Tradition Very British, dieses Hamburg Vom Anglo-German-Club über die Theater bis zum Krocket: Warum sich die Briten in der Hansestadt so wohl fühlen. Von N. Bombeck Die Hamburgerin hatte schon immer ein Faible für Cashmere, der Hamburger liebt seine englische Wachsjacke und englischen Tweed beim Elb- und Alsterspaziergang. Nirgendwo sonst in Deutschland trifft man auf den Straßen auf so viele Jaguars und Minis wie in Hamburg, und der Briten liebstes Getränk, Tee, gehört zu den erfolgreichsten Einfuhrprodukten im Hamburger Hafen. "Very british" - die britische Gemeinde (rund 5200 Briten leben in Hamburg, jährlich besuchen 150 000 britische Touristen die Hansestadt) mit ihrer sportlichen und gesellschaftlichen Tradition und ihrem zurückhaltenden Lebensstil hat Hamburg fest im Griff. Dafür sorgen nicht nur die 50 britischen Organisationen, die im kulturellen und vor allem sportlichen Bereich (drei Cricket-Clubs, drei Rugby-Clubs, ein Krocket-Club, diverse Golf-Clubs, ein Polo-Club) die typisch britischen Vorlieben pflegen. Es sind vor allem Persönlichkeiten wie Großbritanniens Generalkonsul Douglas McAdam (57), der seit November 1999 für einen regen Austausch und für Kommunikation zwischen Briten und Hamburgern sorgt. "Die Nähe zur See, der unabhängige Geist der Hamburger und ihr ähnlicher Sinn für Humor - da fühlen wir Briten uns hier fast wie zu Hause. Außerdem sind wir wie die Hamburger begeisterte Ballspieler", schwärmt der Schotte. Einmal im Jahr, Anfang Juni, laden er und seine Frau Susan Hamburgs Gesellschaft in ihre Residenz am Harvestehuder Weg ein und feiern den Geburtstag der Queen. Ein Ereignis höchsten Ranges, auf dem sich Hamburgs Größen aus Politik, Wirtschaft und Kultur ein Stelldichein geben. Auch einer der anglophilsten Hamburger, Claus G. Budelmann, fehlt dann nicht. Als Präsident des feinen Businessmen's "Anglo-German-Club" von 1948 mit 1100 handverlesenen Mitgliedern vertritt er Hamburgs Interessen in Großbritannien. Sowohl in der Wirtschaft, aber auch auf dem gesellschaftlichen Parkett. Der Mitinhaber der Berenberg Bank schwärmt noch heute von seiner Ausbildung in London, der Weltoffenheit und Toleranz der Briten. "So wie auch die Atmosphäre in unserem Club ist. Eben mit britisch ruhigem Understatement", meint Klaus G. Budelmann. Etwas geräuschvoller, aber nicht minder sympathisch brachte vor elf Jahren Peter Rogers das Britentum in Hamburg humorvoll an die Öffentlichkeit. Der Partner von Pricewaterhouse Coopers ist Initiator des British Days. Er sorgte zusammen mit seiner Landsmännin Sue Austin dafür, dass aus dem ursprünglichen Familienpicknick im Hamburger Polo-Club ein gesellschaftliches Ereignis mit Kultstatus geworden ist. Der Jahresumsatz liegt inzwischen bei rund einer Viertel Millionen Euro. Neben den typischen englischen Produkten wie Fish and Chips, Scones, Gin Tonic, Whisky und natürlich Barbour-Jacken wird ein Kaleidoskop britischer Lebensart geboten. Dazu gehören der Gummistiefel-Weitwurf genauso wie das Open-air-Proms-Concert am Sonnabend. Englische Lebensart in Hamburg verkörpert auch der British Club von 1948. Die 150 Mitglieder pflegen auf ihren monatlichen Treffen die englische Sprache, besuchen gemeinsam Konzerte, Ausstellungen, halten Vorträge und laden zu sportlichen Aktivitäten für Briten in Hamburg ein. "Wir lieben die Hamburger wegen ihrer Höflichkeit, guter Manieren und ihres kosmopolitschen Lebensstils", sagt Club-Vorsitzender Alison Fry. Für einen regelmäßigen Gedankenaustausch zwischen Englischsprachigen und Hamburgern sorgt auch Howard Kroch, Leiter der 1983 gegründeten English-Speaking-Union (ESU) mit rund 130 Mitgliedern. 150 Kunstliebhaber, Antiquitäten-Fans treffen sich im 1987 gegründeten "Bridfas" (The British Decorative and Fine Arts Society). Und last but not least zählen das English Theatre und das britische Amateur-Theater Hamburg Players mit Aufführungen an der Mundsburg und Marschnerstraße zu den kulturellen Treffpunkten der englischen Gemeinde - und vieler Hamburger.