Schleswig-Holstein "und die Norweger"

(in Arbeit)

"Olav Breidlid
Die norwegischen Streitkräfte von 1947 bis 1953 in Deutschland
Olav Breidlid (Jahrgang 1927), Generalmajor, hat eine lange und abwechslungsreiche Armeekarriere durchgelaufen. Breidlid hat 1948 in der Deutschlandbrigade, später als Inspekteur der Infanterie, Chef des Distriktskommandos Ost und Generalinspekteur der Armee gedient. Breidlid ist Mitautor von Büchern über die Armee nach dem Zeiten Weltkrieg, 1945-1990, und die norwegischen Einheiten in Deutschland, 1947-1953, gewesen. Auftrag und Stationierung. Während der Verhandlungen im Juni 1946 in London wegen der norwegischen Teilnahme an der Besetzung des besiegten Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Einigkeit darüber erzielt, daß es einen selbständigen norwegischen Verband zunächst für die zwei Jahre bis zum 1. März 1949 in der britischen Besatzungszone geben sollte. In allen mit der Besetzung zusammenhängenden Fragen sollten die Norweger der BAOR, The British Army of the Rhine, unterstellt werden mit der 5. Yorkshire Division als nächsthöherer Kommandobehörde. Später wurde man dem britischen Regionalkommando in Hannover und danach in Hamburg zugeordnet. Die Briten akzeptierten den norwegischen Wunsch, in erster Linie Ausbildung zu betreiben, so daß der Verband von Bewachungsaufgaben im größeren Zusammenhang verschont wurde. In allen anderen Angelegenheiten, wie Ausbildung, Übungen, Gerichtsbarkeit, Verwaltung usw. sollte der Verband unter norwegischem Kommando stehen. Obwohl der norwegische Beitrag wesentlich geringer ausfiel, als dies von britischer Seite gewünscht worden war, erreichte man aus norwegischer Sicht ein sehr vorteilhaftes Abkommen. Das gesamte militärische Material und die Ausrüstung stellten die Briten leihweise zur Verfügung. Dafür sollten 1,92 Norwegische Kronen pro Mann und Tag in Norwegen und 10 Norwegische Kronen in Deutschland gezahlt werden. Instandsetzung und jeglicher Verbrauch von Munition, Treibstoff und sonstigem Proviant warenBestandteil dieses Ausleihverfahrens.Der norwegische Verband wurde zunächst in größeren Orten rund um den Harz stationiert, dessen Terrain dem norwegischen ähnelt, und wo eine bestimmte Form der Winterausbildung durchgeführt werden konnte. Als Folge der britischen Truppenverringerung wurde der norwegische Verantwortungsbereich im Dezember 1947 bis an die sowjetische Zonengrenze ausgedehnt. Die Norweger übernahmen jedoch keine Verantwortung für Bewachungs- und Sicherungsaufgaben. Die Übersicht zeigt die Stationierung und den Verantwortungsbereichsowohl zu Beginn als auch nach der Ausdehnung; die norwegische Garnisonsorte sind unterstrichen. (Skizze 1) Während der angespannten internationalen Situation, die nach der kommunistischen Machtübernahme in der Tschechoslowakei im Februar 1948, und später mit dem Beginn der Berlin-Blockade am 24. Juni 1948 entstand, mußten die Norweger dennoch weitgehend den Engländern bei Bewachungs- und Sicherungsaufgaben entlang der Zonengrenze Unterstützung leisten. Im Falle eines sowjetischen Angriffs hätte die norwegische Brigade an exponierter Stelle im Harz gestanden. Die Verantwortlichen in Norwegen befürchteten, daß sie in einem bewaffneten Konflikt zwischen den Großmächten hineingezogen werden könnte, ein Tatbestand, der nicht zum Besatzungsübereinkommen zählte und auch von norwegischer Seite aus nicht wünschenswert war. Entsprechend geheimen norwegischen Befehlen sollte das Kontingent deswegen im Falle einer Krise so schnell wie möglich über belgische oder niederländische Häfen nach Hause evakuiert werden.Während der Verhandlungen im Juli 1948 in London über eine eventuelle Verlängerung des Stationierungsvertrages machte die norwegische Delegation deutlich, daß alle Einheiten der Brigade in einem sichereren Gebiet stationiert werden müßten – hauptsächlich in Schleswig-Holstein. Nach einem harten Ringen gingen die Briten widerwillig auf die norwegischen Forderungen ein. Im Herbst 1948 wurde der Verband zu beiden Seiten des Nord-Ostsee-Kanals disloziert. Dieser Kanal wird von uns Norwegern gerne auch als "Kieler-Kanal" bezeichnet. Die Verteilung der norwegischen Garnisonsstädte ist unterstrichen, wie aus Skizze 2 hervorgeht. Im Ergebnis des überarbeiteten Abkommens, das weitere zwei Jahre bis zum 1. März 1951 gelten sollte, konnte Norwegen selbständig, ohne britische Übereinstimmung, das Deutschlandkontingent nach Hause zurückziehen, falls die Gefahr eines bewaffneten Konfliktes in Deutschland entstehen sollte oder falls Norwegen selber einem Angriff oder der Bedrohung eines Angriffes ausgesetzt sein sollte. Die Befehle gingen deshalb weiterhin von einer Evakuierung ohne Kampf aus, wenn es die Situation erfordert hätte. Auf militärischer Seite war man jedoch im Zweifel, ob dies in der Praxis bei einem überraschenden sowjetischen Angriff möglich sein könnte. Es wurde vorgeschlagenzu kämpfen, falls es zu einem sowjetischen Angriff käme. Dies fand vorläufig keine Zustimmung bei den politisch Verantwortlichen in Norwegen. Nach Aufstellung der NATO – aber ehe Kommandobehörden und stehende Kräfte zur Verfügung standen – wünschte der norwegische Verteidigungsminister Jens Christian Hauge eine engere militärische Zusammenarbeit zwischen den britischen, dänischen und norwegischen Kräften in Schleswig-Holstein. Während des Frühjahres 1950 setzte er sich nachdrücklich dafür ein, daß sowohl Dänemark als auch Großbritannien ihre Beiträge dort erweitern sollten. Norwegen hatte nämlich – ein wenig paradox – mit 4.400 Mann das größte Truppenkontingent in diesem Gebiet. Der dänische Beitrag – das dänische Kommando – war 1.300 Mann stark, während die Briten lediglich über ein nicht vollständiges Panzeraufklärungsregiment mit ca. 800 Mann in Schleswig-Holstein verfügten. Keine dieser Nationen war jedoch damit einverstanden, ihre Kräfte zu verstärken. Die norwegische Regierung erwog deshalb, das gesamte Kontingent nach Auslauf des Übereinkommens im Frühjahr 1951 zurückzuziehen oder zumindest auf 3.000 Mann zu reduzieren. Der Ausbruch des Korea-Krieges am 25. Juni 1950 änderte jedoch das Bild vollständig. Die Reduzierung wurde verworfen. Gleichzeitig kam man zu der Überlegung, daß es Norwegen vielleicht am besten diente, sich so weit wie möglich im Süden zu verteidigen, um damit Zeit für Vorbereitungen in Südnorwegen zu gewinnen. Auf einer Sitzung des norwegischen Verteidigungsrates am 6. Juli 1950, unter Vorsitz des Ministerpräsidenten Einar Gerhardsen, wurde beschlossen, eine radikale Änderung des Auftrages der Kräfte in Deutschland zu empfehlen. In Übereinstimmung mit den militärischen Empfehlungen sollte das Kontingent nunmehr nicht automatisch im Falle eines bewaffneten Konfliktes nach Hause zurückgezogen werden, sondern sich auf den Kampf vorbereiten. Allerdings sollte diesnur dann geschehen, wenn die Genehmigung aus Norwegen erteilt worden war; die Würfel waren jedoch gefallen.Die britisch-norwegischen Kräfte in Schleswig-Holstein – zusammen ca. 6.500 Mann – sollten danach, im Falle eines sowjetischen Angriffs,unter Führung eines norwegischen Befehlshabers dieser Region verzögernd am Nord-Ostsee-Kanal und nordwärts bis zur dänischen Grenze kämpfen – möglichst drei Tage lang – damit Dänemark Zeit zur Mobilisierung erhielt, "jedoch ohne, daß die Kräfte vernichtet wurden", wie es hieß. Der nächste Vorgesetzte sollte der dänische Befehlshaber in Süd-Jütland sein, der Befehlshaber für das westliche Landkommando in Aarhus. Ende September 1950 stimmten die Verteidigungsminister der drei Länder überein, diese alliierten Verteidigungs-kräfte aufzustellen, die folgende englische Bezeichnung erhielten: The South Jutland Land Covering Force. Der Vertrag wurde erst im März des folgenden Jahres vom Storting genehmigt. Nach Aufstellung des NATO-Hauptquartiers in Paris im Frühjahr 1951 wurde der Verband General Eisenhower unterstellt. Erst im Dezember desselben Jahres konnte dann das Nordkommando in Oslo die operative Verantwortung für Schleswig-Holstein übernehmen.Die StrukturBereits während des Krieges war die norwegische Beteiligung an der Besetzung Deutschlands zwischen den britischen Verantwortlichenund der norwegischen London-Regierung erörtert worden. Für diesen Fall wünschten die Briten eine kleine Division von 12.000 Mann.Das war jedoch weit mehr, als Norwegen beitragen konnte. Ein solcher Verband würde mehr fordern, als die jährliche Einberufungsquote von Wehrpflichtigen beim Heer, so daß man sich in einem solchen Fall auf Zeitsoldaten abstützen oder eine Wehrpflicht von mehrals 12 Monaten einführen mußte. Keine dieser Alternativen war zu diesem Zeitpunkt in Norwegen politisch akzeptabel (tatsächlich wurde die Wehrpflicht für Rekruten, mit Ausnahme des ersten Jahrgangs, der 12 Monate diente, auf 9 Monate festgelegt, bis infolge des Korea-Krieges wiederum ein zwölfmonatiger Wehrdienst eingeführt wurde).Ein anderer Grund, der die Erfüllung der englischen Wünsche behinderte, war der Mangel an Führern und Unterführern. Ursache dafür wardie Verringerung der norwegischen Streitkräfte während der Zwischenkriegszeit. Die Heeresordnung von 1933 reduzierte zum Beispiel die Anzahl der Berufsoffiziere im Heer auf 541 nach einem bereits bis dahin stark reduzierten Rahmen. Durch die Einberufung in jedemzweiten Jahr wurden darüber hinaus nur 50 Berufsoffiziere in dem 10-Jahres-Zeitraum von 1928 bis 1937 ausgebildet. Weder die Ausbildung in Großbritannien und Schweden während des Krieges, noch in Norwegen in den ersten Nachkriegsjahren, konnte die Situation verbessern. Es dauert bekanntlich 10-20 Jahre, um Kompaniechefs und Bataillonskommandeure heranzubilden. Der norwegische Beitrag zur Besetzung Deutschlands wurde im Dezember 1946 auf die Stärke einer Brigade festgelegt– die Deutschlandbrigade – mit höchstens 4.200 Mann einschließlich Führer und Unterführer. Selbst bei einem Kontingent von dieser bescheidenen Größenordnung gab es Probleme bei Führern und Unterführern. Der Bedarf – eine Brigade in Deutschland und eine zur Ausbildung zu Hause – betrug insgesamt 1.200 Offiziere, Feldwebel und Unteroffiziere. Die Ausbildung der Soldaten mußte zu einem großen Teil von jungen Führern und Unterführern mit wenig oder keiner Erfahrung durchgeführt werden, und es war schwierig, Offiziere zu finden, die auf dem neuesten Stand der technischen Entwicklung waren und die über taktische Kenntnisse in der Kriegsführung verfügten, um die Kommandeurstellen bei den Bataillonen und den Brigaden zu besetzen. Dieser Zustand dauerte während der sechs Jahrein Deutschland überwiegend an. Die Erfahrungsberichte der einzelnen Brigaden geben davon Zeugnis. Das norwegische Kontingent erhielt als ein selbständiger Verband unter der britischen Rheinarmee die englische Bezeichnung Independent Brigade Group, obwohl die zahlenmäßige Stärke der Brigade weniger als 1000 Mann betrug und es im Vergleichzur üblichen britischen Gliederung einer solchen Einheit an wichtigen Teilen fehlte. Dies spielte allerdings nur eine geringe Rolle bei der Durchführung reiner Besatzungsaufgaben, selbst wenn es aus Gründen der Ausbildung ein Vorteil gewesen wäre, vollständig präsent zu sein. Nachdem der Verband jedoch einen operativen Auftrag erhalten hatte, veränderte sich die Lage. Tatsächlich wurden mehrere Veränderungen in der Organisation vorgenommen, aber die ganze Zeit innerhalb des festgelegten Rahmens von 4.200 Mann. Die unvollständige Gliederung sämtlicher 12 Brigade-Kontingente hätte die kriegsmäßigen Operationen erschwert und somit die Kampf- und Überlebensfähigkeiten verringert. Um das zu illustrieren, erlaube ich mir, Ihnen zwei Gliederungsbilder zu zeigen: Skizze 3 zeigt die Zusammensetzungder ersten Brigade im Jahre 1947, die Brigade 471. Zum Teil fehlten einige Einheiten ganz (Panzerabwehrkompanie und Luftabwehrbatterie, leichtes Feldlazarett), und allen Einheiten fehlte eine Unterabteilung im Verhältnis zu der britischen Normalgliederung (3 Schützenkompanien anstelle von vier usw.). Skizze 4 zeigt die beiden letzten Brigaden, Brigade 521 und Brigade 522.Nachdem ab der Brigade 511 amerikanisches Material und amerikanische Gliederung mit etwas größerer Personalstärke eingeführt worden war, blieb nur Platz für zwei Infanteriebataillone. Nachdem eine Panzerabwehrkompanie bei zwei Brigaden eingeführt worden war, fehlen jetzt diese und eine Aufklärungskompanie, während eine leichte Flugabwehrbatterie dazu gekommen ist. Das Artilleriebataillon ist darüber hinaus vollzählig mit drei Batterien entgegen den früheren zwei. In mehreren Unterabteilungen sind Angleichungen vorgenommen worden. Zusätzlich zu den Brigadekontingenten, die alle sechs Monate ausgetauscht werden sollten, bestand der norwegische Beitrag auch aus dauerhaften übergeordneten Elementen, dem "Tysklandskommandoen" ("Das Deutschlandkommando"), bestehend aus 200 Personen, geführt von einem norwegischen Generalmajor. Er sollte das Bindeglied zwischen der Brigade, den Verantwortlichen in Norwegen und den britischen Militärverantwortlichen in Deutschland sein, und er war darüber hinaus auch der Dienstälteste norwegische Offizier in Deutschland mit u.a. Verantwortung für die Militärgerichtsbarkeit und für die Anlage der abschließenden Übungen der Brigade. Es war der Befehlshaber des Deutschlandkommandos, der im Herbst 1950 den Auftrag erhielt, die Alliierten Verteidigungskräfte in Schleswig-Holstein zu führen. In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu unterstreichen, daß er über keinen operativen Kommandoapparat, weder Stabspersonal noch Fernmeldeverbindungen verfügte. Das Deutschlandkommando war eine administrative Einrichtung,lediglich berechnet für Aktivitäten im Frieden und mit der Mehrheit des Personals verteilt auf die Einheiten der Brigade.Von daher war der operative Auftrag sowohl umfangreich als auch schwierig, aber gleichzeitig war es eine schwerwiegende Aufgabe für den kleinen Verteidigungsverband – in der Hauptsache abgesessene Infanterie, ohne Panzer, zu Beginn auch ohne Flugabwehr– um sich evtl. sowjetischen Panzerdivisionen entgegenzustellen, die von überlegener Artillerie und einer großen Zahl von Flugzeugenunterstützt wurden. Die Vorbereitungen für den neuen Auftrag waren zahlreich und wurden tatsächlich nie zufriedenstellend abgeschlossen.Es dauerte sehr lange Zeit, ehe man das allernotwendigste an Hilfsmitteln und Versorgung erhielt.BedeutungIm internationalen Zusammenhang war die Bedeutung des norwegischen Engagements in Deutschland natürlich nicht überwältigend,aber für das norwegische Heer war der Aufenthalt während des Wiederaufbaus in den Nachkriegsjahren besonders wichtig. Die hauptsächlichen Ausbildungsaktivitäten des Heeres ereigneten sich ja in der Tat in diesen sechs Jahren in Deutschland.Auch zur Entlastung der Briten waren ohne Zweifel sowohl der norwegische als auch die übrigen ausländischen Truppenbeiträge von Bedeutung in der schwierigen wirtschaftlichen Situation, der sich Großbritannien ausgesetzt sah. Der unmittelbare militärische Nutzen des norwegischen Beitrages, falls es zu einem bewaffneten Konflikt gekommen wäre, ist natürlichGegenstand von Diskussionen. Bei knapp vier- bis sechmonatiger Rekrutenausbildung und Ablösung alle sechs Monate,gab es keine fertig ausgebildeten und einsatzbereiten Einheiten, die nach Deutschland kamen, wie dies für unsere UN-Einheitenund NATO-stehende Streitkräfte heute gilt. Die Deutschlandkontingente waren weder gut ausgebildet noch besonders gut vorbereitet auf die Aufgaben, die sie übernehmen sollten. Das mißfiel den Briten, die der Auffassung waren, dies weiche von dem Besatzungsabkommen ab. Daß es dennoch so gut ging, wie es sich herausstellte, ist darauf zurückzuführen, daß die innere Situation in Deutschland ruhig war. Die Norweger hatten keine ernsthaften Bewährungsproben zu bestehen, sie konnten weiterhin ungestört Ausbildung betreiben. Erst ganz zum Schluß ihrer Zeit in Deutschland wurden die einzelnen Kontingente zu einer abschließenden Gefechtsübung unter Führung des Brigadekommandeurs zusammengefaßt und wurden so operative Brigaden. In den ersten Jahren, als die Besatzungsaufgaben vorrangig waren, war dies soweit in Ordnung, aber mit einem operativen Auftrag, der vom allerersten Tag an Gültigkeit hatte, als das Kontingent in Deutschland eintraf, bedeutete der geringe operative Status – gemeinsam mit der mangelhaften Organisation – eine bedeutende Schwächung und ein Risiko, das uns hätte teuer zu stehen kommen können. Ganz entscheidend für die Wirksamkeit war die Hilfe und Unterstützung, die die Norweger von den britischen Militärbehörden erhielten. Britische Ausbilder führten bei den norwegischen Einheiten Lehrgänge durch, und eine bedeutende Anzahl norwegischer Führer, Unterführer und Mannschaften erhielten nahezu kostenlos britische Ausbildung in Deutschland und Großbritannien. Die Norweger wurden in moderner Kriegführung und in Ausbildungsgrundlagen unterrichtet, und bei einem nahezu unbegrenzten Zugriff auf Munition und Treibstoff konnte realistische Ausbildung betrieben werden. Die Verhältnisse in den Garnisonen waren mit deutscher Unterstützung auf allen Gebieten nahezu ideal. Man hatte Zugang zu großen und gut ausgebauten Schieß- und Übungsbahnen mit einem festen Stammpersonal. Während des abschließenden "Tests", dem Brigade-Manöver, in dem man seine Fertigkeiten gegen und zusammenmit den britischen und dänischen Kameraden ausprobierte, konnte man den fachlichen Standard testen, sowohl im Hinblick auf die soldatischen Fertigkeiten als auch auf die Fähigkeiten, Einheiten im Gefecht zu führen. Kriegserfahrene britische Beobachter und Schiedsrichter wiesen im Gefecht immer wieder auf entdeckte Schwächen hin. Weitestgehend handelte es sich um gefechtsmäßige Organisation und die Führung der Einheiten, während die norwegischen Soldaten in der Regel gute Noten erhielten. Sie waren körperlich stark und von guter Laune, wie allgemein geurteilt wurde. Einer der Befehlshaber des Deutschlandkommandos, Generalmajor Arne D. Dahl meinte, daß fast das allerwichtigste während des Aufenthaltesin Deutschland eben der Kontakt zu den Engländern gewesen war. Mit ihrer Kriegserfahrung waren sie gegenüberden norwegischen Kontingenten außerordentlich wohlwollend eingestellt. Der erste Befehlshaber des Deutschlandkommandos und spätere Inspekteur des norwegischen Heeres während der gesamten Zeit in Deutschland, Generalleutnant Wilhelm Hansteen, vertiefte dies einige Jahre später in einer Rede: Aufgrund des britischen Entgegenkommens konnten wir bereits ab dem ersten Kontingent Übungen im größeren Rahmen abhalten, als Abschluß der Ausbildung einer jeden Brigade dort unten. Dies ist eine Erfahrung, die wir mit uns nach Hause genommen haben, und aus der wir großen Nutzen ziehen. Selbst wenn man viele Schwachstellen bei den norwegischen Einheiten feststellte, so kann man dennoch den Schluß ziehen, daß der militärische Standard, den man in Deutschland erreichte, abgesehen von der Winterausbildung, weit über dem Niveau lag, das man zu dieser Zeit in Norwegen hätte erreichen können. Die 50.000 Soldaten, die in Deutschland gedient hatten, sollten für viele Jahre danach den Kern des norwegischen Mobilisierungsheeres bilden, und für das Offizierskorps des Heeres war der Aufenthalt in Deutschland besonders nützlich und lehrreich. Die Lehren von dort waren eine große Hilfe während des Aufbaus unserer stehenden Streitkräfte und für die Zusammenarbeit mit unseren Alliierten in der NATO. Für die jungen Menschen, die in Deutschland mit dabei waren, wurde der Aufenthalt das große Erlebnis, besonders für die ersten Kontingente, die bis dahin kaum über die Landesgrenzen hinaus gekommen waren. Man erhielt viele stark prägende Eindrücke von den erbärmlichen Verhältnissen in Deutschland während der ersten Jahre, und man fand wenig Anlaß zu Gedanken an Rache und Vergeltung für das, was während des Krieges geschehen war. Von daher waren sicherlich die Teilnehmer an den Besatzungskräften weit realistischer und verständnisvoller als die Verantwortlichen und die öffentliche Meinung zu Hause in Norwegen. Während des gesamten Aufenthaltes wurden – selbst wenn es gewisse Lockerungen gab – strenge Fraternisierungsbestimmungen aufrechterhalten, die man in der Praxis unmöglich vollständig durchhalten konnte. Nach und nach wurden viele andauernde Verbindungen zwischen Deutschen und Norwegern geknüpft. Die Deutschlandkontingente waren die ersten friedensbewahrenden Kräfte, die Norwegen außerhalb der Landesgrenzen zur Verfügung stellte, nachdem das Land 1905 seine Selbständigkeit wiedergewonnen hatte. In diesem Zusammenhang ist es wert in Erinnerung zu rufen, daß genau so viele Norweger im Laufe von sechs Jahren im Deutschlandkontingent gedient haben, wie Norwegen später im Laufe von 40 Jahren Soldaten für UN-Einsätze zur Verfügung gestellt hat."
(Quelle www um 2000; nicht mehr nachvollziehbar 2009)"


"TYSKLANDSBRIGADEN" Die norwegische Deutschlandbrigade im Harz und in Schleswig-Holstein 1947 – 1953. Olav Breidlid. " ".. in der Praxis war es auch unmöglich, die Verbindung zwischen den Norwegern und den Deutschen zu verhindern, besonders den Kontakt zu Vertretern des anderen .."


Tysklandsbrigaden 1947 - 1953. D. J. Fjærvoll. www.tysklandsbrigaden.no   ".. nærmere 50.000 nordmenn deltok i Tysklandsbrigaden .."


Schleswig-Holstein – besetzt von drei Mächten. Neben den Briten schickten auch Dänen und Norweger Besatzungstruppen / 1945–1956 kein einziger Tag ohne Soldaten. Holger Piening. www.boyens-medien.de   ".. Im Herbst 1948 wurden die Norweger nach Schleswig-Holstein überführt. Garnisonen entstanden in Itzehoe, Heide, Husum, Flensburg, Schleswig, Rendsburg, Neumünster, Holtenau und östlich von Kiel .."


Holger Piening. Westküste 1945. Nordfriesland und Dithmarschen am Ende des Zweiten Weltkrieges. 2008. ISBN: 3804208614


H. Piening. Als die Waffen schwiegen. Die Internierung der Wehrmachtsoldaten zwischen Nord- und Ostsee 1945/46.
ISBN: 3804207618


Schleswig-Holstein "und die Engländer"
Schleswig-Holstein "und die Dänen"
Schleswig-Holstein "und die Schweden"
Schleswig-Holstein "und die Wikinger"
Schleswig-Holstein "und die Amerikaner"

(e.a.)


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