Luise Auguste Catharina Speck, geb. Tiemann
Indien-Missionarin der Breklumer Mission
Eltern:
Gustav Heinrich Tiemann *28.3.1845 Gross-Dornberg, Gaststättenbesitzer
und Posthalter. Verh. 26.4.1872 mit Catherine Wilhelmine Louise * 16.11.1847
Strakeljahn, Barnhausen.
Geschwister:
Amalie. oo Karl Austmann (übernahm die
Gaststätte/Post)
Anna. oo Geese. Bielefeld.
Maria. Lehrerin Essen.
Johanna (starb mit 15 J.
Eigene Kinder
| Notizen aus Familienstammbuch Ernst Hinrich
Arlt, aufgezeichnet nach Gespräch mit Mutter M.L.A.
Anfang der 1980er über meine Grossmutter, dort (#11). Tiemann, Auguste Catharina Louise, verh. Speck (Eltern (#22) Gustav Heinrich Tiemann und (#23) Catherine Wilhelmine Louise Tiemann, geb. Strakeljahn). Missionarin. Geboren am 4.6.1883 in Gross-Dornberg bei Bielefeld. Lebensorte Dornberg, Wattenscheid, Jeypur, Kodaikanal; nach Heirat am 26.4.1912 in Brit. Indien wie (#10) Johann Hinrich Speck. Gestorben am 27.4.1962 in Kellinghusen, begraben in Kellinghusen Friedhof St. Cyriacus. Kind von (#11) ist u.a. Mutter Marie Luise Arlt, geb. Speck. Die anderen 7 Kinder ... (in Arbeit - zusätzliche Erklärungen in grau von Erik (indisches) und Heiner (familiäres) "Luise Tiemann war in ihrer Jugend Gesellschafterin und Erzieherin des Sohnes von Oberbergrat und Bergwerksdirektor Trainer und Frau Paula Trainer, "Tante Paula" in Wattenscheid (eine spätere Patentante von Marie Luise Arlt). Haben sich später getroffen; waren auch danach befreundet (Patentante auf Entfernung, da Mutter M.L.A. in Indien geboren). L.T. war mit Trainers öfter im Harz und in der Schweiz und auch auf Amrum, wo sie 1910 Pastor Bracker aus Breklum kennenlernte. Bracker sagte zu ihr: "Kommen Sie doch nach Indien!!" L.T. fühlte sich "gerufen" und sagte "Ja!". Sie hatte auf der Oberschule in Bielefeld Englisch gelernt und wurde dann als Vorbereitung auf Indien für 4 Monate zur "Londoner Missionsgesellschaft" England geschickt, "damit sie wusste was auf sie zukam". Dann kam sie 1911 nach Indien und wurde zur südlichen Telugu-Mission (nach Salur) gesandt um Telugu zu lernen. Die Breklumer Mission, Jeypur und damals noch Salur ("wir" hatten 2 Missionsgebiete; und es wurde in zwei indischen Sprachen missioniert : im südlichen Teleguland von Salur Telegu, und im nördlicheren Jeypurbergland auf Oriya.), hatte jedes Jahr eine Missionskonferenz, eine Versammlung aller damaligen 40 Missionare in Jeypur, "oben im Odia-Gebiet". Danach sollten Vater (H.S.) und Mutter (L.S), die sich dort flüchtig kennengelernt hatten, jeder in sein Missionsgebiet zurück; Mutter (L.S.) mit Missionar Piening über "holpriges Pflaster" auf Ochsen-Bandies (Wagen) zurück nach Salur (weggenommenes) im Telugu-Gebiet , wo sie Sprachstudien betrieb und auch schon Tante Hedwig (Sibbers; eine andere ihrer Patentanten in Indien) war. Sie wurde jedoch von Pienings, die mit ihr zusammen auf dem Schiff nach Indien gefahren waren, nach Jeypur eingeladen, wo Vater (in seinem Bungalow neben "seiner" Kirche) auch wohnte. Mutter nahm die Einladung an und fuhr zu Pienings in Jeypur. Mitten in der Nacht kamen sie an, man konnte nicht viel erkennen. In Jeypur gab es ein kleines und ein grosses Missionshaus. In dem kleinen wohnte Vater (H.S.). Die Häuser hatten in der Mitte Wohnräume und rundherum eine Veranda. Man schlief oft auf der Veranda der Hitze wegen. Mutter (L.S.) wollte Pienings nicht im Schlaf stören und legte sich ohne "Guten Tag" zu sagen auf die Veranda im kleinen Haus und schlief ein. Vater (H.S.) hatte diese Nacht einen Traum gehabt: Ein Engel sollte erscheinen und mit ihm durchs Leben gehen. Als er aufwacht und auf die Veranda geht "liegt da eine Frau in einer Wolldecke". "Das ist doch das Fräulein Tiemann von der Konferenz!". Vater redete mit Pastor Bracker (der dort auf Inspektionsreise war) über den Traum. Der hätte gesagt: "Frage sie doch, ob sie dich heiraten möchte". (Anm.: was ich nicht glauben möchte; so etwas war sehr unerwünscht (siehe Buch Waack I, "Missionarsfrauen"), und Hinrich musste die Ausbildungskosten Luises voll zurückerstatten (seine eigenen hatte er aus eigener Tasche auf seinen Wunsch hin bezahlt) obwohl Luise ja zwar nicht den Hauptberuf einer Missionarin ausüben konnte, aber doch als Missionarsfrau "nicht ohne Arbeit" war. e.a.) So kamen sie zusammen. Mutter musste nun eine neue indische Sprache "Odia" lernen mit neuen Zeichen bei gelehrten Indern in Jeypur. Dann kamen die Babies. Mutti (M.L.S./A.) und Reimer und der Krieg (1.WK). (Schriftwechsel zwischen den Grosseltern H.S. und L.S. während der Zeit der darauffolgenden Internierung in englischen Gefangenenlagern hat Mutti (M.L.A. - heute e.a.) Dass Grossvater den Traum damals ernst nahm, ging rund, und wurde viel gelacht darüber. "Dem Hinrich Speck haben Ochsen und Engel seine Frau auf die Veranda gelegt". Bei Onkel Theo's Hochzeit mit Tante Ilse Ende der 1950er erzählte ein Pastor aus Ülzen von einer Bremer Mission diese Geschichte, ohne Namen oder Zusammenhang zu kennen. Da kam Mutti: (M.L.A.): "Das war mein Vater". (und der des Bräutigams Onkel Theo Speck !). (e.a.) |
(HS und LS im Herbst 1944 von den Kindern aus Ostpreussen nach Qu. abgeschoben; die russische Front a.d. ostpreussischen Grenze) Feldpost / Stempel Kellinghusen (Mittelholstein) 22.9.44 -18 / - Herrn Leutnant R. H. Speck - (Feldpostnummer:) 24258W - Abs. L. Speck (24) Quarnstedt ü. Kellinghusen. - Quarnstedt, den 21.9.1944. - Mein lieber Reimer! - Vorhin schrieb ich Dir eine kurze Karte, die Vater noch mitnehmen sollte nach Wrist, nun soll der Brief folgen. Vater u. ich waren von Sonnabend bis Mittwoch (gestern) fort u. fanden dann allerlei Post vor, 2 Telegramme von Dorchen u. Hannes, dass am 20.9. ihre Hochzeit in Parwen (?) sein sollte. Sie haben vielleicht doch noch damit gerechnet, dass wir kommen würden, die Telegramme waren am 17. u. 18. abgeschickt. Vater fuhr Sonnabend nach Remmels, unterrichtete die Kinder u. war Sonntag in Rendsburg, von Montag bis Mittwoch in Wittorf (Wittorfer Feld, Specktochter a.d. Bauernhof). Ich fuhr Sonnabend nach Breklum u. feierte dort am Samstag nach 19 Jahren mal Tante Marie's Geburtstag wieder mit. Anna war mit ihren 4 Kindern dort, von denen Matthias schon zur Schule geht. Tilli kam Sonntag morgen. Bernhards Frau, Ellen, hatte alle zum Morgenkaffee u. Mittagessen eingeladen. Sie hat ein kleines Töchterchen Marianne, 5½ Monate alt u. äußerst vergnügt u. munter. Zum Nachmnittagskaffee u. Abendbrot waren alle bei Tante Marie, auch Tante Timmke mit. Es war sehr nett in Breklum. Bernhards Hand ist immer noch steif nach der letzten Verwundung. Er muss deshalb die Schanzarbeiten bei Thorn (heute Polen) beaufsichtigen, weil er noch nicht an die Front kann. Dietrich Piening ist Soldat, darf aber nicht an die Front, damit er nicht evtl. in engl. Kriegsgefangenschaft gerät. Er ist ja in Indien geboren und deswegen engl. Staatsangehöriger, ebenso wie Du. Bei Dir hat man wohl die Entdeckung nicht gemacht. Montag Mittag (!) fuhr ich nach Hillgroven u. traf Dienstag dort Gustav, der noch etwas im Vaterlande hin u. hergeschickt wird, ehe er das richtige Plätzchen findet zu seiner 3 monatl. Ausbildung als Jagdflieger. Heute muss er weiter nach Stolp. Ich fuhr Mittwoch zurück u. traf Vater in Wrist, der von Wittorf zurückkam. Sonntag muss er nach Hamburg, aber nur nachmittags. Für Deinen l. Brief vielen Dank. Dass Du damals so gut dort angekommen bist, hörten wir von Kathi (Reimers Verlobte, kurz darauf Heirat), die in Neumünster an unseren Zug kam. Seitdem hörten wir nichts von ihr. Sie wollte in den nächsten Tagen nach Kellinghusen u. von dort aus nach Quarnstedt, kam aber nicht u. schrieb auch nicht. Liesa machte sich Sorgen um Ernst, der vermutlich eingeschlossen war (Belgien - Flucht der Wehrmacht nach D-Day über die holländischen Inseln) u. Ernst schreibt aus Solingen-Wald 15.9. : "Hier bin ich nun vorerst gelandet. Seit den letzten Augusttagen ohne Post, ohne Nachricht von Marlies. Was ist nur in Königsberg (heute Russland; Enklave Kaliningrad) gewesen? Es ist doch hart betroffen worden wie ich höre. Von meiner wilden Fahrt hierher wird Marlies Euch berichtet haben. Die paar Tage Ruhe brauche ich mit meinen Männern aus Gent (Belgien) jetzt dringend. Die wunderbarste Führung hat uns gerettet. - - - Mit allen guten Wünschen, auch den Jungs allen und den Töchtern u. den herzlichsten Grüssen." - Theodor muss noch immer still liegen. Liesa schreibt, dass sie bei Theodors Chefarzt mal angefragt hat, darauf bekam sie am 1.9.44 die Antwort: "In Beantwortung Ihres Schreibens vom 18.8. wird mitgeteilt, dass Ihr Bruder, Gefr. Th. Sp. am 6.8. mit einer Stecksplitterverletzung im Bereich des linken Schläfenbeines hier eingeliefert wurde. Es handelt sich um eine Knochen u. Hirnverletzung. Am 9.8. ist er operativ versorgt worden. Sein Allgemeinzustand ist bis zum heutigen Tage sehr gut, so dass er mit dem nächsten Laz.-Zug in ein rückwärtiges Lazarett verlegt werden kann." Jetzt ist er ja in Oberschreiberhau (heute Polen) u. schrieb den letzten Brief halb in Englisch, worin er gern jetzt weiterarbeiten und wiederholen möchte. - Der Herr tut immer noch Wunder u. erhört Gebete. Ihm sei Lob und Dank u. Ehre. Klein Siegfried ist recht weitergekommen, aber der Schorf verschwindet nicht so bald. Ruth hat etwas Heimweh, aber sie scheint sich sonst ganz gut in Bielefeld einzuleben. Karl Wilhelm ist noch nicht zum Einsatz gekommen. Seine Nummer ist die alte 05101. Theodors Adresse schrieben wir auch schon: Gefr. Th. Sp. Teillazarett 8. Zimmer 10 am Falsberg Oberschreiberhau (8). Onkel Heinrich (Bruder H.S./S.T.S., Bauer in Quarnstedt) möchte gern nach Haus. Sie erwarten ihn hier baldigst. Ihr habt wohl viel deutsches Militär dort gehabt am Anfanfg der Woche. Jetzt ist wohl alles wieder ruhig. Vielleicht fahre ich den übernächsten Sonntag (30.9.) noch nach Flensburg zu Schwester Hermine Knuth Deiner Patentante. Sie wohnt im Schwestern Feierabendhaus(?)/(Elim?). Wir werden hier wieder so richtige Reiseleute. Ich möchte ja auch den Theodor mal besuchen, hat aber noch keine Gestalt, nur der Wunsch. - In herzl. Liebe grüsst Dich Deine Mutter. (l.s.) (e.a.)
Quarnstedt, den 15.1.45 - Meine liebe
Liesa!
Vaters Brief
(*1) will ich noch einen kurzen Gruss beifügen.
In Ostpreussen scheint ja wieder tüchtig gekämpft zu werden. Möchte es
gelingen die Russen zurückzudrängen. Und
Reimer kämpft wohl im Nordwesten,
Karl Wilhelm im Südwesten. Theodor
schrieb noch nicht nach seiner Abreise. Da sind die sorgenden Gedanken
überall und ebenso ist der Heiland überall und sorgt für unser Sorgen. -
Eben hat Ruth sich Wäsche eingeweicht, die sie morgen waschen will. Das
Wirtschaften macht ihr Spass und Vater freute sich, dass er jeden Tag einen
Nachtisch bekam. Fein, dass es Ruth in diesem Jahre gut geht, hoffentlich
bleibt es auch so und hoffentlich dürfen wir sie erstmal hierbehalten, denn
vorläufig kann ich noch nicht wieder. Frau Dr. Rosendahl meinte, meine
Erkältung wäre nur Stauungen vom Herzen her. Das Herz ist immer der
Übeltäter für alles. Deine Strümpfe konnte ich jetzt gut gebrauchen zum
Stopfen. Oder macht Frau Bock das noch in Kannenberg ? Wohl kaum. Über
Deinen Kalender freuen wir uns jeden Tag, die Idee war zu schön. Heute ist
Onkel Gustavs (Tiemann)
Geburtstag. Dass er und Tante Clara in Wiehl Bez. Köln
wohnen nachdem ihr Haus auch Bombenschäden bekam,weisst Du gewiss. Helmi
hat jetzt wohl eine Hilfe von dr NSV und erwartet in diesen Tagen ihr 2.
Baby. Ich hätte jetzt doch nicht hinkönnen. Ob Dorchen noch in Wien
ist? Am 4.1. schrieben sie und Johannes zusammen, da hatte sie sich
gerade untersuchen lassen auf Johannes Wunsch. Wann sie wohl nach hier
kommt? Es ist doch hier längst nicht so kalt wie in Ostpreussen. In der
Mittagsstunde ist es ganz herrlich. Ich liege noch immer bis Mittag im Bett,
stopfe allerdings etwas im Bett. Käthe sorgt sich sehr um ihren
Reimer, schrieb vorige Woche, dass sie 2 Wochen keine Nachricht gehabt
hätte. Wir warten auch auf Nachricht aus Nordwest, Südwest, Nordost und
Breslau und auch Südost. Wie wird das mal schön werden, wenn wir uns nicht
alle droben wiedersehen. Gustav (Helmi)
ist jetzt in Hildesheim und soll Flugzeuge (Jagd) an die Einsatzstationen
bringen, das kann er dann ja wohl noch. - Viele
innige Grüsse Deine Mutter.
- Grüss bitte auch Feuersenger, Frl. Bock, Frl. ? und wen Du noch
triffst.
(*1) Brief an die Bahn mit Kopie an MLA um Hilfe und Überlassung eines Güterwaggons für Heimtransport Möbel etc. aus Lyck (wo zu dieser Zeit gerade die Russen einfielen)
(e.a.)
(Chronik)
Magirus Deutz der Linie Wrist-Quarnstedt (Storjohann?!) von 1955 mit Vollgas auf Sonderfahrt nach Indien (1908)
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1955. Brief zu ihrem Geburtstag
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27.4.1962 stirbt Luise S. unerwartet nach
kürzester Krankheit im Kellinghusener Krankenhaus - Foto ca. 1963 -
gemeinsane Grabstelle Kellinghusen Friedhof St. Cyriacus, mit später auch Ernst
Arlt (1968) und Marie Luise Arlt (1988).
Briefe an ihren Mann während der Gefangenschaft in Indien
(e.a.)