Kellinghusen Erinnerungen
(in Arbeit)
Geschichte der Stadt Kellinghusen
Die erste urkundliche Erwähnung datiert zwar erst aus dem Jahre 1148, mit Sicherheit anzunehmen jedoch ist, daß im heutigen Ortskern zwischen 768 und 810 ein befestigtes Haus (Burg ) einer Garnison Karls des Großen gestanden hat. Um dieses Haus siedelten sich naturgemäß die ersten Bürger an, da die Burg ihnen Sicherheit gewährte.
Um 1148 wird auf einer Urkunde anläßlich des Zusammentreffens zwischen Vincelin, damals Propst im Neumünster'schen Stift, und Heinrich dem Löwen ein Thoto de Kerleggehusen erwähnt, der seinerzeit Festungsherr gewesen war. Sein Name ist zugleich auch der erste bekannte Stadtname, der sich schon wenig später in Kellenghusen bis in das heutige Kellinghusen entwickelte. Eine noch nicht ganz bewiesene These beschreibt den Ursprung des Namens etwas anders. Danach war der erste Name des Ortes Karlinghusen, was auf die Karolinger (die Soldaten Karls des Großen) hinwies.
Sicher ist jedoch, daß die Stadt 1000 Jahre bevor sie ihr Stadtrecht erhielt, bereits als befestigter Ort existierte. Auch eine kleine Kirche wird es schon gegeben haben, die aber bei den Feldzügen der Wenden aus Ostholstein vernichtet wurde. Die jetzige Kirche, die dem heiligen Cyriacus geweiht ist, datiert aus dem Jahre 1154 und wurde von den Mönchen des Klosters Neumünster erbaut. Die gewaltigen Findlinge, aus denen die Kirche gebaut wurde, sind noch heute im Mauerwerk vorhanden. Etwas später entstand ein mächtiger Turm an der Westseite, der eine Höhe von fast 90 m erreichte. Er diente wohl nicht nur dem Glockengeläut, sondern auch als Beobachtungsturm. Denn von diesem Turm aus konnte man Barmstedt, Hörnerkirchen und das Schloß Breitenburg sehen. Bei ganz klarem Wetter, so schreibt der Chronist, konnte man sogar die Kirchturmspitzen der Hamburger Kirchen sehen, die immerhin gute 60 km Luftlinie entfernt waren.
Der Turm wurde 1686 bei einem Brand vernichtet und seine Steine bei der Erweiterung der Kirche verwendet. Aus dieser Zeit stammt die Konstruktion des Dachreiters auf dem Kirchendach. Aber auch dieser kleine Turm ist schon der zweite, denn 1929 brannte die Kirche wiederum ab und der Dachreiter wurde nach den alten Plänen wieder aufgesetzt. Bei diesem Brand ging zudem das kostbare Inventar, so ein Altar aus dem 16. Jhd., gestiftet von einem Grafen Rantzau, und anderes Kirchengerät in Flammen auf.
Ein befestigtes Haus und die St. Cyriacuskirche waren somit der Anstoß und Mittelpunkt der Besiedlung der Stadt.
Zwei Dörfer sind aber sehr viel älter, obwohl ihre Namen auf spätere Zeiten hindeuten. Es sind die heutigen Stadtteile "Vorbrügge" und "Overndorf". Diese beiden Dörfer grenzten fast aneinander, so daß die Kellinghusener keine Chance hatten, sich landwirtschaftlich auszubreiten. Sie taten somit das, was nicht nur die Situation, sondern auch auch der günstigen Lage des Ortes entsprach: sie handelten und trieben Gewerbe.
Die Natur hat es den Kellinghusenern leicht gemacht. Die Lieth durchschneidet eine tiefe Senke, in der sich heute die Lindenstraße befindet. Durch diese Senke konnten die Waren, insbesondere Holz, bequem bis an die Stör gebracht und von hier aus nach Itzehoe, Glückstadt, Hamburg und Amsterdam verschifft werden. So hat Kellinghusen, wie die Kreisstadt Itzehoe, die Funktion einer Wiek, eines Handelsplatzes, gehabt. Das Kellinghusen aufgrund dieser günstigen Bedingungen nicht größer und bedeutender geworden ist, hat einen einfachen Grund. Im 14. Jhd. erhielt die Stadt Itzehoe, die im 13. Jhd. lübsches Recht erhielt, auch das Stapelrecht.
Dies hatte zur Folge, daß die Stör bei Itzehoe nur von Schiffen Itzehoer Bürger passiert werden durfte. Die Schiffer der Stadt holten das Holz und die anderen Waren von Grönhude (südwestlich an der Stadt bei Kellinghusen) ab und brachten es mit ihren Störewern nach Hamburg und noch viel weiter. Die Kellinghusener Kaufleute waren somit gezwungen, ihre Waren zu dem "Preis der Itzehoer" zu verkaufen.
Trotzdem hat sich in Kellinghusen ein blühendes Gewerbetreiben entwickelt. Im Jahre 1724 wurde bereits die Färberei Junge gegründet, die ihren Betrieb jedoch in den 1970er Jahren einstellte. Durch die reichen Eichenbestände entwickelte sich nicht nur der Holzhandel gut, sondern auch die Lederfabriken und Gerbereien. Eine Zeit lang hatte Kellinghusen auch das Monopol in Holstein für Essig (den sogenannten "Bieressig"), bis das Rezept verraten wurde. Auch Brauerein hat es in der Stadt gegeben. Die Brauerstraße erinnert daran und noch heute wächst an den Knicks der Brauerstraße Hopfen. Berühmt wurde Kellinghusen durch seine Fayencen, die erstmals 1765 urkundlich erwähnt wurden. Die Töpfereien hatten viele Privilegien, denn der dänische König schätzte die Schmuck- und Gebrauchsgegenstände aus den Kellinghusener "Fayencen-Fabriquen" sehr. Begünstigt durch die Kontinentalsperre während der napoleonischen Zeit blühte der Handel. Erst nach dem Krieg kamen wieder englische Steingutschen, die in großen Manufakturen hergestellt wurden und daher billiger waren, auf den Markt und die Fayencen-Industrie kam zum Erliegen. Von den vielen Werkstätten in Schleswig-Holstein hat aber Kellinghusen bis 1860 Fayencen hergestellt, 60 Jahre länger als die anderen, was für die Qualität spricht. Heute gibt es wieder eine Kellinghusener Fayence-Werkstatt, die diese alte Tradition weiterführt.
Doch noch einen Blick zurück. 1529 wurde die erste Schule in Kellinghusen eingerichtet, deren Leiter der Pastor Heinrich Fischer war. Der Ort wechselte auch mehrmals seine Obrigkeit. 1665 verpfändete der dänische König den Flecken Kellinghusen für 27.850 Reichstaler an den Grafen Detlef zu Rantzau. 1691 war der Monarch wieder "flüssig" und erwarb Kellinghusen zurück.
Ein bedeutender Augenblick, wohl der wichtigste neben der Stadtrechtsverleihung, war die Erteilung des "Fleckenprivilegiums" am 8. Februar 1740 durch den dänischen König Christian IV. Kellinghusen erhielt hierdurch die Marktgerechtigkeit, hatte also schon kleinstädtischen Charakter. Geführt wurde der Flecken von einem "Fleckenkollegium" mit zwei Vorstehern. Dennoch war der Ort keine Einheit, sondern wie in dieser Zeit sehr oft auch andere Orte, in drei "Jurisdiktionen" eingeteilt. Dies endete erst mit der Einverleibung Schleswig-Holsteins in das Königreich Preußen im Jahre 1867. Eingeteilt war Kellinghusen bis dahin in die dänisch-königliche, die klösterliche (Itzehoe) und die gräflich-breitenburgische Jurisdiktion. Die Folge war, daß in allen drei Teilen des Fleckens andere Gesetze und Bestimmungen sowie Steuern galten. So wurde im klösterlichen und königlichen Bezirk nach dem "Sachsenrecht" und im gräflichen Bezirk nach dem "Land- oder Marschrecht" verhandelt und Recht gesprochen. Bei Strafverfolgung brauchte ein Täter nur von einem Bezirk zum anderen überwechseln, dann konnte er unter Umständen damit rechnen, straffrei auszugehen oder eine geringere Strafe zu erhalten. Durch die Aktivitäten des könglichen Kirchspielvogtes wurde wenigstens die Polizei gemeinsam betrieben, aber auch nur soweit es sich um Bettler von außerhalb oder um "groben Unfug" handelte.
Seit 1740 gibt es auch eine "königlich-privilegierte Apotheke" in Kellinghusen, vorher hat es allerdings auch schon Apotheken gegeben. 1774 hielt die öffentliche Post in dem Flecken Einzug. Zu dieser Zeit gab es schon zwei Ärzte in Kellinghusen, deren Anzahl später noch auf vier anstieg.
Interessant sind auch die Zahlen einer Volkszählung von 1835. Es wurden gezählt: 141 Wohnhäuser und 1.336 Einwohner. Davon entfielen auf den königlichen Anteil: 95 Häuser und 888 Bürger, den klösterlichen 36 Häuser und 360 Personen und den gräflichen 10 Wohnhäuser und 88 Einwohner.
Auch um die Bildung war man bemüht und 1848 wurde ein neues Schulhaus errichtet, in dem später das Rathaus untergebracht war. 1846 wurde auch endlich die "Stapelgerechtigkeit" der Itzehoer aufgehoben, so daß die Kellinghusener Kaufleute jeztz endlich selber ihre Waren nach Hamburg oder Glückstadt verschiffen und dort verkaufen konnten.
So entstand auch 21 Jahre später ein Hafen mit Lösch- und Ladeplatz, der noch heute vorhanden ist. Nach der preußischen "Invasion" ging es Schlag auf Schlag: 1867 - Gründung einer privaten höheren Schule, im gleichen Jahr erhielt der Flecken ein Amtsgericht, da laut preußischer Verfassung Justiz und Verwaltung voneinander zu trennen waren. Durch die neuen Privilegien des Fleckens wird auch erlaubt, daß ein hauptamtlicher Fleckenvorsteher gewählt wird. Es ist Heinrich Jargstorff, der seit 1864 Mitglied des Fleckenkollegiums war.
Am 18. August 1877 zieht die preußische Provinzialregierung die Konsequenz aus dem ständig sich erweiternden Leben in Kellinghusen und erhebt den Flecken zur Stadt. Bügermeister bleibt der ehemalige Fleckenvorsteher Heinrich Jargstorff bis 1896.
1878 erhält die junge Stadt auch eine eigene Zeitung den "Stör-Boten". Bisher hatte man sich über die "Itzehoer Nachrichten" informieren müssen. In diese Zeit fällt auch das Schaffen des Kirchspielvogtes Detlev Freiherr von Liliencron, dem wir eine reiche Sammlung von heimatverbundener Lyrik und Prosa verdanken. Nachdem die Kellinghusener Fuhrleute es 1844 abgelehnt hatten, daß der Ort an die Eisenbahnstrecke Altona-Kiel angeschlossen wird, erhielten die Bürger 1889 doch noch ihren Bahnanschluß, denn nun gab es eine Querverbindung von Wrist über Kellinghusen nach Itzehoe. Diese Verbindung wurde nach Schließung und Abriß des Bahnhofs im Jahre 1975 eingestellt, doch noch heute sind teilweise die Gleisabschnitte vorhanden.
Die Einwohnerzahl und die Größe der Stadt erweiterten sich bedeutend, als am 1. April 1900 die Dörfer Overndorf, Grönhude, Vorbrügge und Mühlenbek-Feldhusen eingemeindet wurden. Die Stadt zählte danach 4.500 Einwohner. Fünf Jahre später wurde die Freibadeanstalt in Privatinitiative gegründet, und 1908 konnte endlich das "neue" Rathaus, in dem auch heute noch die Verwaltung untergebracht ist, eingeweiht werden. 1921 gründete sich die "Baugenossenschaft Eigenheim".
1931 wurde die Wassergenossenschaft gegründet. Drei Jahre später übernahm die "Schleswag" die Elektrizitätskonzession von der Firma Rehmke.
Bereits Ende des 19. Jhd. hatte es in Kellinghusen ein Krankenhaus gegeben, das auf eine Stiftung zurückzuführen war. Durch die hohe Konzentration von Krankenhäusern in der Region wurde dieses jedoch nach dem Willen der Gesetzgeber 1977 abgerissen.
In der Zeit des Nationalsozilismus geschahen auch in Kellinghusen Dinge, die eigentlich nie hätten passieren dürfen. Es gab immer wieder Spannungen zwischen den Parteien, die schließlich sogar in einen Mord gipfelten. Auch wurden Kellinghusener verhaftet und ins KZ gesperrt. Eine ausführliche Webseite hierzu enstand in einem Kellinghusener Schulprojekt.
Nach 1945 wurde Emil Steuben (SPD) zum ersten ehrenamtlichen Bürgermeister der Nachkriegszeit durch die Besatzungsmacht eingesetzt. Die Einwohnerzahl hatte sich mittlerweile durch die Aufnahme von vielen Heimatvertriebenen verdoppelt. Am 15. September 1946 wurde wieder eine Kommunalwahl durchgeführt, die folgendes Ergebnis hatte: SPD 9 Sitze, FDP 8 Sitze und KPD 1 Sitz.
1947 schloß sich die Stadt dem "Fünf-Städte-Verein" an, der auf der Insel Sylt das Offiziersheim auf einem ehemaligen Fliegerhorst aufgekauft hatte. Somit können bis heute auch Kellinghusener Kinder das Hörnumer "Fünf-Städte-Heim" besuchen und dort ihre Ferien oder Schulausflüge verbringen.
1950 gab es zum ersten Mal wieder einen hauptamtlichen Bürgermeister (Gerhard Muhs). In den Jahren folgte der Anschlußzwang an die Müllabfuhr, die Gründung des Jugendaufbauwerks für Mädchen, der Anschluß an die städtische Kanalisation und der Bau des Klärwerks.
1956 entscheidet das Bundesverteidigungsministerium, daß Kellinghusen Garnisionsstadt werden soll. 1962 wurde daher mit dem Bau der Liliencron-Kaserne begonnen und am 26. Oktober 1964 wurde der erste Bauabschnitt an den damaligen Kommandeur übergeben.
Die sich bisher durch Ort zwängende B 206 wurde im Juli 1978 durch eine Ortsumgehungsstraße verlegt. Ein Großteil des Durchgangsverkehrs war somit aus der Stadt herausgenommen worden.
Da jetzt "Ruhe" in der Innenstadt herrschte und durch Aufgabe verschiedener größerer Gewerbetriebe Bauflächen frei wurden, konnte im Frühjahr 1983 der erste Teilabschnitt der Fußgängerzone fertiggestellt werden. Im August des selben Jahres wurde der erste Bauabschnitt des neuen Marktplatzes eingeweiht.
Im Dezember 1985 wurde das Bürgerhaus eröffnet, in dem sich heute das Museum, die Stadtbücherei und ein Veranstaltungssaal befinden.
1984 wurde das unter Denkmalschutz stehende Rathaus historisch getreu saniert. Die Sanierung fand am 12. Juni 1987 ihren Höhepunkt, als ein Kran den neuen Rathausturm auf den Turmstumpf setzte (der alte Turm mußte leider aufgrund massiver Holzschäden 1951 entfernt werden).
Hier endet dann nun die Geschichte der Stadt Kellinghusen vorerst. Natürlich wird diese weiterhin fortgeführt, wenn es Ereignisse gibt, die Kellinghusen in irgendeiner Weise prägen.
Quellen:
"SK-Städte- und Touristikführer" 1988, Herausgeber: Bürgermeister der Stadt Kellinghusen
"Kellinghusen-100 Jahre Stadtrechte" 1977, Herausgeber: Magistrat der Stadt Kellinghusen
"Kellinghusen im Bild" 1985, Herausgeber: Museum Kellinghusen
Cache von vor vielen Jahren aus http://matrix.crosswinds.net/~jesterday/history.htm (nicht mehr nachvollziehbar, nur noch pop-up Reklame 2009; auch durch Text nicht mehr über Google suchbar)
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1957. Klaus (H) u. E.H.A. Kellinghusen. Klein-Tirol mit Todesbahn. In der "Lieth", an der Grenze zwischen Geest und Marsch. Der Ausdruck "Lieth/lit/lid" von ganz Skandinavien (Erik d. Roten "Brattalid" auf Grönland = Steiler Abhang) bis in die Schweiz ("Rütli" = gerodeter Abhang) gebräuchlich - falls Heimatforscher immer noch nicht sicher sind woher der Name kommt..... |
(e.a.)