Hinrich und Luise Speck

in der Erinnerung ihrer Enkel

(Sven Hedin/ Lord Curzon)  Hinrich Speck hatte in der Pension Timm in Osterstedt (bei Hohenwestedt in Holstein) keinen Platz mehr für seine Bücher. Die meisten waren sowieso - ausser in Indien 1914 - in Lyck/Ostpreussen den Russen in die Hände gefallen (es gibt seine Aufstellung über verlorenes Gut im Rahmen des Lastenausgleiches). 2 Zimmer im Obergeschoss waren das letzte Domizil für Luise und ihn; kein Platz für grosse Bücherschränke. Oben im engen Flur stand ein kleines Harmonium mit Tretblasebalg im Wege (die Töne verschwanden wenn man nicht die ganze Zeit kräftig in die Pedalen (die eine war kaputt meine ich) trat. Vorbei am Harmonium und einem Bild von Memel vom dt. Ufer aus gesehen das auch schon in Quarnstedt hing, gings eine schmale gewundene Treppe hinunter ins kleine Ess- und Wohnzimmer, wo auch nicht viel Platz war. Es hing aber ein kurzes meterlanges Bücherregal für sämtliche Bewohner an der Wand, meist religiöse Literatur. Beim gemeinsamen Essen der alten Leute war es Hinrich, der mit gewohnter Predigerstimme das Tischgebet sprach. An ein Buch im Regal erinnere ich mich, und das ist dieses. Geschrieben von Sven Hedin 1950; die Ausgabe in deutscher Übersetzung von 1952 von Brockhaus. In den Einband schrieb er seinen Namen. Ein Kapitel handelt von Lord Curzon, einem guten Freund Hedins vor 1914, der zur Zeit Siems und Hinrichs Vizekönig von Indien war und über eine halbe Milliarde Menschen nicht nur im heutigen Indien, sondern auch den Nachbarländern regierte.Später war es dann ein "Deutscher", Battenberg - Mountbatten - wie Hedin Inhaber des indisch-engl. Ordens KCIE, der durch die zweimaligen Kriegsanstrengungen das Riesenkaiserreich 1947 veräussern musste. Hedin verlor, wie Siem und Hinrich die ihren, seine engl. Freunde, u.a. Curzon durch den 1. WK. Um 1911, zur selben Zeit wie Hinrichs und Brackers (und Kronprinzens..) Indienreisen, war auch der Asien-Forscher Hedin in Indien und versuchte von dort aus ins geschlossene Tibet zu gelangen. Da Hedin zur Zeit der Jahrhundertwende schon seine berühmtesten Entdeckungen (u.a. den "wandernden See") gemacht hatte, und viele Bücher über seine Reisen geschrieben hatte, war er selbstverständlich Siem und Hinrich bekannt. Ich erinnere mich noch gut an Grossvater Hinrichs Erzählungen von Heinrich Schliemann so dass ich als Kind glaubte es wäre ein Freund von ihm gewesen; es war sicher ein guter Teil Abenteuerlust und Forschungsintresse auch in unseren Grossvätern möchte ich meinen.  -  Im Internet habe ich keine Übersetzung des Buches gefunden, es gibt jedoch bei Gutenberg schon ein anderes Hedin-Buch übersetzt. Gebraucht sah ich es im Internet für unter 100 Euro, es scheint keine Neuauflage zu geben; daher der Auszug hier.  (e.a.)

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Sven Hedin  -  in schwedischer "wiki" ein sehr viel kürzerer Artikel über ihn. Hedin ist/war in seinem Heimatland aus politischen Gründen als "tyskvän" (Deutschenfreund) eine absolute "Icke-Person" (Nichtperson), von dem viele nie gehört hatten; was mich oft verwunderte, wenn das Gespräch unter Motorfreunden auf den "nordisch klingenden Namen" an deutschen Wohnmobilen kam...Das gleiche gilt übrigens für Elsa Brändström die noch weniger bekannt ist  - ich habe in "40 J. Schweden" nie den Namen gehört oder gelesen.  (e.a.)

Erinnerung 2010. mail M.E.A.A.  ".. zu den Wohnverhältnissen in Osterstedt. Ich war als 8-12-jährige so einige Male mit meinem kleinen braunen Köfferchen dort - habe es noch - und sehe die Wohnung der Großeltern so vor mir: Wenn man vom allgemeinen Flur die Tür zu ihrem Domizil öffnete, dann lag links hinter der Tür das winzige Schlafzimmer und rechts das Wohnzimmer der Großeltern. Es waren also bis zu Großvaters Tod 2 Räume. Im Schlafzimmer stand an der linken Wand Großmutter Luises Bett mit einem Nachtschränkchen und an der rechten Wand Großvater Hinrichs Bett. Dazwischen war eine Lücke ('Gang'). Rechts neben der Eingangstür zu diesem Schlafzimmerchen stand der Waschtisch (mit Schüssel und Krug). Im Wohnzimmer stand rechts neben dem Eingang ein Couchtischchen und ein kleines Sofachen. Jedenfalls hat Großmutter mit mir a u s d a u e r n d  an diesem Sofatischchen 'Patiencen gelegt'. Dieses war ihr Hobby gemeinsam mit Frau Kotiesen, ihrer lieben "noch älteren als sie"-Freundin vom gleichen Flur. Frau K. war bettlägerig, meist, sonst saß sie in ihrem winzigkleinen Zimmerchen am Tisch - und legte Patiencen. Ich war sehr oft mit und ohne Großmutter bei Frau K., und ich schrieb ihr und erhielt auch Briefe von ihr. Ich erinnere sie gut. .. Das  Wohnzimmer der Grosseltern war war klein. Es gibt ein Foto (Vater, Mutti, Großeltern, Tante R. - ich auf ihrem Schoß); das ist auf dem Sofa in besagtem Großelternwohnzimmer in Osterstedt aufgenommen. Tante R. hatte mir grad vorher einen 'Pony' (Stirnhaare) geschnitten :

"Wie Tante Ruth in Osterstedt Marlies' inneres Gleichgewicht wiederherstellte" (Ende 1950er)
Das Kind Marlies wünschte nichts sehnlicher als in der Stirn einen 'Pony'  Ponyhaare um die hohe kahle Stirn zu bedecken, die die strengen Zwangszöpfe hinterließen (an das absolute Tabu  'Zöpfe' selbst heranzugehen, das wagte sie noch nicht ..). Um die ewigen Quengeleien zu beenden und den Ponywunsch zu beseitigen, sagte Mutti:" Warte nur, bis Tante R. kommt!" (Das meinte: die wird dir das schon auf liebe Weise ausreden!).
Und Tante Ruth kam. Nach Osterstedt. Mit dem Thema konfrontiert, zögerte sie keine Sekunde, nahm die Schere und schritt zur Tat. Ihre liebevolle Einfühlung wies ihr ohne Zweifel den Weg. Mutti war geschockt, so erinnert Tante Ruth das. Aber Mutti hatte keine Argumente und Tante Ruth eine sehr liebevoll-diplomatische Art, auch ihrer großen Schwester (*1913/*1926) gegenüber.  "Warte nur, bis Tante Ruth kommt!" hatte sie gesagt. Und Marlies hatte vertrauensvoll gewartet - die diese Geschichte immer noch genauso lebendig erinnert wie ich selbst."

   "An die langen Spargelbeete im Osterstedt-Garten erinnere ich mich auch noch; und an die dichten, hohen Hecken dort; und dass Großvater dort immer buddelte. .. Diese Jungsinteressen waren aber nicht so meine eigenen. Sehr gut erinnere ich mich aber an die Straße - den langen, langen Weg - von Timm's zum Bahnhof Osterstedt. Von dort holten mich die Großeltern immer zu Fuß ab. Ich meine, es waren ca 30 Min. Fußweg. Von Kellinghusen aus musste ich immer mit dem Bus nach Hohenwestedt, dort 'ewig' warten auf dem kleinen Bahnhof, dann mit dem Zug weiter. Ich erinnere mich sehr gut, dass ich einige Male ein altes Märchenbuch aus Ostpreußen mithatte und las, beim Warten, irgendwas von 'Spinnstuben'. Ich habe es noch. Es war von Vater, glaube ich. Diese Ostpreußen-Märchen waren gruseliger als die von Grimm...

(m.e.a.a.)

1961. Luise Speck, Osterstedt. Vor dem Altenheim "Pension Timm" (wahrscheinlich Anknüpfung Missionar Timm 1885 -1900 Kotapad/Indien. (e.s.), dessen Enkelin nach Luises Tod in Sarzbüttel oder Nindorf in unsere Fam. einheiratete " (r.s.). "Grossmutter" wollte sich absolut nicht fotografieren lassen; hier "erwischte" ich sie doch noch nach mehrtägigem Versteckspiel was aber mit einem Augenzwinkern beantwortet wurde. (e.a.)

Erinnerung 2010. mail E.A..

(in Arbeit)


Hinrich Speck

Luise Speck

 


(e.a.)


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