Luise Auguste Catharina Speck, geb. Tiemann

* 4.6.1883 Dornberg (Kreuzkrug) / Bielefeld in Westfalen.
verh. mit Johann Hinrich Speck *14.3.1877 in Sarzbüttel/Dithmarschen
† 27.4.1962 in Kellinghusen
  • Indien-Missionarin der Breklumer Mission

  • [Lebensbeschreibung]

    Eltern:
    Gustav Heinrich Tiemann *28.3.1845 Gross-Dornberg, Gaststättenbesitzer und Posthalter (Kreuzkrug Dornberg). Verh. 26.4.1872 mit Catherine Wilhelmine Louise * 16.11.1847 Strakeljahn, Barnhausen.
    Geschwister:
    Amalie ∞ Karl Austmann (übernahm die Gaststätte/Post)
    Anna ∞ Geese. Bielefeld.
    Maria  Lehrerin Essen.
    Johanna (starb mit 15 J.)
    Eigene Kinder


    Ochsen und Engel

    Notizen aus Familienstammbuch Ernst Hinrich Arlt, aufgezeichnet nach Gespräch mit Mutter M.L.A. Anfang der 1980er über meine Grossmutter, dort (#11).
    Tiemann, Auguste Catharina Louise, verh. Speck
    (Eltern (#22) Gustav Heinrich Tiemann und (#23) Catherine Wilhelmine Louise Tiemann, geb. Strakeljahn).
    Missionarin. Geboren am 4.6.1883 in Gross-Dornberg bei Bielefeld. Lebensorte Dornberg, Wattenscheid, Jeypur, Kodaikanal; nach Heirat am 26.4.1912 in Brit. Indien wie (#10) Johann Hinrich Speck. Gestorben am 27.4.1962 in Kellinghusen, begraben in Kellinghusen Friedhof St. Cyriacus. Kind von (#11) ist u.a. Mutter Marie Luise Arlt, geb. Speck. Die anderen 7 Kinder ...

    (in Arbeit - zusätzliche Erklärungen in grau von Erik (indisches) und Heiner (familiäres)

    "Luise Tiemann war in ihrer Jugend Gesellschafterin und Erzieherin des Sohnes von Oberbergrat und  Bergwerksdirektor Trainer und Frau Paula Trainer, "Tante Paula" in Wattenscheid (eine spätere  Patentante von Marie Luise Arlt). Haben sich später getroffen; waren auch danach befreundet (Patentante auf  Entfernung, da Mutter M.L.A. in Indien geboren). L.T. war mit Trainers öfter im Harz und in der Schweiz und auch  auf Amrum, wo sie 1910 Pastor Bracker aus Breklum kennenlernte. Bracker sagte zu ihr: "Kommen Sie doch nach  Indien!!" L.T. fühlte sich "gerufen" und sagte "Ja!". Sie hatte auf der Oberschule in Bielefeld Englisch gelernt und wurde dann als Vorbereitung auf Indien für 4 Monate zur "Londoner Missionsgesellschaft" England geschickt, "damit sie wusste was auf sie zukam". Dann kam sie 1911 nach Indien und wurde zur südlichen  Telugu-Mission (nach Salur) gesandt um Telugu zu lernen. Die Breklumer Mission, Jeypur  und damals noch Salur ("wir" hatten 2 Missionsgebiete; und es wurde in zwei indischen Sprachen missioniert : im südlichen Teleguland von Salur Telegu, und im nördlicheren Jeypurbergland auf Oriya.), hatte jedes Jahr eine Missionskonferenz, eine Versammlung aller damaligen 40 Missionare in Jeypur, "oben im Odia-Gebiet". Danach sollten Vater (H.S.) und Mutter (L.S), die sich dort flüchtig  kennengelernt hatten, jeder in sein Missionsgebiet zurück; Mutter (L.S.) mit Missionar Piening über "holpriges Pflaster" auf Ochsen-Bandies (Wagen) zurück nach Salur (weggenommenes) im Telugu-Gebiet , wo sie Sprachstudien betrieb und auch schon Tante Hedwig (Sibbers; eine andere ihrer Patentanten in Indien) war. Sie wurde jedoch von Pienings, die mit ihr zusammen auf dem Schiff nach Indien gefahren waren, nach Jeypur eingeladen,  wo Vater (in seinem Bungalow neben "seiner" Kirche) auch wohnte. Mutter nahm die Einladung an und fuhr zu  Pienings in Jeypur. Mitten in der Nacht kamen sie an, man konnte nicht viel erkennen. In Jeypur gab es  ein kleines und ein grosses Missionshaus. In dem kleinen wohnte Vater (H.S.). Die Häuser hatten in  der Mitte Wohnräume und rundherum eine Veranda. Man schlief oft auf der Veranda der Hitze wegen.  Mutter (L.S.) wollte Pienings nicht im Schlaf stören und legte sich ohne "Guten Tag" zu sagen auf die Veranda im kleinen Haus und schlief ein. Vater (H.S.) hatte diese Nacht einen Traum gehabt: Ein Engel sollte erscheinen und mit ihm durchs Leben gehen. Als er aufwacht und auf die Veranda geht "liegt da  eine Frau in einer Wolldecke". "Das ist doch das Fräulein Tiemann von der Konferenz!". Vater redete mit Pastor Bracker (der dort auf Inspektionsreise war) über den Traum. Der hätte gesagt: "Frage sie doch, ob sie dich heiraten  möchte". (Anm.: was ich nicht glauben möchte; so etwas war sehr unerwünscht (siehe Buch Waack I, "Missionarsfrauen"), und Hinrich musste die Ausbildungskosten Luises voll zurückerstatten (seine eigenen hatte er aus eigener Tasche auf seinen Wunsch hin bezahlt) obwohl Luise ja zwar nicht den Hauptberuf einer Missionarin ausüben konnte, aber doch als Missionarsfrau "nicht ohne Arbeit" war.  e.a.) So kamen sie zusammen. Mutter musste nun eine neue indische Sprache "Odia" lernen mit  neuen Zeichen bei gelehrten Indern in Jeypur. Dann kamen die Babies. Mutti (M.L.S./A.) und Reimer und der  Krieg (1.WK). (Schriftwechsel zwischen den Grosseltern H.S. und L.S. während der Zeit der darauffolgenden Internierung in  englischen Gefangenenlagern hat Mutti (M.L.A. - heute e.a.) Dass Grossvater den Traum damals ernst nahm, ging rund, und wurde viel gelacht darüber. "Dem Hinrich Speck haben Ochsen und Engel seine Frau auf die Veranda  gelegt". Bei Onkel Theo's Hochzeit mit Tante Ilse Ende der 1950er erzählte ein Pastor aus Ülzen von einer Bremer Mission diese Geschichte, ohne Namen oder Zusammenhang zu kennen. Da kam Mutti: (M.L.A.): "Das war mein Vater".  (und der des Bräutigams Onkel Theo Speck !).  (e.a.)

     


    (HS und LS im Herbst 1944 von den Kindern aus Ostpreussen nach Qu. abgeschoben; die russische Front a.d. ostpreussischen Grenze)     Feldpost / Stempel Kellinghusen (Mittelholstein) 22.9.44 -18 /    -  Herrn Leutnant R. H. Speck - (Feldpostnummer:) 24258W - Abs. L. Speck (24) Quarnstedt ü. Kellinghusen. - Quarnstedt, den 21.9.1944. - Mein lieber Reimer! - Vorhin schrieb ich Dir eine kurze Karte, die Vater noch mitnehmen sollte nach Wrist, nun soll der Brief folgen. Vater u. ich waren von Sonnabend bis Mittwoch (gestern) fort u. fanden dann allerlei Post vor, 2 Telegramme von Dorchen u. Hannes, dass am 20.9. ihre Hochzeit in Parwen (?) sein sollte. Sie haben vielleicht doch noch damit gerechnet, dass wir kommen würden, die Telegramme waren am 17. u. 18. abgeschickt. Vater fuhr Sonnabend nach Remmels, unterrichtete die Kinder u. war Sonntag in Rendsburg, von Montag bis Mittwoch in Wittorf (Wittorfer Feld, Specktochter a.d. Bauernhof). Ich fuhr Sonnabend nach Breklum u. feierte dort am Samstag nach 19 Jahren mal Tante Marie's Geburtstag wieder mit. Anna war mit ihren 4 Kindern dort, von denen Matthias schon zur Schule geht. Tilli kam Sonntag morgen. Bernhards Frau, Ellen, hatte alle zum Morgenkaffee u. Mittagessen eingeladen. Sie hat ein kleines Töchterchen Marianne, 5½ Monate alt u. äußerst vergnügt u. munter. Zum Nachmnittagskaffee u. Abendbrot waren alle bei Tante Marie, auch Tante Timmke mit. Es war sehr nett in Breklum. Bernhards Hand ist immer noch steif nach der letzten Verwundung. Er muss deshalb die Schanzarbeiten bei Thorn (heute Polen) beaufsichtigen, weil er noch nicht an die Front kann. Dietrich Piening ist Soldat, darf aber nicht an die Front, damit er nicht evtl. in engl. Kriegsgefangenschaft gerät. Er ist ja in Indien geboren und deswegen engl. Staatsangehöriger, ebenso wie Du. Bei Dir hat man wohl die Entdeckung nicht gemacht. Montag Mittag (!) fuhr ich nach Hillgroven u. traf Dienstag dort Gustav, der noch etwas im Vaterlande hin u. hergeschickt wird, ehe er das richtige Plätzchen findet zu seiner 3 monatl. Ausbildung als Jagdflieger. Heute muss er weiter nach Stolp. Ich fuhr Mittwoch zurück u. traf Vater in Wrist, der von Wittorf zurückkam. Sonntag muss er nach Hamburg, aber nur nachmittags. Für Deinen l. Brief vielen Dank. Dass Du damals so gut dort angekommen bist, hörten wir von Kathi (Reimers Verlobte, kurz darauf Heirat), die in Neumünster an unseren Zug kam. Seitdem hörten wir nichts von ihr. Sie wollte in den nächsten Tagen nach Kellinghusen u. von dort aus nach Quarnstedt, kam aber nicht u. schrieb auch nicht. Liesa machte sich Sorgen um Ernst, der vermutlich eingeschlossen war (Belgien - Flucht der Wehrmacht nach D-Day über die holländischen Inseln) u. Ernst schreibt aus Solingen-Wald 15.9. : "Hier bin ich nun vorerst gelandet. Seit den letzten Augusttagen ohne Post, ohne Nachricht von Marlies. Was ist nur in Königsberg (heute Russland; Enklave Kaliningrad) gewesen? Es ist doch hart betroffen worden wie ich höre. Von meiner wilden Fahrt hierher wird Marlies Euch berichtet haben. Die paar Tage Ruhe brauche ich mit meinen Männern aus Gent (Belgien) jetzt dringend. Die wunderbarste Führung hat uns gerettet. - - - Mit allen guten Wünschen, auch den Jungs allen und den Töchtern u. den herzlichsten Grüssen." - Theodor muss noch immer still liegen. Liesa schreibt, dass sie bei Theodors Chefarzt mal angefragt hat, darauf bekam sie am 1.9.44 die Antwort: "In Beantwortung Ihres Schreibens vom 18.8. wird mitgeteilt, dass Ihr Bruder, Gefr. Th. Sp. am 6.8. mit einer Stecksplitterverletzung im Bereich des linken Schläfenbeines hier eingeliefert wurde. Es handelt sich um eine Knochen u. Hirnverletzung. Am 9.8. ist er operativ versorgt worden. Sein Allgemeinzustand ist bis zum heutigen Tage sehr gut, so dass er mit dem nächsten Laz.-Zug in ein rückwärtiges Lazarett verlegt werden kann." Jetzt ist er ja in Oberschreiberhau (heute Polen) u. schrieb den letzten Brief halb in Englisch, worin er gern jetzt weiterarbeiten und wiederholen möchte. - Der Herr tut immer noch Wunder u. erhört Gebete. Ihm sei Lob und Dank u. Ehre. Klein Siegfried ist recht weitergekommen, aber der Schorf verschwindet nicht so bald. Ruth hat etwas Heimweh, aber sie scheint sich sonst ganz gut in Bielefeld einzuleben. Karl Wilhelm ist noch nicht zum Einsatz gekommen. Seine Nummer ist die alte 05101. Theodors Adresse schrieben wir auch schon: Gefr. Th. Sp. Teillazarett 8. Zimmer 10 am Falsberg Oberschreiberhau (8). Onkel Heinrich (Bruder H.S./S.T.S., Bauer in Quarnstedt) möchte gern nach Haus. Sie erwarten ihn hier baldigst. Ihr habt wohl viel deutsches Militär dort gehabt am Anfanfg der Woche. Jetzt ist wohl alles wieder ruhig. Vielleicht fahre ich den übernächsten Sonntag (30.9.) noch nach Flensburg zu Schwester Hermine Knuth Deiner Patentante. Sie wohnt im Schwestern Feierabendhaus(?)/(Elim?). Wir werden hier wieder so richtige Reiseleute. Ich möchte ja auch den Theodor mal besuchen, hat aber noch keine Gestalt, nur der Wunsch.  -  In herzl. Liebe grüsst Dich Deine Mutter. (l.s.) (e.a.)


    Quarnstedt, den 15.1.45 - Meine liebe Liesa!
    Vaters Brief
    (*1) will ich noch einen kurzen Gruss beifügen. In Ostpreussen scheint ja wieder tüchtig gekämpft zu werden. Möchte es gelingen die Russen zurückzudrängen. Und Reimer kämpft wohl im Nordwesten, Karl Wilhelm im Südwesten. Theodor schrieb noch nicht nach seiner Abreise. Da sind die sorgenden Gedanken überall und ebenso ist der Heiland überall und sorgt für unser Sorgen. - Eben hat Ruth sich Wäsche eingeweicht, die sie morgen waschen will. Das Wirtschaften macht ihr Spass und Vater freute sich, dass er jeden Tag einen Nachtisch bekam. Fein, dass es Ruth in diesem Jahre gut geht, hoffentlich bleibt es auch so und hoffentlich dürfen wir sie erstmal hierbehalten, denn vorläufig kann ich noch nicht wieder. Frau Dr. Rosendahl meinte, meine Erkältung wäre nur Stauungen vom Herzen her. Das Herz ist immer der Übeltäter für alles. Deine Strümpfe konnte ich jetzt gut gebrauchen zum Stopfen. Oder macht Frau Bock das noch in Kannenberg ? Wohl kaum. Über Deinen Kalender freuen wir uns jeden Tag, die Idee war zu schön. Heute ist Onkel Gustavs (Tiemann) Geburtstag. Dass er und Tante Clara in Wiehl Bez. Köln wohnen nachdem ihr Haus auch Bombenschäden bekam,weisst Du gewiss. Helmi hat jetzt wohl eine Hilfe von dr NSV und erwartet in diesen Tagen ihr 2. Baby. Ich hätte jetzt doch nicht hinkönnen. Ob Dorchen noch in Wien ist? Am 4.1. schrieben sie und Johannes zusammen, da hatte sie sich gerade untersuchen lassen auf Johannes Wunsch. Wann sie wohl nach hier kommt? Es ist doch hier längst nicht so kalt wie in Ostpreussen. In der Mittagsstunde ist es ganz herrlich. Ich liege noch immer bis Mittag im Bett, stopfe allerdings etwas im Bett. Käthe sorgt sich sehr um ihren Reimer, schrieb vorige Woche, dass sie 2 Wochen keine Nachricht gehabt hätte. Wir warten auch auf Nachricht aus Nordwest, Südwest, Nordost und Breslau und auch Südost. Wie wird das mal schön werden, wenn wir uns nicht alle droben wiedersehen. Gustav (Helmi) ist jetzt in Hildesheim und soll Flugzeuge (Jagd) an die Einsatzstationen bringen, das kann er dann ja wohl noch.   -   Viele innige Grüsse Deine Mutter.  -  Grüss bitte auch Feuersenger, Frl. Bock, Frl. ? und wen Du noch triffst.

    (*1) Brief an die Bahn mit Kopie an MLA um Hilfe und Überlassung eines Güterwaggons für Heimtransport Möbel etc. aus Lyck (wo zu dieser Zeit gerade die Russen einfielen)

    (e.a.)


    *

      (Chronik)

    Magirus Deutz der Linie Wrist-Quarnstedt (Storjohann?!) von 1955 mit Vollgas auf Sonderfahrt nach Indien (1908)

    1955. Brief zu ihrem Geburtstag

    Vor 72 Jahren in Dornberg im Westfalenland
    im alten Fachwerkhause
    'ne kleine Wiege stand.

       Darinnen lag ein Kindlein
    ganz zart und wonniglich
    4 Mätchen und 1 Junge besan das Wunder sich.

       Mit lustig hellen Äuglein
    bestaunt es bald die welt
    und als es laufen lernt
    durchforscht es garten und Feld.

       Doch blib es nicht in Dornberk
    es zog von Land zu land
    bis es im fernen Indien
    den treuen Gatten fand.

     

        So reisten sie gemeinsam
    durchs Leben Jahr für Jahr
    und ihnen beiden folgte
    eine stattliche Kinderschar.

     

       Nun seid ihr alt geworden
    und reist noch immer umher.
    Ein schönes Feierabendheim
    das wünschen wir Euch sehr.

     

       Euer treuer Begleiter
    im Leben jahrein, jahraus
    begleite freundlich euch weiter
    bis heim ins Vaterhaus.

    (e.a./m.e.a. und Eltern wahrscheinlich ..)


    27.4.1962 stirbt Luise S. unerwartet nach kürzester Krankheit im Kellinghusener Krankenhaus -  Foto ca. 1963 -  gemeinsane Grabstelle Kellinghusen Friedhof St. Cyriacus, mit später auch Ernst Arlt (1968) und Marie Luise Arlt (1988).


       Broschen aus ihrem Nachlass


    Erinnerungen der Enkel

    Hinrich Speck

    Briefe an ihren Mann während der Gefangenschaft in Indien


    (e.a.)


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