Vom Anderland
Indien-Stories von Erik S.
I am the guy who ... . Ich bin
der Kerl, der diesen frechen Essay mit unverblümter Kritik gegen die christian
international education in Kodaikanal School in Indien für das Kodai Magazin
schrieb. Als solcher bin ich ein junger deutscher her Student, vielleicht durch
und durch Atheist, weil ich als Missionary-Kid in Indien so viel anderes erlebt
habe. Und meine ausgesprochene Image-Profil-Neurose passt zu meinen roten Haaren
wie zu meiner Hakennase. Während ich wiedermal jobbte und als Gärtnergehilfe und
meine kleinen Gemüsepflänzchen mit viel Liebe und tender loving care versorgte,
suchte ich unentwegt nach einer neuen Aufgabe, einer neuen Seelenarbeit.
Vor einigen Wochen las ich den Artikel über deine Dissertation zum
Kulturschock der Kodi-Schüler. Da hast du in mir den indischen Film wieder ganz
gewaltig angekurbelt. You hit the point! - Entschuldige bitte meine
Sprachinterferenzen bei so vielen Kulturhintergründen in deutscher und
englischer und anderen Sprachen meines Kulturschocks. - Du triffst den Nagel auf
den Kopf mit deiner These, dass jede arme Seele mehr oder weniger einen
Culture-Shock während seiner Biographie hier auf Erden durchläuft. Ich war mir
immer sicher, seit wir beide damals zusammen die Kodaikanal School from grade
one to grade eigth durchlaufen haben, dass du Püschologin werden würdest. Du
schriebst mir damals in unserer Schulbank manchmal secret love-letters und
verstandst meine scheue Zuneigung zu dir. Umso mehr erfreute es mich nun zu
erfahren, dass du das Kodi-Erlebnis für eine Doktorarbeit gewählt hast.
Persönlich habe ich es nicht verstanden, warum du die individuellen
Biographien vernachlässigen konntest. Ich fürchte, du hast zu allgemein über die
globalen Probleme von Immigranten wie die ehemaligen Kodai-Kids bei ihrer
Rückkehr geschrieben. Ich vermisste die genauen Recherchen und scharfen Analysen
der Situation der Kodai-Kids, deiner Probanden und Versuchskaninchen, den
chilli
hot graham masala, bei ihrer Rückkehr in ihre Heimaten; denn du schautest doch
vielleicht nicht über den Suppentellerrand und bliebst beim Einheitsbrei des
faden ungewürzten Western dish.
Jedoch bin ich hoch erfreut darüber, dass Du vorschlugst, man
müsse, man hätte die heimkehrenden Kodi-Flüchtlinge begleiten sollen, und dass
du unter dem Titel How to cope with Culture Shock einige tägliche Regeln
beschriebst, wie man mit dem Kulturschock fertig werden könnte. Ich selber habe
nach meinem ersten Heimatbesuch in Indien 1977 eine Beratung angenommen wegen
seelischer Ausfälle im Studium und aber mein Indien noch ganz verschwiegen. Erst
dreißig Jahre nach Indien in den 90er Jahren erlebte ich die persönliche
biographische Aufarbeitung des bunt gewebten Flickenteppichs unseres
Nomadenlebens, des Lebensmosaiks meiner Indien Story, als einen sehr hilfreichen
Kick.
So will ich mit dir nicht schon im Vorfeld meiner Indien Geschichte
- meiner kleinen Doktor Arbeit – über die kolonisierte Psyche diskutieren, die
„wir alle" in Indien erlebt haben. Natürlich könnte ich einige gewagte
Hypothesen über unsere Kodi-Erlebnisse und sozialen Dispositionen in Indien
aufstellen, mit Begriffen von der inneren Deprivation und dem Liebesmangel
arbeiten und nach der unterlassenen Fürsorge durch die Eltern forschen. Ich
würde mit schärferem Tobak der geographischen und seelischen Trennung von den
Bezugspersonen um mich schmeißen, über das vermeintliche traumatische Bild der
kulturellen Apartheid der foreigner-kids berichten und zum Schluss ihr indisches
Ambiente beweinen und - verdammt noch mal - darüber fluchen, dass das alles im
Namen der Mission und der Religion geschah. Aber lass mich die mehr spaßigen
Erinnerungen von Indien erst einmal erzählen und zum Beispiel von meiner
deutschen Kodi-Familie berichten und von meiner kleinen verlorengegangenen
indischen Kindheit.
(e.s. 1985)
(e.s.)