II.WK. Letzte Briefe von Reimer H.
3.Januar 1945 - ::::::::::::::::::::::::::::::::::::::: Es ist ein sonderbarer Augenblick, wo ich dir vor Eintritt der Dunkelheit noch schnell einen Gruß schicken will. Bingo (?) krachen die Einschläge und MG und Schützen ----. Der Kampf ist unerbittlich, aber wir müssen es schaffen. Wir liegen im Brennpunkt. Ich selbst sehe aus wie ein Mohr, dazu einen Bart schon seit Tagen. Kein Mann mehr zum Küssen. Eben kochte ich etwas Fleischbrühe, das wärmt einen wieder auf. In den Erdlöchern ist es nicht gerade warm. Es herrscht meist geringer Frost, aber man gewöhnt sich daran. Es ist Krieg und der muss überwunden werden, d.h. zu Ende gekämpft werden. Die Amerikaner dürfen doch bei uns nicht rein. Wenn man hier im Loch im Feuer liegt, denkt man auch an sein Heim und an Gott, und das beruhigt einen in dem Toben der entfesselten Gewalten. Es erscheint einem wie ein Wunder, dass man noch lebt und doch erlebt man dieses Wunder fast stündlich. Ich wünsche mir nur noch einmal mit dir zusammen zu sein, sonst aber sehen wir uns droben wieder. Vorerst gehört unser Leben unserm schwer ringenden Vaterlande. Und da wollen wir es ganz einsetzen. - Hast du den Abschied Hektors von Andromache gelesen? Schiller hat es doch sehr schön in Worte gefasst. Dein Bild trage ich fest eingebrannt in meinem Herzen, dazu das Bild des Elternhauses. Ob dich dieser Brief wohl erreicht? Grüße bitte alle Lieben von mir, besonders meine Eltern. Ihnen verdanke ich alles was ich bin, deiner lieben Mutter aber dich. Das ist auch etwas ganz Grosses. Post werde ich wohl einstweilen nicht bekommen, aber ich spüre auch so :::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::: - Dein Reimer
11. Januar 1945 :::::::::::::::: Den 12. Tag liegen wir nun schon auf der -------höhe, die wir den Amerikanern am 31.12. morgens weggenommen haben. So langsam sind wir aus unseren kleinen Erdlöchern heraus ------ und haben uns einfache Erdlöcher gebaut (?). Ich habe sogar einen kleinen Ofen in meinem Gefechtsstand, der uns abends über die Winterkälte hinweghilft. Glücklicherweise ist die Temperatur meist nur wenig unter 0 Grad, so dass es sich noch aushalten lässt. Und schließlich geht es ja bald dem Frühling entgegen. Wir haben etwa 15 cm Schnee, wenn das mal taut, wird es eine sehr nasse Angelegenheit werden. Nun bin ich schon 4 Wochen ohne Post, weiß gar nicht mehr, wie es bei euch aussieht. Aber allmählich wird sich der Post----- (?) wohl wieder einlaufen. Was machen denn die ganzen Brüder, ist Karl Wilhelm auch schon wieder draußen? Gern hätte ich ihn ja in S------- untergebracht. Und wie geht es ihm? Ist er nun nach -------- gekommen? Und euch beiden? Grüßt bitte alle Geschwister und Verwandten von mir, zum Schreiben komme ich kaum, nur mal wenn es richtig „eilt“? Augenblicklich sind wir mit -------- -------------- noch ziemlich beschäftigt. Der Boden ist ja fest gefroren, ------- ziemlich steinig, anders als an -------- . Aber eine richtige Mittelgebirgslandschaft. ---- --------- wir erst noch hier in Stellung bleiben. Wir haben uns jetzt einigermaßen eingerichtet. Ihr könntet mich eigentlich mal besuchen, wenn es grad mal ruhig ist. Übrigens lasse ich zur Abwechslung mal wieder einen Schnurrbart stehen, komme jedenfalls hier weder zum Rasieren noch zum Waschen. Da müssen wir erst noch warten, bis wir hier mal rauskommen. ---- ::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::: - Reimer Hinrich
29. Januar 1945 :::::::::::::::::::::: :::::::::::::::::::::::::. In Kürze müssen wir unser schönes Häuschen verlassen, wo wir uns so schön eingelebt hatten und uns gemütlich eingerichtet hatten. Aber man soll sein Herz ja nicht zu sehr an vergängliche Dinge hängen und doch tut man es immer wieder. Mir selbst geht es gut. Mit der Innenarbeit wird es noch demnächst wieder etwas mehr werden, da mein alter Hauptfeldwebel ziemlich schwer verwundet wurde durch Granatsplitter und ich ---- ------ -------- meinen ------------------------- meinen alten Kompanietruppführer erst einarbeiten muss. Die letzten Tage waren verhältnismäßig ruhig, mal sehen, wie es im neuen Abschnitt werden wird. Übrigens hatte ich vor einigen Tagen auf dem Hinmarsch wieder Glück. Eine Granate detonierte in ziemlicher Nähe und ein Splitter ----------- gegen meinen Helm. Es erscheint mir immer neu ------ wie ein Wunder Gottes, der schützend seine Hand über mir hält. Vielleicht ist es auch euer Gebet um eure Jungs. Jedenfalls bin ich Gott dankbar, dass er bisher mich und meine Kompanie so treu beschützt hat. Ich hatte doch weniger Ausfälle als die anderen Kompanien. Die Lage sieht im Moment nicht rosig aus, aber wir waren durch unsere Erfolge bisher zu sehr verwöhnt. Auch Schicksalsschläge müssen wir geduldig hinnehmen lernen. Im Westen hat sich die Lage seit November gebessert und stabilisiert. Allerdings drängt der Russe im Osten stark vorwärts, aber auch das wird durch unseren nächsten Gegenschlag --------- werden. Wir müssen nur hart bleiben und ::: :::::: die Zeit verschaffen zu Umgruppierungen und neuem Handeln. Ich selbst sehe der Zukunft zuversichtlich entgegen. Post habe ich von euch ------------- immer noch nicht, hoffe aber bald welche zu bekommen. -:::::::::::::::::::::::: :::::::::::::::::::::::::: ::::::::::::::::::::::::::: :::::::::::::::::::::::::: Reimer Hinrich
Reimer Speck *1915 Kriegstagebuch, die letzte Seite.
.....und sehr schöne Stunden habe ich erlebt
während meiner Studentenzeit,
sehr schöne Stunden mit Kathi
Möller (Nindorf), die ich von ganzem
Herzen liebe und bei der ich nach
einem schweren Schicksalsschlag
die ganze Ruhe zum Westfeldzug
und zu mir selbst zurückfand.
Vielleicht habe ich sie schwer enttäuscht, aber
ich konnte nicht anders. Sie wird mich auch
verstehen. Grüsst sie bitte von
mir, sie hat mir vielgegeben,
und haltet Verbindung mit ihr. Oft
weilen meine Gedanken bei ihr.
Ich bitte meine Eltern....
Kiel 5.1.1944
Karte Normandie

10 Mei 1940 - België in oorlog
Ilmensee
Körperich/Eifel, Karte (Reimer död 1945)
Hofgut Petry, idag (1945 Hauptverbandsplatz)
(e.a.)
14. Februar 1944 :::::::::::::::::::::::::::: Für deinen lieben Brief hab herzlichen Dank. Der Inhalt allerdings gefällt mir gar nicht, und ich hoffe, dass du dich wieder gut erholen wirst. Du sagtest mal zu Marieliesel: „Wenn du nicht mehr arbeiten könntest, kämst du dir so überflüssig vor“. - Das ist vollkommen falsch. Dein ganzes Leben hast du für uns gearbeitet, aber auch mit uns gelebt und gefühlt. Mit unseren Sorgen kam alles zu dir, und wie sollte es sein, wenn du nicht mehr mit uns fühlen solltest ? Und heute bist du und Vater mehr denn je der Mittelpunkt unserer Familie, der ruhende Pol in unserem bewegten Leben. Vielleicht ---- es so, dass wir es immer erst, oder aber viel stärker erkennen, wenn wir lange von zu Hause oder je weiter wir von zu Hause fort sind. Vielleicht auch fehlen uns die Worte, ---- Erkenntnis den richtigen Ausdruck zu ----. - Das Elternhaus nehmen wir so leicht als eine Selbstverständlichkeit hin; merken erst seinen Wert, wenn es einmal nicht mehr sein sollte. Für uns sollst du nicht mehr arbeiten, das wollen wir jetzt für dich übernehmen, aber in der anderen Hinsicht wollen wir dich nicht entbehren. Wir brauchen dich ja viel zu sehr, um uns zu dir zu flüchten. Und da hast du doch noch eine große Aufgabe. Dass der Zusammenhalt in der Geschwisterschar erhalten bleibt und der eine für den anderen eintritt, dafür wollen wir schon sorgen, aber der „-------------„ , der über uns alle wacht, das ist und bleibt doch immer das Elternhaus. Und weil wir das alle wissen, werden wir auch immer wieder dorthin finden und uns dort Rat und Kraft holen. Meine liebe Mutter, ich spreche und schreibe nicht oft über diese Dinge, aber fühlen tue ich es doch, und ich möchte dir heute mal darüber schreiben, damit du erkennst, was wir an dir haben, auch wenn du nicht mehr so körperlich für uns arbeiten kannst. Innerlich wirst du ja doch nie aufhören, für uns zu arbeiten. Und dieses Hoffen, dass du immer für uns da bist, das gibt uns auch in schwierigen Lagen eine große Ruhe. Wie oft nicht? Hast du uns schon geholfen und den Kopf wieder hochgerichtet. Und wie oft wirst du noch Gelegenheit dazu finden. Auch deine Gebete und Gedanken haben uns auf allen Wegen beglückt. Ein langes erlebnisreiches Leben liegt hinter dir, nun gönne dir auch mal den Feierabend und lass uns auch teilhaben an deiner Ruhe. Für deine große, für uns aufgewendete Mutterliebe haben wir ja so zu danken, und nun möchten wir sie auch noch weiter erwidern. Und dazu musst du uns doch Gelegenheit geben. Ich bitte dich darum, Mutter, fasse wieder den rechten Mut zum Leben und den Willen, weiter für uns da zu sein und damit eine neue gewaltige Arbeitslast auf deine Schultern zu nehmen. Und dann wirst du auch wieder gesund werden. - Mir selbst geht es wieder sehr gut. ::::::::::::::::::::: ::::::::::::::::::::: ::::::::::::::::::::::: :::::::::::::::::::: Reimer Hinrich.