer aus Rendsburger Nähe. Das Essen ist hier ganz gut, auch gibt es fast jeden Abend abends zu essen. Hungern gebrauche ich hier nicht, denn mein Brot kann ich gar nicht aufkriegen. Die Vorgesetzten sind durchweg gut wenn man seine Pflicht tut. Es ist doch eine hübsche Stadt unsere Residenz. Unser Regiment (3. Garde-Regiment zu Fuß) liegt zusammen, jedes Bataillon in einer Kaserne. Ich liege im 3ten Stock auf Stube 121. Die Kaserne liegt an der Wrangelstrasse (Bild + Karte). Sendet mir bitte bald mal die Extrahose und weisse Tuchhandschuhe. Andere Handschuhe, Strümpfe und Wäsche gebraucht ihr vorläufig nicht mehr zu schicken. Eine Unterjacke habe ich mir hier gekauft zu 1,90 Mark. In der Kantine ist alles gut zu kaufen und auch alles gut. Wir essen in dem Zimmer an der Küche. Donnerstag nachmittag waren wir nach dem Schlesischen Thor-platz, einem grossen Zier(?)platz mit Rosen. Da haben wir dann langsamen Schritt und Laufschritt nach Musik gemacht. Freitagnachmttag waren wir zur Kirche. Sonnabendvormittag waren wir nach dem Karls(?)garten wo unsere Schiesstand ist. Das ist ein Gehölz, wo Hirsche, Rehe u.s.w. eingesperrt sind. Heutenachmittag hatten wir Apell mit dem Paradeanzug zur Vereidigung, welche morgen ist. Da hatten wir einen grossen Mantel an und Haarschweif auf. Wir haben jetzt schon alle Kleidungsstücke und Waffen. Morgenvormittag haben wir Vereidigung und nachmittags werden wir ausgeführt in die Stadt. Wir haben jeden Tag 1 Stunde Instruktion und 4-6 Stunden exerzieren. Von 6-7 ist Putzstunde. Wie geht es denn Euch in Sarzbüttel, hoffentlich gut. Wie weit seid ihr mit den laufenden Arbeiten, ist die Drainage schon beseitigt und der Roggen in die Erde? Habt ihr auch noch Ochsen verkauft und welche gekauft. Ist das Vieh schon angebunden, und die Pferde schon satt, wie viele wollt ihr verkaufen und welche. Einen Knecht bekommt ihr also nicht. Ist die Pumpe schon fertig. Ich habe noch ganz vergessen Reimer zu gratulieren, entschuldige mich daher noch. Mehr weiss ich nicht recht zu schreiben, wenn ich erst in die Stadt ausgehen kann, werde ich wohl mehr erzählen können. Grüsst bitte alle Freunde und Bekannte von mir als Heinrich Schnepel, Hans Rohde, Voss u.s.w. Schreibt mir bitte mal Hinrich Popps Adresse.  -  Mit Gruss Euer Euch liebender Hinrich. (e.a.)

 
Garn. kirche

(um 1898, ausgeschnittenes Bild, auch Datum)  Berlin ca. November 1898 (?)  Liebe Mutter und Geschwister!   Schreibe Euch mal wieder einen Brief, da ich heut nachmittag Zeit genug habe. Heutvormittag sind wir zum heiligen Abendmahl gewesen nach unserer Garnisonskirche. Diese liegt auf dem Kaiser-Friedrich-Platz (Berlin-Friedrichsstadt / Kreuzberg beim ehemaligen Flugplatz Tempelhof. Das war der Exerzier- und Paradeplatz damals. Seit 1938 "Gardepionierplatz", heute "Südstern") und ist inwendig eine sehr hübsche Kirche. Besonders hübsch gemalt in allen Farben ............. (½ Brief ausgeschnittener Paradebriefkopf wahrscheinlich) ................ auf. Um 10 Uhr rückten wir mit Regimentsmusik von der Kaserne ab nach dem Brandenburger Thor hin, wo unser Regiment Aufstellung hatte. Die andern Regimenter standen Unter den Linden entlang, auch hatte sich eine grosse Menschenmenge angesammelt. Nach vier Stunden kam der Kaiser mit seinem Gefolge auf einige Schritte an uns vorbei. Zuerst kamen Generale u.s.w. auf ................ Füchsen reitend, dann der Kaiser auf einem Hellbraunen. Darnach wieder welche auf schwarze Pferde, dann wieder ein elegantes schwarzes 4-Gespann mit der Kaiserin und der Kaiserin (Gattin vom Kaiser) Friedrich. Darauf wieder welche zu Pferde und dann wieder ein schwarzes Gespann wahrscheinlich mit den beiden Hofdamen, Reiter beendeten wieder den Zug. Alles kam auf einige Schritte an uns vorüber. Es war grossartig mit all den dicken, glänzenden, mutigen Pferden. Sowas bekommt man in einer anderen Stadt doch nicht zu sehen. Der Kaiser hatte einen grossen blonden Schnurrbart und hat einen sehr scharfen Blick. Um ½ !2 Uhr kamen wir nach Hause und hatten frei. Die Alten hatten noch alle Parade auf dem Schlossplatz. Es geht mir ganz gut und kommen etwas weiter mit dem Dienst. Auch lebt man sich ja immer besser in das Soldatenleben hinein und lernt alle Kameraden kennen. Um Urlaub Weihnachten habe ich nicht angetragen, was schon die anderen getan haben. Wer gar nichts von Hause bekommt, für den ist es doch nicht zu schön, denn manchmal gibt es auch Mittagessen, wo man fast nicht kann als die Fusslappen (?) hier und Kartoffelsuppe und Äpfel..... ist fast reines Wasser. Bei dem Gulasch sind meistens die Kartoffeln ganz hart und nicht zu essen. Dagegen Erbsen, Bohnen und Linsensuppe ......  gut und sind auch dick, auch Konserven. Das Abendessen ist meistenteils auch sehr wässerig und wird von den meisten dann nicht genommen. Den Rock habe ich zum Schneider gebracht. Wird ungefähr 10 Mark kosten mit Knöpfen. Habe nur kein Geld.    Mit Gruss   -   Euer Hinrich.  (e.a.)

1899

  Berlin 13. 1. 1899  Liebe Mutter und Geschwister!

Sage Euch meinen besten Dank für das Paket, dass ich heute empfangen habe. Butter hatte ich noch für 8 Tage. Kann ja auch länger wahren. Den letzten Braten habe ich Heutmorgen verzehrt und hatte noch nicht wieder auf ein Paket gerechnet. Es geht mir ganz gut, hoffentlich Euch auch alle. Mit dem Dienst geht es jetzt etwas strammer um und kostet mitunter Schweiss. Ist aber nicht so schlimm, denn das stramme Marschieren nach der Musik macht gleichfalls Spass. Am 23. Januar ist ja auch schon Rekutenvorstellung und dann ist ja die Rekrutenzeit, welche immer so schlecht geschildert wird, vorüber für uns und wir sind dann Grenadiere und kommen zwischen die Alten. Ich muss sonst sagen, die Rekrutenzeit ist für mich nicht so schlecht gewesen und kann keineswegs klagen, nicht das Geringste, haben aber auch einen tadellosen Leutnant. Es sind jetzt viele Änderungen eingetreten beim Militär. Sekundelieutenant wird nun Leutnant geschrieben und genannt. Feldwebel bei den Pionieren Erdwebel und bei den Luftschiffern Luftwebel. Ob Reimer das schon gelesen hat ? Wohl noch nicht. Schreibt mir mal bei welcher Compagnie Hinrich Zimmermann gestanden hat. Gestern abend hatten wir Versammlung im Speisesaal, wo der Garnisonsprediger redete. Er wird von jetzt an öfter kommen. Euch geht wohl alles gut und passiert viel (?) Ich muss schliessen weil die Uhr 7 ist.  -  Mit Gruss Euer Hinrich.  (e.a.)

  "Gruss aus Berlin" den 30. Mai 1899 (½ Seite Bildkopf mit "Neue Wache, Palais d. Kaiser Wilhelm I., Denkm. Friedr. des Grossen, Ruhmeshalle")   -   Liebe Mutter und Geschwister!  -  Bin glücklich in meiner Kaserne wieder angekommen, Schwester Mathilde auch ja in Potsdam. Wie die Fahrt ausgegangen ist wird Mathilde wohl schon geschrieben haben, hoffentlich wird es ihr da gut gefallen. Ich habe mich schon ganz wieder eingelebt, es ging auch gleich die ersten Tage wieder wie vorher. In diesen Tagen haben wir schon mächtig wieder Parademarsch geübt auf dem Tempelhofer Felde. Heute morgen haben wir die grosse Parade gehabt, wobei wir das schönste Wetter hatten. Das war aber ein Leben auf dem Tempelhofer Felde. Es waren 10 Infanterie Regimenter da, dazu 3 Eisenbahnregimenter, Pioniere und unsere Artillerie und Kavallerie. Unser Regiment kam zuerst an da wir zur ersten Brigade gehören. Die Kaiserin war auch zu Pferde und hatte weisse Kleidung an. Heute morgen um 7 Uhr rückten wir aus und kamen um 12 Uhr nach Hause. Sonntag war ich nach dem Sedanpanorama und dem Aquarium unter den Linden wo es auch ganz schön war mit all den Vögeln und Fischen. Nächsten Sonntag gehe ich wohl nach dem Zoologischen Garten und den andern Sonntag wenn ich Zeit habe mal nach Potsdam. Es ist hier jetzt fein geworden in Berlin, besonders im Tiergarten und der Gegend. Das Wetter ist hier jetzt jeden Tag fein auch wohl bei Euch und das Gras wird wohl mächtig weiterwachsen. Was macht denn das kleine Füllen ist es gesund und munter. Viel weiss ich auch nicht zu schreiben da ich ja erst 8 Tage wieder hier bin. Schreibt auch bald mal wieder.  -  Euch Alle Herzlich grüssend schliesst  -  Euer Sohn und Bruder  -  Hinrich.  -  (am Rand:) Es freut mich doch Euch mal alle gesehen zu haben.  (e.a.)
  "Gruss aus Berlin" den 8ten Juni 1899  Militärarrestwache - Lindenstrasse 30 (½ Seite Bildkopf mit "Denkmal Friedrich  Wilhelm, Bildermuseum und Lustgarten. Universität").   -   Liebe Mutter!  -  Meinen besten Dank für dass Paket dass ich heute Mittag erhalten habe und wozu ich mich sehr gefreut habe. Ich war schon gerade fertig angezogen zur Wache, da konnte ich es noch von Schreibstube abholen und gleich was mitnehmen.  Es geht mir immer gaz gut hoffentlich Euch auch alle. diese Woche haben wir fast keinen Dienst gehabt, nur zielen den ganzen Tag und etwas exerzieren und ....... gestern haben wir nämlich Vergleichsschiessen gehabt im ... Unsere Compagnie hat gut geschossen auch ich. Unsere Unteroffiziere werden wohl die besten sein im ganzen Ge....... Heute und Morgen zieht unsere Compagnie auf Wache und zur Arbeit. Die andere im Regiment haben Freitag und Sonnabend grosse Ûbungen 45 - 50 km, da kommen wir wieder gut weg. Nach Mathilde bin ich noch nicht gewesen, Sonntag hatten wir Feuerdienst und mussten zu Hause bleiben und in der Woche lohnt es sich nicht.Sonntag werde ich aber hoffentlich hinkommen können und mit Schwester spazieren Unter den Linden und im Tiergarten. Sie wird sich hier gewiss vieles schönes sehen können und hat dann nachher auch doch mal was erlebt. Sie sehnt sich auch gewiss schon nach einem Besuch von mir. Das Wetter ist hier immer ganz schön und ziemlich warm, so dass mancher mächtig schwitzen muss. Es wird schon fast etwas zu trocken für den Brandenburger Schnee (?!) glaube ich. Ihr fängt wohl bald an zu Gras mähen, ob es dann reichlich Heu bringen wird. Das Wetter ist ja jetzt günstig dazu schönes, junges Heu zu gewinnen. Was macht denn das kleine Füllen, nimmt es sich .... Mit dem Decken seid Ihr wohl bald fertig. - (Am Rand:) Mit dem Ausschlag geht es bis jetzt gut.  -  Hier bei der 8ten Compagnie ist ein Möller aus Karrolinenkoh (Karolinenkoog?!) der letzten Herbst mit mir ...gereist ist. Ich traf ihn bei der Frühlingsparade wieder. Er ist in Heide auf der Land. Schule gewesen mit Hans Jakob Peters aus Arkebeck zusammen. Voriges Jahr hat er Dachreth bekommen von Onkel Hinrich aus Rehm und kennt den auch gut. Ernst Mahsen's Sohn ein Zimmermann ist hier bei den Eisenbahnern in Berlin. Gestern sind bei uns die Landwehrleute eingetreten und müssen heute schon tüchtig exerzieren, da sind aber Bierbäuche zwischen. Grüsst bitte Siem von mir und Frau Bolls und alle Bekannten sowie Heinrich Schnepel. Lass Reimer noch mal bald schreiben.  -  Mit Gruss Hinrich.  (e.a.)
  an HS von seiner Schwester Mathilde Speck 16.6.1899. (beide in Berlin)

Berlin, d. 16. Juni 99

Weil jetzt Feierabend setzte ich mich, und schreibe an Dich; wie geht es denn Dir, mir ganz gut. Montag bin ich auf die Etagen gekommen. Da hab ich dann jeden Tag 8-10 Zimmer zu machen, aber es ist ja noch leichte Arbeit. Bis Nachmittag um 4 hab ich dann zu thun. Dann geh ich in die Waschküche bis um 7. Dann hab ich 8 Uhr Feierabend, freilich, wenn die Herrschaften dann noch etwas wünschen, muss man wieder da sein. Wir sitzen dann auf unserer Stube auf unserer Etage. Ich bin auf der II. Etage. Diese Woche mache ich bis um 11 und stehe um 7 auf. Nächste Woche bin ich bis 16 auf und hab bis 6 zu schlafen. Marie und ich sind zusammen auf der Etage. Haben 20 Zimmer. Auf jeder Etage muss 1 Mädchen bis 11 aufbleiben. Da machen wir dann von 8 an für uns Handarbeit oder wie ich jetzt thue, Brief schreiben. Will Dir noch mitteilen, dass ich Sonntag nicht frei hab. Kannst mich aber wenn Du Zeit und Lust hast und nicht sonstwohin ausgehen willst sehr gut besuchen, da ich ja Sonntags fast nichts zu thun habe. Dann sitze ich ganz allein auf meiner Etagenstube, Kabüse, nennen wir sie. Vormittags hab ich frei. Dann geh ich zur Kirche. Dürfen in Deine Garnisonskirche auch andere kommen? Oder nur Soldaten. Wenn ..... kommen darf, bist vielleicht so gut und schreibst mir, wo die Kirche ungefähr ist, wie sie heisst und wann sie anfängt. Dann bist Du ja auch vielleicht da, und wenn nicht, so möchte ich doch mal so Militär in Reih und Glied in der Kirche sehn. Kannst ja schnell eine Karte schreiben, wenn Zeit hast, immer natürlich einen Brief. Wenn ich diesen Sonntag freigehabt hätte, könnten wir wieder schön zusammen ausgehen. Weil ich erst eine Woche oben bin, kann ich es noch nicht allein Vormittag, denn mitunter kommt noch was vor, was ich noch nicht gewusst habe. Nachmittags hab ich dann nur Abends abzudecken, darf aber nicht fortgehen. Wünsche Dir noch eine gute Reise. Hoffentlich wirst es gut machen können. Dann dauert es ja 8 Wochen bis Du wiederkommst.  Da muss ich mich sonntags ja alleine amüsieren; werde dann mal nach dem neuen Reichstagsgebäude gehen und es Vormittags von innen besuchen, die Siegessäule besteigen, und Aquarium und Panoptikum welches Du mir alles gezeigt besuchen. Den Zoologischen Garten lass ich erstmal stecken bis Du wiederkommst. Auf den Etagen haben wir höchst selten am Alltag Nachmittags frei, wie in der Küche es hatten; denn wir haben ja immer Abends für uns. Von zu Hause hatte ich Dienstag Brief. Sind schon angefangen mit dem Heu. Auch decken sie und auch macht Anna Sierks noch ein Kleid für mich. Da ..... ....., dass sie es zu Hause ebenso ..... haben wie Du und ich. Diese Woche war es ja kein schönes Wetter, jetzt scheint es aber doch besser zu werden. Dass Du mir eine Karte schreibst nützt wohl nichts mehr, denn es wird wohl schon zu spät werden, ich meine wegen der Kirche. Ob der Sonntag mit Joh. Balls nach Potsdam. Wenn Du bei Paster (sic) Buhrmann, Heinrich=Strasse 10 kommst, grüsse sie von mir, und auch Mutter schrieb im letzten Brief ich solle Ihr (schon berlinischer Dialekt?) grüssen und danken von Mutter. Vielleicht kommst ja auch nicht da. Wir könnnen ja immer die Briefe, die wir von Hause kriegen, einander lesen lassen, da wir doch gerne alles wissen. - Weil ich noch einiges besorgen möchte ich  ... und nun ist es Zeit zu Bett. - In Liebe Deine Schwester Mathilde. - Hätte sonst noch mehr erzählt. (e.a.)

(HS hat hat in den 1950er Jahren am Schluss des Briefes hinzugefügt: "Schwester Mathilde Speck Sarzbüttel war mit mir in Berlin") Schwester von u.a. H.S. und S.T.S.  (e.a.)

Alte Nationalgallerie
Berlin
Brief von H.S. / S.T.S.'s Schwester Mathilde - gleichzeitig wie H.S. tätig in Berlin - an eine gemeinsame Schwester. 

Berlin, im August 1899  -  Meine l.(iebe) Schwester !  -  Zu Deinem und Deines lieben Bräutigams Geburtstag wünsche ich Euch des Herrn Segen. Möge Euch der treue Hailand im neuen Lebensjahre ganz besonders nahe sein, da Ihr doch wohl im kommenden Jahr ganz besonders seiner Gnade bedürftig seid. Ihr werdet wohl an dem Geburtstage ganz besonders den Herrn um seine Führung bitten, aber das liebe Brautpaar hat doch auch dem Herrn unendlich viel zu danken, für alles was Er Euch gegeben, geistlich und leiblich. Wahrscheinlich werdet Ihr beiden Lieben doch zusammen feiern, da möchte ich natürlich auch mit da sein. Christine hat wohl die Torte schön gebacken, oder hat die l.(iebe) Mutter wieder dafür gesorgt. Feiert man tüchtig und seid immer recht fröhlich. Wenn nachher mal wieder Geburtstag wird, bin ich ja auch da. Aber erst kommt wohl noch die Hochzeit. H.(inrich) brachte heute Mutters Brief mit. Da sah ich dann dass Johannes nur bis zum 18. Oktober bleibt. Da wird wohl die Hochzeit auch Mitte Oktober ewerden. Ob sie in Sarzb.üttel oder Hast.edt, wisst Ihr wohl noch nicht. wenn Du l.(iebe) Anna in Hastedt bist, werden wir Dich aber soviel besuchen, dass es Dir eine Last werden wird. Martin freut sich wohl auch schon dazu, und Heinrich und Hans wohl auch. Ist Dora Dallmeyer lange bei Euch in Ferien, oder nur einige Tage. Wisst Ihr schon, wann Anna . H.K.. (?) Hochzeit geben werden? Ich möchte auch gern mal einen langen Brief von Sanne, stosst sie bitte mal an. Lass D........ man vielmals grüssen von mir. Heute Nachmittag waren H.(inrich) und ich nach der Nationalgallerie. Sind noch gar nicht mit dem Ansehen fertig geworden, und geh ich dann noch mal hin. Es ist grossartig mit den schönen Landschaftern, sie wurden immer herrlicher. Um ½8 kamen wir zu Hause und H.(inrich) fuhr gleich weiter. Ich schreibe dann heute abend noch Brief, falls ich in der Woche keine Zeit haben sollte. Abends um 10 bin ich auch müde und geh dann gern zur Ruhe. Auf der Etage war ich nicht so müde, wie im Speisesaal, das kommt wohl auch mit davon, dass man sich im Speisesaal nur immer langsam bewqegen kann, und ich finde immer das ermüdet so. Morgens ist man ja immer wieder frisch. Seit Sonntagabend ist Frl. Kr. (?) wieder hier. In der Anrichte kann ich noch viel lernen. Frl. Bertha zeigt mir auch gern. Dienstag Nachmittags hab ich frei. Man muss auch, wenn man Abends nicht frei hat, am Nachmittag mal frei haben. Dienstag werd ich vielleicht mal ausgehen, wohin weiss ich noch nicht. Sonntag geh ich in H.(inrich's) Garnison-Kirche. Nachmittags muss ich dann wieder in Speisesaal aufpassen, thu es dann auch ganz gern. Wenn Pastor Vohs die Andacht hier hält, kommt er oftmals noch zum Frühstück. Er meinte Pauhlsen's kämen wohl zum September hierher. Da würde ich sie doch noch mal besuchen; hab es ihm schon mal vorgestellt, und meinte er es dann auch. Dazu werden Pauhlsens sich ja auch freuen. Dass Onkel Hinrich abgebrannt ist, das thut mir sehr leid, der arme Onkel; wie ist das doch traurig, zum zweiten Mal das Unglück. Ach, möchteder liebe Onkel es doch gut überkommen. Johann wird sich wohl schon sehr auf das liebe Elternhaus gefreut haben, und findet nur einen Teil davon wieder. Es ist doch gut, dass das Wohnhaus noch steht. Wie geht es eigentlich Amanda Banse, H.(inrich) und ich haben schon so oft von ihr gesprochen. Ist, oder wird sie besser? Ist Sanne Dallmeyer jetzt ganz gesund? Hoffentlich werde ich sie mit dicken, roten Backen wiederfinden. - Mit der Erndte seid ihr ja schon recht vorgeschritten. In Hastedt und in Sarzbüttel wird ja schon gedampft und gedroschen. Das geht ja sehr flott. Was macht denn der Gymnasiast, unser kleiner Siem, der lässt sich ja wenig hören.Nun, ich komme ja auch bald, da könnt ihr mir tüchtig erzählen. Ich bin noch gerne hier, freue mich aber auch schon zum lieben Elternhaus. Henriette wird mich zum November dann ja vertreten. Grüsst sie man gelegentlich mal von mir, auch Anna Sierks und Giene. Auf baldiges Wiedersehen hoffend, Euch alle herzlich grüssend bleibe ich Deine Dich liebende Schwester Mathilde.  (e.a.)

Berlin, den 4. 8. 1899  Liebe Mutter ! 

Bringe dir noch zu deinem Geburtstage die herzlichsten Glück- und Segenswünsche. Ich muß mich entschuldigen, dass ich nicht einige Tage früher geschrieben habe, denn der Brief wird wohl schon zu spät kommen, weil ich nicht wegen viel Arbeit eher daran gedacht habe.   -   Möge der liebe Gott dich immer recht gesund und kräftig erhalten und deinen Geburtstag auch öfter und fröhlich in Mitte deiner Lieben verleben lassen. Hoffentlich trifft dir (sic) liebe Mutter der Brief gesund und munter an. Den größten Teil der Arbeit und Gedanken wegen der Ernte habt ihr jetzt ja gehabt. Ich bekam vorgestern einen Brief von unserm Reimer wofür ich mich bestens bedanke. Gleichzeitig bekam ich einen Brief von Onkel Hinrich aus Rehm und gestern einen von Johann und Christine Dallmeyer. Das macht einem doch so recht Freude so viel neues aus der Heimat zu hören. Es geht allen anscheinend gut. In Rehn hatten sie noch Heu in Diemen stehen und das Korn war starck von Mäusen angefressen. Daß Reimer sein Collegen da gewesen sind ist wohl eine große Freude gewesen.  -  Mir geht es hier immer ganz gut. Kann den Dienst leicht machen, welcher jetzt sonst sehr anstrengend und immer mit Gepäck. Johann Schmidt schreibt Onkel könnte die Märsche nicht gut machen, Ich glaube die Infanterie hat auch den schwersten Dienst. Die Füße habe ich mich noch nie wund gelaufen, kann ........ laufen.  -  Sonntagnachmittag war ich bei Mathilde zum Besuch, die freut sich auch immer wenn ich komme. Hinrich Voss habe ich bis jetzt noch nicht getroffen. Fritz Rober und Gustav Klinck kommen auch hierher. Unser Regiment  Unser Regiment(2) das 2te Regiment und Franzer(3) und Elisabeth(4)  sind glaube ich die besten.  -  Wir haben hier jetzt noch alle mal Compagnievorsteher wieder Mitte August (dazu zwischen die Zeilen gefügt :) wegen (?)  ....  ... Verdr (?), haben deshalb jetzt Compagnie exerzieren wieder was das schlechte ist. Unser Hauptman ist in Urlaub und führt Oberleutnant von Münchhausen unsere Compagnie, frag Zimmermann mal was mit dem Ladeck (?) / los ist (?) kennt Ihr noch nichts genauer.  -  Es freut mich, dass Ihr den Roggen schon eingefahren habt. Hier ist es jetzt schönes Berliner Wetter, die Witterung ist hier im ganzen wohl besser gewesen diesen Sommer, wie bei Euch, denn hier hat es öfter mit geregnet. Gras habt ihr ja reichlich genug was sehr viel werth ist. Schreibt mal wie es eigentlich mit der jungen schwarzen Stute geht ob die noch ganz zahm wird wie die andere. Wie wird es dann mit den Düngerhaufen in Rellerteil(5) und der jungen Weide in Del(l)math.  -  Werden Eure Ochsen diesen Herbst gut fett oder sind sie noch nicht schwer genug.  -  Ich muss meine Sonntagsstiefeln besohlen lassen und Absätze gerade machen lassen wozu ich um Geld bitte. Laß Heinrich auch mal schreiben über die Wirtschaft ist wohl ein tüchtiger Kerl.  -  Mit herzlichem Gruß  -  Dein dich liebender Sohn (Hinrich Speck).   -   (schräg am Rand noch:) könnt mir mal Putzlappen schicken und landwirthschaftliche Fachblätter zum Lesen. Mit dem Ausschlag geht’s gut ... ... .    (c.p. / i.s.v. / e.a.)  [Kürzel]

Anm.: (2) "Unser Regiment" ist: 3. Garde-Regiment zu Fuß; HS in früherem Brief: ".. ich liege im 3ten Stock auf Stube 121. Die Kaserne liegt an der Wrangelstrasse ..". (e.a.)  (3) Kaiser Franz Garde-Grenadier-Regiment Nr. 2 in Berlin - „Franzer“- „Bluthunde“; benannt nach dem österr. Kaiser. (e.a.)  (4)  Königin Elisabeth Garde-Grenadier-Regiment Nr. 3 in (heute: Berlin-) Charlottenburg. (e.a.)  (5) Koppel Rellerdeel. Flurnamen siehe BS Chronik "Die Specken" Seite XV und Flurkarte von Sarzbüttel. (e.a./e.s.)

  Berlin den 7ten September 1899  -  Liebe Mutter und Geschwister!  -  Bin heute zum letzten Mal bei Mathilde zum Besuch. Dann morgen früh um 7 Uhr reist Mathilde von hier ab nach ...... und ich morgenfrüh um 7 Uhr nach Königsberg in Brandenburg ins Manöver, verleben also heute den letzten Abend zusammen in Berlin, und Mathilde wird vielleicht unsere Residenz nie wiedersehen. Hoffentlich fällt ihr der Abschied aus Berlin nicht schwer, denn sie fährt doch zu der lieben Heimat hin zur lieben Mutter und Geschwistern. Mathilde hat hier in Berlin und Potsdam alles gesehen, schon viel mehr wie ich und wird Euch noch ordentlich was erzählen. Es geht mir immer ganz gut, bin immer gesund und munter und kann den Dienst gut machen. Im Manöver werden die Märsche wohl noch anstrengender werden, aber ein preussischer Grenadier verliert den Mut nicht. Freitag war die Parade auf dem Tempelhofer Felde welcher Mathilde auch beigewohnt hat und ihr sehr interessiert hat. Montag hatten wir Turnvorstellung und die letzten Tage grösstenteils nur Appell. Heute hatten wir nichts zu thun als Manöveranzug in Ordnung zu bringen. In der Nacht von Sonntag auf Montag um 1 Uhr wurden wir allarmiert und marschierten um 2 Uhr ab. Das marschiert sich ganz schön nachts im Dunkeln. Mittags um 11 Uhr hatten wir das Gefecht bei Eiche und Münchenhofe, woran auch die 3ten Garde Ulanen und Feldartillerie von der Schiessschule Jüterbog teilnahmen. Zurück fuhren wir mit der Bahn nach Holbgarten aus und kamen um ½ 4 Uhr wieder in Berlin an. Als wir auf dem Kasernenhofe kamen liess der Oberst Parademarsch machen. Das ganze war ein so kleiner Manövertag und macht doch Spass, wenn auch der Tornister schwer gepackt ist. Das Tornistergepäck schleppen wird überhaupt Gewohnheit, denn jetzt laufen wir sicher mit schwerem Gepäck weiter als in der Hammelzeit (?; in seiner 1950er Ûbersetzung schreibt H.S. hier anstelle: "Rekrutenzeit"..) mit leerem Tornister. Wie geht es denn bei Euch. Hoffentlich seid ihr alle gesund und munter. Es wird wohl schon bald wieder an Roggen säen gedacht. Habt Ihr noch kein Regen bekommen, hier hat es letzte Zeit öfter geregnet. Ûberhaupt scheint die Witterung hier günstiger gewesen zu sein als in Holstein, denn die Ernten waren hier alle ganz gut. Dass die junge schwarze Stute so gut geht freut mich, wird hoffentlich noch mal eine gute Füllenstute. Grüsst Hinrich Zimmermann von mir und sagt ihn Oberleutnant von Alvensleben 3te Compagnie ist Hauptmann geworden von der 7ten Compagnie. Hauptmann von Pabel überzähliger Major beim Regiment. Leutnant von Götz 1te Compagnie. Oberleutnant und Fähnrich von Bismarck 1ste Comp. Leutnant alles zur Parade. Leutnant von Platen ist bei unserer Compagnie  und sieht jeden Mittag in der Küche regelmässig das Essen nach.  -  Mit Gruss Euer Hinrich.  (Diesen Brief hat H.S. ausserdem nochmal im hohen Alter in den 1950ern auf normaldeutsche Schrift selbst "ubersetzt" - was ich leider erst nachher bemerkte.... e.a.)

Im selben Brief dazugeschrieben von seiner Schwester Mathilde : Liebe Mutter und Geschwister!  -  Hinrich ist dann jetzt zum Abschied bei mir und schreiben wir denn noch zusammen. Soeben habe meinen Koffer, ich meine meinen Reisekorb und Paket abgefertigt. Herr Metzger (?) der Verwalter besorgt alles für mich. Ich habe nichts als Eilgut abgeschickt, da Herr M. sagte, es sei so teuer, ebenso teuer wie 4te Klasse (Personen) fahren. Bis ich dann mal zu Hause, meint er, ist der Korb auch schon da. Habe schon meine Planthüte (?) fertig und bin dann morgen früh gleich reisefertig. Um 9:30 fahr ich von Berlin, bin um 12:19 in Wittenberge, 1:21 in Ludwigslust, 1:50 in Hagenow, dort steig ich um und fahr dann nur noch über die Station Zarrentin, dann kommt Hollenbeck, und habe damit das Endziel erreicht. Von Hollenbeck holen mich Onkel Kl. ab. Ist von da noch 20 Minuten bis Sterlep (?) zu gehen. Fahre dann Montag weiter. Die Uhr ist 3/4 8 und Hinrich will fort; ich geh noch eine kleine Strecke mit, und dann geht's zur Andacht zum letzten Mal. Heute Morgen habe von Prd. Pauhlsen Abschied genommen. Soll noch viel mehr grüssen, besonders Mutter und Christine. Auf Wiedersehen, und endlich (?) mehr. Eure Mathilde.  (e.a.)

  Altenburg den 28.10. 99 HS nach Sarzbüttel  (in Arbeit M.D.)
  (Weihnachten 1899) Mutter Christine Speck Sarzbüttel an HS, Berlin.  (in Arbeit M.D.)

1900

  Berlin den 4. 1. 1900  HS nach Sarzbüttel  (in Arbeit M.D.)

Berlin den 10ten 1ten 1900   -   Meine liebe Mutter!   -   Hoffentlich trifft mein Brief Euch alle gesund und munter an und hoffentlich ist Schwester Anna auch bald wieder ganz gesund. Hier ist es jetzt Tauwetter auch wohl bei Euch und Reimer u. Heinrich gehen wohl alle Tage in den Wald zu Holz fällen und Büschler (?) machen. Möchte gerne mal einen Brief wieder haben aus der Wirtschaft; habe so lange nicht darüber geschrieben und hat Euch auch wohl schon gewundert. Aber wenn das Herz voll ist läuft der Mund über und auch die Gedanken sind stets darauf gerichtet. Ich hatte weit höhere Dinge vor mir und musste stets daran denken und zu meinem Segen. Wunderbar ist es wie Gott uns Menschen führt, aber er führt alles herrlich hinaus und und so wie es uns selten gefällt. Herrlich hat er mich geführt durchs Soldatenleben; aus dem wilden Treiben der Kaserne raus in die Einsamkeit; wo ich ungestlört mit ihm ....ahren kann. Als ich Soldat wurde ahnte ich solches noch nicht und dachte meine Jugendzeit erst auszukosten und lustig zu leben. Aber Gott sei Dank Er hats anders gewollt und auch gemacht. Jesu Liebe ist mir stets nachgegangen und mich umgel..,  ja Jesu Liebe ist so stark dass sie uns sündigen
Menschenkindern überwinden kann. Ich dachte nach der Soldatenzeit in den Kriegerverein zu gehen und freute mich schon sehr dazu. Aber der Mensch denkt und Gott lenkt. Mich dünkt jetzt ein Christlicher Jünglingsverein ist doch herrlicher. Selige Stunden habe ich verleben dürfen im Soldatenheim und Weihnachten habe ich da richtig feiern dürfen auch in meinem Herzen zum ersten und letzten mal im 19ten Jahrhundert. Wie herrliche Predigten hat man da hören dürfen. Am 1ten Januar predigte Oberstleutnant von Knobelsdorf(f) (Stadtmission. Bücher: "Was Jedermann Heute Von Der Inneren Mission Wissen Muss") über die ......... Christi. Er sagte dass erste grosse Ereignis wird sein das Jesus wieder auf Erden kommt. Aber er wird kommen nicht als Zimmermannsohn sondern als das was er ist, als König. Eine herrliche Predigt war es. Jetzt hält Herr Pastor Paul welcher früher in Barmbeck gestanden hat hier allabendlich vom 7ten bis 21 Januar Versammlungen ab in der Oranienstrasse in gemiehteten Theatersälen . Sonntagnachmittag waren die Herrschaften zum Theater und die Köchin hatte frei und war ausgegangen. Ich sollte zu Hause bleiben und einhüten. Mir wurde es einsam und sehnte mich danach mit Christen Gottes Wort hören zu dürfen, aber der Herr Leutnant hatte gesagt heute müssen Sie hierbleiben. Ich betete kniend zu Gott 7 Uhr. Herr führe Du mich doch noch heute zu einer Versammlung und der Herr erhörte mir (sic! Berliner "Dialekt"..). Um 1/4 8 Uhr kam schon die Köchin zu Hause und um 1/4 8 Uhr die Herrschaften. Ich fasste gleich ein Herz und sagte den Herrschaften ob ich nicht etwas gehen könnte; ich möchte gern zu einer Christlichen Versammlung in der Oranienstrasse welche um 8 Uhr anfängt. Ich bekam Erlaubniss und setzte mich gleich auf der Elektrischen und wer war fröhlicher als ich. Herr Pastor Paul predigte in herrlicher Weise über ein Wiedersehen mit Jesus bei der Wiederkunft. Offenbarung 1 im ....  Er wird kommen mit den Wolken u.s.w. Er ..uss hin wie wird sich ein Judas Ischariot erschrecken und entsetzen wenn er vor das Antlitz Jesus treten muss und ihn wiedererkennt den er verraten hat. Und wie wird sich ein Paulus freuen, wenn er den Herrn erblickt als seinen Freund. (Rest des Briefes noch nicht gefunden)  (e.a.)

http://www.computermission.org/offb/offb03.htm  "Sie machen es, wie einst Oberstleutnant von Knobelsdorff, ein hoher und tüchtiger Offizier im Dienste Kaiser Wilhelm II., des Königs von Preußen. Der fand durch Gottes Gnade den Herrn Jesus. Doch, kaum bekehrt, schrieb er an seinen Pastor unter anderem etwa wie folgt: "Wie ich meinem irdischen König treu gedient habe, so will ich auch meinem himmlischen König treu dienen. Bitte, Herr Pastor, geben Sie mir Arbeit!" Der Pastor las und las immer wieder diesen Brief; denn solche hatte er bisher sehr wenige erhalten. Doch aus dem Brief erblickte er nicht nur den ganzen Offizier, sondern auch den ganzen Christen. Und er wies Von Knobelsdorff hin auf das große Feld der Trinker in Deutschland. Daraufhin nahm dann Von Knobelsdorff, mit dem Evangelium von Jesus Christus bewaffnet, diese Arbeit energisch in Angriff. So ist er dann vielen armen, gebundenen Trinkern ein Wegweiser zum Heiland geworden, durch den sie von ihrem Laster frei wurden.
Neu Berlin den 7. 2. 1900  Mutter Christine Speck Sarzbüttel an Hinrich S., Berlin.

Sarzbüttel d 7 Febr. 1900   -   Mein lieber Sohn!  Gestern war ja der Geburtstag deines jüngsten Bruders, dein schöner Brief erfreute ihn, möchte er deinen schönen Wünschen u. Anweisungen nachkommen. Wenn Gottes Winde wehen, vom Thron der Herrlichkeit dann ist es selge Zeit! (*a). Ich glaube, es ist so, auch andren Orts hört man von Bekehrungen. Auch in den Kreisen deiner Conrespondenz (Korrespondenz), sind Seelen welche sich sehnen nach Jesu Gnadenschein; der Herr wolle Gnade geben. Es ist mir eine Erquickung daß du mich nun verstehst, ja daß du verstehst was 1 Corinther 2 steht (Kor..*b).  - (S.2) Weiß nun wohl auch, warum Mutter Reimer ..(?) dir ein Testament einpackt, u. warum zu Weihnacht vor Jahren eine Bibel.
    Sonnabend kam Friedrich mit seiner Anna angefahren, das war eine Freude, sie hinkt noch aber wird immer besser. Anna ist vergnügt zu (plattdt.: "froh über") ihrem Mann u. sagt er ist so gut. Und als am Sonntag Abend sie weggefahren waren sagte Reimer zu mir, Mutter, Friedrich ist doch ein sehr gemüthlicher Kerl. Reimer kann ihn jedoch weniger schätzen als ich u. als du ihn schätzen kannst da Reimer nicht schätzen kann ihn als einen Gläubigen. Ja mein Hinrich, der Herr schenke mir voll ein
(*c) letztes Jahr, 2 gläubige Kinder giebt er mir, dich u. Friedrich. Und wenn ich noch länger lebe, werde des Guten mehr erwarten. - (S.3) Martin hatte heute Abend keine Zeit zum schreiben, wird wohl nächstens kommen der Dank für deinen l.(ieben) Brief. Die anderen 3 Brüder haben Holz gefällt, war ja Mittwoch, und weißt wohl als Gardist, dann für Hans keine Schule ist. Die rohte (!) Kuh u. Schnepelkuh haben gekalbt. König, Tamburin (?), Kellerquie (?) werden auch noch d.(iesen) Monat (kalben). Haben jetzt ein Mädchen, Antje Oltmann 16 Jahre alt von nun bis Nov 42 Tg (befristetes..*f). Von einer Sau haben (wir) 7 Ferkel 8 Tage alt. Sonntag Abend waren Christine u. Heinrich, Hans u. Martin zu Theeabend nach Meldorf, auch Siem da. Auch unsre Antje war mit. Auch Anne Sierks, Johanna, Lene Pieper, welche den Heiland auch liebt, u. Liese Popp, wie würde die sich freuen wenn ihr l.(ieber) Bruder auch den Herrn fände. Was haben wir doch zu beten, je änger Christ, je mehr zu beten. - (S.4) Wie gehts dir denn im alltäglichen. Nur gut, denn ich weiß schon, du mußt jetz alles dankbar an(nehmen). Auch für Widerwärtigkeiten hat man meistens noch zu danken.
   In des Herrn Schule gekommen, da muß man lernen. - Den 18 Febr, Sonntag über 8 Tage ist Heinrichs Geburtstag. - Heute waren I.W. Hahn u. Stäkers (*g) hier auf Kaffee es geht ihm wohl. Joh Voß (Abel)
(*h) will da auch hin, geht hier mit 2000 Mark weg sagen (?) sie (?).Claus geht mit, Anna bleibt hier. Herrmann dient bei J. Cl  Voß diesen Sommer. Ich nehme an daß du zum 1sten d. M. Packet  von Arkbek hast ? Nun dem Herrn befohlen. Ich bin Gottes Mitarbeiter, ihr seid Gottes Ackerwerk u. Gebäu, 1 Cor 3 (*i).   -   Deine in dem Herrn verbundene   -   Mutter die dich immer   -   liebte.

Kommentare v. M.D.
*a
.. selge Zeit! (Hier wird aus dem Lied 537 aus dem Reichsliederbuch der Gemeinschaftsbewegung zitiert. Melodie: Valet will ich dir geben."Wenn Gottes Winde wehenvom Thron der Herrlichkeit und durch die Lande gehen, dann ist es selge Zeit." md)
*b 
.. 2 steht.(Vielleicht  denkt die Briefschreiberin vor allem an 1. Korinther 2. V.12:"Wir aber haben nicht empfangen den Geist der Welt, sondern denGeist aus Gott, dass wir wissen können, was uns von Gott geschenkt ist." md)
*c 
.. voll ein (Zitat aus Psalm 23 V.5: "und schenkest mir voll ein." md)
*d
.. Schule ist.(Ich weiß es leider nicht. Ich tippte auf Kaisers Geburtstag am 27. Januar.Der fiel lt. Immerwährendem Kalender 1900 aber auf einen Sonnabend. md)<<
*e
.. Schnegel(?)kuh haben (Ein Schnegel ist lt. Wikipedia eine schwarze Nacktschnecke - Egelschnecke.Ob die Kuh mit ihrem Aussehen daran erinnerte? Skeptisch macht mich, dasssich das Stichwort "Schnegel" im schleswig-holsteinischen Wörterbuch von Mensing nicht findet. md)
*f
.. 42 Tg. (Was bedeutet das? Ein befristetes Dienstverhältnis? Aber vom Februar bis zum November sind es auf jeden Fall mehr als 42 Tage. md)
*g
.. auf Kaffee (vermutlich die Eltern von Jürgen Stäcker aus Sarzbüttel, der um diese Zeit das Missionsseminar in Breklum besuchte. md) 
*h
 .. Joh Vohs (Abel) (Johannes Voß aus Abild, wie der kleine Ort nördlich von Tondern auf Dänisch heißt, in dem Bracker eine Zeitlang  Pastor war. md) - (Abel könnte auch ein Spitzname oder Arbeitgeber sein?; e.a.)
*i 
Gebäu, 1 Cor 3 (1. Korinther 3 V.9 nach der alten Lutherbibel. Heute: ihr seid Gottes Ackerfeld und Gottes Bau)  (m.d.)

Kommentare v. I.S-V.
... bei der Schnegel Kuh wird es sich wohl um eine umgangssprachliche Rassenbezeichnung handeln ..
(Kann eine Kuh von einem Schnepel gekauft sein. Kein ungewöhnlicher Nachname in Dithmarschen scheint es).
... 42 Tg. Ich schätze, dass Tg. sich vielleicht auf ihren Lohn beziehen könnte (also = Tagegeld .. Sie könnte also neben Kost und Logie 42 Pf. Tagegeld bekommen haben, wobei ich nicht sagen kann, welcher Kaufkraft das entspricht und ob das ein Standard-Lohn war.
(Könnte sein, 1 M. war bei Tagelöhnern nicht unüblich; vielleicht dass sie nur jeden 2. Tag oder so gearbeitet hat. Für ca. 42Pf. oder 1 Mark /Tag; e.a.)
... November: Martini war bis ins 20. jahrhundert hinein ein üblicher Wechseltermin (neben Lichtmess (2.2.), Ostern, Michaeli (29.9.)! (i.s.v.)

Komm. Erik: "Ja, Schnepelkuh. Meine Ziegen und Schafe hießen oft nach dem Namen des Hofes/Verkäufers, wo sie her kamen" (e.s.)

(c.p./m.d./e.a.)

  Berlin den 10. 2. 00   HS nach Sarzbüttel  (in Arbeit M.D.)
  Berlin den 13. 2. 00   HS nach Sarzbüttel  (in Arbeit M.D.)
  Berlin den 18. 2. 00   HS nach Sarzbüttel  (in Arbeit C.P.)
  Berlin den 21. 2. 00   HS an Bruder Martin Sarzbüttel  (in Arbeit C.P.)
Neu Rehm, den 1. März 1900 "Onkel H." in Rehm an H.S. in Berlin.   Mein lieber Heinrich !  -  Die Freudenbotschaft deines letzten Briefes habe ich erhalten, wenn auch nicht so ganz unerwartet. Denn vor dem schon, konnte ich aus Deinem Brief ersehen, dass der liebe Heiland an Dir ..... . Mein lieber Hinrich, Freudenthränen sind meinen Augen entquollen, ja viele Gebete sind über meine schwachen Lippen gefahren, dann erstmal, habe ich mit Dir, dem Allerhöchsten gedankt. Dass er Dir gewürdigt, schon so jung, die höchsten Würden beizulegen, nämlich ein Sohn, ein Kind Gottes zu sein, denn um Bewahrung des höchsten Gutes, man auch ja doch, wie gross die Verlockungen und Versuchungen in der Welt sind, und besonders noch in der Lage ... in Du jetzt ... befindest. Der Teufel der ...., wird gar nicht alle seine Kunst an Dir probieren um dich wieder abtrünnig zu machen nicht wahr, ist er doch nicht unseren Heiland selbst angegangen, hat er ihm nicht alle Freuden und Reichthümer der Welt gezeigt und vorgespiegelt um der alle ..sten in Sünde zu vertreiben, aber ich bitte Dich, so viel ich kann, be.... Deinen Feinden, sie standhaft. Es wsird gewiss viel für dich gebetenwie werden Deine Mutter und Geschwister sich freuen und ob nicht Dein Vater, für Dich gebeten und jetzt in Jubel... und Jubel ausbrechen darf und thut, ich weiss es nicht und getraue es mir nicht da über bestimmt etwas zu sagen, erstandener so ...., so müsste man auch ja annehmen, dass wir sie dort oben könnten auch betrüben mit unseren Sünden und Ungerechtigkeiten und Ihnen so etwas abnehmen von Ihrer vollen Seeligkeit. Ich werde für Dich beten so viel ich kann, aber nicht allein für Dich nein allermeist für mich selbst, dass der grosse Heiland und Seeligmacher möchte auch mir den rechten Weg zeigen ich fühle es und weiss es dass es so nicht nach Gottes Willen, mit meinem Leben ist, man kann sich gern mal gute Vorsätze vornehmen und auch ausführen, da mit ist es aber ja immer noch nicht gethan.   -   Grüssend Dein  -  Onkel   -   H.  (e.a.)
  Berlin den 6. 3. 00   HS an Sarzbüttel  (in Arbeit I.S.V.)
  Sarzbüttel, den 12. März 1900  (Mutter Christine Speck Sarzbüttel an H.S., Berlin)
Mein innig geliebter Sohn!
Meine Haimath (!) ist dort in der Höh und wir möchten so gern all unsere Lieben wissen auf dem Wege zur rechten Heimath.
Dort sind schon unsere Lieben viel, auch Vater # [am Rand # Vater schenkte mir einmal die 7 Wochentage in Bildern, die sind mir umso werth, verwahre mir den Mittwoch schön wenn du heimkehrst mit ih da tritt er wieder in Reih u. Glied.], und ich entnehme einem Couvert aus meiner Schublade ein Bildchen u. sende es Dir, Du bist gleich jenem Jüngling auf dem Bilde der da winkt mit dem Tuch, ja mit deinen Briefen winkts (!) Du so manchem zu hier unten im Erdenthal, u. von droben kommen in Gedanken Winke Dir und mir, u. uns ist nicht bange in der Fremde.
Sodann lag auch ein Bildchen da, der bethende Jesus in Gethsemane, die Jahreszahl steht nicht dabei, es ist von Dir damals auch wenig beachtet und betrachtet, darum hat die hoffende Mutter doch immer die kleinen Bildchen wieder beschaut u. meine Seufzer dazu gethan, wenn sie ihren Schrank aufgepackt u. nachgesehen. Ich übergebe es so leicht nicht dem Feuer, immer hoffend es könne noch zum Segen werden nach meinem Tode wenn ihr Kinder meine Sachen aufräumt. Na Gott sei gedankt, bei Dir lieber Hinrich ist es helle geworden, du siehst wieder u. ruhtest nicht, bis du wusstest, Du seiest Jesu Eigentum. Das Andre sagt der Herr soll auch zufallen. Du feierst Deinen Geburtstag dies Jahr zum ersten Mal als Gotteskind, o lieber Sohn, dein Glück ist groß genug – dennoch möchte ich dich durch einen Brief zu erfreuen suchen.
Wir wollen hier am Mittwoch Abend ein Lied für dich singen. Jesus geh voran. Das ist wohl unser Geburtstagslied. Und schön und nöthig. Aber ertettete (!) Seelen brechen so gern in Jubel und Dank aus nicht wahr? Die Gesangchöre sind oft aber so gemischt. Du weißt es wohl selbst was Du oft Dir gedacht hast dabei wenn Gläubige so recht ein Danklied und Jubellied sangen. Möge dem Herrn es gefallen neue Glieder zu erretten in unserer Familie. Wie oft hab ich dem Herrn gesagt: Es kann nicht Friede werden bis Deine Liebe siegt, bis diese Schaar der Kinder zu deinen Füßen liegt. Ach, dass sie alle da lägen. Gestern sagte Reimer zu mir: Mutter, die Bibelsprüche, die ich in der Schule gelernt weiß ich noch alle, d.h. wenn andere sie anfangen. Ja mein Sohn, darum freue ich mich ja immer so, daß die kl. Brüder Sprüche lernen. Ich seufzte aber, du lieber Reimer, möge die Zeit bald da sein, daß d. heil. Geist sie dir ins Gedächtnis ruft.
Es freut mich so daß du da auch Gemeinschaft hast mit anderen Gläubigen. Der Herr schenke Dir immer mehr Gaben des Geistes, immer mehr Weisheit u. Verstand, u. Ergebung in seinen Willen, u. erhalte Dich im rechten, einigen Glauben, in welcher Christenheit er mir u. allen Gläubigen täglich alle Sünden reichlich vergiebt. (Die 3 Artikel wie schön).
Heinrich ist heute zum ersten mal mit dem lieben Pflug ins Land. Das Holz steht zum Teil in Faden. Die junge Braune bekommt bald Fohlen. Die kleine Schwarze soll auch zum Hengst. Die Ochsen sind unverkauft. Behrends und Reimer Nindorf haben je 4 Fohlen welcher Segen. Behrends auch von einer Kuh 3 lebende Kälber.
Nun nimm von den liebenden Geschwistern allen den besten Segenswunsch hin, zum Schreiben kommen sie immer nicht so leicht.
In inniger Liebe Deine Mutter.  (i.s.-v.)
 

Berlin den 20. 3ten 00.  -  Liebe Mutter!  -  Entschuldige mich, dass ich solange nicht geschrieben habe; ich hatte aber leider niemals Zeit. Besten Dank für die beiden Pakete und die 10 M; hatte noch Geld genug. Habe das letzte Paket heute erhalten; am 16ten auch ein Paket von Anna, und am 10ten aus Arckebeck, fast zuviel auf einmal. Auch besten Dank für alle lieben Briefe zum Geburtstage; Danke für alle Briefe der letzten Zeit und hoffe auf mehr. Ich habe meinen Geburtstag herrlich verlebt und der Herr hat mir Gutes erwiesen. Den Tag über Bitten und Verstehen. Ihm sei Lob und Dank. O dass ich Dich so spät geliebt Du hochgelobte Hoheit Du. Warum bin ich nicht eher zu ihm gekommen; warum habe ich nicht eher gewollt; es ist doch so ernst und wie schnell kann es mit diesem Leben zu Ende und die Gnadenzeit vorbei sein. Heut lebst Du, heut bekehre Dich. Heute so Ihr meine Stimme hören werdet verstocket eure Herzen nicht hat unser Heiland gesagt. Wie mancher hat sich auf seinem Sterbebette sagen müssen ich habe nicht gewollt und kann keinen Glauben mehr finden. Welche Verantwortung haben wir in gläubiger Familie; wo wir das reine Wort vom Kreuze so oft hören und Jesus doch nicht zu Füssen fallen. Wir wissen es und sehen es, dass wir ein anderes Leben beginnen müssen.  -  (unvollständig hier)  will immer etwas aus dem Soldatenleben mitteilen; aber die 8 Seiten sind immer voll.  (e.a.)

  H.S. an Mutter Christine in Sarzbüttel

Berlin, den 8ten. 4ten 00.  -  Liebe Mutter!
Entschuldige daß ich recht lange nicht geschrieben habe; hatte aber leider niemals recht Zeit dazu. Hoffentlich geht es Euch Allen recht gut und Bruder Siem wird wohl sein Examen gut bestanden haben. Bedanke mich noch sehr für seinen Brief von vorigen Sonntag; welcher mich sehr gefreut hat und für alle Briefe die ich in letzter Zeit erhalten habe aus der lieben Heimat. Es geht mir Gott sei dank ganz gut; nur daß ich mich erkältet habe wird hoffentlich bald wieder vorüber gehen. In Urlaub fahre ich wohl vor September nicht; weile aber im Geiste bei Euch in dieser heiligen Zeit. Eine ernste, heilige Zeit ist doch die Passionszeit; welche unendliche Liebe und Hingabe hat unsern Heiland getrieben für uns elenden Sünder in den Tod zu gehen. Welches schweres Werk war es das Erlösungswerk. Er der Sohn Gottes als Er in Gethsemane im Gebet rang; wie schwer wird es Ihm gewurden sein die Sünden der Welt auf sich zu nehmen. [2] Die Menschen für welche Er sterben wollte um Sie zu retten vom ewigen Verderben verfluchten Ihn und wollten nicht glauben daß Er der Messias sei; sogar seine Jünger welche Er alle Tage bei sich hatte flohen von Ihm und verleugneten Ihn. Wie wird ihn da der Satan verführt haben; indem er Ihm seinen Leidensweg vorhielt den Jesus schon genau wußte. Aber seine Liebe seine unendliche Liebe trieb ihn diesen bitteren Kelch zu trinken; unendliche Liebe ist es die Ihn den heiligen Gottes Sohn getrieben hat für die sündenlebende Welt in den Tod zu gehen; die reine, unverfälschte Liebe ist es die am Kreuzesstamme auf Golgatha unsere Erlösung brachte. Ist es nicht jetzt noch dieselbe hingebende Liebe und nicht als Liebe; geht er nicht uns Menschen den verlorenen Schafen mit Liebe noch und heißt uns heimzubringen zur Herde. Ach wenn doch der Sünder wüßte diese unendliche Liebe Jesu; aber mit Füßen wird Er getreten; gekreuziget wird die Liebe Jesu und doch läßt diese Liebe nicht nach zu lieben.
O wenn doch die Menschen sich mal diesen liebenden Heiland recht vor Augen stellen in der Leidenszeit und in Demut und Glauben zu Ihm aufblicken [3] und sich fragen möchten; sind es auch deine Sünden die dem Heiland den blutigen Dornenkranz aufs Haupt gedrückt und Ihn ans Kreuz geschlagen, ja es waren unsere blutroten Sünden; die den Heiland verdammten und doch liebt er uns mit unendlicher Liebe. Sollte das nicht unser Herz rühren; kann da unser Herz kalt bleiben; wenn wir glauben daß er auch für unsere Sünden gestorben ist. O möchte da jedes Menschenherz bei dem Anblick Golgathas unter dem Kreuze zusammenbrechen und stammeln: meine Sünden waren es du unser Heiland, die dich gekreuzigt haben. Selig ist der die Thränen der Buße hier auf dieser Erde weint; denn die mit Thränen säen werden mit Freude ernten. Die meisten Menschen klagen aber da mit ewiger Klage wo es zu spät ist und kein Raum mehr für die Buße ist. Heute spricht der Heiland so Ihr meine Stimme höret verstocket Eure Herzen nicht. Das Leben ist sehr ernst; wir tragen unsere Seele in unserer Hand; wer weiß ob wir morgen noch Zeit haben Buße zu thun. Unser Leben steht in Gottes Hand; Er kann zu jeder Minute unser Herz still stehen lassen. [4] Da sollten wir nicht die Langmut Gottes lange prüfen; sondern Ernst machen mit unserem Leben. Wir die wir aus gläubiger Familie stammen wissen es ganz genau, daß wier (!) ein anderes Leben führen müssen und stellen deshalb die Geduld Gottes auf Mutwillen welche jeden Augenblick brechen kann. Wir meinen ebenso gut zu sein als andere Menschen da steht nichts von in der Bibel. Jesus sagt: Es sei denn, daß ein Mensch von anderen geboren werde sonst kann Er nicht in das Reich Gottes kommen. Hier ist die Scheidewand; die Menschen nicht umstoßen können. Leben: Verderben. Hier kann sich jeder prüfen: Bist du wiedergeboren. Diese Scheidewand steht unbeweglich nur unters Kreuz durch kommt man auf der andern Seite.
Und das ist es was die Menschen gesund hält; sich ganz Jesus zu Füßen werfen und doch ist es das herrlichste. Was kann diese Welt uns bringen, nach der obern Heimat steht unser Sehnen; hier fühlen wir uns als Fremdlinge; Samstag war Graf Bernstorff hier im Jünglingsverein. Habe den 5ten. 6ten und 7ten Dienst mitgemacht auf dem Tempelhofer Felde.
Nun Gott befohlen. In treuer Liebe ..... ..... ..... Hinrich. (i.s.-v.)

  ?.?.1900  (Brief an H.S.; mindestens 6, wahrscheinlich 8 Seiten - die erste A4 - fehlt) ...... Aber ich denke immer der Herr ist Treu der uns nicht lässt versuchen über unser Vermögen sondern mache das die Versuchung so ein ..... gewinne das wir es können ertragen dem sage ich mit ...... Dennoch bleibe ich stets bei Dir den Du hältst mich bei meiner rechten Hand. Meine Grossmutter auch schon Urgrossmutter im 92ten Lebensjahre ist des Herrn Eigentum. Sie freut sich täglich auf das grosse Jubeljahr nach Ihrem Abschied .. dort oben im Himmel mit den Gerechten zu feiern ob ich auch wohl täglich suche und flehe meine ich immer es müsste noch besser sein. Mutter sagt immer das thäte der Teufel der machte den Menschen allerlei Vorstellungen ich müsste mich an sein Wort halten.. -
In dankbarer Liebe gedenke ich Deiner oft und so gedenke Du auch meiner im Gebet zu Gott das ich auch ganz und gar sein Eigenthum sei. ... .. der Kaserne haben wir uns persönlich gekannt und ich freue mich das wir uns gänzlich (?) kennen gelernt haben, Ich bitte zu entschuldigen das ich nicht eher geschrieben habe ich hatte .... .... Du solltest den Brief noch vor Manöver haben aber da kam mir immer etwas in den Weg einmal war hier das Sonntags Missionsfest und hier im Hause war mal Innere Missionsverein und dann mal Männerverein und dan kam mir des Sonntags dies und dan das in den Weg, nun wird es aber Zeit, sonst bekommst du den Brief nicht mehr vor ......., am Markttage habe ich keine Zeit zu schreiben ich bin Knecht, und mein Bruder ist auch zuhause und meine Schwester, ein Bruder und eine Schwester sind verheiratet, und ein Bruder ist bei der Intendantur (?) in Höxter, aber ich hoffe und freue mich sehr wenn Du mir bald wiederschreibst, und wenn du erst im Missionshause bist schreib mir öfter. Ich schreibe Dir auch wieder, so Gott will, und wir leben, ich hatte die erste Zeit ordentlich Heimweh nach dem Soldatensein. Mein Vater nahm der liebe Gott schon vor 16 Jahren zu sich in die ewige Heimath. Der liebe Gott wolle geben wenn wir uns hier nicht wiedersehen das wir uns droben in der seligen Ewigkeit wiedersehn. Wer hätte daran gedacht das wir noch Brüder in dem Herrn würden, der liebe Heiland hat immer Mittel und Wege uns zu sich zu führen, wer sich nur will führen lassen. Wenn man sagen kann mir ist Erbarmung wiederfahren. Erbarmung davon ich nicht dies zähl (??) ich zu den wunderbaren. Mein stolzes Herz hats nicht begehrt ...... Viele Grüsse von Dein Dich Liebender Bruder in Christe und meiner Mutter. Bitte schreib bald wieder und Breitrück.
Viele Grüsse Litt/Lott/Loth/ (?)  (e.a.)
  "... Hinrich, der nach ihm wirtschaftete (den Hof führte), entschloss sich während seiner Dienstzeit bei der Garde in Berlin, Missionar zu werden wie sein jüngerer Bruder Siem, der in Meldorf das Gymnasium besucht hatte und schon in Breklum im Seminar war." (b.s.)  -  Brief Mutter Christine Speck an den Missionsinspektor in Breklum: 

11. 8. 1900.  Lieber Herr Inspector!  -  Meinen besten Dank für ihr freundliches Schreiben. Schon lange Jahre stand mein Sohn Siem mit der Frage: "Herr, was willst Du, das ich tun soll?" Jetzt ist ihm bestimmte Antwort gegeben. Ja, der Herr steht dahinter. Schon vor einem Jahr machte der Herr mich willig meine Kinder in den Missionsdienst zu geben; aber welchen denn? Ob es wohl Siem sei, den er fordere? Dass zuvor noch der fern stehende ältere Bruder Hinrich beim Militair für den Dienst der Heidenmission zubereitet würde; den Gedanken konnte ich damals noch nicht fassen. Dass der Herr aber etwas wollte von meinen Kindern, das wusste ich. Was nun die Unterhaltung (den Unterhalt) des Jüngsten betrifft, darf ich wohl die Bitte aussprechen, wenn möglich, mich gleich von den Kosten zu entbinden.  -  Siem beschäftigt sich jetzt mit seinem Bruder in Latein ihm fortzuhelfen. Die Bibel seh ich fleissig von ihm gelesen! Missionsblätter wird er gern lesen.  -  Der Gardist von Berlin schrieb soeben er würde am 17. September wohl zu Hause sein. - Als Weltkind zog er aus, als ein Kind Gottes zurück. Lobe den Herrn meine Seele.  -  Mit freundlichem Gruss Ihre im Herrn verbundene   -  Chistine Speck. Ww (Witwe)  (e.a.)

  Breklum den 22. 10. 00  -  Liebe Mutter und Geschwister!  -  Herzlichen dank für die 120 Mark die ich heute bekam, habe davon 133 M an Pastor Jensen zahlen müssen. Habe noch 80 M nach. Kann deshalb keine 75 M nach dem Missionshause bringen, da ich auch noch etwas gebrauche für Bücher u.s.w. Schreibe bitte mal wie viel ich dahin bringen soll im ganzen. Herr Pastor Jensen lässt herzlich grüssen. Leider haben wir ganz vergessen den Geburtstag unsers lieben Reimer Bruder. Gratuliere noch nachträglich und wünsche ihm Gottes reichen Segen. Möge der Herr Jesus mit uns allen sein und aus tiefer Erkenntnis unserer Sünden uns Richtigkeit (?) geben, damit seine Gnade und sein Sterben auf Golgatha uns gross und herrlich werde. Es gefällt mir hier sehr gut, werde jetzt schon recht bekannt. Es sind hier viele liebe Brüder. Mit dem ...... geht es noch etwas schwer; aber mit Gottes Hülfe wieder weiter gehen werden. Donnerstag war hier Predigerwahl zur Stelle des Pastor Jensen. Haben einen Herrn Pastor Hanstedt bekommen; hoffentlich wieder ein guter Prediger .... Siem war an dem Tage hier zur Kirche. Der erste Prediger war ein Gläubiger gewesen, hatte aber ein allzuschlechtes Organ, sonst wäre der es geworden. Der zweite war ein ganz Freisinniger gewesen und der letzte der Dritte ist es dann geworden. Er soll aus einer ganz christlichen Familie stammen. Unser jetziger P. Friedrichsen geht auch bald weg von hier, also bekommen wir noch einmal eine Wahl. P. Friedrichsen ist ein sehr guter Prediger, thut uns leid dass er weg geht von hier. Möge der Herr diese Gemeinde wieder gute Diener schenken. Sonntag waren wir zum heiligen Abendmahl und Gottesdienst und nachmittags musste Bruder Siem nach Strukum zur Schule für Kinder und ich wohnte hier in der Aula den Kindergottesdienst bei. Sonntagabend war Bruder Siem nach dem Jünglingsverein und ist mit andern nach dem Missionshause, wo wir tüchtig sangen und Bibelbesprechung hielten. Hoffentlich geht es Euch allen recht wohl. Es wird hier schon kalt. Werdet hoffentlich gut mit der Feldbestellung fertig werden. Der Herr möge Euch segnen und Eure Arbeit und unsere arbeit. Herzlich grüssen Euer Hinrich und Siem, welcher schon schläft.  (e.a.)
  Breklum den 10. 11. 00   HS nach Sarzbüttel  (unbearbeitet)
  Breklum d. 18. 11. 00   HS nach Sarzbüttel  (unbearbeitet)

1903

(teilbearbeitet) Breklum, d. 26. April 1903

Liebe Mutter und Geschwister!  Ihr habt gewiss schon auf Brief gewartet von mir. Auf einer Karte habe ich Euch ja schon mitgeteilt, dass wir aufgenommen sind in die Mission. Gebe der treue Herr, dass wir treue Arbeiter werden können in seinen Weinbergen. Wir können es ja werden, wenn wir uns sagen lassen von ihm, wenn wir uns von ihm unser trotziges .......

....................... Heute wurde Alfred Jensen abgeordnet in der Aula. Es waren sehr viele Leute dort. P. Andresen aus Loit Kirkeby hielt eine sehr gute und ernste Ansprache. Er sprach darüber, wie viele Seelen von uns für Jesus gewonnen werden können.....

....... Siem hat wohl noch nicht geschrieben aus England. Er musste ja ziemlich plötzlich fort. Br. Hübner lernt jetzt bei J. Harder in Itzehoe die Malerei, er wird wohl im Herbst mit Siem hinausgehen.    Euer  Hinrich.  (e.a.) (teilbearbeitet)

  Breklum d. 4ten September (03?)   HS nach Sarzbüttel  (unbearbeitet)
  Breklum d. ? (1903 ?; abgerissene Ecke. 4x A5)  HS nach Sarzbüttel  (unbearbeitet)

© C. Pieper

17. 9. 1903  Liebe Mutter !   Hoffentlich geht es Euch allen recht gut. Siem ist wohl wieder bei Euch angelangt. Noch eine kurze Zeit und die Abschiedsstunde ist für ihn da. Möge der treue (?) Jesus ihn geleiten auf allen seinen Wegen und ihm Freudigkeit und Treue geben zu seinem Berufe. Welch eine Gnade ist es für Siem, dass er nach Indien reisen darf, um den Heiden zu verkündigen, dass Gott seinen eingeborenen Sohn für ihre Sünden dahingegeben hat damit sie können mit Gott verführt (?) werden und Erben (?) werden in der ewigen Seligkeit. Eine grössere Gnade kann es doch nicht geben, als wenn ein sündiger Mensch von Gott begnadigt wird und diese Gnade jetzt anderen verkündigen darf. Und welchen Trost gibt der Herr uns in seinem Worte, wenn er sagt: "Ich bin bei Euch alle Tage bis an der Welt Ende" und "In der Welt habt ihr Angst, aber fürchtet euch nicht, denn ich habe die Welt überwunden." Selig der Mensch, der den Herrn und seinen Verheissungen glaubt .......

.......... Liebe Mutter, ich habe noch etwas Besonderes an Dich (?). Einen Wunsch möchte ich Dir gern mitteilen. In der Zeit nach den Ferien habe ich oft daran gedacht, ich könnte wohl auch etwas dran geben für die Sache der Mission. Viel hat diese Frage mich bewegt. Die meisten Zöglinge von uns oder doch vielleicht die Hälfte haben all ihr Geld bezahlen müssen, da wollt ich doch gern etwas zu meiner Ausbildung beitragen, und 2500 Mark (*1) von meinem Gelde geben. Wenn ich daran gedenke was der Herr an mir getan hat, wie er mich herausgezogen aus dem Schlamm der Sünde, so kann ich es mit Freuden dem Herrn geben und mich freuen, wenn ich es dem Herrn geben darf. Er hat mich willig dazu gemacht; es ist eine Gnade, wenn ich darf. Deshalb darf ich Dich, liebe Mutter, wohl bitten. Darf ich im Herbste nicht das Geld haben?  In Liebe  Dein Sohn Hinrich.   (e.a.) (teilbearbeitet)

*1. Umrechnungshinweise (Kaufkraft) laut Statistischem Bundesamt: 1 Goldmark (1873–1900) = 9,86 Euro, 1 Goldmark (1900–1912) = 5,17 Euro. Also M. 2500 = ca. 17.500 Euro (2010)
  Breklum, d. 13. 12. 03  Liebe Mutter !   Herzlichen Dank für Deinen lieben Brief, den ich gestern erhielt. Hoffentlich gehts Euch recht gut. Wir erhielten vor einiger Zeit auch Brief aus Indien. Er teilte uns wesentlich dasselbe mit, beschrieb dann die Reise auch und den Empfang in Salur und schrieb dann von der Zurüstung nach Parvatipur. Es freut mich, dass es Heinrich zu gefallen scheint in seiner Stellung. Von Hans habe ich auch keinen Brief gehabt, weiss auch seine Adresse nicht. Den Wunsch von Tante Reimers habe ich Frau Pastor Bahnsen mitgeteilt, werde wohl alles mitbringen, was nötig ist an Mustern. Du schriebst von der Kindtaufe in Süderhastedt, welche am Dienstag dem 22.12. stattfinden soll. Wollt ihr mihr (sic) bitte nicht recht bald schreiben um wieviel Uhr am Nachmittage die Taufe stattfindet. Wir haben nämlich am Dienstag noch Unterricht, aber ich könnte vieleicht schon am am Mittage reisen und dann von Meldorf nach Süderhastedt gehen, oder ihr könntet vielleicht mit Gelegenheit das Fahrrad nach E. Wulf bekommen, dass ich Rad nach Süderhastedt fahren könnte. Ihr könnt mich ja über alles näher benachrichtigen. Wann kommt Hans denn nach Hause? Heinrich kommt wohl nicht? Hoffentlich geht es Anna und den beiden Kleinen gut! In der Aula war am Nachmittage Weihnachtsfeier der hiesigen Sonntagsschule. Einer der nächsten Sonntage feiert der Jünglingsverein sein Fest. Der Herr wolle uns allen ein gesegnetes Weihnachtsfest schenken und uns etwas erkennen lassen von seiner Gnade.  -  Mit herzlichem Gruss  -  Euer Hinrich.  -   Gedenket meiner im Gebet !  -  ... ist in Sarzbüttel angefragt worden wegen der Sonntagsblätter, sonst sollte es ja gern geschehen ...  (e.a.)

1904

  Breklum d. 17. 4. 04   HS nach Sarzbüttel   (unbearbeitet)
  Breklum d. 20. 11. 04   HS nach Sarzbüttel   (unbearbeitet)

1906

Heimat-Brief des Missionszöglings Hinrich Speck aus der Vorbereitungszeit in der Londoner Missionsgesellschaft  an seine Eltern, Jakob und Cristine Speck, auf dem Bauernhof in Sarzbüttel.)

London, d. 6. Mai 06. Liebe Mutter und Geschwister! Vielen dank für Deine Karte liebe Mutter. Hoffentlich geht es Euch allen recht gut, wie uns Gott sei Dank hier auch. Es gefällt uns recht gut in London. Wie so ganz anders ist es doch hier in dieser Millionenstadt als bei uns in den grossen Städten. Die Stadt hat über 6 Millionen Einwohner ohne die Vorstädte und umfasst mit den Vorstädten einen ungeheuren Flächenraum. Sie ist in einer Seite 12 englische Meilen lang und in der anderen Seite 15 Meilen. In der Mitte in der Stadt ist der eigentliche Geschäftsteil der Stadt. Hier sind lauter grosse Geschäftshäuser, doch nicht Geschäftshäuser wo Waren verkauft werden, obgleich es die hier auch in Mengen gibt. In diesem Stadtteil sind es (?) eigentliche Geschäftshäuser, wo in einem Hause wohl Hunderte von Schüler sitzen, ja das ganze Haus mit Schreibtischen aufgefüllt ist. Alles ist wie beim (?) Kaufmann und Schreiber in diesen Häusern in London. In einer solchen Riesenstadt herrscht gewiss viele Finsternis wie bei uns in den grossen Städten. Man merkt es am Sonntage, das englische Volk ist ein anderes als unser Volk, es hat Achtung vor dem Worte Gottes. Wo sieht man in Hamburg und Berlin oder noch auf dem Lande die Leute zur Kirche wallen? Ich habe in Berlin nicht viele gesehen. Hier ist es anders. Am Sonntagmorgen um 11 Uhr ist Kirchzeit. Dann sieht man fast nur Kirchgänger mit Gesangbuch und Bibel in der Hand. Strassenbahnen fuhren nur sehr wenige am Sonntage; statt des regen Geschäftslebens ist es Stille geworden auf den Strassen. Ist die Kirche ... ... ja um 12 Uhr bis 1 Uhr, so sieht man wieder alle Strassen gefüllt mit vielen Kirchgängern. Um 3 Uhr ist wieder Kirche. Dann gehen freilich nicht so viele zur Kirche. Es sind am Nachmittage ... sonst christliche Versammlungen. Um 6½ Uhr ist wieder Kirche und dann gehen viele Leute zur Kirche, so dass man es gehörig merkt auf den Strassen. Ich gehe bisher meistens in der Nachtskirche (engl. evening church) zur Kirche. Hier giebt es 3 (Kirchen-)Richtungen. Die eine ist die Hochkirchliche Richtung, welche nach der katholischen Richtung hin geht. Besonders in ihren Ceremonien. Zu ihnen gehören viele reiche Leute. Auch ist hier wohl viel Liberalismus. Die zweite Richtung der Kirche ist die breitkirchliche Richtung. Sie steht so in der Mitte in der Kirche. Die dritte Richtung ist die unter(?)kirchliche Richtung. In ihr giebt es viele gläubige Leute, viele gläubige Pastoren, viel Eifer in der Arbeit in der inneren Mission und viel, viel Liebe zur Heidenmission. Ausser dieser Staatskirche giebt es ja manche andere Kirche hier z.B. die Babtisten bilden eine grosse Kirche und haben eine grosse gesegnete Arbeit hier und unter den Heiden. F. B. Mejer gehört zu dieser Kirche. Er ist ja ein grosser, hochsegneter Mann von grosser Statur (?) vielleicht in ähnlicher Weise wie Stöcker in Berlin seine Arbeit. Wir halten uns am meisten zu dieser unterkirchlichen Richtung in der Staatskirche. Die Kirche ist reichlich 15 Minuten von unserem Hause entfernt. Es sind hier 2 Prediger. Der erste Prediger ist ein Junggeselle und heisst Mister Mowl (sprich. Maul) welcher sehr gut und einfach redet. Der zweite Prediger ist 17 Jahre Missionar in Indien gewesen. Ich habe ihn auch ausserordentlich lieb. Gleich den ersten Sonntag hörte ich ihn. Obgleich ich nichts verstand, weil die britonische Sprache zuerst so ganz fremd ist, so verstand ich doch voll und ganz wovon sein Herz voll war und was er wollte. Ich habe den Eindruck von den Predigern in London, dass sie sehr einfach und volkstümlich und sehr überzeugend reden. Sie scheinen es ... ernstliche das Wort Gottes klar ... die Seele zu führen und Evangelium zu predigen. Durch jede Predigt bei den guten Predigern klingt es hindurch, Brüder und Schwestern, wir müssen arbeiten für den Herrn ... nochmal unsere Arbeit ins Gebet. Ich glaube die englischen Christen beten viel, auch besonders viel für die Mission, und sie verbreiten und zeugen viel von dem Herrn. Wie unendlich viel Missionsarbeit wird hier von London aus getrieben. Wir machen uns gar keinen Begriff davon. 7ten Mai. Heute waren wir zum Jahresfest der China .... Mission. Sie hat 850 Missionare und Missionarinnen in China, welch ein grosses Werk und es wird mit grossem Erfolg gearbeitet. Alles rührt sich in China und verlangt nach der Kultur des Westens. Hoffentlich wird es auch das Christentum annehmen. Das Fest war gross und es sprachen wohl 5 Missionare und eine Missionarsfrau, die Frau von einem Sohn des Hudson Tajlor (Taylor!). Diese Mission ist wohl noch nicht die grösste hier in London. Es gibt gewiss noch einige grössere Missionen. Es wird unendlich viel für die Mission getan hier. Den ganzen Mai hindurch wurden wohl täglich mehrere Misssionsfeste aller möglichen christlichen Arbeiten abgehalten. Vor einigen Tagen waren wir zu unserem grossen Jugendfeste der grössten britischen Bibelgesellschaft, die reichlich 100 Jahre alt ist. Anderntags waren wir zum Jahresfeste der Englischen Zenana-Mission in Indien und China. Ole Jensen ist auch schon zu anderen ... Missionsfesten gewesen, die alle ihr Jahresfest jetzt feiern. Morgen glaube ich feiert die grosse Londoner Missionsgesellschaft. Ich werde wohl zu Hause bleiben, da ich doch noch nicht recht gut die Sprache verstehen kann. Gestern waren viele zum Jahresfeste der Armenschulen von London. Es war in einem Saale, der 4500 Menschen fasst und dieser Saal war gefüllt. Hier haben wir etwas gesehen und gehört von menschlichem Elend und christlicher Liebe. Es ist dies ein Verein, der die armen Kinder in London in Schulen sammelt und sie unterrichtet und ihr Hauptziel darauf gerichtet hat, die Kinder dem Heiland zuzufüheren. Es giebt viele arme Kinder hier, die zerlumpt einhergehen und und viel Hunger und Kälte erleiden müssen und deren Eltern zum grössten Teil nichts vom Heiland wissen oder doch wenigstens gehört von ihm haben. Ich musste mir sagen, diese schöne Arbeit ist doch nichts Anderes als Heidenmission treiben. Vielleicht singen die Kleinen zu Hause auch vom Heiland, denn Gesang scheint reichlich gepflegt zu werden in diesen schulen. Nun will ich Euch die Zahl dieser kleinen armen Kinder nennen die von lieben Christen in Schulen gesammelt werden und die dem Heiland zugeführt werden sollen. Die Zahl ist so gross, dass ihr es kaum fassen könnt; es sind nämlich 100.000 Kinder, hundert tausend Kinder, worunter 6000 kleine Krüppel. Diese Kinder werden zum grossen Teil von freiwillligen lieben Christen und Christinnen aus allen Klassen der Stadt (?) unterrichtet. Es sind dies Kaufleute und andere Leute auch ........ Leute, die ihre freie Zeit diesen Kindern widmen. Die Leute arbeiten hier nicht so lange, sie haben viel freie Zeit. Von diesen Lehrern, die keine Provision (?) bekommen, sondern die Arbeit tun aus Liebe zum Heiland und zu den armen Kindern, gibt es jetzt 4.779 in London. Dies ist ein kleiner Zweig der inneren Mission in London. Es wird nicht nur Heidenmission getrieben. Am Sonntagnachmittag waren wir in einem Park. Da sahen wir hier und da Haufen von Menschen stehen, und wenn wir herantraten, sahen und hörten wir ....................................... (es folgen ausser diesen 4, nochmals 4 Seiten. Ausserdem ca. 30 dichtgeschriebene Zeilen an den Rändern auf sämtlichen 8 Seiten, vollgeschrieben, oft überdeckend mit schon bestehendem Geschriebenem)
Euer Hinrich.  (e.a.)

London, d. 5. Juli 06.  Für das liebe junge Brautpaar!  Als ich diesen Morgen einen Brief aus der Heimat erhielt, der nur mit einere 10 Pf. Briefmarke versehen war, konnte ich nicht verstehen, was das wohl sein könnte. Es kam mir nicht in den Sinn an Euch zu denken, obwohl ich früher schon mal etwas gehört hatte. Es war eine überraschende Botschaft für mich, wenn auch nicht gerade eine völlig ungeahnte. Ich wünsche Euch von ganzem Herzen den Segen Gottes zu Eurem Bunde.  Möge der Heiland das Band sein, das Euch bindet und dere .... der euch trägt, dann werdet ihr einander Gehülfen in Eurem irdischen Berufe und Gehülfen auf dem Wege zum Himmel werden könnnen. Dieses ist ja Euer Herzenswunsch und kein anderer. Hoffentlich seid ihr alle recht wohl in Sarzbüttel und Nindorf. Ich wohne seit dem 2ten Juli in dem Hause, wo Marie voriges Jahr wohnte. Marie hat schon längst einen Brief von mir haben sollen, aber ich bin bis jetzt noch nie soweit gekommen. Es gefällt mir hier ganz gut. Da ich hier mehr Englisch lernen kann als in Lorn-Road. Der Nordteil, in dem ich früher wohnte, war weit schöner als die Umgebung hier, doch die Hauptsache ist ja etwas anderes. Ich habe mich hier von neuem einzuleben und von neuem bekannt zu werden mit allem. Gestern machte ich eine lange Wanderung im freien Lande durch Feld und Wald. Zuerst fuhr ich mit der Bahn um aus dieser Riesenstadt hinauszukommen. Hinauszuwandern in das wirklich freie Feld würde manche Stunden in Anspruch nehmen. Ich habe mich sehr gefreut über diesen langen Spaziergang.  Mit herzlichem Gruss - Euer Bruder - Hinrich.  (e.a.)

London, den 25. Juli 06. (Klar, aber noch nicht in den Computer geschrieben, e.a.) (e.a.)

London, d.16. August 06.  Liebe Mutter u. Geschwister!  Hoffentlich geht es Euch allen recht gut, wie mir, dem Herrn sei Dank, auch. Vielen Dank für die Briefe von Mutter und Christine. Mathilde und Wilhelm sind wohl jetzt in Wiesbaden, denke ich. Ich freue mich, dass Christine die schönen Tage in Breklum hat geniessen dürfen. O, Breklum ist ein schöner Ort. Da wird an solchen Tagen der lautere Lebensstrom geöffnet. Wie habe ich unsere lieben Pastoren dort lieb und dann die alten Patriarchen vom Norden als P. Tonnessen und P. Jungclaussen. Rasmus Jörgensen schrieb mir vorgestern; er gewönne unsere kleine Breklumer Mission auch immer lieber. Wie schön auch, dass der ......  .........  besucht wird von Jahr zu Jahr und dass unsere Mission wächst zu Hause und draussen (?). Wir wollen dem Herrn danken dafür und uns williger dem Heiland ausliefern mit allem was wir sind und haben. Ich habe gestern und heute gelesen "Ich bin der Weinstock und mein Vater der Weingärtner." O, dass wir recht ein offenes Herz für dieses kurze Wort bekommen, und Winzerarbeit an unseren Herzen geschehen lassen. Jesus sagt, der Vater will sie tun; wollen wir stille halten? O, Jesus, wir wollen es, wir wissen es ist ein Segen für uns. Am Montag vor acht Tagen war hier Feiertag in London. In England sind gewisse Tage, wo alle Geschäfte geschlossen sind und alle Arbeit ruht, und die Leute hinausströmen auf's freie Land oder in die Parks. Ich war in dem grossen Hyde-Park. Es waren sehr viele Leute dort. Auch wurde gepredigt. Es gibt hier eine Church Army, heisst kirchliche Armee. Es ist eine Armee von Evangelisten, die der Staatskirche angehören und ein grosses Werk treiben. Sie predigten im Park und sangen von morgens bis 10 Uhr Abends ohne Unterbrechung. Sie lösten sich immer ab. Aber es waren auch die Sozialisten und Freidenker sehr tätig, die sogar die grässlichsten Gotteslästerungen ausschriehen. England ist aber ein freies Land; aber mir scheint eine christliche Regierung braucht doch nicht gleichgültig gegen alles zu sein. Am Sonntagabend war ich in einer Kirche, von wo diese Armee besonders Arbeit treibt. Es waren in der Kirche 2 Lichtbilderapparate tätig. Eins für lebende Bilder und eins für Bilder, wie wir sie in Breklum haben, aber biblische Bilder. Der erstere stellte Bilder aus dem Leben ..... Es war schön. Dann folgte Predigt. Hanna: (?) Die Königin von Schaba rief uns über Salomos Weisheit v. Herrlichkeit; nicht die Hälfte hatte man mir gesagt. Wie viel mehr werden wir es ausrufen wenn wir gesü.... suchen und finden. Die Lichtbilder werden gezeigt um der Armen und zerlumpten Leute willen, die oft mit Musik herbeigeholt werden.  -  Mit herzlichem Gruss  -  Euer Hinrich.  (e.a.)

 

London, d. 13 September (1906)!  Liebe Mutter!  Diesen Morgen erhielt ich Deinen lieben Brief, wofür ich Dir danke. Hoffentlich geht es Euch allen recht gut. Am Montage hatte ich einen Brief von P. Bahnsen. Er schrieb, dass ich wohl bald an meine Rückkehr denken müsse, da die Kisten am 21sten Oktober von Breklum gehen müssten. Ich hatte ihn in einem Brief gefragt, ob er mir sagen könnte, nach welcher Station ich hinkäme und wann und wo ich ordiniert werden sollte; aber er hatte vergessen zu erwähnen darüber. Vor einigen Tagen bat ich P. Bracker um Auskunft über meine Ordination, weil er wohl vom 13ten September an Inspecktor (!) ist, wie ich sicher glaube. Ich hoffe jeden Tag auf Nachricht. Auch habe ich ihn gebeten um die Liste von Ole Jensens Sachen. Vielleicht kann ich ja einiges hier in London kaufen und von hier nach Indien senden lassen. Du sagst auch von einem Harmonium. Vielleicht wäre dassselbe noch besser hier zu kaufen als dort.  Ich war vor einigen Tagen in einer Festversammlung, wo ein junges Fräulein für China abgedankt wurde. Sie bekam als Geschenk von dem ............... ein Harmonium, welche zusammengeklappt werden konnte zu einem Handkoffer.

(Mit lila Bleistift noch dazugeschrieben:) " Dieses Harmonium kostete wohl 100 bis 120 Mark. Es war vielleicht 2½-3 fuss lang und konnte auseineándergeklappt werden, so dass es ... .. ..... ordentliches Harmonium .... diese Harmoniums sind von hier auch gekauft ... den ....... Versammlungen. Unser Schiff geht von Hamburg nach England. Es könnte dann ... für mit diesem Schiffe gehen und so würde es mit mir und meinen anderen Sachen in Indien angelange. Kannst Du mir nicht eine Karte darüber schreiben in den nächsten Tagen. Ich kann dann ja sehen, wie es wird." (Mit schwarzem Bleistift noch dazugeschrieben:) "Siem brachte sich von England grossen Blechkoffer mit, solchen hab ich auch hier. Meine (oder Marie) ............ zurück denke ich."

Du meinst vielleicht ein solches. Hier in England sind diese besonders eingerichtet, und gemacht für die Mission in den Tropen. Die Engländer sind in dieser Beziehung wohl .... ......... und weiter als wir. Da sie ja ganz anders mit diesen Ländern verbunden sind als wir. Ich weiss nicht genau was der Preis war. Es ist wohl selten, dass von einer deutschen Fabrik ein Instrument nach Indien ... Post geht., während sie von London wohl in Massen dorthin gehen, weil viele Leute allen Standes von hier in Indien sind und die Engländer Musik lieben. Aber vielleicht hast Du ja schon etwas mit H. Kröger abgemacht. Ich könnte auch ja ein solches Ding mit in meine Kiste packen, denke ich, wenn ich es über Kröger kaufte meine ich. Von hier müsste es natürlich direkt nach Indien gehen. Ich werde so Gott will Ende nächste Woche oder von Anfang der andern Woche zu Euch kommen. Siem schrieb, er wolle mir noch die nötigen Möbeln besorgen, da habe ich gedacht, es würde wohl damit zurecht kommen. Er weiss ja dass ich komme mit Missionar Gloyer. Nun alle dem Herrn befohlen und auf baldiges Wiedersehen in Sarzbüttel.    Euer Hinrich.

Auf Rückseite Brief (von Christine Speck, Mutter HS/STS): L(ieber) H(inrich), Ich habe mich mit H. Kröger nicht abgesprochen, nur gefragt, ob er auch tragbare Harmonium habe, da hörte ich, 3 Sorten, die billigste 40 M, sei aber nicht zu empfehlen; dann die 2te 60M, ein solches habe Missionaren Pohl, darum ich an Pohl schrieb ob dieselbe für Dich .....mässig. Ich weiss nicht welche genau ... sch... ...drifte aber das müsste sich noch gut von einem .....  ....... Dann eine solche mehr zu so 10 M, das ist wohl so ................ .............. nach China ......... ; wobei ich eben dachte es sei auch gleich schwereren Dienst .... auf die  ..... gehen. Also Du hast freie Hand was Dir gefällt und zweckmässig ist. Kannst Dir da wohl auch ansehen. Von dem ......... machte ich vergangene ...... über die Breklumer ........ bis dahin wohl ..... noch nichts. Von Grimm hörte Mathilde (HS/STS Schwester) in Nindorf Bahnsen nächstens nach Othmarschen ziehen aber ich denke mir dass Bahnsen noch Inspecktor bleibt. Bra(c)ker lehnte es einst (?) ja ab. Danke für Brief und Auskunft.  (e.a.)

(Dieser Brief kann noch "verbessert" werden;Schwer lesbar weil dünnes Papier mit durchgelaufener Tinte)

1907

Neu

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H.S. nach Sarzbüttel (Anfang fehlt noch ! - wahrscheinlich 4 Seiten auf 1x A4 !)

Indien ca. März 1907

" ..... Am Rande entlang sind überall kleine Fischerdörfer. In aller Morgenfrühe fahren dieselben hinaus aufs Meer. Ihre Bööte (!) sind meistens nur einfache Baumstämme. An beiden Seiten sind Bretter angebunden, damit das Boot eine Seitenwand bekommt. Vorne und hinten ist es offen und an den Seiten kann auch noch viel Wasser durch. Kommt hinten eine Welle hinein, so geht das Wasser vorne und an den Seiten wieder raus. Da das Boot nur ein Baumstamm ist (nicht ausgehöhlt) so kann es natürlich nicht untergehen, es könnte ja umschlagen; aber da der Baumstamm ziemlich gebogen ist und an den Seiten noch Planken hat, wird es das wohl nicht tun können. Ein solches Boot ist von ein oder zwei Mann besetzt. Sie segeln mit dem Baumstamm (*3) und rudern. Man muss sich wundern, wie sie im Wellengang immer das Gleichgewicht halten können, gehen doch die Wellen immer etwas durchs Boot und machen dasselbe beständig nass. Vom Boote aus fischen sie dann mit ihrem Netz. Auf den Bööten (!) werden auch noch kleine weiße Segel angebracht. Von unserem Hause aus sehen wir oft weit hin im Meere wohl einhundert solcher weißer Segel. Tagtäglich geht es hinaus aufs Meer.
   Sehr oft wird mit solchem einem großen Netz am Ufer gefischt. Wohl eine viertel Meile wird das Netz auf Bööten (!) aufs Meer hinaus gefahren und dann wird es ans Ufer gezogen. An jedem Ende des Netzes wird nämlich ein sehr langes Tau befestigt (also zwei Taue im ganzen). Am Ufer stehen dann Leute und ziehen das Netz langsam heran. Das Netz muss sehr lang sein; denn die zwei ziehenden Parteien stehen wohl bis ein Kilometer auseinander. Kommt das Netz näher nach dem Ufer, so gehen die Leute immer näher zusammen und das Netz bildet auf diese Weise immer mehr einen Sack. An jedem Tau ziehen wohl 15 Leute und mehr. Erst wird sehr langsam gezogen. Dann geht es schneller und das Ziehen wird von einem Wechselgesang begleitet. Kommt das Netz dem Ufer schon ziemlich nahe, so kommen die Frauen und die Kinder aus dem Fischerdorfe auch herbei gelaufen. Ist das erste Ende des Netzes erst am Ufer, so kommen die beiden ziehenden Parteien ganz zusammen. Frauen und Kinder fassen jetzt mit an und unter einem lebhaften Wechselgesange wird das Netz jetzt mit aller Gewalt ans Ufer gezogen.
   Ich sah vor kürzerem einen solchen Fischzug. Im Netze waren viele kleine Fische und zwei von ungefähr 20 Pfund. Doch im Netz eingewickelt liegt noch etwas, was aussieht wie ein dickes Schwein (*1). Wir sind gespannt, zu sehen, was das wohl ist. Ein Holzklotz ist es nicht, denn es sitzt Leben darin. Nun wird das Netz befestigt und wir sehen, dass es ein großer dicker Fisch ist. Er hat einen langen Kopf und keinen langen Schwanz. Ist im Ganzen wohl nur fünf Fuss lang; aber sein Körper ist so dick wie der eines tüchtigen Schweines. So ein Fisch wird wohl 200 Pfund wiegen, denke ich. Er hatte einen ordentlichen Rachen. Jetzt wollen die Leute ihn höher rauf ans Ufer schaffen. Ein Mann will einen Knüttel in einen Kiemen stecken, um dann ein Tau durch Kiemen und Rachen zu ziehen. Das geht aber nicht, denn der Fisch fängt fürchterlich an zu schlagen. Die Leute schwingen zur Seite; denn keiner wünscht einen Schlag von ihm und wohl auch keinen Biss. Jetzt wird ein Tau hinter einen Kiemen geworfen und dann wird daran gezogen. Bald fängt er wieder an zu schlagen und das Tau gleitet ab. Jetzt wird das Tau hintern Schwanz geworfen und dann geht es wieder los. Auf dem Ufersande angelangt, wird das Ungetüm mit Holzblöcken bearbeitet und so getötet.
   Am dem Tage sah ich auch einen elektrischen Fisch (*2). Er hatte die Gestalt eines Buttes, war aber mehr als doppelt so groß. Auf seinem Rücken war eine kleine Erhöhung. Wenn die Fischer einen Fuss darauf setzten, bekamen sie einen elektrischen Schlag. - Mehr darf ich heute nicht erzählen. - Hoffentlich geht es euch allen gut besonders der lieben Mutter, die wohl wieder auf den warmen Frühling wartet. - Mit herzlichem Gruß - Euer Hinrich"  (e.a. / Reinschrift e.s.)

(*1). "Schweinefisch" ? ".. Vorschlag, dass es ein Delphin ist. Um es "tropischer" zu sagen ein Bengal- oder ein Ganges-Delphin. Diesen letzten gibt es wirklich im Ganga. Wenn H.S. keine Delphine in Sarzbüttel kannte, dann hat er solchen das erste Mal im Netz in Indien erlebt: Fisch schlägt - passt. Dicker Kopf - passt. 5 Fuss - passt. Kiemen - passt nicht (Verwechslung mit Maul ?, e.a) Ohne langen Schwanz - passt nicht oder H.S. hat den Delphin horizontalen Wedel nicht gesehen." (e.s.)

(*2). vermutlich ein Rochen, den ich auch am Strand von Puri bei den Fischern gesehen habe ... und man kennt heute die noch selben Fischerbööte und "folkloristischen" Hand-Schleppnetze am Bengalischen Meer .. ein Stör ist es nicht; aber es gibt in den Fischernetzen oft Meerschlangen "5 Fuss lang, großer Kopf, kein langer Schwanz"(e.s.)

(*3)"Ich habe in Indien am Orissa Strand von Puri (neben Hauptstadt Bhubaneshwar) diese "Einbäume" gesehen. Ein dickerer Hauptstamm und zwei dünnere Baumstämme werden zu einem Boot von 5 Metern zusammengebunden, wie diesem in dem Videoclip. Durch diese Bindungen und Ritzen fließt dann "Hinrichs" Wellenwasser ab. Das "Drei-Stämme-Boot" ist wie ein Boot etwas vorne und hinten hoch gebogen. Wenn sie kentern, wie in dem Film, dann schwimmt das Holz auf und sie drehen es einfach wieder hoch. Indien hat einfach keine Einbäume, die Indianermäßig "ausgehöhlt" sind. Ich bin leider nie auf so einem Ding mitgefahren. Aber eine Rendsburger Truppe "the German Christian Engineers" (Originalton ind. Pastor) aus dem Jugenddorf Rendsburg im Wasserkanal-Projekt im Dorf Karli bei Laxmipur hat 1984 in Puri genau diese "Fischer-Tours" mitgemacht." (e.s.)
 

Neu

 " .. the picturesque hills, the deep ravines and densely forested slopes .. cascading down in a gushing stream of milky white water,  .. at forlorn spots  .. the Jeypore waterfalls are a significant part of the tourist attractions in Jeypore. .. in picturesque pockets and offer a mind blowing view .. are popular as picnic spots  .. pack your lunch and set off for spending some time amidst the dense greenery around and the gushing sound of a sounding cataract." waterfalls-in-jeypore (2010)

Jeypure, d. 18. 3. 07  (H.S. nach Sarzbüttel. 4x A5)

Liebe Mutter und Geschwister!
   Sage Dir, liebe Mutter, zuvor meine herzlichste Gratulation zur Hochzeit unserer Mathilde (Schwester mit der H.S. 7 Jahre vorher gleichzeitig in Berlin war. Sie war dort im Hotell angestellt, er beim Militär).  Ich denke die Hochzeit ist schon gewesen, wenn dieser Brief ankommt. Ich bin Donnerstag vor 8 Tagen aus Kotapad zurückgekehrt und reiste am Sonnabendmorgen den 9. März mit Siem und Marie nach Koraput zur Konferenz. Ihr habt von den anderen beiden gewiss schon allerlei darüber gehört. Am Donnerstagmittag reisten wir jungen Leute nach einem Wasserfall, der zwischen Koraput und Jeypore im Gebirge mitten im Jungel ist. Die Reisegesellschaft bestand aus folgenden Personen: Rössing und seine Braut, Frl. Rasmussen und Frl. Jakoby, Hübner, Oppermann und ich. Alle bis auf Rössing, der zu Pferde war, wurden getragen (*1)
   Wir sahen mehrere Wasserfälle. Zwei mit einem Fall von 20 Metern. Es sah sehr schön aus, zumal alles aus wilden Felsen besteht. Vom Wasserfall aus reiste ich mit den Damen gerade durch nach Jeypore und die anderen zurück nach Koraput. Auf dieser Reise mussten wir 600 bis 1000 Fuss vom Gebirge heruntersteigen. Zu Fuss natürlich, denn der Pfad war schmal und überall lagern Felsen. Wie schön ist doch die Natur an vielen Orten. Von Ferne schon hört man das Rauschen der Wasserfälle, eine eintönige Melodie, die vielleicht schon vor Jahrtausenden dieselbe war. Jetzt bin ich denn wieder in Jeypore, und werde voraussichtlich hier alleine wohnen, da Rössing nach Kotapad kommt. Ich denke zum Herbst wird H. Toft hierher kommen.
   Siem und Marie werden wohl Hinterland reisen (*2). Das wird aber eine ziemliche Reise werden über Salur und Parvatipur nach Gunipur. Im Herbst werden sie voraussichtlich weiterreisen müssen nach Bissamcuttac, um dort eine neue Station anzulegen. Es gehen also noch viele Monate ja Jahre vielleicht Jahre hin, bis sie endlich zur Ruhe kommen in einem Hause, wo sie wohl bleiben können. Aber das bringt ja der Beruf mit sich, und hoffentlich werden sie endlich auch mit dankbarem Segen auf diese unruhige Zeit zurückblicken. Ich wollte in dieser Zeit gern mein Haus mit Kalk weißen („white-wash“), das gibt allerlei Unruhe, weil man oft doch selbst dabei sein muss.
   Mit herzlichem Gruss   -   Euer Hinrich

 (*1) im Pallankin, Reisesessel zwischen zwei Stämmen von vier Kulis getragen, e.s.
 (*2) Heiße Land, Küstenland, Innenland ? e.s.

Wasserfall Orissa Video

(e.a. / Reinschrift e.s.)
Neu Jeypure, den 25. 3. 07   Postkarte HS an Frau Christine Speck, Sarzbüttel - b. Nordhastedt - Holstein - Germany.   -   Liebe Mutter und  Geschwister!   -   Herzlichen Dank für die Grüsse zu meinem Geburtstage. Siem und Marie reisten am Montage ab nach Gunipure. Ich habe noch nichts gehört von ihnen. Ich denke dass sie in Parvatipure sind. Die letzte Zeit war eine sehr unruhige. Erst die Reise nach Kotapad, dann nach Koraput. Danach rüsteten Siem und Marie zur Abreise, und jetzt richte ich mich hier im Hause ein. Da giebt es viel Arbeit (*1) "Kam otzi"). Wände halten. ... ... (mein Bungalow?) einrichten, Fliegenschrank (*2) dicht machen u.s.w. .... der werde ...stall soll eigentlich werden (*3) .. Heute will ein neuer Koch (*4) aus Koraput kommen.  -  Mit herzlichem Gruss Euer Hinrich.

"Universal Postal Union - Union Postale Universelle  -  British India - Inde Britannique - Post Card - Carte Postale - The adress only to be written on this side - Briefmarke One Anna - 3 Stempel .... post office  ? - ?? - Nordhastedt 13/4 07"  (e.a.) (teilbearbeitet)

*1  "Kam otzi")
*2  (oriya "Kida-box", englisch "Meat-Safe", e.s.
*3  der "Gay-sal"  Kuhstall soll "Ghodda-bokra" Pferdestall werden, e.s.
*4  Kusni-Wala)
  Jeypore, den 6. 4. 07   HS nach Sarzbüttel 99 % klar, noch nicht in den Computer geschrieben  (e.a. teilbearbeitet)
  Jeypore, den 14. 4. 07   HS nach Sarzbüttel 4x A5 dicht beschrieben.  (unbearbeitet)
  Jeypore, den 20. 4. 07   HS nach Sarzbüttel 4x A5   (unbearbeitet)
  Jeypore, den 29. 4. 07   HS nach Sarzbüttel 3x A4 oder engl. Format.  (unbearbeitet)
  Jeypore, den 5. 5. 07   HS nach Sarzbüttel 4x A5   (unbearbeitet)
  Jeypore, den 12. 5. 07   HS nach Sarzbüttel 7x A5   (unbearbeitet)
  Jeypore, den 16. 6. 07   HS nach Sarzbüttel 1x A5   (unbearbeitet)
  Jeypore, den 9. 7. 07   HS nach Sarzbüttel 2x A5   (unbearbeitet)
  Jeypore, den 14. 7. 07   HS nach Sarzbüttel 4x A5   (unbearbeitet)
  Jeypore, den 14. 7. 07   HS nach Sarzbüttel 4x A5  (unbearbeitet)
  Jeypore, den 17. 11. 07   HS nach Sarzbüttel 4x A4/5 engl. Format  (unbearbeitet)

1908

 

 

 

 

 

 

 

Brief Siem Thiessen Speck und Marie Speck nach Sarzbüttel. A.d. "altdeutschen" v. Ernst Arlt. Dez. 2008. In braun: bearbeitet von Erik Speck.

Nowrangapur 7. 8. 1908  Meine liebe Mutter und Geschwister!
Es ist wieder viel Zeit vergangen seitdem ich an Euch geschrieben. Hier sind wir jetzt ja mitten in der Regenzeit. Bisher regnet es in diesem Jahr gut. Wenn es nur lange genug anhält, wird die Ernte gut. Jetzt und noch bis etwa Mitte Oktober ist alles aufgebraucht und aufgegessen. Viele Leute haben es jetzt schwer die notdürftigste Nahrung zu erlangen. Doch es ist noch Korn im Lande und keine direkte Hungersnot. Einige leute magern wohl etwas ab, aber nach (Missionar Walter) Ahrens ist es bis jetzt noch nicht so wie 1900 (grosse schwere Choleraepidemi in Jeypur; e.s.) da war es schrecklich. Viele (der Inder) sind nur noch Haut u. Knochen! Viele Inder in der Stadt Nowrangapur müssen in die Landwirtschaft zurückgehen. Oft werden Ochsen, Spaten, Äxte u. ähnliches verkauft, um nur den nötigen Reis zu bekommen. Doch ist viel Reis ausgesäht. In dieser Zeit wird nun Gras d.h. Unkraut aus dem Reis gezogen. Wo es nicht geschieht, werden sie weniger oder gar nicht ernten, das Unkraut überwuchert leicht den Reis. Darum brauchen jetzt viele Leute Geld, um Leute zum Grasziehen zu mieten. Den Tagelohn bezahlen sie gewöhnlich mit Reis, den viele selbst erst kaufen müssen. Manches liebe Mal muss ich den Leuten Nein antworten. Viele haben zu allen Zeiten grosse Lust Schulden zu machen. Mancher Schuldner mag nachher seine lästigen Gläubiger nicht mehr sehen. Dies sage ich oft, um sie zu  beruhigen, wenn ich nun sage "ihr sollt doch nicht vor mir, euerm Lehrer fliehen." (STS Bibelcitat) Geld schenken ist noch das mindeste, dabei kann man doch noch gut Freund bleiben. Doch alles hat seine Grenzen aus verschiedenen Gründen. Die vielen Heiden müssen sich ja auch selbst durchschlagen. Und es geschieht nur zu leicht, dass die Christen verwöhnt werden. An vielen Stellen ist auch Cholera, doch gar nicht schlimm. Sie ist auch in Nowrangapur. Doch liegt die Stadt (Basar, Town of Nowrangapur; e.s.) ja 5 Minuten von uns weg. Doch werden oft Leichen nahe bei uns im Wald begraben, oder nur halb begraben, so dass Hunde u. Geier sich an sie machen. Wir sahen dies einmal selbst u. gingen fort. Fast 14 Tage lang haben wir einen Maurer der am Hause mancherlei ausbessert. Auch haben wir den Tischler längere Zeit gehabt. Um die Handwerker muss man sich selbst viel bekümmern. Sie tun wenig. Lohn auch ja gering 50 sh(illing). Vor längerer Zeit haben wir nun ein 2tes Pferd gekauft für 15 M(ark). Belegte Stute, grossartig von Gang, ...................... schlanke Fesselgelenke, mager. Jetzt sind die Rippen aber kaum noch zu sehen. Uns geht es leidlich. Stark sind wir wohl beide nicht. Doch hoffe ich in Indien bleiben zu können. "Befiehl dem Herrn deine Wege". Hinrich scheint es immer recht gut zu gehen. Da sein Koch weggegangen ist, haben wir ihn jetzt den Habel (als Ersatz den zweiten Küchengehilfen extra hinterher) geschickt, u. Marie behilft sich mit dem Wassermann (der das Nötigste kochen kann: Kaffee, heisses Wasser, Tea, Reis und Omelette). Frohe Nachricht aus Nindorf. Hoffentlich geht es Euch u. Anna Schwester gut.     Herzlich grüssen Euch      Euer Siem u. Marie.  (e.a.)

*Anmerkung
Hinrich Speck scheint aus dem Haus zu sein. Er ist mit dem Koch im Distrikt, auf Predigtreise gefahren. Sein Koch ist ihm „weggelaufen“, ein gängiges Wort in Missionars-Indien. Sie schicken ihm den Küchenboy Habel hinterher, damit die Distriktsreise weitergehen kann. Deshalb hat Marie Speck keinen Koch und muss sich mit dem Coolie, mit dem Wassermann behelfen, der ihr das Holzfeuer anmacht und das Wasser vom Brunnen bringt und eventuell das nötigste kochen kann: heiß Wasser, Kaffee, Eier, Omelette.
Der Missionscompound in Nowrangapur wurde ca 1898 vom Maharaja gekauft, ein ca. 14 Hektar große braches Land neben der Bestattungsstelle und dem Schlachtplatz des Ortes Nowrangapur. Daher die Nähe der Missionare im Bierf zu den täglichen Leichen der Choleraepedemie und Hungersnot. (e.s. 2008)

  Jeypore, den 23. 11. 08   HS nach Sarzbüttel 4x A5   (unbearbeitet)

1909

  Jeypore, d. 19. 4. 09   HS nach Sarzbüttel 4x A5  (unbearbeitet)
  Jeypore, d. 5. 6.  09   HS nach Sarzbüttel 4x A5   (unbearbeitet)
  Jeypore, d. 15. 7.  09   HS nach Sarzbüttel 10x A5  (unbearbeitet)

1910

Jeypore, d. 2. 1. 1910   H.S. Brief nach Sarzbüttel; mit eigener Zeichnung Kirchmauer. (4x A5 "Sütterlin"; bearbeitet v. E.H.A. Feb.2011; mit Kommentaren v. Erik S. und Matthias Dahl in grün)

Liebe Mutter und Geschwister!  -  Hoffentlich geht es Euch allen recht gut. Mir geht es dem Herrn sei Dank auch besser. Habe mich in Nowrangapur recht erholt. Es war sehr schön dort zu Weihnachten. Viele Christen u. Lernende waren gekommen um mit uns zu feiern. Am Dienstage nach Weihnachten reiste ich wieder ab. Nachmittags ging es nach Boriguma (halbe Strecke zw. Nowrangapur u. Jeypore/Jeypur; mit Rasthaus und Pferdewechsel. e.s.)(siehe auch*) und am am (sic) anderen Morgen reiste ich weiter nach Jeypore. Bin auch froh, dass ich hier wieder meiner Arbeit nachgehen kann.Es ist doch immer am schönsten wenn man seine Arbeit hat. R.(asmus) Jörgensen beaufsichtigte während meiner Abwesenheit die Bauarbeit. Im Januar werden die Mauern, wie ich hoffe leicht hoch werden. Ich lasse jetzt das Hauptgesimse unterm Dach beenden. Ihr könnt es auf der Zeichnung sehen (im Rahmen links!). Zuerst seht Ihr die Steinpfeiler die oben noch 1 Fuss vorstehen bleiben. 2½ Fuss überm Fenster kommt dann das Gesimse. Bei a, b, c. ist 3 mal ein Stein 2 Zoll herausgebaut das macht 6 Zoll Vorsprung. Diese Vorsprünge sind 10 Zoll breit. Darauf kommt ein freier Raum von 10 Zoll Breite. Dieser freie Raum ist mit schräggestellten Steinen überbrückt. Oben zwischen dieser Überbrückung und auf derselben wird dann weitergearbeitet. Der Vorsprung geht dann bis zum Dach. Von da wo der erste Stein vorspringt bis zum Dach sind es noch 2½ Fuss. Die Mauer wird oben also ½ Fuss breiter. Ihr seht dass die Löcher im Gesimse abwechselnd schwarz u. weiss sind. Bei den schwarzen geht das Loch des Gesimses nur bis zur Mauer; ist also nur ½ Fuss breit. Bei den weissen Löchern dagegen geht es ganz durch die Mauer hindurch. Sie bilden also schöne Luftlöcher, die hier nötig sind. Ich bin in diesen Tagen mit 13 Maurern dabei. Da wird es bald fertig. Das Portal ist fertig gebaut. Es ist also das Gesimse auch noch u. ausserdem müssen die Endmauern noch höher gebaut u. mit Gesimse versehen werden. Dann wird hoffentlich auch das eiserne Dach schon hier sein. Ein Teil desselben ist schon von Calcutta abgesandt. Die eisernen Balken müssen dann hinaufgeschafft werden. Darauf kommt Wellblech u. dann kommen darauf wieder Ziegel, weil es sonst zu heiss würde. Wenn diese Arbeit u. der Turm fertig ist wird es wohl auch bald wieder Regenzeit sein, denke ich. Nächstes Jahr giebt es dann wieder viele Arbeit. Die ganze Kirche muss mit Kalk abgesetzt werden. Fenster müssen eingesetzt werden, der Fussboden muss gemacht werden. Dazu kommt noch Altar, Kanzel u.s.w. u. auch müssen ja Treppen gemacht werden aussen bei den Türen u. auch drinnen für die Empore. Letztere muss ja auch noch einen Boden haben u. etwas verziert werden. Ihr seht da ist noch sehr viel Arbeit nach. Gebe der Herr Kraft u. Gesundheit, dass ich alle Arbeit tun kann. Der Kirchbau nimmt also 3 Jahre in Anspruch. Es ist doch eine lange Zeit u. doch vergeht die Zeit schnell. Siem baute auch an seinem Hause. Er richtete unten Stuben für Hübner ein. Th.(eodor) Ahrens baute eine neue Schule. Hier wird das Schulhaus auch vergrössert. In Bissimcuttack und Lakshmipure werden neue Wohnhäuser gebaut u. Toft u. Hübner werden im Februar wohl in Kalihandi anfangen zu bauen. Stäcker (Heinrich? Jürgen?) wird sein Haus wohl bald fertig haben in Schambari. Ihr seht, dass die Missionare sich viel mit Bauarbeit beschäftigen müssen. Jedes Jahr wird gebaut. Voriges Jahr baute Sell ein Haus in Nandapur u. Gloyer ein Hospital in Kotapad. Doch auch diese Arbeit muss ja sein, obwohl wir lieber frei davon wären. Möge alle Arbeit zur Ehre des Herrn geschehen u. möge Er die Kirchen füllen mit Braunen. Es sind ja noch so viele da, die noch nichts wissen vom Evangelium. Wir haben ja nur erst die armen Dombos, die verachtet sind von den eigentlichen Hindus u. eigentlich keiner Kaste angehören. Das eigentliche Volk, nämlich die besseren Kastenleute u. das eigentliche Bauernvolk sind ja noch kaum vom Evangelium berührt. Doch wir hoffen, dass auch sie kommen werden, der Herr hat es ja gesagt.   -   Siem u. Marie sind wohl. Auch ich habe in 4 Wochen kein Fieber gehabt (HS hatte Malaria). Der Herr segne u. behüte Euch u. uns im neuen Jahre. Für Mutters (Christine) lieben Brief vielen Dank.   -   Mit herzl. Gruss  -  Euer Hinrich. (e.a.)

*).. Da fehlt(e) Dir ein Ortsname, der mit B. anfängt, ein r enthält und mit guma endet. Meine spontane Vermutung ist, dass es sich hier um den Ort  Boriguma handelt.  In der Kartenbeilage zur Festschrift von 1926 "Unter der Fahne des Kreuzes" ist er eingezeichnet - mitten zwischen Nowrangapur und Jeypur. Das passt genau zu den Angaben, die H.S. zu seiner Reiseroute macht.
Und warum ist mir sofort Boriguma eingefallen? Das hat mit meiner Verbindung zu Breklum zu tun. Als ich Anfang der 1970er Jahre anfing, mich für die Breklumer Mission und ihre Gremien etwas stärker zu engagieren, wurde der Name nicht  selten für das Häuschen mit den Toiletten hinter dem Festsaal verwendet, als Deckname sozusagen. Irgendjemand begündete es so: In Indien sei Boriguma ein Treffpunkt zwischen den Orten gewesen. So sei auch das Boriguma in Breklum ein Ort, wo man sich (in den Sitzungspausen) treffe.
Pastor Dr. Hans-Jörg Bräumer begründete in seiner Zeit als Leiter des Aktions- und Besinnungszentrums eine Jugendgruppe. Die baute sich den Dachraum in dem  eben erwähnten Gebäude aus und erhielt von daher den Namen "Boriguma". Anfang der 1980er Jahre habe ich dort ein Referat gehalten. Da stand Boriguma noch. Bei der Neugestaltung des Festsaales nach dem Brand des alten Saales ist es dann wohl abgerissen und überbaut worden. Aber darüber  weiß ich nichts Genaues.
(m.d.)

  Jeypore 18/12/10   Brief H.S. nach Sarzbüttel zum Tode seiner Schwester Anna Bols. (4x A5 "Sütterlin"; bearbeitet E.H.A. Feb.2011)

Jeypore 18/12/10   -   Liebe Mutter u. Geschwister!   -  Die letzte deutsche Post brachte die Trauernachricht von dem Heimgange (18.11.1910) meiner lieben Schwester Anna (Catharina, geb. Speck; geb. 18.8.1874 in Sarzbüttel; verh. Bols). Diese Nachricht kam ja nicht unerwartet, aber sie machte mein Herz sehr traurig. So weilt sie denn nicht mehr unter uns die liebe Schwester Anna. Dieser Gedanke macht mein Herz wehmütig u. ich weiss dass es auch Euer Herz sehr traurig gemacht hat. Wie gut doch, dass wir wissen dürfen, dass sie selig heimgegangen ist. Sie ist nicht mehr unter uns die liebe Schwester; aber wir wissen, in der neuen Heimat hat sie es besser als bei uns hier unten. Sie ist sicher in Jesu Armen, das ist unser Trost. Sie ist befreit von aller Sünde u. von allem Leiden. Sie hat das Ziel erreicht u. ist droben im ewigen Vaterhause, wo, dem Herrn sei dank, so viele unserer Lieben schon sein dürfen. Wollen wir sie zurückwünschen in unsere Mitte? Nein, nimmer, wir wollen ihr ihr Glück u. Ihre Seligkeit gönnen von ganzem Herzen. Kann sie nicht mehr hier unten mit ihren Lieben Weihnachten feiern, so kann sie doch droben Weihnachten feiern u. darf mit verklärten Augen den Heiland von Angesicht zu Angesicht schauen, der einst als kleines Kindlein in Bethlehem's Stall geboren wurde, um für unsere Sünden am Kreuze zu sterben. Unserer Schwester Anna ist selig, das ist unser Trost u. mit dem Troste wollen wir unser Herz trösten. Gebe der treue Herr auch uns allen ein solch seliges Ende, wie es unserer lieben Schwester Anna beschieden war. Es freut mich sehr , dass unsere liebe Mutter unsere Schwester noch einmal sehen durfte, bevor sie heimging. Meinen Brief hat sie dann nicht mehr eerhalten. Ihr Herzenswunsch heimzugehen wurde schon früher erfüllt, als ich dachte. Schwester Anna ist selig, selig auf ewig, dieser Gedanke soll ein Tropfen (?) der Freude u. des Dankes für unser trauerndes Herz sein, er soll das Leid versüssen. Schwester Anna ist gut aufgehoben u. wir wissen, dass der Herr auch bereit ist für Friedrich (Bols *; seit 1913 Landwirt auf Nordstrand) u. seine Kinder zu sorgen. Wie hat doch der treue Herr so traulich für uns gesorgt. Er ist der Vater der Witwen u. Weisen. Er will sich ihrer ganz besonders annehmen, hat er so oft gesagt u. er hat Wort gehalten, der ewige u. treue Gott. Was will er lieber als Menschenkinder ihre Sorgen im kindlichen Vertrauen auf ihn werfen. Der Herr segne in Süderhastedt u. segne uns alle.   -   Mit innigem Gruss  -  Euer Hinrich. (e.a.)

* zu Anna Speck u. Friedrich Bols : (Karl-Ludwig Petersen / A. Heimböckel, Schwesing Bahnhof 12, DE-25866 Mildstedt)

1911

Jeypore 15. 1. 1911.   Liebe Mutter und Geschwister!   -  Zunächst meinen herzlichen Dank für Mutters Brief und für den Brief von Bruder Martin. Es hat mich sehr gefreut, einmal recht viel aus Eurer Wirtschaft zu hören; bin ich doch auch darin aufgewachsen und mit Leib und Seele Landwirt gewesen. Jetzt bin ich ja reichlich 2 Jahre Baumeister gewesen und freue mich nun, dass diese Arbeit bald zu Ende geht. In letzter Zeit hatte ich immer 4 Tischler, da die Empore gemacht werden musste. Besonders das Geländer machte sehr viel Arbeit. Es ist ja so lang als die Kirche breit (36½ Fuss). Da gab es für mich sehr viel auszumessen und aufzupassen.

Alle kleinen Latten sollen wo sie sich schneiden ja gern ....... Quadrate bilden, und auch sollen sie alle ineinander eingelassen werden. Die Tischler können ja die Arbeit machen, d.h. wenn ich alles ausmesse und allenthalben Zeichen mache. Die Latten sind so 7 Zoll von einander entfernt. Da könnt ihr ausrechnen, dass ich manchen Strich mit der Bleifeder (Bleistift) zu machen habe. Zu messen hat es genug gegeben beim Bau. Denn die Leute können es selbst nicht, und auch können sie nicht sehen ob etwas gerade oder schief ist. Ich denke da sind die Handwerker zu Hause besser. Das Geländer ist jetzt aber bald fertig. Die Maurer hab ich erstmal entlassen. Die Treppe zur Empore hinauf ist noch mit Cement abzusetzen und der Fussboden im Altarraum und die Treppe die hinaufführt zu demselben sind auch noch abzusetzen. Diese Arbeit soll getan werden, wenn der Aufsatz zum Altar von Salur kommt. Der Altartisch soll aus Stein aufgebaut werden. Der Aufsatz zu demselben, Kanzel und Taufstein werden aus Holz gemacht: Dafür bekommt Herr Schulze 250 M. Der ganze Fussboden der Kirche ist mit Ziegelbrocken ausgelegt, die in der hohen Kante stehen. Das Ganze ist dann mit Kalk abgesetzt und fein glatt gerieben. Ein Gang von 5 Fuss in der Mitte der Kirche, also der Steig, ist noch mit Cement abgerieben. Im Altarraum wird der Fussboden mit Cement abgesetzt. Alle Treppen werden ebenfalls mit Cement abgesetzt. Auf dem Kalkpflaster wird eine Bambusmatte geflochten, nur auf dem Steig in der Mitte wird eine Kokusmatte gelegt werden. Das Wellblech innerhalb der Kirche, also die Decke ist hellgrau gestrichen, nur das Eisengebälk ist schwarz. Die Wände inwendig werden weiss gestrichen, nur alle Bögen werden rot. Hier sind alle Steine markiert, wird aber gestrichen. Unten wird die Wand bis zur Höhe von 2½ Fuss graubraun gestrichen, weil die Leute mit ihren fettigen Haar die Mauer leicht schmutzig machen. Draussen ist die Kirche geweisst, aber nicht ganz weiss sondern etwas gelblich. Ich gebrauchte dazu das Wasser von mit Sand vermischtem Kalk. Das Gesimse ist ziegelrot. Da die Mauer hier von überstehenden Dach Schutz erhielt, wurde hier nicht abgesetzt. Es macht sich so auch viel schöner. Der Turm ist nicht geweisst, da er beim absetzen gut polliert wurde, was sich hoffentlich sehr gut halten wird. Nun könnt ihr Euch einen kleinen Begriff davon machen wie die Kirche ungefähr aussehen wird.  -  Mit herzlichem Gruss  -  Euer Hinrich.  (mit eigener "Skizze vom Geländer" des Innenraumes der Jeypur Kirche) (e.a.)

1912

 

Jeypore  21. 1. 1912.  -  Liebe Mutter und Geschwister!   -   Leider bin ich in letzter Zeit nicht dazu gekommen Euch zu schreiben, da ich sehr viel zu tun hatte. Anfang Dezember war ich mit Herrn Timmcke nach Mat(t)li und kam ungefähr Mitte Dezember zurück. Dann wurde auch das liebe Weihnachtsfest gerüstet. Viele Leute, darunter sehr viele neue Leute kamen mit uns zu feiern. Am Morgen des 24ten December  waren in der Kirche gegen 1000 Menschen versammelt. Ûberall auf dem kleinen Grundstück kochten die Leute nachher ab. Nachmittags redete ein Lehrer in der Kirche und dann wurde Weihnachtsabend gefeiert in der festlich geschmückten Kirche. 2 schöne Weihnachtsbäume (Mangobäume) brannten hell. Darunter waren Krippen. Eine grössere Krippe stand auf dem Altar. Auf dem Taufstein standen meine Stubenlampen. Sonst waren keine Lampen in der Kirche; aber vor jedem Fenster brannten 6 Weihnachtslichter und auch hier und da an den Wänden. Das war unsere Beleuchtung, und die bunten Fenster wurden so wunderbar beleuchtet und zeugten (?) in ihrer Farbenpracht doch schöner als die vielen Lichter wurden die Kirche geziert durch ungefähr 1000 frohe Gesichter, von denen wohl ungefähr die Hälfte zum erstenmal das liebe Weihnachtsfest feierte. Nun wurde ein Lied gesungen. Darauf verlas ich die Weihnachtsgeschichte. Dann wurde wieder ein Lied gesungen und hierauf sprach ich in einfacher Weise über die Weihnachtsgeschichte und über Gottes grosse Liebe. Zum Schluss wurde wieder ein Lied gesungen und darauf zündeten die Leute draussen unter den Bäumen ihr Feuer an. Ich war bei Piening's zum Abendbrot eingeladen mit Schwester Hermine (Knuth) zusammen. Nach dem Abendbrot gab es noch allerlei kleine Geschenke. Am nächsten Morgen wurde zum Gottesdienst gerüstet, der um 10 Uhr begann. Ich predigte über das Wort: "Siehe, ich verkündige Euch grosse Freude." "Die Weihnachtsbotschaft eine grosse Freudenbotschaft"

I. Sie verkündigte uns die Geburt eines grossen Heilands.
II. Sie errettet aus grosser Furcht.
II. Sie ist eine Botschaft für alle Menschen.

Nach der Predigt wurden ungefähr 30 Seelen getauft, das war der Höhepunkt des Gottesdienstes. Nachmittags redeten 2 Lehrer. Am 2ten Festtage predigte Piening über den Gang der Hirten nach Bethlehem. Im Anschluss daran hielt ich Abendmahlsgottesdienst. Reichlich 100 Personen beteiligten sich an demselbem. Hierauf wurden Lehrergehälter ausbezahlt und die meisten Leute nahmen Abschied von uns. Am nächsten Tage hatte ich 3 Mal Hochzeitsgottesdienst. Am Tage darauf reiste ich ab nach Otalguda, um Herrn Pastor Bracker dort zu empfangen. Am Sonnabendnachmittag kamen er und Toft dann (?). Am Sonntag den letzten December war Gottesdienst in Otalguda und am Neujahrsmorgen wieder. Am Nachmittage reisten wir nach Mat(t)li und abends von da nach Gobinda palli. Am Dienstag reisten wir nach Kolar (?), am Mittwochmorgen zum grossen Markt nach Dosmotpore und nachmittags nach der Polizeistation Boipariguda, wo wir 3 im Gefängnisse schliefen. Am Donnerstag morgen ging es dann nach Jeypore, wo Herr Pastor bis Montagmorgen blieb. Toft reiste schon am  Freitage wieder ab. Herr Pastor Bracker wohnte bei mir. Am Sonntagnachmittag machten wir einen Besuch beim Rajah und bald darauf kam er zu uns, um einen Gegenbesuch zu machen. Am Montagmorgen fuhren Pastor Bracker und ich nach der Aussenstation Kenduguda, wo wir mit Gesang von den Christen empfangen wurden und eine kleine Andacht hielten. Nach einem kleinen Frühstück ritten wir zum Markt nach Pupagaon (½ deutsche Meile). Am Nachmittage ritten wir wieder nach Kenduguda zurük, setzten uns auf den Wagen und fuhren nach Boriguma, wo wir so ½ 5 Uhr eintrafen. Die Station war festlich geschmückt. Auf dem Wege waren zuerst alle Männer aufgestellt, die uns mit Gesang empfangen. Ungefähr 200 Schritt weiter waren alle Kinder aufgestellt, die uns mit Gesang empfingen und mit einem Liede nach einer eingeborenen Melodie und bekränzten uns. Ungefähr 200 Schritt weiter waren alle Frauen aufgestellt, die uns ebenfalls mit Gesang empfingen. Jetzt ging es in die Kapelle hinein. Herr Pastor Bracker redete und ich übersetzte. Ungefähr 200 Menschen hatten sich wohl aus der Umgebung zusammengefunden. Nach der Andacht gingen die Leute wieder auf ihre Dörfer zurück. Am nächsten Morgen ging es weiter zu Pferde. gegen ½ 9 Uhr wurden wir auf der Aussenstation Sano Dubli (?) von den Christen und Lernenden mit Gesang empfangen. Wir stiegen ab, betraten die für uns gebaute Laubhütte und hielten eine kleine Ansprache. Dann ging es wieder weiter und um ½ 11 Uhr oder so kamen wir in Santaspure an, wo wir von einer grossen Menge Christen und Lernenden mit Gesang empfangen wurden. Um 2 Uhr hielt zuerst Herr Pastor Bracker und dann ich eine Ansprache. Um 3 Uhr bestiegen wir wieder unsere Pferde und kamen ½ 5 Uhr auf der Aussenstation Podapodao (?) an. Hier wurden wir wieder von den dortigen Christen mit Gesang empfangen. Sogleich ging es in die Kapelle, wo Pastor Bracker und ich eine kleine Ansprache hielten. Am Abend erklärten der Lehrer Samuel und ich einer grossen Menge von Heiden die Lichtbilder. Am nächsten Morgen ging es weiter. Zunächst nach Kotnaguda, wo wir am Fusse des Gebirges und an den schönern Ufern des schönen Muralisflusses (?) abkochten. Bald kam eine Schar von Christen und Lernenden Patiaput (?) uns zu begrüssen. Wir setzten uns unter einen Baum und hielten eine Andacht mit Gesang. Am Schluss der Andacht kamen gegen 30 Lernende von Pokonaguda uns zu begrüssen, mit denen wir wieder eine kleine Andacht hielten. Am Nachmittage ging es das Gebirge hinauf in den Koraput Distrikt hinein. Der Weg war oft sehr schlecht, so dass wir oft zu Fuss gehen mussten. Unser Reiseziel war die Koraputer Aussenstation Holdisil, wo Wohlenberg uns begegnen wollte. Unterwegs kamen schon Christen uns entgegen gelaufen, die sangen und uns bekränzten. Nach einer Stunde war in der Kapelle Andacht und darauf erklärten Wohlenberg und ich im Freien. die Lichtbilder. Am nächsten Morgen reisten P. Bracker und Wohlenberg weiter und ich reiste wieder in meinen Distrikt zurück, wo ich noch einige Tage arbeitete. Nach Jeypore zurückgekehrt gab es viel Arbeit für mich. Jahresanträge sollten eingereicht werden. Rechnungen waren zu machen und Briefe waren zu erledigen. Morgenfrüh geht es wieder in den Distrikt. Nächsten Sonntag ist hier grosser Sonntag und dann geht es nach wenigen Tagen zur Konferenz nach Koraput. So hat man immer Arbeit genug und man dankt dem Herrn, wenn man gesund ist und arbeiten kann. Unsere Gemeinde zählt fast 1000 Christen. Ausserdem haben wir reichlich 1000 Lernende. Mit Dank dürfen wir bekennen, die Ernte ist gross. Das ist vom Herrn und ein Wunder vor unseren Augen. Die Lichtbilder gebrauche ich viel. Habe dieselben jetzt wohl schon 70 Mal gezeigt. Ich glaube die Bilder tun sehr gute Dienste.  -  Ich bin Euch sehr dankbar, dass ihr mir dieselben geschenkt habt.  -  Hoffentlich geht es Euch allen gut. Dass Reimer und Wilhelm verkauft haben, habe ich gehört. Der Herr helfe ihnen weiter. Die Kälte hier lässt allmählich nach. Es war mitunter auch recht kalt im Distrikt, besonders für meine Leute, die draussen beim Feuer schlafen mussten. Ich kann ja Decken mitnehmen, um mich einzupacken, aber die armen Leute haben kein Geld sich viele Decken zu kaufen. Jetzt wird es aber wärmer und leider bald viel zu warm.  -  Wollt ihr bitte diesen Brief auch den anderen Geschwistern einmal zusenden ? Für alle Eure lieben Briefe herzlichen Dank.  -  Mit herzlichem Gruss  -  Euer Hinrich.  (e.a.)

Dieser Brief ist als "Rundbrief" bei Siem Speck in Sarzbüttel aufbewahrt, und wahrscheinlich in den 1950er Jahren "Briefe von Vater aus Jeypore an seine Mutter (Christine) und Geschwister in Sarzbüttel (von Tante Marie Speck geschickt)" laut Notiz auf dem Umschlag, von ihrer Patentante Marie Speck an Marie Luise Arlt, geb. Speck "zurückgeschickt" worden. (e.a.)

1915

  "Abschrift für die Lieben in Holstein.  1. Nindorf   2. Sarzbüttel   3. Malente."

Kodaikanal, Madura District. 20. 9. 1915.  L(iebe) M(aria)!  Ich schrieb vor kurzem nach Dornberg (Bielefeld) und würde Euch ab und zu zu schreiben versuchen bis wir von hier abreisen werden. Der Termin scheint noch ganz unbestimmt zu sein, wenigstens haben wir noch keine Nachricht darüber erhalten, ausser, dass wir Mitte September uns bereit halten sollten.Wir warten täglich auf genauere Ordre, vermuten aber, dass es noch etwas dauern wird. Falls wir etwa 6 Wochen vor Weihnachten nicht in Deutschland sein sollten, willst Du dann Hinr. wohl in meinem Namen einige Sachen schicken? Du weisst ja dass es "frei" geht. Für den Weihnachtsbaum weisse Kerzen u. Lametta, dann bitte ein Fleischpaket, Wurst od. Schinken, und gute Schriften; etwa den letzten Jahrgang "Daheim"(pdf)  gebunden, "Licht und Leben" oder ähnliches. Unsere Kinder hier spielen mit Vorliebe "Verreisen". Eine Menge Stühle bilden den Zug oder das Schiff, ein Bücherbord etwa eine Kabine. Die Reise geht natürlich immer nach Deutschland. Wie die Jugend sich darauf freut, kannst Du Dir wohl denken. Marieliesel meint, dass der Vater in Deutschland wäre und wir zu ihm reisen wollen. Ich erzähle ihr mitunter von allen Lieben in Deutschland. Brauchten wir doch nicht mehr zu lange ohne Hinrich dort zu sein! - Aus Sarzbüttel kamen ein paar Briefe an vor einiger Zeit, Marie Speck schrieb uns auch. Mathilde Reimers, und Hinrich hatte einige Male von Siem Nachricht. Wie jeder Brief aus der Heimat mit Freuden begrüsst wird, kannst Du Dir wohl kaum vorstellen. -  Uns geht es allen sehr gut. Die Kinder sehen beide so frisch aus. Der Aufenthalt hier auf den Bergen hat ihnen sehr gutgetan. Hoffentlich bekommt Reimer Hinrich nicht nochmal solch Zahnfieber wie Anfang August. Die Zähne sind seitdem noch nicht weitergekommen, weshalb ich nochmal Fieber fürchte. - Wir möchten jetzt so gern bald fort, weil es in Deutschland immer kälter und somit der Wechsel umso grösser wird. Aber wir müssen uns mit Geduld wappnen bis wir geschickt werden. Hinrich wird gleich nach der Abreise schreiben. Welchen Weg wir kommen, wissen wir natürlich nicht. Die Gerüchte lauten sehr verschieden: Marseille, Holland, Dänemark und sogar um Südafrika herum. Wartet nur nicht zu sehr und zu einer bestimmten Zeit auf uns. Der Herr wird mit uns sein auf der Reise. Ohne seinen Willen fällt kein Haar von unserm Haupte und kann uns nichts geschehen.  -  Grüsst alle Lieben herzlich  -  In inniger Liebe  -  Deine Luise.  (angekommen in Essen 20.11.1915.) (e.a.)

Es muss ein Brief an die Schwester Maria von L.S. gewesen sein, bei der M.L.S. später in Essen wohnte und nach 1926 zur Schule ging. (e.a.)

Quarnstedt, d. 14.1.45.    -    Meine liebe Liesa!    -   Heute sollst Du doch noch einen kleinen Gruss von hier haben. Mutter geht es, Gott sei Dank, etwas besser wieder. Sie sitzt viel auf und näht. Die Arbeit macht Ruth aber ganz allein und sie versorgt uns sehr gut. Sie kann sehr gut kochen. Von Theo hatten wir noch keine Nachricht und von Reimer und Karl-Wilhelm auch nicht. Beide sind ja im Wesrten. Onkel Heinrich ist noch schwach und schläft viel. Er isst auch nur wenig. Vielleicht wird er ja bald heimgehen zum Heiland, wozu er auch bereit ist. Wir haben hier auch etwas Frostwetter, aber zwischendurch taute es auch mal wieder. Bei Euch wird nun gewiss immer Frostwetter sein. Hoffentlich geht es Dir recht gut. Arbeit wirst Du ja immer genug haben. Von Johannes und Dorchen kam ein Brief aus Wien. Du wirst auch gewiss Nachricht bekommen haben. Heute schrieb ich an den Regierungspräsidenten wegen Transport unserer Möbel. Eine Abschrift lege ich bei. Die Antwort werden sie dann wohl an Dich senden. Wir müssen nun zu sehen, wie es werden wird. Die Sachen, die wir neulich in Lyck gepackt haben, sind noch nicht angekommen. Wir haben auch keine Nachricht von Lyck erhalten, dass sie abgesandt worden sind. Hoffentlich wird das aber der Fall sein.    -   Herzlichen Gruss von uns Dreien.    -    Dein Vater. (e.a.)

 [Ûbersetzer-/Verfasser-Kürzel]

Briefe und Tagebücher Luise Speck 1914-1916

Briefe zu Breklum und im Alter


(e.a.)


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