Hinrich Speck
("Aus Vaters Lebenslauf")
(in Reinschrift von Inken
Schmidt-Voges)
"Als der Heiland mich Weihnachten 1899 in
Berlin zum
Glauben gebracht hatte und mich dadurch unendlich reich gemacht hatte, hatte ich den Wunsch, Missionar zu werden und den Heiden das Evangelium zu verkündigen. Das war auch eine wunderbare Führung und Fügung Gottes. Aber wohin sollte ich mich nun wenden? Sollte ich nach Barmen gehen, wo Onkel Siem ausgebildet
worden war, der nach seiner Ordination und Abordnung für Südafrika im Elternhaus in Sarzbüttel an Typhus
starb? Da wir nun in Breklum eine eigene Heidenmission hatten, meldete ich mich im Frühjahr 1900 dorthin. Missionsinspektor P. Bahnsen bat mich, nach meiner Entlassung vom Militär dort als Zögling einzutreten. Im Sommer desselben Jahres meldete sich dann auch mein
Bruder Siem, der die Obersekunda in Meldorf besuchte, zur Mission und ging gleich nach den Sommerferien nach Breklum. Unsere liebe
Mutter hatte schon vorher geahnt, daß etwas Besonderes in der Familie geschehen würde. Sie freute sich sehr darüber, daß wir Missionar werden wollten. Unser
Onkel Siem wird wohl 1867 nach Barmen gegangen sein. 1877 wurde dann von Pastor Christian Jensen, der Hauptpastor in
Breklum war, die Mission gegründet. Zu den ersten 12 Zöglingen gehörte auch
Hermann Bothmann aus Sarzbüttel. Es waren damals mehrere gläubige Leute dort. Die vielen Versammlungen, die im Hause der Großeltern und Eltern abgehalten wurden [sic!], waren
nicht ohne Segen geblieben. Im Dezember 1881 reisten
Bothmann und Pohl als die ersten Missionare der Breklumer Mission nach Indien. Sie gründeten in der Teluguebene zuerst die Station
Salur, wo Eure liebe Mutter, die ja Senanamissionarin werden wollte, ein Jahr die Telugusprache lernte. Ich kam im Oktober 1900 nach
Breklum. Wir waren 10 neue Zöglinge. Im Missionshaus waren damals 4 ältere Zöglinge, die ihr Studium schon bald beendeten. Larsen und Sell kamen wohl im Herbst 1901 nach Indien ubd [!]
Jürgen Stäcker nach dem Jeypurland und Stäcker und Haack nach der Teluguebene. Das Jeypurland ist 2000 bis 3000 Fuß hoch und liegt hinter der Teluguebene. Pastor Bracker war der einzige Lehrer im Missionshaus und hatte deshalb auch genug zu tun mit den 4 alten Zöglingen. Wir neuen Zöglinge kamen zunächst nach dem Predigerseminar, wo wir auch wohnten. Ein halbes Jahr wohnte ich dort mit meinem Bruder
Siem zusammen, der dann, weil er ja schon eine gute Vorbildung hatte
(Gymnasium/Abitur Meldorf), nach dem Missionshaus kam und dort an dem Unterricht der älteren Zöglinge teilnahm. Wir anderen blieben ungefähr 2 Jahre im Predigerseminar, wo wir unsereVorbildung erhielten. In diesem Seminar waren 20 Zöglinge, die Pastor in Amerika werden wollten und da noch die Universität besuchen mußten. Solche Seminare werden auch in Kropp in Schleswig und auch in
Neuendettelsau, wo aber auch Missionare für die Heidenmission ausgebildet wuredn [!]. Sehr viele
junge Leute kamen damals nach Amerika, wo sie Pastoren wurden. Heute ist es ja ganz anders. Es sind jetzt genug junge Leute in
Amerika, die Pastor werden wollen, und an Schulen und Universitäten fehlt es auch nicht. Das Predigerseminar, in dem wir auch unsere Vorbildung erhielten, wurde geleitet von dem
jungen P. Christian Jensen, der einige Jahre Pastor in Amerika gewesen war. Sein Vater, Pastor
Christian Jensen, der alle Anstalten in Breklum gegründet hatte,war im Sommer 1900 gestorben. Anstalten: Missionsseminar, Predigerseminar, Krankenhaus, Buchdruckerei und Buchhandlung. In
Breklum war früher auch noch ein Gymnasium, in dem die Gymnasiasten einige Jahre ihr Abitur machen konnten, was aber bald nicht mehr erlaubt wurde, ihr Einige Jahre waren dann noch die unteren Klassen in Breklum, aber bald mußte das Gymnasium ganz eingehen. Die Lehrer im Predigerseminar, in dem wir unsere Vorbildung erhielten, waren Pastor
Christian Jensen, Lehrer Brahms, Kandidat Petersen,
der nach dem Tode des jungen Pastor Jensen dessen Nachfolger wurde und auch dessen Frau heiratete und noch ein anderer Kandidat. Das Werk der Heidenmission in
Breklum ist selbständig, die Druckerei und Buchhandlung und gehören jetzt zur Mission, das Krankenhaus steht wohl noch unter der Leitung [S.2] von Direktor Petersen. Im Predigerseminar hatten wir folgende Fächer: Biblische Geschichte, Kirchengeschichte, Katechismus, Weltgeschichte, Deutsch, Englisch von P. Jensen, Latein und Griechisch und Missionsgeschichte. Alles weiß ich aber nicht mehr. Wir lasen die lateinische
Concordienformel und das griechische N. Testament. P.
Bracker gab uns im Predigerseminar Alttestamentliche und Neutestamentliche Exegese nach dem deutschenText, Prophet Jesaias und Römerbrief. Nach 2 Jahren kamen wir dann nach dem Missionshaus. Rössing, Toft, Gimm und ich wohnten bei Pastor
Bracker. Siem kam damals schon nach Indien und zwar nach Jeypore, der Hauptstadt des Jeyporelandes. Unterrichtsfächer: Dogmatik von Professor Rohnert von der Breslauer Freikirche, Dogmengeschichte, Ethik, Kirchengeschichte, Homiletik, Neutestamentliche Exegese nach dem griechischen Text, Lutherische Bekenntnisse (Concordienformel) nach dem lateinischen Text und Alt-testamentliche Exegese, wofür wir bei Pastor
Bracker noch Hebräisch lernten. Bei Pastor Dittmer, der 2. Missionsinspektor war, hatten wir
dann noch immer Unterricht über ärztliche Sachen, was auch ja sehr wichtig ist für die Missionare, da viele Kranke zu uns kamen. Pastor
Bracker nahm Kirchengeschichte und Weltgeschichte zusammen mit uns durch, was sehr
interessant und lehrreich war. Er selbst hatte auch sehr viel Interesse daran, weshalb er es auch so mahcte
[!].An den Sonntagen hatten wir und auch die Predigerseminaristen immer Kindergottesdienst in den Dörfern, was auch ganz schön war. Einmal xxxxxxx in der Woche
hielt Pastor Bracker am Abend Bibelstunde ohne Aussprache im Martineum, (Gebäude des Gymnasiums), die gut besucht wurde. Ich ging auch immer gerne hin und hatte viel Segen davon, da ich in den Jahren in
Breklum viele dunkle Anfechtungen hatte, die mich oft nicht schlafen liessen. Das kam auch wohl mit von dem tiefgründigen Unterricht, den wir hatten. Als es sich zum Beispiel um die Lehre von der Gnadenwahl handelte, bekam ich Zweifel daran, daß ich Sün(d)er
[!] auch erwählt sei, und ich wollte doch den Heiden das Evangelium verkündigen. Da kam ich in sehr große Not. Im Unterricht kam dann auch die Lehre von der Sünde wirder [!]
den Heiligen Geist vor. Da wollte der Teufel mir einreden, daß ich diese Sünde begangen hätte und deshalb doch nicht Missionar werden könnte. Das brachte mich auch in furchtbare Not, da ich doch selig werden wollte. Da las ich eines Tages ein Buch von dem Engländer John Bunyan,
der Euch auch vielleicht nicht ganz unbekannt ist. Ihr kennt vielleicht das gute Buch „Bunyans Pilgerreise“. In einem Buch schreibt er, daß er eine ganz dunkle Anfechtung gehabt
hätte. Er hätte sich gesagt, daß der die Sünde wider den Heiligen Geist begangen hätte. das hätte ihn dann natürlich ganz zur Verzweiflung gebracht. Bunyan schreibt dann aber, daß der Heiland ihn doch getröstet hätte und er ganz wieder zum gewissen Glauben gekommen sei. Als ich diese Worte las, sagte ich: “Bunyan, wenn du wieder zurecht ge-kommen bist, dann werde ich auch noch wieder zurecht kommen“. Und ich kam durch des Herrn Gnade auch wieder zum gewissen Glauben. Wenn ich schwere Anfechtungen hatte, habe ich oft bei Pastor
Bracker in seiner Studierstube gesessen und ihm mein Herz ausgeschüttet, wodurch ich immer wieder Trost erhielt. Wer wirklich die Sünde wider den HeiligenGeist begangen hat, wird nicht traurig über seine Sünde sein, denn er hat sich ja mutwillig von dem Heiland abgekehrt und will nichts mit ihm zu tun haben. Pastor Bahnsen tröstete mich damals mit dem Wort :„We(r)fet [!] euer
Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat. “Ebräer lov.35. Das Vertrauen auf uns selbst sollen wir fortwerfen, denn wir sind sündige Menschen, aber das Vertrauen auf den Herrn sollen wir nicht wegwerfen, denn er hält sein Wort und seine Gnadenarme
stehen offen für jefen [!]
armen Sünder, der das Heil begehrt und selig werden möchte. „Anfechtung lehrt aufs Wort merken“ Jesaias 28 v 19.1. Petri 1 v 6+7. Römer 5 v 3-5. 2. Korinter 4 v 17. Gott läßt Anfechtung und Trübsal kommen, damit wir unseren Blick von uns weg auf den [S.3] den Herrn und sein Wort richten sollen. So muß Anfechtung und Trübsal uns auch nach dem Willen Gottes zum Segen werden. An den Herrn und sein Wort sollen wir uns anklammern. Ja, „Anfechtung lehrt aufs Wort merken.“ Das sollen wir beherzigen und danach tun. Auch meine liebe
Mutter hat mir viel geholfen in meinen Anfechtungen. Sie sandte mir das Bild von dem sinkenden Pertus
[!], das ich zu Hause oft angeschaut hatte und das
nun in meiner Stubex [!]
hing. Dieses Bild hat uns doch sehr viel zu sagen, wenn unser Glaube schwach wird und wir verzagen wollen. Der Herr
hat geholfen und wird auch weiter helfen, wenn wir nur auf ihn und sein Wort blicken und ihm vertrauen. Petrus wäre von den Wellen verschlungen worden, wenn er nicht auf den Heiland geblic.... und ihn um Hilfe
angerufen hätte. „O, du Kleingläubiger, warum zweifelst du“, sagte der Heiland zu ihm. Er hätte doch wahrlich keinen Grund gehabt, das zu tun. Als Petrus zu dem Heiland sagte: „Herr, laß mich zu dir kommen auf dem Wasser“, sagte der Heiland zu ihm: „Komm her“. Da hätte er auch, als die Wellen kamen, doch auf den Heiland und sein Wort vertrauen sollen. Weil er das nicht tat, mußte er selbstverständlich angefangen zu sinden, denn mit seiner eigenen Kraft konnte er sich nicht über Wasser halten. So ist es auch bei uns. Der Herr hat den Glauben in uns gewirkt und er alleine kann und will den Glauben in uns
erhalten. Darum wollen wir unser Vertrauen nicht wegwerfen und verzweifeln. Als ein junger Mann, der zum Glauben gekommen war und meinte, daß er nun alle Sünden überwunden hätte, bald aber die Erfahrung machte, daß das doch nicht der Fall sei, kam er in große Not und fing an, daran zu zweifeln, daß er im Glauben bleiben und selig werden könnte. Er ging dann zu einem alten Pastor und klagte dem seine Not. Derselbe gab ihm einen Bleistift und sagte, daß er denselben mit der Spitze nach unten auf den Tisch stellen sollte. Er versuchte es zu tun, aber es ging natürlich nicht. Da nahm der alte Pastor den Bleistift, stellte ihn mit der Spitze auf den Tisch und hielt ihn oben fest und sagte: er stehe doch. Der junge Mann sagte: „Ja, wenn Sie ihn festhalten, dann steht er, sonst aber nicht.“ „Ja, junger Mann,“ sagte der Pastor, „wenn Jesus Sie festhält, dann werden Sie stehen bleiben im Glauben, sonst
aber nicht, darum müssen Sie auf ihn und sein Wprt
[!] vertrauen.“ Als sie sich dann nach langer Zeit wieder sahen, rief der junge Mann dem Pastor zu: „Der Bleistift steht noch.“ Ebräer 12 v 2 heißt es: “Lasset uns laufen durch Geduld in dem Kampf, der uns verordnet ist und aufsehen auf Jesum, den Anfänger und Vollender des Glaubens.“ „Der das gute Werkin euch angefangen hat, der wird es auch vollführen.“ Darum sollen wir unser Vertrauen nicht wegwerfen. Im Frühjahr 1906/1907 machten wir dann unser Examen in Neumünster. Geprüft wurden wir von den beiden Generalsuperintendenten und unserem Lehrer P.
Bracker. Die Missionsinspektoren waren natürlich auch dabei.Damit war dann unser theologisches Studium in
Breklum beendet." (H. Speck)
(i.s.v./e.a.)
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(e.a.)