Man nannte ihn den
Trompeter von Eckernförde
Jürgen Hansen ruht in Kellinghusen.
Von Herbert Lüdemann
In diesem Jahr (1849) wiederholt sich der 140. Jahrestag des „Gefechts von Eckernförde“. Auch in Kellinghusen wird an dieses Gefecht erinnert, doch nur wenige kennen diesen Hinweis. Auf dem Südfriedhof steht ein Grabstein mit folgender Inschrift:
Er stritt 1848 für die Befreiung Schleswig-Holsteins. In der Schanze bei Eckernförde am 5. April 1849 schwer verwundet, blies er „Schleswig-Holstein meerumschlungen“.
Jürgen Hansen wurde am 26. Dezember 1825 als Sohn des Insten Hans Hansen und seiner Ehefrau Margaretha Borchers im Lehmberg geboren. Der Lehmberg war früher ein selbständiger Ort und wurde 1813 in Kellinghusen eingemeindet. Als Dienstknecht meldete sich Jürgen Hansen 1848 zur schleswig-holsteinischen Armee und nahm an dem Befreiungskrieg gegen die Dänen teil. Als am 5. April (Gründonnerstag) 1849 die dänische Flotte versuchte, in Eckernförde zu landen, gehörte er als Unteroffizier und Trompeter zur Besatzung der Nordschanze, die mit sechs Standgeschützen besetzt war. Als das Artilleriegefecht morgens gegen sieben Uhr begann, fielen auch bald die ersten dänischen Geschosse auf die Nordschanze, zumal das größte und beste Kriegsschiff der dänischen Flotte, der Segler Christian VIII., mit 84 Kanonen bestückt, durch heftige Ostwinde zu nahe an die Nordschanze trieb. Als einer der ersten der Besatzung dieser Schanze wurde Jürgen Hansen am Gesäß und einer Wade schwer verwundet. Durch weiteren Beschuß gab es weitere Verwundete, und es entstand in der Batterie eine Verwirrung.
Als dies Jürgen Hansen sah, griff er trotz seiner schweren Verwundung zur Trompete und blies das, 1844 zur Befreiung von den Dänen, komponierte Schleswig-Holstein Lied „Schleswig-Holstein meerumschlungen“. Dieses Signal gab der Besatzung der Nordschanze wieder Mut, und das Flaggschiff Christian VIII. wurde am späten Nachmittag in Brand geschossen. Der Kommandant mußte schließlich die weiße Fahne hissen. Sehr schnell hatte das Feuer die Pulverkammer erreicht, und mit einem gewaltigen Knall flog das schöne stolze Schiff in die Luft. Ein ungeheurer Jubel ging durch ganz Schleswig-Holstein, denn man glaubte, der Tag der Befreiung sei gekommen; doch es dauerte noch weitere 15 Jahre und manche Schlacht wurde bis dahin verloren oder gewonnen.
Jürgen Hansen konnte, gleich nachdem er das Signal geblasen hatte, von dem Kellinghusener Landmann David Peperkorn aus dem Bereich des feindlichen Feuers gerettet werden. Als „Trompeter von Eckernförde“ wurde Jürgen Hansen später in der Geschichte der schleswig-holsteinischen Erhebung erwähnt. Ob er eine Auszeichnung erhalten hat, ist nicht bekannt. Aber alle, die an diesem Krieg teilnahmen, waren später Mitglied der Kampfgenossenschaft von 1848 - 1851 und waren bis zum Lebensende von den Steuern befreit. 1889 gab es in Kellinghusen und Umgebung noch etwa 120 Mitglieder.
Jürgen Hansens Wunden sind nie ganz verheilt: trotzdem arbeitete er sich als „Tiefbauunternehmer ?“ hoch. Er war nicht nur an der Stör beim Ausbaggern beschäftigt (einen Bagger gab es nicht, der Sand wurde aus der Stör „gekätschert“), auch manche Chausseestraße wurde von ihm ausgebaut. Die Grabstätte des „Trompeters von Eckernförde“ auf dem hiesigen Friedhof wurde von den Enkeln und Urenkeln der Familie Hansen bis heute gepflegt. Auch durch eine Vereinbarung zwischen der Stadtgemeinde Kellinghusen und der Kirchenverwaltung im Jahre 1978 wird die Grabstätte von der Friedhofsverwaltung in Ordnung gehalten.
http://people.freenet.de/alt-kellinghusen/inhber.html
(e.a.)