Breklum: Es war Brandstiftung
Während anfangs noch angenommen wurde, es habe sich lediglich um zwei Brandherde gehandelt, wurde nunmehr deutlich, dass an vier Stellen gezündelt wurde: In den beiden Büros auf der Rückseite des Gebäudes, im Dachgeschosss und im Tresorraum der kleinen Bücherstube auf der Westseite. Kriminalhauptkommissar Uwe Meyer war mit seinem Team gestern den ganzen Tag vor Ort, sicherte Spuren und versuchte, die Brandursache festzustellen. „Es sind keine Brandbeschleuniger verwendet worden“, sagte er auf Nachfrage. Die Täten hätten offenbar Papier, vielleicht auch Gardinen oder anderes brennbares Material aufgeschichtet und damit gezündelt. „Die sind nicht mit dem Ziel da rein gegangen, die Hütte abzufackeln“, stellte Meyer fest. Die Ermittlungen dauern noch an.
„Der Schaden liegt in Millionenhöhe“, sagte Friedemann Magaard, Geschäftsführer des Christian-Jensen-Kollegs besorgt. Die theologische Bibliothek des Predigerseminars, die sich im Dachgeschoss befand, ist komplett vernichtet worden. Das Archiv ist durch Löschwasser beschädigt, Mitarbeiter sichteten gestern die wertvollen Bestände aus den Nachlässen früherer Missionare. „Ich hatte eine Bibel von 1582 in der Hand“, sagte Magaard kopfschüttelnd. Aber er ist zuversichtlich, dass mit dem modernen Verfahren des Schockgefrierens vieles zu retten sein wird. Aber das alles kostet viel Geld und viel Zeit.
Der Bischofsbevollmächtigte Gothart Magaard, hatte sich bereits am Sonntagmittag vor Ort ein Bild von dem Ausmaß der Zerstörungen gemacht. Er sagte: „Wir sind schockiert und traurig. Menschen kamen aber glücklicherweise nicht zu Schaden.“ Für Sonnabend (12.) kündigt er ab 14 Uhr einen Gottesdienst in der Breklumer Kirche an.
Für die Mitarbeiter des Nordelbischen Missionszentrums (NMZ) und des Evangelischen Regionalzentrums Westküste (ERW) begann gestern morgen die Neuorientierung. Elf Arbeitsplätze sind zerstört – gemeinsam besichtigte man ein zurzeit leer stehendes Gebäude in der Kirchenstraße 12. Dort werden dann provisorisch die Büros eingerichtet. „Wir sind aber voll arbeitsfähig“, betonte Friedemann Magaard. Das Gästehaus und die Küche seien nicht betroffen, der Betrieb der kirchlichen Bildungseinrichtung könne uneingeschränkt fortgesetzt werden. Inzwischen wurde ein Spendenkonto eingerichtet. „Wir brauchen jetzt jede Unterstützung“, so Magaard.
Spendenkonto des Christian-Jensen-Kollegs: 1398004 bei der EDG Kiel, BLZ 21060237, Verwendungszweck: Wiederaufbau
Info:
Das durch den Brand zerstörte ehemalige
Bauernhaus wurde im Jahr 1876 vom damaligen
Breklumer Hauptpastor Christian Jensen gekauft
und von diesem Zeitpunkt an als Missionshaus
genutzt. Mit den Jahren entstanden auf den
Gelände eine Druckerei als Zentrum
christlicher Publizistik, ein christliches
Gymnasium im Norden (Martineum), ein
Sanatorium (heute psychiatrische Fachklinik)
und eine Missionsgesellschaft für Schleswig
Holstein, die „Breklumer Mission“. Ab 1881
wurden von Breklum aus Missionare nach Indien,
später auch in Länder wie China, Tansania,
Papua-Neuguinea sowie Mittelamerika entsandt.
Die Missionsarbeit der Breklumer Missionare
war von Anfang an mit einem hohen Maß an
sozialer Verantwortung verbunden. So waren die
Missionare wegweisend an der Errichtung von
Schulen, Kranken- und Waisenhäusern in den von
ihnen besuchten Ländern beteiligt.
Breklum war zudem ein wichtiger Ort des
Widerstands der Bekennenden Kirche in der Zeit
des Nationalsozialismus. So blieb es auch nach
dem 2. Weltkrieg ein Zentrum kirchlicher
Bildungsarbeit und Ausbildung
(Predigerseminar, Katechetisches Seminar)."


