Schleswig-Holstein "und die Norweger"
(in Arbeit)
"Olav Breidlid
Die norwegischen Streitkräfte von 1947 bis 1953 in Deutschland
Olav Breidlid (Jahrgang 1927), Generalmajor, hat eine lange und
abwechslungsreiche Armeekarriere durchgelaufen. Breidlid hat 1948 in der
Deutschlandbrigade, später als Inspekteur der Infanterie, Chef des
Distriktskommandos Ost und Generalinspekteur der Armee gedient. Breidlid ist
Mitautor von Büchern über die Armee nach dem Zeiten Weltkrieg, 1945-1990, und
die norwegischen Einheiten in Deutschland, 1947-1953, gewesen. Auftrag und
Stationierung. Während der Verhandlungen im Juni 1946 in London wegen der
norwegischen Teilnahme an der Besetzung des besiegten Deutschlands nach dem
Zweiten Weltkrieg wurde Einigkeit darüber erzielt, daß es einen selbständigen
norwegischen Verband zunächst für die zwei Jahre bis zum 1. März 1949 in der
britischen Besatzungszone geben sollte. In allen mit der Besetzung
zusammenhängenden Fragen sollten die Norweger der BAOR, The British Army of the
Rhine, unterstellt werden mit der 5. Yorkshire Division als nächsthöherer
Kommandobehörde. Später wurde man dem britischen Regionalkommando in Hannover
und danach in Hamburg zugeordnet. Die Briten akzeptierten den norwegischen
Wunsch, in erster Linie Ausbildung zu betreiben, so daß der Verband von
Bewachungsaufgaben im größeren Zusammenhang verschont wurde. In allen anderen
Angelegenheiten, wie Ausbildung, Übungen, Gerichtsbarkeit, Verwaltung usw.
sollte der Verband unter norwegischem Kommando stehen. Obwohl der norwegische
Beitrag wesentlich geringer ausfiel, als dies von britischer Seite gewünscht
worden war, erreichte man aus norwegischer Sicht ein sehr vorteilhaftes
Abkommen. Das gesamte militärische Material und die Ausrüstung stellten die
Briten leihweise zur Verfügung. Dafür sollten 1,92 Norwegische Kronen pro Mann
und Tag in Norwegen und 10 Norwegische Kronen in Deutschland gezahlt werden.
Instandsetzung und jeglicher Verbrauch von Munition, Treibstoff und sonstigem
Proviant warenBestandteil dieses Ausleihverfahrens.Der norwegische Verband wurde
zunächst in größeren Orten rund um den Harz stationiert, dessen Terrain dem
norwegischen ähnelt, und wo eine bestimmte Form der Winterausbildung
durchgeführt werden konnte. Als Folge der britischen Truppenverringerung wurde
der norwegische Verantwortungsbereich im Dezember 1947 bis an die sowjetische
Zonengrenze ausgedehnt. Die Norweger übernahmen jedoch keine Verantwortung für
Bewachungs- und Sicherungsaufgaben. Die Übersicht zeigt die Stationierung und
den Verantwortungsbereichsowohl zu Beginn als auch nach der Ausdehnung; die
norwegische Garnisonsorte sind unterstrichen. (Skizze 1) Während der
angespannten internationalen Situation, die nach der kommunistischen
Machtübernahme in der Tschechoslowakei im Februar 1948, und später mit dem
Beginn der Berlin-Blockade am 24. Juni 1948 entstand, mußten die Norweger
dennoch weitgehend den Engländern bei Bewachungs- und Sicherungsaufgaben entlang
der Zonengrenze Unterstützung leisten. Im Falle eines sowjetischen Angriffs
hätte die norwegische Brigade an exponierter Stelle im Harz gestanden. Die
Verantwortlichen in Norwegen befürchteten, daß sie in einem bewaffneten Konflikt
zwischen den Großmächten hineingezogen werden könnte, ein Tatbestand, der nicht
zum Besatzungsübereinkommen zählte und auch von norwegischer Seite aus nicht
wünschenswert war. Entsprechend geheimen norwegischen Befehlen sollte das
Kontingent deswegen im Falle einer Krise so schnell wie möglich über belgische
oder niederländische Häfen nach Hause evakuiert werden.Während der Verhandlungen
im Juli 1948 in London über eine eventuelle Verlängerung des
Stationierungsvertrages machte die norwegische Delegation deutlich, daß alle
Einheiten der Brigade in einem sichereren Gebiet stationiert werden müßten –
hauptsächlich in Schleswig-Holstein. Nach einem harten Ringen gingen die Briten
widerwillig auf die norwegischen Forderungen ein. Im Herbst 1948 wurde der
Verband zu beiden Seiten des Nord-Ostsee-Kanals disloziert. Dieser Kanal wird
von uns Norwegern gerne auch als "Kieler-Kanal" bezeichnet. Die Verteilung der
norwegischen Garnisonsstädte ist unterstrichen, wie aus Skizze 2 hervorgeht. Im
Ergebnis des überarbeiteten Abkommens, das weitere zwei Jahre bis zum 1. März
1951 gelten sollte, konnte Norwegen selbständig, ohne britische Übereinstimmung,
das Deutschlandkontingent nach Hause zurückziehen, falls die Gefahr eines
bewaffneten Konfliktes in Deutschland entstehen sollte oder falls Norwegen
selber einem Angriff oder der Bedrohung eines Angriffes ausgesetzt sein sollte.
Die Befehle gingen deshalb weiterhin von einer Evakuierung ohne Kampf aus, wenn
es die Situation erfordert hätte. Auf militärischer Seite war man jedoch im
Zweifel, ob dies in der Praxis bei einem überraschenden sowjetischen Angriff
möglich sein könnte. Es wurde vorgeschlagenzu kämpfen, falls es zu einem
sowjetischen Angriff käme. Dies fand vorläufig keine Zustimmung bei den
politisch Verantwortlichen in Norwegen. Nach Aufstellung der NATO – aber ehe
Kommandobehörden und stehende Kräfte zur Verfügung standen – wünschte der
norwegische Verteidigungsminister Jens Christian Hauge eine engere militärische
Zusammenarbeit zwischen den britischen, dänischen und norwegischen Kräften in
Schleswig-Holstein. Während des Frühjahres 1950 setzte er sich nachdrücklich
dafür ein, daß sowohl Dänemark als auch Großbritannien ihre Beiträge dort
erweitern sollten. Norwegen hatte nämlich – ein wenig paradox – mit 4.400 Mann
das größte Truppenkontingent in diesem Gebiet. Der dänische Beitrag – das
dänische Kommando – war 1.300 Mann stark, während die Briten lediglich über ein
nicht vollständiges Panzeraufklärungsregiment mit ca. 800 Mann in
Schleswig-Holstein verfügten. Keine dieser Nationen war jedoch damit
einverstanden, ihre Kräfte zu verstärken. Die norwegische Regierung erwog
deshalb, das gesamte Kontingent nach Auslauf des Übereinkommens im Frühjahr 1951
zurückzuziehen oder zumindest auf 3.000 Mann zu reduzieren. Der Ausbruch des
Korea-Krieges am 25. Juni 1950 änderte jedoch das Bild vollständig. Die
Reduzierung wurde verworfen. Gleichzeitig kam man zu der Überlegung, daß es
Norwegen vielleicht am besten diente, sich so weit wie möglich im Süden zu
verteidigen, um damit Zeit für Vorbereitungen in Südnorwegen zu gewinnen. Auf
einer Sitzung des norwegischen Verteidigungsrates am 6. Juli 1950, unter Vorsitz
des Ministerpräsidenten Einar Gerhardsen, wurde beschlossen, eine radikale
Änderung des Auftrages der Kräfte in Deutschland zu empfehlen. In
Übereinstimmung mit den militärischen Empfehlungen sollte das Kontingent nunmehr
nicht automatisch im Falle eines bewaffneten Konfliktes nach Hause zurückgezogen
werden, sondern sich auf den Kampf vorbereiten. Allerdings sollte diesnur dann
geschehen, wenn die Genehmigung aus Norwegen erteilt worden war; die Würfel
waren jedoch gefallen.Die britisch-norwegischen Kräfte in Schleswig-Holstein –
zusammen ca. 6.500 Mann – sollten danach, im Falle eines sowjetischen
Angriffs,unter Führung eines norwegischen Befehlshabers dieser Region verzögernd
am Nord-Ostsee-Kanal und nordwärts bis zur dänischen Grenze kämpfen – möglichst
drei Tage lang – damit Dänemark Zeit zur Mobilisierung erhielt, "jedoch ohne,
daß die Kräfte vernichtet wurden", wie es hieß. Der nächste Vorgesetzte sollte
der dänische Befehlshaber in Süd-Jütland sein, der Befehlshaber für das
westliche Landkommando in Aarhus. Ende September 1950 stimmten die
Verteidigungsminister der drei Länder überein, diese alliierten
Verteidigungs-kräfte aufzustellen, die folgende englische Bezeichnung erhielten:
The South Jutland Land Covering Force. Der Vertrag wurde erst im März des
folgenden Jahres vom Storting genehmigt. Nach Aufstellung des
NATO-Hauptquartiers in Paris im Frühjahr 1951 wurde der Verband General
Eisenhower unterstellt. Erst im Dezember desselben Jahres konnte dann das
Nordkommando in Oslo die operative Verantwortung für Schleswig-Holstein
übernehmen.Die StrukturBereits während des Krieges war die norwegische
Beteiligung an der Besetzung Deutschlands zwischen den britischen
Verantwortlichenund der norwegischen London-Regierung erörtert worden. Für
diesen Fall wünschten die Briten eine kleine Division von 12.000 Mann.Das war
jedoch weit mehr, als Norwegen beitragen konnte. Ein solcher Verband würde mehr
fordern, als die jährliche Einberufungsquote von Wehrpflichtigen beim Heer, so
daß man sich in einem solchen Fall auf Zeitsoldaten abstützen oder eine
Wehrpflicht von mehrals 12 Monaten einführen mußte. Keine dieser Alternativen
war zu diesem Zeitpunkt in Norwegen politisch akzeptabel (tatsächlich wurde die
Wehrpflicht für Rekruten, mit Ausnahme des ersten Jahrgangs, der 12 Monate
diente, auf 9 Monate festgelegt, bis infolge des Korea-Krieges wiederum ein
zwölfmonatiger Wehrdienst eingeführt wurde).Ein anderer Grund, der die Erfüllung
der englischen Wünsche behinderte, war der Mangel an Führern und Unterführern.
Ursache dafür wardie Verringerung der norwegischen Streitkräfte während der
Zwischenkriegszeit. Die Heeresordnung von 1933 reduzierte zum Beispiel die
Anzahl der Berufsoffiziere im Heer auf 541 nach einem bereits bis dahin stark
reduzierten Rahmen. Durch die Einberufung in jedemzweiten Jahr wurden darüber
hinaus nur 50 Berufsoffiziere in dem 10-Jahres-Zeitraum von 1928 bis 1937
ausgebildet. Weder die Ausbildung in Großbritannien und Schweden während des
Krieges, noch in Norwegen in den ersten Nachkriegsjahren, konnte die Situation
verbessern. Es dauert bekanntlich 10-20 Jahre, um Kompaniechefs und
Bataillonskommandeure heranzubilden. Der norwegische Beitrag zur Besetzung
Deutschlands wurde im Dezember 1946 auf die Stärke einer Brigade festgelegt– die
Deutschlandbrigade – mit höchstens 4.200 Mann einschließlich Führer und
Unterführer. Selbst bei einem Kontingent von dieser bescheidenen Größenordnung
gab es Probleme bei Führern und Unterführern. Der Bedarf – eine Brigade in
Deutschland und eine zur Ausbildung zu Hause – betrug insgesamt 1.200 Offiziere,
Feldwebel und Unteroffiziere. Die Ausbildung der Soldaten mußte zu einem großen
Teil von jungen Führern und Unterführern mit wenig oder keiner Erfahrung
durchgeführt werden, und es war schwierig, Offiziere zu finden, die auf dem
neuesten Stand der technischen Entwicklung waren und die über taktische
Kenntnisse in der Kriegsführung verfügten, um die Kommandeurstellen bei den
Bataillonen und den Brigaden zu besetzen. Dieser Zustand dauerte während der
sechs Jahrein Deutschland überwiegend an. Die Erfahrungsberichte der einzelnen
Brigaden geben davon Zeugnis. Das norwegische Kontingent erhielt als ein
selbständiger Verband unter der britischen Rheinarmee die englische Bezeichnung
Independent Brigade Group, obwohl die zahlenmäßige Stärke der Brigade weniger
als 1000 Mann betrug und es im Vergleichzur üblichen britischen Gliederung einer
solchen Einheit an wichtigen Teilen fehlte. Dies spielte allerdings nur eine
geringe Rolle bei der Durchführung reiner Besatzungsaufgaben, selbst wenn es aus
Gründen der Ausbildung ein Vorteil gewesen wäre, vollständig präsent zu sein.
Nachdem der Verband jedoch einen operativen Auftrag erhalten hatte, veränderte
sich die Lage. Tatsächlich wurden mehrere Veränderungen in der Organisation
vorgenommen, aber die ganze Zeit innerhalb des festgelegten Rahmens von 4.200
Mann. Die unvollständige Gliederung sämtlicher 12 Brigade-Kontingente hätte die
kriegsmäßigen Operationen erschwert und somit die Kampf- und
Überlebensfähigkeiten verringert. Um das zu illustrieren, erlaube ich mir, Ihnen
zwei Gliederungsbilder zu zeigen: Skizze 3 zeigt die Zusammensetzungder ersten
Brigade im Jahre 1947, die Brigade 471. Zum Teil fehlten einige Einheiten ganz
(Panzerabwehrkompanie und Luftabwehrbatterie, leichtes Feldlazarett), und allen
Einheiten fehlte eine Unterabteilung im Verhältnis zu der britischen
Normalgliederung (3 Schützenkompanien anstelle von vier usw.). Skizze 4 zeigt
die beiden letzten Brigaden, Brigade 521 und Brigade 522.Nachdem ab der Brigade
511 amerikanisches Material und amerikanische Gliederung mit etwas größerer
Personalstärke eingeführt worden war, blieb nur Platz für zwei
Infanteriebataillone. Nachdem eine Panzerabwehrkompanie bei zwei Brigaden
eingeführt worden war, fehlen jetzt diese und eine Aufklärungskompanie, während
eine leichte Flugabwehrbatterie dazu gekommen ist. Das Artilleriebataillon ist
darüber hinaus vollzählig mit drei Batterien entgegen den früheren zwei. In
mehreren Unterabteilungen sind Angleichungen vorgenommen worden. Zusätzlich zu
den Brigadekontingenten, die alle sechs Monate ausgetauscht werden sollten,
bestand der norwegische Beitrag auch aus dauerhaften übergeordneten Elementen,
dem "Tysklandskommandoen" ("Das Deutschlandkommando"), bestehend aus 200
Personen, geführt von einem norwegischen Generalmajor. Er sollte das Bindeglied
zwischen der Brigade, den Verantwortlichen in Norwegen und den britischen
Militärverantwortlichen in Deutschland sein, und er war darüber hinaus auch der
Dienstälteste norwegische Offizier in Deutschland mit u.a. Verantwortung für die
Militärgerichtsbarkeit und für die Anlage der abschließenden Übungen der
Brigade. Es war der Befehlshaber des Deutschlandkommandos, der im Herbst 1950
den Auftrag erhielt, die Alliierten Verteidigungskräfte in Schleswig-Holstein zu
führen. In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu unterstreichen, daß er über
keinen operativen Kommandoapparat, weder Stabspersonal noch
Fernmeldeverbindungen verfügte. Das Deutschlandkommando war eine administrative
Einrichtung,lediglich berechnet für Aktivitäten im Frieden und mit der Mehrheit
des Personals verteilt auf die Einheiten der Brigade.Von daher war der operative
Auftrag sowohl umfangreich als auch schwierig, aber gleichzeitig war es eine
schwerwiegende Aufgabe für den kleinen Verteidigungsverband – in der Hauptsache
abgesessene Infanterie, ohne Panzer, zu Beginn auch ohne Flugabwehr– um sich
evtl. sowjetischen Panzerdivisionen entgegenzustellen, die von überlegener
Artillerie und einer großen Zahl von Flugzeugenunterstützt wurden. Die
Vorbereitungen für den neuen Auftrag waren zahlreich und wurden tatsächlich nie
zufriedenstellend abgeschlossen.Es dauerte sehr lange Zeit, ehe man das
allernotwendigste an Hilfsmitteln und Versorgung erhielt.BedeutungIm
internationalen Zusammenhang war die Bedeutung des norwegischen Engagements in
Deutschland natürlich nicht überwältigend,aber für das norwegische Heer war der
Aufenthalt während des Wiederaufbaus in den Nachkriegsjahren besonders wichtig.
Die hauptsächlichen Ausbildungsaktivitäten des Heeres ereigneten sich ja in der
Tat in diesen sechs Jahren in Deutschland.Auch zur Entlastung der Briten waren
ohne Zweifel sowohl der norwegische als auch die übrigen ausländischen
Truppenbeiträge von Bedeutung in der schwierigen wirtschaftlichen Situation, der
sich Großbritannien ausgesetzt sah. Der unmittelbare militärische Nutzen des
norwegischen Beitrages, falls es zu einem bewaffneten Konflikt gekommen wäre,
ist natürlichGegenstand von Diskussionen. Bei knapp vier- bis sechmonatiger
Rekrutenausbildung und Ablösung alle sechs Monate,gab es keine fertig
ausgebildeten und einsatzbereiten Einheiten, die nach Deutschland kamen, wie
dies für unsere UN-Einheitenund NATO-stehende Streitkräfte heute gilt. Die
Deutschlandkontingente waren weder gut ausgebildet noch besonders gut
vorbereitet auf die Aufgaben, die sie übernehmen sollten. Das mißfiel den
Briten, die der Auffassung waren, dies weiche von dem Besatzungsabkommen ab. Daß
es dennoch so gut ging, wie es sich herausstellte, ist darauf zurückzuführen,
daß die innere Situation in Deutschland ruhig war. Die Norweger hatten keine
ernsthaften Bewährungsproben zu bestehen, sie konnten weiterhin ungestört
Ausbildung betreiben. Erst ganz zum Schluß ihrer Zeit in Deutschland wurden die
einzelnen Kontingente zu einer abschließenden Gefechtsübung unter Führung des
Brigadekommandeurs zusammengefaßt und wurden so operative Brigaden. In den
ersten Jahren, als die Besatzungsaufgaben vorrangig waren, war dies soweit in
Ordnung, aber mit einem operativen Auftrag, der vom allerersten Tag an
Gültigkeit hatte, als das Kontingent in Deutschland eintraf, bedeutete der
geringe operative Status – gemeinsam mit der mangelhaften Organisation – eine
bedeutende Schwächung und ein Risiko, das uns hätte teuer zu stehen kommen
können. Ganz entscheidend für die Wirksamkeit war die Hilfe und Unterstützung,
die die Norweger von den britischen Militärbehörden erhielten. Britische
Ausbilder führten bei den norwegischen Einheiten Lehrgänge durch, und eine
bedeutende Anzahl norwegischer Führer, Unterführer und Mannschaften erhielten
nahezu kostenlos britische Ausbildung in Deutschland und Großbritannien. Die
Norweger wurden in moderner Kriegführung und in Ausbildungsgrundlagen
unterrichtet, und bei einem nahezu unbegrenzten Zugriff auf Munition und
Treibstoff konnte realistische Ausbildung betrieben werden. Die Verhältnisse in
den Garnisonen waren mit deutscher Unterstützung auf allen Gebieten nahezu
ideal. Man hatte Zugang zu großen und gut ausgebauten Schieß- und Übungsbahnen
mit einem festen Stammpersonal. Während des abschließenden "Tests", dem
Brigade-Manöver, in dem man seine Fertigkeiten gegen und zusammenmit den
britischen und dänischen Kameraden ausprobierte, konnte man den fachlichen
Standard testen, sowohl im Hinblick auf die soldatischen Fertigkeiten als auch
auf die Fähigkeiten, Einheiten im Gefecht zu führen. Kriegserfahrene britische
Beobachter und Schiedsrichter wiesen im Gefecht immer wieder auf entdeckte
Schwächen hin. Weitestgehend handelte es sich um gefechtsmäßige Organisation und
die Führung der Einheiten, während die norwegischen Soldaten in der Regel gute
Noten erhielten. Sie waren körperlich stark und von guter Laune, wie allgemein
geurteilt wurde. Einer der Befehlshaber des Deutschlandkommandos, Generalmajor
Arne D. Dahl meinte, daß fast das allerwichtigste während des Aufenthaltesin
Deutschland eben der Kontakt zu den Engländern gewesen war. Mit ihrer
Kriegserfahrung waren sie gegenüberden norwegischen Kontingenten außerordentlich
wohlwollend eingestellt. Der erste Befehlshaber des Deutschlandkommandos und
spätere Inspekteur des norwegischen Heeres während der gesamten Zeit in
Deutschland, Generalleutnant Wilhelm Hansteen, vertiefte dies einige Jahre
später in einer Rede: Aufgrund des britischen Entgegenkommens konnten wir
bereits ab dem ersten Kontingent Übungen im größeren Rahmen abhalten, als
Abschluß der Ausbildung einer jeden Brigade dort unten. Dies ist eine Erfahrung,
die wir mit uns nach Hause genommen haben, und aus der wir großen Nutzen ziehen.
Selbst wenn man viele Schwachstellen bei den norwegischen Einheiten feststellte,
so kann man dennoch den Schluß ziehen, daß der militärische Standard, den man in
Deutschland erreichte, abgesehen von der Winterausbildung, weit über dem Niveau
lag, das man zu dieser Zeit in Norwegen hätte erreichen können. Die 50.000
Soldaten, die in Deutschland gedient hatten, sollten für viele Jahre danach den
Kern des norwegischen Mobilisierungsheeres bilden, und für das Offizierskorps
des Heeres war der Aufenthalt in Deutschland besonders nützlich und lehrreich.
Die Lehren von dort waren eine große Hilfe während des Aufbaus unserer stehenden
Streitkräfte und für die Zusammenarbeit mit unseren Alliierten in der NATO. Für
die jungen Menschen, die in Deutschland mit dabei waren, wurde der Aufenthalt
das große Erlebnis, besonders für die ersten Kontingente, die bis dahin kaum
über die Landesgrenzen hinaus gekommen waren. Man erhielt viele stark prägende
Eindrücke von den erbärmlichen Verhältnissen in Deutschland während der ersten
Jahre, und man fand wenig Anlaß zu Gedanken an Rache und Vergeltung für das, was
während des Krieges geschehen war. Von daher waren sicherlich die Teilnehmer an
den Besatzungskräften weit realistischer und verständnisvoller als die
Verantwortlichen und die öffentliche Meinung zu Hause in Norwegen. Während des
gesamten Aufenthaltes wurden – selbst wenn es gewisse Lockerungen gab – strenge
Fraternisierungsbestimmungen aufrechterhalten, die man in der Praxis unmöglich
vollständig durchhalten konnte. Nach und nach wurden viele andauernde
Verbindungen zwischen Deutschen und Norwegern geknüpft. Die
Deutschlandkontingente waren die ersten friedensbewahrenden Kräfte, die Norwegen
außerhalb der Landesgrenzen zur Verfügung stellte, nachdem das Land 1905 seine
Selbständigkeit wiedergewonnen hatte. In diesem Zusammenhang ist es wert in
Erinnerung zu rufen, daß genau so viele Norweger im Laufe von sechs Jahren im
Deutschlandkontingent gedient haben, wie Norwegen später im Laufe von 40 Jahren
Soldaten für UN-Einsätze zur Verfügung gestellt hat."
(Quelle www um 2000; nicht mehr nachvollziehbar
2009)"
"TYSKLANDSBRIGADEN" Die norwegische Deutschlandbrigade im Harz und in Schleswig-Holstein 1947 – 1953. Olav Breidlid. " ".. in der Praxis war es auch unmöglich, die Verbindung zwischen den Norwegern und den Deutschen zu verhindern, besonders den Kontakt zu Vertretern des anderen .."
Tysklandsbrigaden 1947 - 1953. D. J. Fjærvoll. www.tysklandsbrigaden.no ".. nærmere 50.000 nordmenn deltok i Tysklandsbrigaden .."
Schleswig-Holstein – besetzt von drei Mächten. Neben den Briten schickten auch Dänen und Norweger Besatzungstruppen / 1945–1956 kein einziger Tag ohne Soldaten. Holger Piening. www.boyens-medien.de ".. Im Herbst 1948 wurden die Norweger nach Schleswig-Holstein überführt. Garnisonen entstanden in Itzehoe, Heide, Husum, Flensburg, Schleswig, Rendsburg, Neumünster, Holtenau und östlich von Kiel .."
Holger Piening. Westküste 1945. Nordfriesland und Dithmarschen am Ende des Zweiten Weltkrieges. 2008. ISBN: 3804208614
H. Piening. Als die Waffen schwiegen. Die
Internierung der Wehrmachtsoldaten zwischen Nord- und Ostsee 1945/46.
ISBN: 3804207618
(e.a.)