Odiya


Odiya Lesson Nr. 1 (e.s.)

Pani - Vom Wasser

Tante Anna hat sich bestimmt genauestens mit der Trinkwasserversorgung in unserem Bangalo als auch auf ihren Reisen in Indien beschäftigt. Wir hatten "in Indien" viele Wörter für Wasser wie die Kielersegler, obwohl das Meer und die Segelei weiter weg waren. Anna hat das "Kusa-Pani" aus dem Tonkrug im Eßzimmer in Laxmipur genossen, abgekochtes heruntergekühltes leicht tonerdig lecker schmeckendes tägliches Trinkwasser. "Garam Pani" heiß Wasser kochte auf der alten Brennhexe in der Kusni und wurde in zwei Baltis, in zwei schweren Zinkeimern vom Pani-Wala, dem Wassermann, mit der Kaudi in die washrooms abends geliefert für das Bad der Sahebs. Die Schulkinder unten im Dorf Laxmipur zeigten dem Lehrer den kleinen Finger an, wenn sie "Numbar Eck" für Nummer Eins, dem kleinen Geschäft aus dem dunklen Klassenzimmer zum Pinkeln stürmten. Unser Pani-Wala, Kantu, dann Bipin, Sundru und wie sie alle hießen auch bei Siem Tiessen und Hinrich damals, mußte vom Kuhong Pani holen und in der Kaudi zur Küche schleppen, vom offenen Brunnen dreihundert Meter unterhalb des Missionbangalos an der ausgewaschenen Zufahrt unterm alten Maulbeerbusch neben dem nie benutzten Ölwechsel-und-Wasch-Podest für den Unimog oberhalb des alten Frieling-Grabes. Anmutig bis zum Haus hinauf quietschend drehte sich die Eisenrolle auf dem Querbalken über dem 4 m breiten Brunnen, wenn das Ziehrad denn mal funktionierte. Ansonsten mußten die Frauen und der Wasserman mit einem Strick den kleineren 5-Liter-Brunnen-Eimer, den Ku-ong-Balti, schepperndhinunter werfen. Klatsch! - tauchte er ins gelbgrüne Brunnenwasser in 10 Meter Tiefe. Wenn er da unten, wo sich der indische Himmel kreisrund umrundet von den glotzenden Gesichtern spiegelt, nach dem gurgelnden langsamen Eintauchen sich unter Wasser wieder drehte und füllte, mit der Hand wieder - wie die Kielersegler am Vorschot - herauf pullen, "dschiekebar", ziehen. Der Kuhong hatte in unserer Zeit eine richtige vollständige kreisrunde Mauer, aber diese Jahre hörte ich das "der Monsun den Brunnen zerstört hat" und die Laxmipurer am offenen Brunnenloch waschen und Wasserholen.
    Tante Anna hatte auch alle Vorschriftsmaßnahmen beachtet und nur frischen heißen Tea oder Koppi auf ihren Touren verlangt und niemals das noch von der nassen Handwäsche triefende glass of drinking water mit allen schrecklichen Krankheiten des Orients aus dem nächsten Nala Graben oder Noddi Fluß oder Brunnen verschmäht. In the Land of Darkness, dem Indien der armen Dörfer, gab es aber immer zu den Mahlzeiten eine Spezialtität, billig und kostbar, das Turani, das Abgieß-Reiswasser, ein salziges blaumilchiges dickes süffiges Getränk der armen Leute.
    Unsere Ayahs, die Köchin, Kindermädchen und Dienerinnen, mußten am Wäschetag zum 800 Meter unterhalb des großen Felsens von Laxmipur am Laxmipurer Fluß, dem Noddi, unsere Wäsche waschen. Hier war ein Abschnitt für die Frauen des ganzen Landstriches Laxmipur reserviert und die Männer mussten um die Ecke sich an einem wilderen Teil des kleinen Baches waschen. Drei Frauen gingen mit je einem großen Bündel Wäsche auf dem Kopf und mit ihren Kindern den ganzen Vormittag an den Fluss. Neben dem Bach wurde auf der großen Felsenfläche irgendwo zwischen drei Steinen ein Feuer mit Holz aus dem nahen Wald entfacht und Luga Deuba Garam Pani, in einem großen Alu-Balti für Wäsche-Waschen-Heißwasser erwärmt. Die Sahibanis, "unsere Frauen", unsere Tante Anna, meine Mutter und meine Schwester, durften wohl bei den Wäschefrauen zugucken, während wir Sahib-Pillas, mein Bruder und ich, verscheucht und an die Loko Noddi, an die Männerstelle, gewiesen wurden. Denn die Inderinnen zogen sich - in mother nature - freizügig bis auf den Lendenschurz aus, um auch ihre Leibwäsche, ihre Blusen und Saris, selber bei der Gelegenheit zu waschen.
    Tante Anna war nach ihrem Indien Besuch fast mit allen Wassern gewaschen. In Kodi hatte sie sogar den Nebel in den Cloud Forests, das Tamilwort Tani statt Pani und Rassam für Curry-Trunk und die Dhobi-Donkeys, die große Wäschebunde tragenden kleinen grauen Eseln der indischen Wäscher erlebt, in Puri den Strand am bengalischen Meer, in Nordindien den Schnee in Kashmir und in Benares das schmutzige Wasser der heiligen Ganga. Aber Thaddi Palmenschnaps als auch den Borddo Borsha, das Große Wasser des Monsunregens hat sie verpasst, als sie die schönste Reisezeit vom Ernte-Monat Oktober, Katta-Masso, während der Sitto-masso, der kalten Jahreszeit über Weihnachten in den Pullover-Hills von Orissa verbrachte. Und im indischen Frühling, wenn der Flame of Forest herzrot aus dem braunkahlen Dschöngel leuchtet, ist sie kurz vor der erbärmlichen Heißen Zeit im Märzen wieder nach Deutschland nach Haus geflogen.

(e.s.)



Kadi - Indisches Essen

(in Arbeit)


 Deschia Ghan – vom indischen Dorf.

(in Arbeit)


(e.s.)


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